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Ärztekammern: Dorner geht, Druck auf ELGA bleibt

09.02.2012 | 18:25 |  von REGINA PÖLL (Die Presse)

Walter Dorner zieht sich als Bundes- und Wiener Chef zurück. Nachfolger soll Johannes Steinhart werden. Ein „Hardliner“ gegen Minister Alois Stöger.

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Wien. Die Erleichterung bei Gesundheitsminister Alois Stöger hält sich dem Vernehmen nach in engen Grenzen: Kommt es nach der Wiener und der Bundesärztekammerwahl im Frühjahr so, wie die bisherigen Spitzen sich das wünschen, dann hat der SPÖ-Minister auch künftig einen „Hardliner“ an der Spitze der Ärzteschaft als Gegenüber – zum Beispiel bei den Verhandlungen über die Elektronische Gesundheitsakte ELGA.

Zwar wird ein heftiger Kritiker der ELGA, der bisherige Bundes- und Wiener Kammerchef Walter Dorner, nicht mehr für die beiden Ämter kandidieren; der bald 70-Jährige will sich „aus familiären, gesundheitlichen und Ehrlichkeitsgründen“ in die zweite Reihe zurückziehen, wie er der „Presse“ am Donnerstag sagte. Er wolle leiser treten, auch wegen seines schweren Wirbelsäulenleidens, und er wolle daher seinen Wählern und Sympathisanten nicht vormachen, dass er noch eine zweite volle Amtszeit von fünf Jahren an der Spitze der Kammern bewältigen könne. Vielmehr sei es dort Zeit für eine Staffelübergabe. Und geht es nach Dorner, dann heißt sein Nachfolger Johannes Steinhart – in einem ersten Schritt als Chef der Wiener Ärztekammer, an der Steinhart zurzeit Vizepräsident hinter Dorner ist.

Gewählt wird der neue Präsident am 24. März, wahlberechtigt sind alle 11.300 Ärztinnen und Ärzte in Wien. Bis zum 7. Mai müssen dann einzelne Fraktionen – Steinhart will für die (ÖVP-nahe) „Vereinigung Österreichischer Ärzte“ kandidieren – eine Koalition bilden. Gelingt das, fällt bei der Vollversammlung der Wiener Ärztekammer auch die Entscheidung für den neuen Kammerpräsidenten. Die Chancen für Steinhart als Vertreter der aktuell mandatsstärksten Fraktion gelten schon heute als gut.

 

Wahl zum Bundesärztechef am 22. Juni?

Der logische zweite Schritt wäre Kennern zufolge, dass Steinhart auch am 22. Juni beim Kammertag der Österreichischen Ärztekammer um den Job des Bundeskammerchefs kämpft: Mehrere siegreiche Kandidaten aus den neun Landeskammerwahlen im Frühjahr könnten dabei ins Rennen gehen; außer Steinhart werden auch Artur Wechselberger (Tirol) und Peter Niedermoser (Oberösterreich) gute Chancen eingerechnet.

Allerdings, so heißt es, habe es sich schon in der Vergangenheit öfters bewährt, wenn der mächtige Wiener Kammerpräsident gleichzeitig Bundeschef ist: Als solcher hätte er ein besonderes Gewicht gegenüber den zentralen Verhandlungspartnern, darunter der Gesundheitsminister und weitere Minister, Vertreter der Länder, des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger und andere. Auch der Allgemeinmediziner Dorner war – unter anderem – wegen seiner Stärke in Wien, wo er die Kammer inzwischen seit 13 Jahren leitet, bei der Wahl 2007 auf den vorhergehenden Chef der Bundesärztekammer, Reiner Brettenthaler aus Salzburg, gefolgt.

Kommt der 57-jährige Steinhart, ein Urologe, auch als Bundeskammer-Chef für 40.100 Ärztinnen und Ärzte, wäre dies zwar ein Generationenwechsel, nicht aber notgedrungen ein Wechsel der Linie an der Spitze der Standesvertretung. Denn Steinhart gilt, wie Dorner, als „Hardliner“ in gesundheitspolitischen Fragen – mit teils noch schärferen Ansagen gegen Minister Stöger und Co. So äußerte er sich zuletzt, als Vizepräsident der Wiener Kammer, besonders heftig gegen das Prestigeprojekt Stögers, die Elektronische Gesundheitsakte: Es fehle eine „handfeste“ Kosten-Nutzen-Rechnung zum Vorhaben, sagte Steinhart zur „Presse“ – er geht von zwei Mrd. Euro Kosten in zehn Jahren aus.

 

Steinhart: Ärzte „wirklich ernst nehmen“

Außerdem seien „juristisch noch sechzig Punkte offen“ – etwa, was den Datenschutz bei ELGA betrifft: Immerhin sollen mit der Gesundheitsakte sämtliche Ärzte und Apotheker über eine Datenbank Einblick in alle Medikamente und Behandlungen eines Patienten bekommen, sofern sich dieser nicht von sich aus von ELGA abgemeldet hat. Steinhart mahnt Stöger, endlich die Standpunkte der Ärzte „wirklich ernst zu nehmen“. Projekte, die er selbst – im Fall seiner Wahl an die Spitze der Kammern – besonders forcieren würde, seien eine Bürokratiereform, die den Ärzten wieder mehr Zeit beim Patienten bringen würde, ein „Gesundheits-Check“ für alle Gesetzesnovellen, flexiblere Arbeitszeitmodelle für ältere Ärzte oder junge Ärztinnen mit Kindern, eine bessere Ausbildung für Allgemeinmediziner in Lehrpraxen. Von einer sicheren Wahl zur Nummer eins der Wiener und der Bundeskammer will Steinhart aber „keinesfalls“ sprechen: „Dazu bin ich viel zu vorsichtig.“

Dorner wird in beiden Ämtern noch bis 7. Mai (Wien) bzw. 22. Juni (Bundeskammer) verbleiben. Danach will er sein Know-how für Kammerprojekte von der Ärzteausbildung nach der Promotion bis zum Bürokratieabbau zur Verfügung stellen.

Auf einen Blick

Am 24. März wählen die Wiener Ärzte ihren Kammerpräsidenten. Als Nachfolger von Walter Dorner wird dann der bisherige Vizepräsident, Johannes Steinhart, antreten. Setzt er sich durch, gilt auch seine Kandidatur bei der Wahl des Bundeskammerchefs am 22. Juni als sicher. Mit Steinhart hätte Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) nach Dorner einen weiteren harten Verhandler in beiden Ämtern als Gegenüber – etwa in Sachen Elektronische Gesundheitsakte ELGA.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)

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14 Kommentare
Gast: dor - na danke
13.02.2012 01:13
0 0

dorner adé

wie gut, dass der weg ist.
ein wahrer glücksfall für die ärzte.
wünsche guten ruhestand ....

aquilo
11.02.2012 17:54
0 0

Demnächst erscheint UHBP H. Fischer auch in Gesundheitsteil, weil er seinen Arzt aufgesucht hat!

Was hat die Diskussion um einen Kammerfunktiär, und sei es die eines Ärztekammerprasidenten, im Gesundheitsteil verloren?

Gast: dreamerinvienna
09.02.2012 11:19
1 2

ein ewiggestriger blockierer

tritt endlich ab.
nur leider scheinen die möglichen nachfolger um nix besser zu sein. wie so oft bewahrheitet sich das sprichwort: es kommt selten was besseres nach.

Antworten Gast: strelnikov
10.02.2012 16:33
1 0

Re: ein ewiggestriger blockierer

Tut Herrn Dorner nicht Unrecht. Er weiss, weshalb er gegen ELGA ist. Weil es gerade in Österreich keine sicheren Daten gibt. Hat die Vergangenheit ja bewiesen. Und was ist, wenn ein Mitarbeiter Disketten mit den Gesundheitsdaten verkauft? Gute Nacht. Aber man soll sich ja abmelden können. Wird der erste Schritt sein, falls ELGA kommt.

Antworten Antworten Gast: Quan Tum
11.02.2012 15:12
0 0

Re: Re: ein ewiggestriger blockierer

War Herr Dr. Dorner nicht jener, der in der Bundesgesundheitskommission, -sehr zum Missfallen und zur Verwunderung eines Großteils seiner Standesgenossen-, für ELGA gestimmt hat?! Offensichtlich wußte er nicht, warum er gegen ELGA sein sollte...

3 4

Es ist auch deswegen höchste Zeit, weil man zumindest hoffen kann, dass Dorners Nachfolger nicht auch im Opus Dei ist.

Dorner hat, was jeder in der Kammer weiß, die Ärztekammer für seine Opus-Dei-Aktivitäten missbraucht, was er nicht einmal leugnet (obwohl er es natürlich nicht als Missbrauch sehen würde).
Wer aufmerksam liest, weiß, dass in so gut wie jeder Nummer der "Österreichischen Ärztezeitung" ein Kommentar eines Opus-Dei-Mitglieds ist. Meistens sind das Leute vom "IMABE"-Institut, das sich zwar nicht als Opus Dei deklariert, aber de facto eine Frontorganisation des Opus Dei ist.
Das Profil hat bereits darüber berichtet, und diese Dinge gehören in die Öffentlichkeit. Man muss ja wissen, mit wem man es zu tun hat.

Antworten Gast: nicholasblarney
09.02.2012 10:44
5 4

Re: Es ist auch deswegen höchste Zeit, weil man zumindest hoffen kann, dass Dorners Nachfolger nicht auch im Opus Dei ist.

Und was hat das bitte mit seiner fachlichen Qualifikation zu tun? Wissen Sie, daß es in Österreich mit Strafe bedroht ist, jemand wegen seiner religiösen Orientierung zu diskriminieren. so wie Sie das hier öffentlich tun?

3 2

Re: Re: Es ist auch deswegen höchste Zeit, weil man zumindest hoffen kann, dass Dorners Nachfolger nicht auch im Opus Dei ist.

Ganz falsch. Ich will Ihnen das erklären.
Es geht NICHT darum, dass ich den Herrn Dorner wegen seiner "religiösen Orientierung" diskriminieren will. Er soll machen, was er will.
Worum es aber SEHR WOHL geht, ist eben die Tatsache, dass er seine Position als Ärztekammerpräsident verwendet, um einer religiösen Organisation (Opus Dei) und deren Außenposten (IMABE) Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die ihnen nicht zustehen (z.B. die regelmäßigen Artikel in der ÖÄZ).
Und NOCH SCHLIMMER finde ich es, dass all das nicht einmal deklariert wird. Wenn der Herr Dorner beim Opus Dei ist, dann soll er das auch sagen. Und wenn das IMABE-Institut eine Opus-Dei-Organisation ist, dann soll es das auch sagen.
Beide schweigen dazu, und deshalb muss das eben jemand anderer aufzeigen. Ich halte das nicht für eine Diskriminierung des Hrn. Dorner, sondern für eine notwendige Aufklärung der Öffentlichkeit darüber, was mit Ärztekammerressourcen geschieht und wie das Opus Dei über das IMABE-Institut seit Jahren massiv versucht, die bioethische Diskussion in Österreich in seinem Sinne zu beeinflussen und andere Stimmen zum Schweigen zu bringen. Mit Hilfe und mit Komplizenschaft des Hrn. Dorner.
Kapiert?

Gast: poldine
09.02.2012 09:47
1 1

jetzt ...


... kommt ein generationenwandel, der SEHR zu begrüssen ist, aber der genannte nachfolger ist derselbe betonierer!

elga gehört eingeführt, ich als patient möchte mein recht haben meine daten gesamt sehen und kontrollieren können!

0 1

Re: jetzt ...

Sie müssen das verstehen. Der Datenschutz ist der Ärztekammer zwar sowas von wurscht, aber trotzdem muss man gegen ELGA sein. Würde das nämlich eingeführt werden, könnte man nicht mehr so gut abzocken. Da fällt es dann nämlich auf, wenn Untersuchungen und Behandlungen mehrmals hinteraneinder gewinnträchtig gemacht werden... ;-)

Antworten Gast: Grinsw
09.02.2012 13:41
1 1

gehen s halt

zum Arzt und laden Sie ihre Krankengeschichte bei Facebook und Youtube hoch ....viel Spaß

Grossartige Nachricht!

Das war ja einer der Ober-Ungzustl und Megabetonierer - hoffentlich kommt da wer nach, der nicht im Kopf in den frühen 60er Jahren stecken geblieben ist... :)

Antworten Gast: Vogel Strauss
09.02.2012 08:42
1 0

Re: Grossartige Nachricht!

Glaub ich kaum, weil der Nachfolger wird ja auch in der ÄK 'sozialisiert' worden sein und entsprechend eingenordet ... das ist ja der Jammer in der gesamten Ö-Politik. Quereinsteiger haben wenig Chancen.

Gast: Hans im Glück
09.02.2012 07:56
3 1

Weg mit diesen Pharmavertretern.

Vogelgrippe-Propaganda-Meister verschwindet also.

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