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Spindelegger sucht den Schüssel-Weg

20.05.2011 | 18:30 |  Rainer Nowak (Die Presse)

Der neue Parteichef wurde nach einer sehr nüchternen Grundsatzrede mit 95,5 Prozent beim Parteikongress in Innsbruck gewählt. Er will sich gegen "dumpfen Anti-Wirtschaftspopulismus der SPÖ" zur Wehr setzen.

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Innsbruck. Es war eine heftig akklamierte Passage und einer der dramaturgischen Höhepunkte der Rede. Michael Spindelegger bekannte sich vor seiner Obmannkür in Innsbruck überraschend deutlich zur Politik Wolfgang Schüssels: „In diesem Jahrhundert warst du es, lieber Wolfgang Schüssel, der diesem Land seinen Stempel aufgedrückt hat. Du hast die Wende zustande gebracht. Plötzlich haben die Menschen gespürt: Ein ordentliches Budget ist wichtig und machbar, Politik muss die gestaltende Kraft sein, die Reformen vorantreibt. Der Staat schafft Rahmenbedingungen, aber soll nicht alle Lebensbereiche durchdringen.“ Damit wolle er, Spindelegger, nun weitermachen. Josef Pröll wäre so etwas vermutlich nicht so leicht über die Lippen gekommen.

Es hätte eigentlich der Programmkongress der Partei sein sollen, doch der überraschende Abgang Josef Prölls machte einen Personalkongress notwendig. Und so hielt Spindelegger eine einstündige, nüchterne, aber programmatische Rede – auch um sich und seiner Partei die Ecken und Kanten zu geben, die so viele in der ÖVP in den vergangenen Monaten vermisst hatten. Neben der Nennung Schüssels versuchte er dies, indem er deutlich betonte, dass die ÖVP eine Wirtschaftspartei sei.

 

Nervosität um Wirtschaftspartei

Der bisherige ÖAAB-Chef war vor seiner Nominierung mit Kapitalismuskritik aufgefallen, hatte sich vor allem die Rückkehr zu christlichsozialen Werten auf die Fahnen geschrieben. Zuletzt war in der Parteiführung die Nervosität gestiegen; Gerüchte um die Gründung einer Wirtschaftspartei nahmen zu, Pläne dafür werden konkreter. Spindelegger erwähnte sie: „Die von unseren Gegnern lancierten Gerüchte über die Gründung einer Wirtschaftspartei werden uns sicher nicht daran hindern, unbeirrt unseren Weg zu gehen!“ Dass die Gerüchte ernst genommen werden, hat vor ihm Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl klargemacht: „Wir brauchen keine neue Partei, wenn wir die ÖVP erneuern.“ Von einer Moskau-Reise aus hatte Leitl gewarnt, die Umbildung sei der „letzte Aufruf“ an die Regierung zu Reformen.

In Richtung Koalitionspartner SPÖ sagte Spindelegger daher: „SPÖ-Eigentumssteuern auch nur anzudenken, die Gruppenbesteuerung auch nur infrage zu stellen, das ist fahrlässig! Mit einem dumpfen Anti-Wirtschaftspopulismus der SPÖ kann man keinen Staat machen.“

 

Vergleich mit Kriminellen

Indirekt verglich Spindelegger die SPÖ sogar mit Kriminellen: So wie die ÖVP das Eigentum der Österreicher vor der SPÖ schütze, müsse Innenministerin Johanna Mikl-Leitner Österreich vor den Kriminellen schützen.

Klares Ziel der ÖVP sei es, ein neues, gerechteres Steuersystem zu schaffen: „Ich will ein neues Steuersystem: weniger, einfacher, leistungsgerechter“, so Spindelegger. Finanzministerin Maria Fekter soll dieses ausarbeiten. Die heutige Abgabenquote in Österreich sei einfach zu hoch, so der ÖVP-Chef. Und: Fast 50 Prozent der Steuerpflichtigen zahlten keine Einkommensteuer, bekämen aber zahlreiche Transferleistungen. Der Mittelstand zahle mehr Steuern, bekomme aber weniger Transfers. Der Mittelstand dürfe nicht länger die Melkkuh der Nation sein. Dennoch will er weiter für eine Finanztransaktionssteuer eintreten.

Mit einem anderen Schwerpunkt tut sich Spindelegger hörbar leichter: Dass für ihn die Familie die wichtigste Institution der Gesellschaft ist, weiß jeder, der ihn kennt. „Ich bin aber überzeugt: Es gibt heute wieder eine starke Sehnsucht nach Familie. Wir wollen nicht die Familie verstaatlichen, sondern für sie die optimalen Rahmenbedingungen bereitstellen. Daher fordere ich eine neue Steuersystematik, die Familien berücksichtigt. Eine Steuerreform muss eine klare Entlastung der Familien mit Kindern bringen.“ Das wird mit 99-prozentiger Sicherheit das wichtigste Thema im kommenden Wahlkampf.

Immerhin satte 95,5 Prozent bekam Spindelegger dann von den Delegierten bei der Wahl zum ÖVP-Obmann. Dies, obwohl er im Vorfeld vor allem die steirische Landesorganisation und den Bauernbund durch seine personellen Entscheidungen beim Umbau des Regierungsteams vergrämt hatte.

 

Programmdebatte in Konventen

Aufgeschoben wurde aufgrund der Personalrochade an der ÖVP-Spitze die Debatte über ein neues ÖVP-Parteiprogramm. Diese war ursprünglich an diesem Wochenende beim Parteikongress in Innsbruck vorgesehen. Das geltende Programm stammt aus dem Jahr 1995. Die inhaltliche Diskussion soll nun in den kommenden Monaten in voraussichtlich insgesamt vier Konventen der Bundespartei – und somit rechtzeitig vor der Nationalratswahl 2013 – zu Schwerpunktthemen nachgeholt werden. Im Kern wird es dabei um Familie, Bildung, Wirtschaft/Arbeit und Steuern/Leistung gehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21. Mai 2011)

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291 Kommentare
 
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Abschließend kann gesagt werden: die Linken fürchrten Schüssel nach wie vor, wie der Teufel das Weihwasser!

Was ja verständlich ist: Schüssel ist und bleibt der politische Maßstab in Österreich, an dem die ganze Erbärmlichkeit seiner Nachfolger deutlich abzulesen ist.

Noch in hundert Jahren wird man fragen, was da von 2001 bis 2007 los war. Denn diese sechs Jahre (Wirkungszeit BK Schüssel) waren die ersten und einzigen, in denen die Neuverschuldung gesunken ist!

http://diepresse.com/images/uploads/9/6/8/493928/SCHULD20090709192112.jpg

Da können die linken Geiferer ihre wildesten Purzelbäume schlagen, DIESE Zahlen sprechen für sich!

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Spindelegger sucht den Schüssel-Weg?

Hoffentlich nicht schon wieder durch die Kanalisation, wie beim letzten Mal!

Gast: möchte aufzeigen, wie der ÖVP-Wähler instrumentalisiert wird
21.05.2011 22:12
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Spindelegger wie Schüssel als Büttel des (ungewählten) Politiklieferanten Bertelsmann-Stiftung?


"Michael Spindelegger bekannte sich...überraschend deutlich zur Politik Wolfgang Schüssels..."

Der dazu nachfolgende programmatische Passus der Rede des vorzugsschülerhaft Vorgaben erfüllenden Spindeleggers läßt weder für die ÖVP noch für die Österreicher Gutes erahnen, wohl aber ev. ein vergoldetes Ausgedinge für ihn selbst, da Spindelegger ebenso wie Grasser ein Schüssel-Ziehsohn ist und ebenso wie sein politischer Mentor Schüssel mE ein demokratiepolitisch unziemliches Naheverhältnis zu der mittels Studien und subtiler Beratungstätigkeit die Politikvorgaben liefernden neoliberalen Bertelsmann-Stiftung und deren Liz Mohn (der Grande Dame eines der weltgrößten Medienkonzerne welcher entsprechend seinem wirtschaftspolitischen Kalkül Politiker hinauflizitiert oder jederzeit abschießen kann) pflegt. Einen hervorragenden Anlaß für inoffizielle Politikabsprachen mit Liz Mohn bieten die „Salzburger Festspiele“:

http://www.flickr.com/photos/bertelsmannstiftung/3836241695/in/photostream/

Wurde die von der Bertelsmann-Stiftung orchestrierte neoliberale Politik zugunsten der Milliardäre/zulasten der Bevölkerung brav implementiert, winkt als Honorierung ein Kuratoriumsposten für die post-VizeKanzler-Ära, worauf Spindelegger spitzen könnte. Seit 2007 ist nämlich Schüssel von unseren Medien bisher unentdeckt auch Kuratoriumsmitglied in der Bertelsmann-Stiftung:

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-B1CA093D-0A84F05D/bst/hs.xsl/9914.htm?suchrubrik=

Gast: Isabella (Dr. WU)
21.05.2011 21:23
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Programm??? ÖVP??? Konzepte von Vorgestern also.

"Aufgeschoben wurde aufgrund der Personalrochade an der ÖVP-Spitze die Debatte über ein neues ÖVP-Parteiprogramm. Diese war ursprünglich an diesem Wochenende beim Parteikongress in Innsbruck vorgesehen.
Das geltende Programm stammt aus dem Jahr 1995."

Diese Meldung finde ich erschütternd!

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Diese Meldung finde ich erschütternd!

Ich nicht.
Ich freu mich darüber.

So viel Ehrlichkeit ist einfach entwaffnend.

Das erklärte Wahlziel der ÖVP 2013 die Latte unter 10% zu durchschreite ist damit abgesichert - eventuell gelingt sogar der Ausstieg aus dem Parlament.

Neugebauer & Co. sei Dank.

Gast: Grüße aus dem Erwin-Pröll-Herzogtum
21.05.2011 21:17
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Geht es primitiver, Herr Spindelegger ?


Also ich fand die Rede sehr enttäuschend.
Eine Ansammlung von platten Sprüchen und Worthülsen, dazu billige Aggressivität gepaart mit lächerlicher Selbstbeweihräucherung.

Schade, die ÖVP w a r einmal eine staatstragende Partei.

Gast: Die ohne Navi nicht aufs Klo finden
21.05.2011 20:51
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Spindelegger sucht den Schüssel-Weg

Als Parteichef sollte ich den Weg wissen und nicht erst suchen müssen!

Spindelegger sucht wenigstens,

Gusenbauer hat damals ja gemeint, "der Weg entsteht beim Gehen"...

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Re: Spindelegger sucht den Schüssel-Weg

Ich finde die Ansage gut:

Schüssel hat das historisch niedrigste Ergebnis der ÖVP bei Wahlen nach dem WWII eingefahren.

Ich will die Fähigkeiten des neuen VK nicht unterschätzen aber denke und hoffe, das wird Spindellecker locker schaffen. Schüssel im Ergebnis bei den Wahlen noch zu unterbieten

Antworten Gast: Gegner der Erwin-Pröll-Politmafia
21.05.2011 21:19
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Re: Spindelegger sucht den Schüssel-Weg

Und dieser Weg führt steil bergab !!!

Gast: Wanderer.
21.05.2011 20:39
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Schüssel hat mit schwarz-blau Österreich in vielen Bereichen sehr geschadet.

Diese Schäden wurden unter Gusenbauer und jetzt unter Faymann so richtig sichtbar und wirken sich jetzt gravierend aus.

Wenn Spindelegger jetzt bei dem Oberschwindler Schüssel anknüpfen will, so entpuppt er sich als "Schwindelegger".

Antworten Gast: ELVIS.LEBT
21.05.2011 21:20
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Re: Schüssel hat mit schwarz-blau Österreich in vielen Bereichen sehr geschadet.



Find ich köstlich und treffend: "Schwindelegger"

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Re: Re: Schüssel hat mit schwarz-blau Österreich in vielen Bereichen sehr geschadet.

Noch besser wäre die Umwandlung in den Doppel-Kosenamen:
Schwindel-Lecker

Antworten Gast: Unternehmer (46)
21.05.2011 21:12
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Re: Schüssel hat mit schwarz-blau Österreich in vielen Bereichen sehr geschadet.

Wie wahr !!!

Schüssel´s Weg...


...das ist eine gefährliche Drohung!!!!

Antworten Gast: Gerfried S.
21.05.2011 20:43
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Re: Schüssel´s Weg...



G e n a u d a s f i n d e i c h a u c h !!!

Antworten Antworten Gast: Wanderer.
21.05.2011 21:18
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Re: Re: Schüssel´s Weg...

Schließe mich dem an.

Gast: Trallala
21.05.2011 19:55
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Der Spindi sucht den Schüsselweg - und Wolfi der Lügner hat alle Hände voll zu tun, seine Spuren zu verwischen !


Antworten Gast: enttäuschter Wähler.
21.05.2011 21:00
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Re: Der Spindi sucht den Schüsselweg - und Wolfi der Lügner hat alle Hände voll zu tun, seine Spuren zu verwischen !

Die ÖVP profiliert sich in der Koalition als Blockierertruppe.

Schüssel hat Österrreich mit den Blauen Gaunern und Angebern in den Graben gefahren (siehe Pensionen, Bildung, .
Sicherheit und Gerichte u.v.a.m.)

Wer sich da etwas auskennt, dem graut vor dieser Pfründen- und Abzockerpolitik.


Gast: KazpachoResefore
21.05.2011 19:39
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Spindelegger

Ist der Spindelegger gar ein Leistungsträger?

Antworten Gast: Warninger
21.05.2011 20:06
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Re: Wenn die Dollfüßler den Bräunlingen das Beiwagerl machen ist es zum Faschismus nicht mehr weit !


den mund nicht zu voll nehmen!!

schüssel war bk, schüssel botden linken parolie, schüssel schaffte reformen, unter schüssel hatte pröll nichts zu melden.

im moment ist in jedem punkt das gegenteil der fall! mit schüssel kann er sich am ende des tagesvergleichen

Antworten Gast: der kleine unterschied im schwarzen höschen
21.05.2011 20:46
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Re: den mund nicht zu voll nehmen!!

na ja, pröll ist breit und schüssel kurz.

Gast: Rosario
21.05.2011 19:25
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Spindelegger - nomen esT omen

Spindelegger, der neue Führer der ÖVP, Hoffungsträger der Witwen, Waisen und Enterbten - die Ergebnisse werden ausfallen wie es seinen Namen gebührt - Spindeldürr !

Die ÖVP wähle ich erst wieder wenn Pröll/Pühringer/Leitl/Neugebauer/Spindlegger vor der Wahl versprechen: keine Koaltion mehr mit der SPÖ.

Seit 30 Jahren gibt es eine ununterbrochene konservativ/rechte Mehrheit, aber seit 30 Jahren (außer Schüssel) sorgt die ÖVP dafür dass es einen SPÖ-Bundeskanzler gibt und zu 75 % rote Politik gemacht wird (immer mehr Steuern, immer mehr Schulden, immer mehr Vorschriften und Staat).

Und ich lasse mich und meine Stimme nicht mehr von den linken ÖVP-Funktionären der zweiten Reihe für ihre Posten und Privilegien verkaufen.

Bevor Pühringer, Neugebauer, Leitl, Pröll nicht explicit vor der Wahl sagen: Mit Rot/Grün machen wir keine Regierung mehr wähle ich diese Partei nicht mehr.

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Re: Die ÖVP wähle ich erst wieder wenn Pröll/Pühringer/Leitl/Neugebauer/Spindlegger vor der Wahl versprechen: keine Koaltion mehr mit der SPÖ.

Guter Ansatz, allein: würden Sie so einem Wahlversprechen wirklich Glauben schenken?

 
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