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Reformen nötig: Woran die Republik krankt

27.09.2011 | 09:45 |  von Philipp Aichinger (Die Presse)

Die bestehenden Strukturen müssen geändert werden, Bund und Länder stehen sich oft im Weg. Und die Politik lässt aus Angst vor Wählern und Landesfürsten den Mut zu Reformen vermissen.

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Wien. „Aus einer echten Staatsreform wird nichts. Die wäre wohl nur in echten Krisenzeiten möglich“, meinte ein Abgeordneter vor einigen Jahren hinter vorgehaltener Hand. Es sei nämlich sonst politisch nicht möglich, die Kompetenzen zwischen Bund und Ländern neu zu ordnen, erklärte der Mandatar. Inzwischen ist tatsächlich eine schwere Wirtschaftskrise durch das Land gezogen, doch wieder ist nichts passiert. Dabei steht die komplizierte Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern sinnbildlich für die mangelnde Reformkraft.
Je nachdem, um welche Gesetzesmaterie es sich handelt, sieht die Verfassung vier Varianten vor:
► Der Bund macht die Gesetze und vollzieht sie.
► Der Bund macht die Gesetze, vollzogen werden sie aber vom Land.
► Der Bund macht die Grundsatzgesetze, das Land die Ausführungsgesetze und vollzieht sie.
► Das Land macht die Gesetze und vollzieht sie.
Diese Konstruktion erzeugt einen hohen Verwaltungsaufwand in Bund und Ländern. Kaum ein Bürger wird zudem wissen, welche Materie nun in welche Kategorie fällt, sogar für Juristen ist die Lage oft schwer durchschaubar. So ist etwa Jagdrecht gänzlich Landessache, Forstrecht aber Bundessache. Jagen wird man aber im Wald. Also sind erst recht wieder Bund und Länder gemeinsam zuständig.
Oft fehlt auch die sachliche Rechtfertigung, warum eine Materie gerade Ländersache ist. Benötigt man wirklich neun verschiedene Bauordnungen in Österreich? Soll der Jugendschutz in Klosterneuburg wirklich anders gestaltet sein als im angrenzenden Wien? Ist es sinnvoll, dass es Schulen gibt, für die der Bund, und andere, für die die Länder zuständig sind?

Denken endet an Landesgrenze

Richtig absurd aber wird es im Gesundheitsbereich, in dem das Denken an den Landesgrenzen aufhört. So legte sich die steirische Politik gegen die Schließung der kleinen Chirurgieabteilung im 5000-Einwohner-Ort Bad Aussee quer. Eine Zusammenarbeit mit der Chirurgie im nur 26 Kilometer entfernten Bad Ischl klappte nicht. Der Ort liegt schließlich in Oberösterreich. Aber selbst innerhalb eines Bundeslandes werden Spitäler in nächster Nähe gebaut, berühmt wurden hier die zehn Kilometer entfernten Standorte Baden und Mödling in Niederösterreich.
Es wäre wohl sinnvoll, die Gesetzgebung allein dem Bund zu überlassen. In einem kleinen Land wie Österreich macht eine Zersplitterung in neun Landesgesetze einfach keinen Sinn. Die Länder könnten hingegen in der Verwaltung weiterhin ihre Funktionen ausüben. Denn die Landesverwaltung, das bestätigen Juristen immer wieder, funktioniert sehr gut.
Apropos Verwaltung: Hier wird es Zeit, den Bürgern einen raschen Weg zu echten Gerichten zu gönnen. Wer sich momentan gegen einen Bescheid beschwert, stößt dabei oft auf einen der rund 120 Senate oder Sonderbehörden. In diesen sitzen oft Leute, die vormittags als weisungsgebundene Beamte fungieren, am Nachmittag aber plötzlich unabhängige Richter sind. Ein Reformkonzept, das vorsieht, dass all diese Behörden durch neun echte Verwaltungsgerichte in den Ländern und ein Bundesverwaltungsgericht ersetzt werden, ist längst fertig. Nur umgesetzt werden müsste es halt. Doch vor allem in den Ländern sind nicht alle über eine Reform erfreut, bedeutet es doch einen Machtverlust, wenn unabhängige Vollzeitrichter über Bescheide der Landesbehörden entscheiden.
Wenn man über Reformen redet, darf man auch die politischen Vertretungen nicht außer Acht lassen. Die neun Landtage in der jetzigen Form sind müßig. Der ehemalige steirische ÖVP-Klubchef Bernd Schilcher hat einmal offen zugegeben, dass man im Landtag zu 80 Prozent über bundespolitische Themen gesprochen habe, in Ermangelung landesrechtlicher Fragen. Auch der Bundesrat, die angebliche Vertretung der Länder im Bund, ist in der jetzigen Form sinnlos: Abgestimmt wird nicht nach Länder-, sondern nach Parteiinteressen. Sinnvoller wäre es, wenn die Bürger statt eines Landtags ihre Mandatare im Bundesrat direkt wählen. Diese Mandatare könnten sich sodann im Bundesrat zu Länderklubs zusammenschließen statt zu parteipolitischen Vereinigungen. Denn Letzteres kennt man schon aus dem Nationalrat zu Genüge.

Auswahl des Polit-Personals

Auch der Nationalrat benötigt Reformen: Zu frustrierend ist es für die Wähler, kaum Einfluss darauf nehmen zu können, welche Partei regiert oder wer im Nationalrat sitzt. Man ist an die Listen der Parteien gebunden. Und dort macht vor allem jener Karriere, der sich brav auf Parteilinie bewegt und den Mund nicht öfters als nötig aufmacht. Ob die Person in der Bevölkerung Unterstützung findet ist sekundär. Das momentane System der Vorzugsstimmen ist eher ein Hohn. Denn es sind so viele Stimmen nötig, dass es fast unmöglich ist, die von der Partei vorgefertigten Listen umzuwerfen. Dazu kommt noch eine weitere Absurdität: In den Wahlkämpfen fordern die Parteien die Wähler gern auf, doch eine Vorzugsstimme für den Spitzenkandidaten abzugeben, obwohl dieser sein Mandat wohl kaum verpassen wird.
Doch woran scheitern die Reformen? Es ist vor allem der mangelnde Mut der Politiker. Bevor man eine Staats- und Verwaltungsreform durchzieht, setzt man lieber eine neue Expertengruppe ein. So gewinnt man Zeit. Und wenn die Experten ihre neuen Vorschläge fertig haben, werden auch diese wieder schubladisiert. Dazu spielen parteipolitische Überlegungen eine größere Rolle als staatspolitische. Kein Wunder, dass der renommierte Verfassungsjurist Theo Öhlinger im Jahr 2008 aus der damaligen  Expertengruppe austrat, weil nichts weiterging und vieles nur auf einen Tauschhandel zwischen SPÖ und ÖVP hinauslief.

Zeitfenster bis 2013 nützen

Dazu kommt das Match zwischen Bund und Ländern. Nur zu oft sind die Bundespolitiker Getriebene ihrer Landesfürsten, die keine Macht abgeben wollen. Im Vorjahr zeigte sich die Angst der Bundespolitiker vor den Landeskaisern eindrucksvoll: Die Regierung war sogar bereit, die Verfassung zu brechen und das Budget zu spät vorzulegen, nur um keine Aufregung vor Landtagswahlen zu erzeugen.
Bis 2013 gibt es übrigens keine großen Urnengänge in Österreich. Es bleibt die vage Hoffnung, dass die Bundesregierung zumindest dieses Zeitfenster nutzt, um große Reformen anzupacken.

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42 Kommentare
 
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Gast: Biersauer
06.10.2011 09:20
0 0

Krank aus Verwaltunshysterie.

Könnte man darüber Bücher schreiben.
Krank an Religionshysterie - ein Narrenhaus Österreich.
Krank an Zuwanderungshysterie!

Antworten Gast: Plach2
11.10.2011 10:29
0 0

Verwaltungsreform ist das!

Statt mind. eine Verwaltungsebene einzusparen werden immer neue Posten für Parteigünstlinge geschaffen.

100 neu "Migrationsbotschafter" sind es heute, bald werden es 100 FrauenbotschaterInnen sein usw....

Weiterhin wird zusätzlich zur EU, wo heute schon über 80% der Gesetze kommen, bei uns JEDE politische Funktion gleich 10 fach besetzt! Einmal im Bund und 9 x mit gleichen Aufgaben in den Ländern! Weil das noch immer zu wenig ist gibt es auch noch 62 Bundesräte und 99 BH´s*

* Seit der Kaiserzeit gilt die Vorschrift, jeder Bürger muss an einem Tag die öffentliche Verwaltung mit dem Ochsenkarren erreichen können. Daher haben wir heute, im Computerzeitalter, weiterhin 99 BH´s!

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Landesfürstentümer SOFORT eliminieren !

Denn der Unterhalt dieser seltsamen Gebilde kostet einfach zu viel- wir können und wollen uns das nicht mehr leisten ! Schafft drei Verwaltungsregionen- das REICHT AUS ! Zweitens Prüfung aller Aufgaben, die derzeit vom Staat erledigt werden- dabei Privatisierung jener Bereiche,die nicht wirklich vom Staat kontrolliert werden müssen. Dafür ausreichend Personal für Polizei und Justiz, sowie Universitäten, Schulen und Kindergärten- nicht zu vergessen auch die Krankenhäuser, die unter staatlicher Aufsicht bleiben sollten, da wir andernfalls Zustände wie in den USA bekommen,wo sich nur mehr Superreiche einen Spitalsbesuch leisten können.

erxxich
04.10.2011 13:15
0 0

Verwaltung- Pensionsreform SOFORT !!!

VERWALTUNG: Beamtenstadel auf 50% verkleinern / Beamte sofort mit ASVG-Höschstpension (frei nach dem ÖVP-Motte erworbene Rechte gibt es nicht !! Oder gilt dies nur für ASVG !!???) / Der Arbeitgeber (Staat hat ab sofort die Arbeitgeberbeiträge wie bei ASVG zu bezahlen / etc.
PENSIONEN: Beamte nur mehr ASVG-Höchstpension / Ende der Hacklerregelung / Frauenpensionsantrittsalter sofort auf 65 / Beiträge in die Bauern- und Selbstständigenversicherungen auf das Deckungsniveau der ASVG anpassen = erhöhen / etc.

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Re: Verwaltung- Pensionsreform SOFORT !!!

Prinzipiell guter Vorschlag- nur:
a) wenn Du den Beamten die Pension wegnehmen willst, müssen auch deren Beträge auf ASVG-Niveau gesenkt werden
b) bei den Beamten/öff.Bediensteten gibt es bereits das gleiche Pensionsantrittsalter für Männer und Frauen- hier MUSS der Privatsektor nachziehen
c) Bauernverhätschelung: da müsste erst der Bauernbund entmachtet werden......und der hat derzeit mit weniger als 10.000 Mitgliedern die halbe Republik in der Hand- C'est ca !

4 0

wer diesen staat mit obigen reformen gesund machen will,

verhält sich wie ein arzt, der die symptome behandelt.

ein verantwortungsvoller mediziner aber lindert nur die symptome und kümmert sich vor allem um die ursachen.
und diese ursachen heissen in bezug auf österreich: die österreicher!

enzo
27.09.2011 18:15
1 0

Österreich

Krankt an unfähigen ,korrupten,schleimigen,gewissenlosen Politikern.
Und an der dummen Wählermasse.

Antworten Kreuzhans
30.09.2011 16:07
3 0

Re: Österreich

Genau so ist es, und Dummheit ist keine Krankheit daher ist sie nicht heilbar. Ein Scham- oder ein Verantwortungsgefühl kennen unsere Politker nicht. Sie treiben das Land immer weiter in die Schulden. Schrecklich.

Antworten Antworten Gast: steirer77
03.10.2011 22:00
1 0

Re: Re: Österreich

Unsere Politiker haben kein Verantwortungsgefühl gegenüber seinen Bürgern.Es geht ihnen nur darum am Futtertrog zu bleiben um möglichst lange abkassieren zu können.Sie erkaufen sich die Stimmen mit Steuergeldern und treiben unser Land in den Ruin.Es gibt jetzt eine neue Wählerbwegung für Solidarität und Gerechtigkeit.
www.ehrenamtliche.at

nachdenken
27.09.2011 18:01
4 1

sparts euch die postings ;-))

dieser parteiendiktatur kommen wir nicht aus, es sei denn ein wunder geschieht und wir jagen sie bei der nächsten wahl aus dem parlament.
die frage aber, wieso diese bagage immer wiedergewählt wird ist einfach beantwortet; es sind deren soviele die am tropf des staates hängen, dass sie sich selber wählen ;-))

diabolo
27.09.2011 16:10
4 0

und wir schimpfen immer wieder über die sogenannten Bananenrepubliken, dabei sind wir die Größte!


derpradler
27.09.2011 15:50
3 0

Die Republik krankt

an der Verluderung, die erst der Neoliberalismus so richtig zum Aufblühen brachte!

Gast: Baur4
27.09.2011 14:51
0 0

Diese viele Bürokratie muss jemand bezahlen

Steuerquote

Österreich 42,2%
Deutschland 39,4%
Tschechien 34,3%
Griechenland 29,1%
Irland 27,0%


0 0

Re: Diese viele Bürokratie muss jemand bezahlen

fehlerhaft und unvollständig.

1. es ist nicht die steuerquote. sondern die steuer- und abgabenquote!

2. hast du unabsichtlich auf die höhere quote in den skandinavischen ländern 'vergessen'? oder hat es dir einfach nicht ins konzept gepasst?

Gast: mmmm
27.09.2011 14:15
0 0

da

hat der autor die postings der vergangenheit aber gut durchgelesen!odr?

Luzius
27.09.2011 14:13
1 0

das prinzipielle Problem:

wir haben in unserem kleinen Land, 9 "Kanzler" oder solche (LAndeskaiser) welche sich dafür halten !

Einheitliche Bundesgesetze zB würden solchem Treiben sehr schnell ein Ende setzen können, nur traut man sich das nicht weil ?

Es sollten auch endlich all die sonderbaren Nationalratsräte welche eigentlich nur Lobbyisten sind, abgeschafft und durch Leute aus dem Volk ersetzt werden.
Weiters, den NR endlich zu reduzieren, denn wer braucht wirklich 186 Gestalten welche per Klubzwang wie ferngesteuert aufstehen oder die Hand zu Abstimmungen heben ?!?!

Es bräuchte nicht viel, um in diesem an sich sehr schönen Land wieder zufriedene Bürger und Wähler gewinnen zu können, die direkte Demokratie würde dafür völlig ausreichen ;-)

0 0

Re: das prinzipielle Problem:

wir haben in unserem kleinen Land, 9 "Kanzler" oder solche (LAndeskaiser) welche sich dafür halten

nur 9?
ich dachte, es wären ca 8 millionen!

Antworten Gast: Plach2
27.09.2011 14:49
0 0

Re: das prinzipielle Problem:

Weiterhin wird bei uns JEDE politische Funktion gleich 10 fach besetzt. Einmal im Bund und 9 x mit gleichen Aufgaben in den Ländern.

66 Bundesräte, 99 BH´s und 2400 Gemeinden ......

In Deutschland haben viele Bundesländer mehr Einwohner wie ganz Österreich!
(Deutschalnd hat bei 80 Mio Einwohner 16 Bundesländer, Österreich bei 8 Mio gleich 9 Bundesländer)

Antworten Antworten diabolo
27.09.2011 16:12
1 0

Re: Re: das prinzipielle Problem:

Stimmt und das auch in Burgenland bei mal 200000 EW-das System ist nur mehr krank und wir können es uns nicht mehr leisten!

Gast: Johann S
27.09.2011 13:45
1 0

Bundesrat

Im Gegensatz zur BRD,wo der Bundesrat große Bedeutung hat,fristet der österreichische Pedant ein Schattendasein.

Bei Einspruch von Gesetzen,erfolgt im NR Beharrungsbeschluß,das wars.

Ein zahnloses Gebilde.

Gast: Baur4
27.09.2011 13:05
2 0

Seit dem Krieg haben sich SPÖ+ÖVP den Staat im Proporz aufgeteilt

Auf allen Ebenen wurden und werden weiterhin ihre Parteigünstlinge mit hochbezahlten Jobs versorgt. Darauf wollen sie halt nicht verzichten.

Daher gibt es weiterhin keine Verwaltungsreform,
keine Heeresreform,
keine Gesundheitsreform,
keine Bildungsreform,
keine Staatsreform,
keine Pensionsreform
usw..

Wahltag ist Zahltag!

derpradler
27.09.2011 11:59
0 0

Reformen,

das heißt mehr Geld locker machen das man nach OBEN verchieben kann. Wie lange wird EUCH das Völk den Schwindel mit den Reformen noch abkaufen?!

Gast: na nu
27.09.2011 10:56
1 0

Reformen nötig: Woran die Republik krankt

die einzige Reform die wir brauchen ist korrupte Politiker bestrafen und ihr vermögen einziehen oder was meinen sie Maria Fekter ??

Gast: Halbwissen
27.09.2011 10:15
0 1

Habe ich die schwere Wirtschaftskrise verpasst ?

Ich kann in Ö weit und breit keine Wirtschaftskrise sehen !


Antworten Gast: Peeperkoorn
27.09.2011 15:37
0 0

Re: Habe ich die schwere Wirtschaftskrise verpasst ?

Wahrscheinlich sind Sie Beamter. In der wohlig-warmen Schreibstube kann einem sowas schon entgehen. Nachlesen können Sie die Wirtschaftskrise zB auf der Homepage der Statistik Austria. Dort können Sie die detaillierten Wirtschaftsdaten der letzten Jahre studieren.

Antworten Gast: szabo.matyas
27.09.2011 12:12
0 0

Re: Habe ich die schwere Wirtschaftskrise verpasst ?

ich war so klug und hab rechtzeitig in ungarn kredite aufgenommen...:)

 
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