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E-Medikation: Aufträge unter Freunden

15.07.2011 | 18:10 |  THOMAS PRIOR (Die Presse)

Medikamentendatenbank: Führende Köpfe der Apotheker-Branche stehen im Verdacht, ihnen nahestehende Unternehmen bei Aufträgen bevorzugt zu haben. Beim Handelsgericht ist seit Freitag eine neue Klage anhängig.

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Wien. Die Medikamentendatenbank, die seit April in drei Bundesländern getestet wird und gemeinhin als E-Medikation firmiert, droht ein Fiasko zu werden. Am Freitag brachten zwei Unternehmen, die Software für Apotheken herstellen, Klage beim Handelsgericht Wien gegen die Pharmazeutische Gehaltskasse ein, eine enge Partnerin der Apothekerkammer. Der Vorwurf lautet: Verstoß gegen die Gleichbehandlungspflicht in einem Projekt, das in Europa eine Pionierrolle hätte übernehmen sollen.

Denn E-Medikation bedeutet, dass dem Patienten auf Wunsch ein Medikamentenkonto angelegt wird, in dem verschriebene und rezeptfreie Arzneien gespeichert werden. Ärzte und Apotheker können die Daten abrufen. So sollen Wechselwirkungen vermieden werden.

Doch schön langsam häufen sich die Probleme: Bereits im April wurde der Hauptverband der Sozialversicherungsträger vom Bundesvergabeamt zu einer Geldbuße von 24.000 Euro verurteilt, weil er ohne Ausschreibung drei Firmen beauftragt hatte, die Computerprogramme der Ärzte aufzurüsten.

Der Verwaltungsgerichtshof prüft gerade, ob nicht auch eine öffentliche Ausschreibung erforderlich gewesen wäre, als die Pharmazeutische Gehaltskasse im Auftrag des Hauptverbands Datenbanken und Software einkaufte, um die maßgeblichen Stellen im Projekt miteinander zu verbinden („Die Presse“ berichtete in der Donnerstag-Ausgabe).

 

Einkaufstour bei Privaten

An dieser Stelle setzt die nächste Klage an: Die Gehaltskasse wurde im August 2010 von der Projektleitung beauftragt, die Apotheken im Pilotbetrieb an die Medikamentendatenbank anzubinden. Doch dafür musste sie auf Einkaufstour bei Privaten gehen: Das Hauptprogramm entwickelte Siemens um 1,5Millionen Euro. Für die Anpassung der Apotheken-Rechner an dieses Programm mussten jene Firmen sorgen, die eigens Software für Apotheken produzieren. Und davon gibt es nur sechs in Österreich.

Das Problem dabei: Vier von sechs – den drei Marktführern Apothekerverlag, Herba Chemosan und Kwizda-Pharma sowie der Datapharm-Network – wurde die Arbeit mit 12.000 Euro abgegolten. Die beiden anderen Unternehmen, nämlich M-Computer und M4U Concept, gingen leer aus. Die Begründung der Gehaltskasse lautete: Die Förderung werde erst ab fünf Apotheken vergeben, die für das Pilotprojekt aufgerüstet wurden.

Damit sei „klar gegen die Gleichbehandlungspflicht verstoßen“ worden, erklärt der Rechtsanwalt der Kläger, Martin Oder. M-Computer etwa hat nur einen seiner 80 Kunden im Testlauf. Doch der Aufwand sei der gleiche gewesen, sagt Firmenchef Rudolf Mather. Zumal die Software nur einmal entwickelt werden müsse.

Der Direktor der Gehaltskasse, Wolfgang Nowatschek, versteht die Argumentation, verteidigt aber die Vorgangsweise: „Als Körperschaft öffentlichen Rechts sind wir unseren Mitgliedern verpflichtet und müssen wirtschaftlich agieren.“ Daher sehe er keine Veranlassung, „Betriebe zu fördern, die nur eine oder zwei von insgesamt 57 Apotheken im Pilotbetrieb haben“.

 

Personelle Querverbindungen

Das Pikante an diesem Rechtsstreit ist, dass es zwischen der Pharmazeutischen Gehaltskasse und drei der geförderten Unternehmen personelle Querverbindungen gibt. Die Obmänner der Gehaltskasse, Gottfried Bahr und Wolfgang Gerold, sind auch im Vorstand der Apothekerkammer. Bahr ist außerdem Eigentümervertreter im Apothekerverlag und Aufsichtsratschef der Apothekerbank, einer Genossenschaft, die zwei Drittel der Apotheken zu ihrer Kundschaft zählt.

Dort laufen die Fäden offenbar zusammen: Bahrs Stellvertreter im Aufsichtsrat der Bank ist Apothekerkammer-Präsident Heinrich Burggasser. Dem Gremium gehören auch Apothekerkammer-Vizepräsident Leopold Schmudermaier und der Geschäftsführer des Apothekerverlags, Martin Traxler, an.

Bei der Herba Chemosan sind die Rollen vertauscht: Gehaltskassen-Obmann Bahr ist dort nur einfaches Aufsichtsratsmitglied, den Vorsitz hat Burggasser inne. Herba-Vorstandsdirektor Andreas Windischbauer wiederum ist Aufsichtsrat bei der Apothekerbank.

Die Verbindung zu Datapharm Network ist der Tiroler Apothekerkammer-Chef Martin Hochstöger, der vier Apotheken im E-Medikationspiloten hat. Und alle Computer laufen mit Datapharm-Software.

Die Pharmazeutische Gehaltskasse mischt freilich auch im Projekt E-Medikation eifrig mit: Obmann Gerold und Direktor Nowatschek sind Mitglieder im Beratungsgremium, das beim Hauptverband eingerichtet ist. Und Kammer-Vize Schmudermaier sitzt sogar im Planungsausschuss, wo die Entscheidungen getroffen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2011)

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35 Kommentare
 
1 2
Gast: hoch stöger
25.07.2011 05:24
0 0

Präsident Dr Martin Hochstöger

..hier fehlte im Artikel noch etwas, ist natürlich auch Aufsichtsrat des Österr. Apothker Verlages-
aber er verwendet in seinen 4!!!!!!!!!Apotheken sicherlich nicht das Programm des österr. Apotheker Verlages, Warum wohl??Vieleicht weil es heisst: Wissen ist MACHT!

Antworten Gast: stauni
31.07.2011 21:30
0 0

Re: Präsident Dr Martin Hochstöger

Ich hab immer geglaubt, in Österreich gibt es ein Fremd- und Mehrbesitzverbot für Apotheken. Aber der oben Genannte Präsident Dr Hochstöger hat scheinbar 4 Apotheken, Burgasser find ich mit 2 Apotheken, Bahr mit 4 Apotheken im Internet. Die Apothekerbank hat scheibar gemeinsam mit Firma Herba 2 Apotheken und die Firma Herba finde ich mit sehr sehr vielen Apotheken. ja ja die Freunde...sagen sicherlich alles in Ordnung so.

Antworten aquilo
25.07.2011 21:13
0 0

Re: Präsident Dr Martin Hochstöger

Sie müssen es schon den Kammermitgliedern und Mitgliederinnen überlassen, von wem sie sich für blöd verkaufen lassen. Warum soll es in der Apothekerei anders zugehen als sonst in der Politik?

aquilo
18.07.2011 13:03
0 3

An die lieben Pharmahsser der PWer zahlt schaft an!

Wenn die "Apotheker" mit ihren Standesorganisationen ein Arzneimittelsicherheitssystem machen und das vin ihrem Geld bezahlen, dann dürfen sie so wie jeder andere Unternehmer beauftragen, wen sie wollen.
Das ist bittschön eine interne Angelegenheit.
Nun haben die Apotheker im Zuge der E-Medikation sich erlaubt festzustellen, dass so ein bzw. dieses System in Österreich bereits exisitert. Und es läuft auch schon in entsprechenden Bezirken. Die notwendigen Strukturen sind ja in den Apotheken bereits vorhanden.
Dieser Umstand war ab den nachfolgenden Anbietern aus der Ärztekammer etc. ein Dorn im Auge.
Jetzt werden Flöhe gesucht, um etwas neu zu erfinden, dass die Apotheker in Österreich seit 3 Jahren auf die Beine gestellt haben.
Und seit 3 Jahren wettern alle möglichen Verhinderer gegen diesen Service, der von den Versicherten freiwillig bzw. nur nach Einwilligung geboten wird. Und selbstverständlich auch die Ärzteschaft wettert dagegen.

Antworten Gast: ahnungslos
25.07.2011 05:26
0 0

Re: An die lieben Pharmahsser der PWer zahlt schaft an!

Die Apothekr dürfen natürlich mit Ihrem Geld machen was sie wollen.
Aber eine Körperschaft öffentlichen Rechts ist kein selbstbedienungs Laden.

Antworten Antworten aquilo
25.07.2011 15:16
0 0

Die Apothekerkammer und die Gehaltskasse kosten kein Steuergeld!

Wenn die Apotheker und Apothekerinnen (Arbeitgeber und Arbeitnehmer bilden die Apothekerkammer zusammen) mit dem Werken und Wirken ihrer Funktionäre nicht zufrieden sind, sie der Meinung sind, ihr Geld werde verschwendet, dann werden sier die Rechung bei den Ammerwahlen präsentieren.
Fakt ist, die Apothekerschaft hat die Strukturen für ein funktionierendes Infosystem geschaffen. Das exisitiert und kann JEDERZEIT eingeschaltet werden. Die anderen Interessenten bekunden Interesse, tun aber alles um das zu verhindern! Und an dieser Stelle sei noch festgehalten, dass die Apothekerschaft bzw. die Apothekenbetriebe nicht an die E-Card angeschlossen wurden, obwohl das im Interesse vieler Patientinnen und Patienten wäre.

Gast: ovp patientenanwalt
17.07.2011 14:11
0 3

E-Medikation: Aufträge unter Freunden

generika ist billiger ramsch fürs volk,
keiner unserer parteilichen leistungsträger
würde so etwas zu sich nehmen.

Antworten Gast: internatonal_
17.07.2011 16:30
2 1

Re: E-Medikation: Aufträge unter Freunden

ihr kommentar hat zwar mit dem artikel nicht viel zu tun und ist auch sachlich falsch, aber sonst ist alles ok.

Gast: uburoi
16.07.2011 17:26
1 0

wenn man jetzt noch ak und gkk bzw ak und pva entdeckt?

die sind doch keine betrüger!
schon gar nicht mit frommherzigen richtern und gutachtern aus dem (x)kabinett.
aber nein!
hihihi.

Und in welchem Setting werden Patienten beraten

In der Apotheke ist nicht einmal die Vertraulichkeit gewahrt. Andere Kunden hoeren mit.

Gast: angestellter apotheker
16.07.2011 14:16
10 1

das österreichische apothekenunwesen

Ich bin angestellter Apotheker in einer Wiener Apotheke und kann den miesen Eindruck den der Artikel macht aus eigener Erfahrung bestätigen. Die ganze Zunft ist scheinheilig, geldgierig und scheißt sich nix, wenn es darum geht, die "Spanne" zu erweitern. Fachliche Kompetenz meist Null, und bei von der Pharmaindustrie gesponserten Apothekerseminaren biegen sich die Buffettische unter der Last von fetttriefender Luxusnahrung, in der Apotheke selbst wird den Kunden aber gesunde Ernährung ans Herz gelegt. Es ist zum Speiben...

3 0

Re: das österreichische apothekenunwesen

Der letzte VKI Bericht( Alli) bestätigt sehr gut das Treiben der Apotheker.
Aber wie nach jeder neg. Überprüfung, sind die Apotheker schockiert und versprechen Besserung, die nie eintritt.


hw007
16.07.2011 12:50
1 1

üblich

und was ist daran in AT unüblich, dass nahestehende bevorzugt werden?

Gast: Haus Friedrich
16.07.2011 10:46
9 0

e-medikation, für wen?

Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt wer von e-Medikation, außer die Software Firmen, wirklich profitiert?

Die Patienten? sicher nicht! Der behandelnde (Haus) Arzt hat schon bisher auf mögliche Interaktionen geschaut.
Die Ärzte? auch nicht! nur eine weitere bürokratischer und finanzieller Aufwand.
Die Kassen? ausser Spesen nichts gewesen.

Die Apotheker?? Natürlich! Damit verhindern sie eine Medikamentenverkauf üder das Internet im vorhinein! In Österreich ist die Apothekerkammer fast so mächtig wie der Bauernbund. Aber auf der EU Ebene nicht so ganz. Damit möchte die Apo-Kammer ein Internet Abgaben von Medikamten verhindern bevor die EU die Gesetze entsprechend ändert! !

Lupus.67
16.07.2011 10:45
2 1

dass der sumpf

rund um apotheker und pharmaindustrie zu einem der größten in österreich gehört weiß eh jeder. spätestens wenn er mal was von dort braucht. da ist ja die italienische camorra ein sanfter abklatsch gegen die.

diese kaste ist es auch, die hauptverantwortlich für das desaster bei den versicherungsträgern ist (neben deren eigenem sumpf). die gewinnmargen sind in dieser branche maximal, alles auf kosten des konsumenten. und das ganze noch unter diktatorischem gebietsschutz.

wenn apotheker zu faul sind, einen wochenenddienst zu machen weil "wegen den paar tausendern haut man sich das wochenende nicht zusammen" (o-ton eines solchen) weiß man, dass es denen durch gebietsschutz, freunderlwirtschaft und ungeprüftes, jahrelanges zahlen jeder preiserhöhung durch die versicherungen einfach ZU gut geht.

da muß man einmal in andere länder schauen, wie die das machen. aber dazu hat österreich ja keinen mut. höchstwahrscheinlich sind unsere politiker einfach zu dumm und korrupt diesen sumpf endlich trockenzulegen. dem steuerzahler, der dieses desaster finanziert wäre man zwar laut gesetz verpflichtet, aber in wirklichkeit sind die schon völlig egal.

dafür müssen unsere pensionisten ins ausland fahren, um sich medikamente zu leistbaren preisen zu besorgen. aber die eu hat ja dafür gesorgt, dass auch dort die gewinnmargen auf das kapital-diktatur-niveau angehoben werden.

bravo der österreichischen hoch-korruption.

1 0

Re: dass der sumpf

" höchstwahrscheinlich sind unsere politiker einfach zu dumm und korrupt diesen sumpf endlich trockenzulegen"

O-Ton eines hochrangigen Politikers, anläßlich einer Hausapothekenveranstaltung, der er zu -u. abgesagt hat, mit der Begründung Zu keiner Gegenveranstaltung der Apotheker kommen zu können....denn die zahlen den halben Wahlkampf...". Noch Fragen?

Gast: gefrozzelter
16.07.2011 10:20
4 0

griechische zustände

und so wie in athen kleben die täter weiter an ihren posten und profitieren prächtigst von dem, was wir dann überteuert nehmen müssen - siehe apothekenmonopole, internetverkaufsverbote usf.

1 0

Zufall


Frotzel
16.07.2011 09:16
1 0

Wem wundert bei Kämmererwirtschaft, Parteifilz und korrupten Funktionären so etwas?

Solche "Funktionäre" werden in China kniend mit Kopfschuß und Organentnahme zur Nützlichkeit für die Gemeinschaft gezwungen.

Das hilft mehr als eine Höchstpension!

Antworten lb15
16.07.2011 11:26
0 0

Dir wundert so etwas natürlich nicht.

Und mich wundert es auch nicht.

Freunderlwirtschaft, bei uns in Österreich???

Am Ende schreibt noch jemand in der Presse, Burschenschaften hätten ein Naheverhältnis zur rechtsradikalen Szene!

Antworten lb15
16.07.2011 11:27
0 0

Und was hat das jetzt mit den Apothekern zu tun?


baul
16.07.2011 08:52
2 1

kranke Geschäfte

Sümpfe gibt es viele in Österreich.
Aber einer der größten ist im Bereich Ärzte- Krankenanstalten- Apotheken- Pharmaunternehmen angesiedelt! Hier traut sich niemand auch nur leise zu kritisieren oder gar zu reformieren, man könnte es ja selbst mit diesem Strudel zu tun bekommen.
Da ist Schleimen und Freunderlwirtschaft angesagt, sonst liegst du irgendwo am Gang!

Gast: international_
16.07.2011 08:31
6 0

eigenverantwortung!

also ich persönlich möchte meine sensiblen gesundheitsdaten nicht jedem apotheker mit der e-card präsentieren.
es genügt völlig, wenn mein arzt über die medikation entscheidet.
und bei rezeptfreien produkten fühle ich mich durchaus in der lage durch lesen der gebrauchsinformation selbst zu entscheiden.

ich glaube die ganze aktion zielt darauf ab, das apothekermonopol zu stützen und andere anbieter wie drogisten oder versandapotheken aus dem markt herauszuhalten.

Gast: DILDO
16.07.2011 08:17
2 0

lieber artikelverfasser!

klären sie bitte dem dummen volk auf WIE die ganze apothekerwelt in österreich funktioniert!!! stichwort: apothekergehälter!
stichwort: apothekergewinn! (die müssen alles an die kammer abliefern, weil anscheinend die "dummen" apotheker selbst nicht wirtschaften können, das macht die kammer dann für sie und die verteilt dann das geld was die apotheker verdient haben zurück und zwar nach "merkwürdigen" kriterien!...)
ein geschützter bereich und monopol wie kaum ein anderer. die freunderl geschichten die sie hier aufdecken sind nur ein furz im wald im vergleich zu dem was wirklich läuft unter den weissen apotherkermäntel der hochwürden!!!

Antworten lb15
16.07.2011 11:28
0 0

Großartiger Nick!

Wo schiebt man das hinein?

Vielleicht klärt DIR jemand auf.

Über die Bedeutung und die Verwendung des dritten Falles im Deutschen.

 
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