26.05.2012 11:38 | Meine Presse Merkliste 0

Koalition beschließt umstrittenes Vorratsdaten-Gesetz

28.04.2011 | 17:41 |   (DiePresse.com)

"Rückkehr zum Metternich-Staat"? Künftig werden die Handy-, E-Mail- und Internet-Daten von allen gespeichert. Egal ob verdächtig oder nicht. Die Opposition schäumt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der Nationalrat hat am Donnerstag die umstrittene Vorratsdatenspeicherung beschlossen, eine entsprechende EU-Richtlinie wird damit mit mehrjähriger Verspätung umgesetzt. Zustimmung gab es nur von den Koalitionsfraktionen SPÖ und ÖVP, wobei der Vorsitzende des Datenschutzrats Johann Maier (SPÖ) bei der namentlichen Abstimmung nicht im Saal war.

Das zuletzt noch ein wenig abgeschwächte Gesetz verpflichtet die Betreiber die Kommunikationsdaten von Telefon, Handy, E-Mail und Internet künftig sechs Monate zu speichern. Egal ob die Nutzer verdächtig sind oder nicht. Inhalte sind  nicht betroffen. Basis ist eine EU-Richtlinie, die 2006 zwecks Terror-Bekämpfung verabschiedet wurde. In Österreich wird die Regelung im April 2012 in Kraft treten.

Schon zu Sitzungsbeginn - und damit noch live im ORF - kam das Thema erstmals aufs Tapet. Das BZÖ verlangte die Absetzung der beiden Gesetzesänderungen (Telekommunikationsgesetz und Strafprozessordnung) von der Tagesordnung, weil selbst die EU bereits diesen "vehementen Anschlag auf die Grund- und Freiheitsrechte" für obsolet erklärt habe, so Peter Westenthaler.

Vorratsdaten: Was bald alles gespeichert wird

Alle 8 Bilder der Galerie »

In den regulären Debatte wurde ganz ähnlich argumentiert. Peter Fichtenbauer (FPÖ) verlangte die Zurückverweisung an den Justizausschuss. Für die Koalition biete sich damit die Chance, doch noch im Einklang mit den Grund- und Freiheitsrechten zu handeln. Wer für die Vorratsdatenspeicherung sei, müsste auch für ein Gesetz sein, wonach die Post jeden Brief dokumentieren sollte, so der Grüne Albert Steinhauser. Es handle sich um Präventivüberwachung, "das halte ich für untragbar". Nach Ansicht der Grünen bedeute das neue Gesetz eine Rückkehr zum "Metternich-Staat".

SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim gestand ein, dass es sich um eine "Gratwanderung an der Grenze der Grundrechte" handle. Dennoch könne man nicht länger zuwarten. Heribert Donnerbauer (ÖVP) meinte, die Regelung sei sowohl mit der österreichischen Rechtsordnung, als auch mit den Grund- und Freiheitsrechten in Einklang.

Zu Wort meldeten sich auch alle drei ressortzuständigen Ministerinnen. Infrastruktur-Ressortchefin Doris Bures (SPÖ) zeigte Verständnis für die Emotionen, verwies aber auf das bereits anhängige Mahnverfahren gegen Österreich. "Ich glaube, wir können nicht verantworten, dass wir möglicherweise Millionen Eurobeträge von den Steuerzahlern nach Brüssel überweisen müssen", sagte sie.

Mikl-Leitner: "Datenschutz nicht Täterschutz"

Auch Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) gab sich zurückhaltend. Man habe den Spielraum der Richtlinie ausgelotet und letztlich eine gute Lösung gefunden, meinte sie. Selbstbewusster war da schon Innenministerin Johann Mikl-Leitner (ÖVP). "Datenschutz darf eben nicht zum Täterschutz werden", verteidigte sie die Verschärfungen.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

8 Kommentare
Dr.Schwejk
29.04.2011 21:34
0 0

Aufschrei

Wo bleibt der Aufschrei der Kriminalisten???
Salzburg umgeht das so wichtige Gesetz der Vorratsdatenspeicherung und installiert noch vor 2012 öffentliche Internetzugänge.
Von wem wird Salzburg eigentlich regiert??
Warum lässt die Kriminalpolizei das zu??
Ist Salzburg bereit exterritoriales Staatsgebiet?????
Skandal!!!!!!!!!!!

Benu
29.04.2011 16:54
0 0

Vorratsdatenspeicherung macht frei - oder auch nicht ..


http://s7.directupload.net/images/110429/k62gtdtu.jpg

0 0

Das Justiz debakel geht weiter.....

Der gestrige Beschluß im Nationalrat des neuen Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung verstoßt gegen " Art. 8 EMRK "

" Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz "

Husch Pfusch Gesetz von Beatrix Karl und SPÖ Doris Bures !


Gast: Analytiker.l
29.04.2011 10:21
1 0

WIKILEAKS for family law - Vorratsdaten-Gesetz - Nicht mit den Europäischen Grundrechten vereinbar lt. Gutachten , siehe link


Die Vorratsdatenspeicherung in nationales Recht umzusetzen, ist nicht mit der Europäischen Grundrechtecharta vereinbar.

--------------------------------------------------------

Zu diesem Ergebnis kommt ein " Gutachten" des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags:

http://www.vorratsdatenspeicherung.de/images/rechtsgutachten_grundrechtecharta.pdf
---------------------------------------------------------

WIKILEAKS for family law


osimon9
28.04.2011 20:56
0 1

Es hätte schlimmer kommen können

Nachdem uns nun der genaue Gesetzestext vorliegt, können wir mit großer Genugtuung feststellen, dass die meisten österreichischen Usenet- oder VPN-Angebote weiterhin NICHT unter die VDS fallen
.
Konkret werden im §102a Tekommunikationsgesetz die meisten österreichischen Usenet- oder VPN-Dienste sowohl hinsichtlich ihrer Art, wie auch ihres Umfangs explizit ausgenommen.

Aufatmen!!!

Wenn es Interesse gibt, kann ich das Gesetz auch noch im Detail erläutern.

Gast: mela87
28.04.2011 20:41
1 0

bitte wer kann mir helfen mich davor zu schützen?

wenn ich bei jedem telefonat und im internet wie ein schwerverbrecher observiert werde fühle ich mich meines lebens nicht mehr sicher und kann mich auch meines lebens nicht mehr erfreuen.

ich habe doch anspruch auf menschenrechte und in der verfassung garantierte grundrechte.

bitte wer darf denn offiziell bei der uno um hilfe zur wahrung unserer menschenrechte ersuchen?

Gast: Klaus
28.04.2011 20:08
1 0

Johann Maier (SPÖ)

Mit Eiern in der Hose stimmt man mit seinem Gewissen ab und schleicht sich nicht einfach aus seiner Verantwortung und verlässt den Saal. Das ist nicht das was sich gehört ... aber was red' ich ... sind ja alles nur VERRÄTER ... von uns gewählt ... *seufz*

Antworten osimon9
28.04.2011 21:19
1 0

Re: Johann Maier (SPÖ)

Leider sind unsere Parlamentarier immer erst ihrem Club und dann ihren Wählern verantwortlich :-(

Mein Parlament