SPÖ: Hundstorfer folgt auf Häupl, wenn er will

26.05.2012 | 17:46 |  von RAINER NOWAK (Die Presse)

Der Wiener Bürgermeister entscheidet voraussichtlich nach der Nationalratswahl 2013 über seinen Rückzug. Renate Brauner ist out, der bei der roten Basis beliebte Sozialminister ist Favorit.

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Wahre Macht erkennt man an den Tabus. Und an den Dingen, über die man nicht sprechen darf. In Gegenwart des Wiener Bürgermeisters, in seinem Umfeld und bei seinen Anhängern ist das Worte „Nachfolge“ verboten. Natürlich bewirken Verbote meist das gegenteilige Handeln, kaum ein Thema ist in der SPÖ und dem Rathaus so häufig Gesprächsthema wie die Nachfolge des „Chefs“, wie Michael Häupl kumpelhafter genannt wird, als er eigentlich ist. Unzählige Spekulationen gibt es, die Namen sind immer die gleichen, aber meist die falschen. Fest steht mit Stand 27. Mai 2012: Nur Häupl entscheidet, wann er geht.

Selbst Kritiker des amtierenden Stadtoberhauptes – und die gibt es sehr wohl in der Partei – würden niemals einen offenen Putsch wagen. Dennoch rechnet man in der Partei damit, dass Häupl knapp nach der Nationalratswahl 2013 geht. Bis dahin muss er unbedingt die wichtigste Landespartei zusammenhalten, heißt es in der Partei. Denn ganz auszuschließen ist es nicht, dass nach einer so langen Ära ein offener Flügelkampf ausbricht.


Aus dem Rennen.
Den hatte es zwar in Ansätzen fern der Öffentlichkeit schon gegeben, aber die große Auseinandersetzung blieb aus – wohl auch, weil die beiden Kontrahenten weggefallen sind: Werner Faymann, vormals Wohnbaustadtrat, wurde Bundeskanzler, Renate Brauner hat viele Sympathien verspielt. Dass sie nicht mehr im Rennen ist, sagen so gut wie alle Kenner des roten Apparats. Jahrelang wurde sie bei Veranstaltungen schon als künftige Bürgermeisterin begrüßt, das allein hat ihr schon geschadet, heißt es in der Partei.

Dann brachte sie die Gewerkschaft mit – für die Öffentlichkeit kaum wahrnehmbaren – Sparmaßnahmen gegen sich auf, verärgerte viele Genossen mit Personalentscheidungen, die nur ihrer Seilschaft halfen. Es folgten unglückliche Auftritte, etwa bei der Ankündigung eines Michael-Jackson-Gedenkkonzerts. Am vergangenen Parteitag wurde sie mit Streichungen abgestraft. Dass die „Krone“ sie über Wochen attackierte, ohne dass Häupl etwas unternahm, werteten viele als Abrücken von seiner einstigen Nummer zwei.

Der neue Favorit heißt Rudolf Hundstorfer, ist Sozialminister und kommt aus der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. Beliebter als er ist keiner bei der roten Basis, das weiß jeder. Ein Generationenwechsel schaut zwar anders aus, Häupl und ihn trennen nur ein Jahr, aber wenn Hundstorfer will, dann darf er auch. Der 60-Jährige hat als Kanzleilehrling im Rathaus begonnen, für ihn wäre die Rückkehr emotional der Höhepunkt. Die Übersiedlung in die Stadt wäre für ihn angenehmer als die Nachfolge von Werner Faymann als Bundeskanzler, sollte die Nationalratswahl für die SPÖ in einer Enttäuschung enden.

Hundstorfer versucht, Spekulationen über einen Jobwechsel seit Langem im Keim zu ersticken, er wird nach außen richtiggehend böse, auch wenn er sich geschmeichelt fühlt. Nur wenn er nicht will und/oder Häupl doch noch länger viel Lust am Regieren und Amtieren hat – womit Hundstorfer seinem Pensionsalter näher rücken würde –, kommen andere Kandidaten ins Spiel. Unter den Stadträten dürfte es aus heutiger Sicht wohl eher Michael Ludwig als Christian Oxonitsch sein.

Und dann gibt es da noch andere Regierungsmitglieder, die für einen Wechsel nach Wien infrage kommen könnten: Der Name Doris Bures ist nicht so unwahrscheinlich, wie er klingt. Viele in der Partei würden gern erstmals eine Frau im Amt sehen.


Schieder zeigt Ambitionen.
Ambitionierter soll Finanzstaatssekretär Andreas Schieder sein: Dass er nach mehr politischer Verantwortung strebt, gilt als offenes Geheimnis. Bürgermeister von Wien ist der Traumjob jedes Wiener Sozialdemokraten, der Spross aus dem roten Adel ist in Wien äußerst gut vernetzt. Sollte er tatsächlich nach Wien wechseln, müsste – möglich wäre auch dort vorerst der Posten im Finanzressort – seine Ehefrau, die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, wohl das Ministeramt von Alois Stöger übernehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2012)

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77 Kommentare
 
12 3
Gast: Aus dem Panoptikum des Grauens Rote Rathaus Apokalypse
01.06.2012 20:58
0

A geistige Hochschaubahn Überm Stimmzettel bei freiem Eintritt

schreibt übrigens ein seit Ewigkeiten Rotwähler
eingeschriebenes Parteimitglied + Spendierhose

Da Häupl is a Säupl. Da Hundsi is a Flundsi.
Noch einmla von orne:
Der oundare is da Säupl Häupl…
Da Flundsi is da Hundsi…
Der ane wüü des wean woas da oundare scho loung is
Nach der nächsten Wahl
Wenn´s de übnerhaupt noch gnibt
Homa vielleicht olle zwaa am Hois
Prähistorisch: Den pensionierten HäuplSäupl
Postepochal: Den HundsiFlundsi.
Bei dem grad a poa Affen gaffen
Von woas red i da?
I hea kane Stimman
Des streit i anfoch oa
Eh scho wissen: Ois Kind hot mi a Zeck bissen
In a poa Tag bin i vielleicht scho tot
Und woas is (nach mir) dounn übermorg´n?
Da glieche politische Schaas
Da HäuplSäupl
Und sei bessere Hööfte da HundsiFlundsi
Zwaa is nie ana allan
Hea i a jenseitige Stimm: Rathausgruftis
Jetzt geht ma a Liacht auf:
Da HäuplSäupl und da HundsiFlundsi existier´n nur mehr in meina ausrangierten Phantasie-weit weg von jeder
wahrnehmbaren (so abgehoben agieren de zwaa inzwischen)
Realität
PS. Mit bewusst eingebauten Wortveränderungen

Wir müssen uns immer wieder über sie lustig machen-ganz egal wie

Die verarschen uns doch auch von vorne bis hinten: MITLEIDLOS, RÜCKSICHTSLOS, ERBARMUNGSLOS.


Hundstotfer folgt auf Häupl wenn WIR wollen.


Gast: Wir hier
29.05.2012 14:03
1

Blitz getroffen

Jetzt traf es mich wie einen Blitz: Der passende Nachfolger ist Häupls Sohn. Na bumm. :-)

Gast: Wir hier
29.05.2012 13:53
1

Wunder

Hundstorfer ist ganze 2 Jahre jünger als Häupl - der bringt mit Sicherheit frischen Wind nach Wien :-(
Ludwig? Jetzt wollen wir bitte nicht gleich völlig verrückt spielen!
Hätte außerdem nicht gedacht, dass ich den Tag noch erleben werde, an dem Häupl geht. Es geschehen doch noch Wunder.

hundstorfer folgt auf häupl, wenn er will

wenn wer will ?
wenn auch nicht inbedingt die notwendigkeit besteht, sich um nachfolgespekulationen im roten wiener "parteiadel" den kopf zu zerbrechen, so ist es doch interessant immer wieder aufbereitet einen kleinen einblick in die "wiener wahlverwandtschaften" zu bekommen.
was wien braucht ist kein weiterer verwalter von haberei und freunderlwirtschaft, sondern jemand der wieder durchlüftung in erstarrte strukturen bringt und sich nicht auf - zugegeben in manchem respektablen erreichten - mit sattem geist und fettem hintern ausruht.
womit der kandidat hundstorfer nicht einmal als reserve taugt.

Antworten Gast: Wir hier
29.05.2012 14:01
0

Re: hundstorfer folgt auf häupl, wenn er will

Wir wissen allerdings alle, an wem Veränderung liegt: am Wähler.
Der darf sich halt eben nicht unterkriegen lassen. Nicht verzagen - wir haben schon viel überstanden, da sitzen wir Rot-Grün in Wien auch noch aus. So schlimm kanns gar nicht sein.
Reiner Zweckoptimismus? - ich weiß, aber alles andere stimmt mich zu traurig!

Gast: mmmh
28.05.2012 15:36
5

der

proporz in österreich ist zum selbstzweck verkommen!
vorbei an sachorientierten politischen lösungen geht es darum pfründe zu halten und zu kultivieren.
nichts neues sagen sie?
das stimmt!
aber meiner meinung waren die pfründe zuletzt in der politik ein unschöner nebeneffekt.
nun verkommt die sacharbeit neben den pfründen sogar hochoffiziell und ungeschminkt noch allerhöchstens zum nebenschauplatz.

himmel, wie mir diese gespinndoktorten figuren auf die nerven gehen!
in allen lagern!

Gast: Ismir Übel
28.05.2012 12:44
1

Grundsätzliches Problem mit dem Nachwuchs in SPÖ und ÖVP

die besten Chefs erkennt man daran, dass sie sich mit guten Leuten umgeben und diese langfristig aufbauen. Wahrscheinlich wird Hundstorfer genauso weggelobt wie die gute Frau Brauner und bei Schieder sind auch schon erste Ansätze zu sehen. Eine Fusion mit den Grünen ist auch keine Lösung (man stelle sich Vassilakou als Häupl Nachfolgerin vor). Wo sind die versteckten Talente im roten Nachwuchs? Bin neugierig, was die Oppositionsparteien in Wien aus dieser Situation machen. Eine gute Lösung für Österreich wäre, wenn sowohl Häupl als auch Pröll möglichst bald in Pension gehen würden, sowohl bei der SPÖ als auch ÖVP in Wien und Niederösterreich frische Kräfte an die Macht kämen und die Bundespolitik weniger aus Wien und St. Pölten beeinflusst würde. Das große Problem ist nur: wo sind die fähigen Köpfe und integeren Persönlichkeiten auf beiden Seiten? Denn Populisten haben unsere Oppositionsparteien im Nationalrat mehr als genug.

Gast: ojediewienerpaddeii
28.05.2012 12:23
12

armes wien,aber gut für österreich wenn der endlich zurücktritt;- überall wo hundtsdorfer dabei war, gings steil bergab-beim ÖGB -BAWAG desaster machte er auf unwissend- und als sozialminister ist er eine totale fehlbesetzung und schadet den asvg versicherten,hacklern und asvg pensionen auch nur.


Wo Häupl und Grün ist wird es endlich den Verlust der Absoluten in Wien geben !!!!


Egal wer auf wem folgt

Die Bagasch bleibt dieselbe wie bisher.
http://www.ostarrichi.org/wort-1980-at-Bagasch.html

Gast: meidlinger12
28.05.2012 10:22
19

Hundsdorfer, warum fällt mir da immer nur die BAWAG ein?

Bei Hundsdorfer beschleicht mich immer das Gefühl, dass er nicht der "Hellste" ist, vielleicht will man ihn deshalb?

Gast: Wem heut net schlecht is, des kann ka guter sein
28.05.2012 10:16
12

Man braucht sich Wien nicht mehr schlechtreden lassen

wenn man sich das Foto ansieht. Wer möchte schon, dass seine Stadt so aussieht.

17

Das nenn ich einen Generationenwechsel a la SPÖ

Ein Opa übergibt, ganz wie im Feudalismus einem gleichaltrigen Opa das Zepter und Siegel der Stadt - und die Bürger gaffen dazu dumpf, wie in alten Zeiten...

Ja - so stellen sich die das vor...

Das hat Würze:

"...Sollte er (Schieder, Anm.) tatsächlich nach Wien wechseln, müsste – möglich wäre auch dort vorerst der Posten im Finanzressort – seine Ehefrau, die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, wohl das Ministeramt von Alois Stöger übernehmen."

Der rote Parteiadel teilt Stadt und Land föhlich unter sich auf, die haben sich von den nordkoreanischen Machthabern einiges abgeschaut.

Gast: Häupl wäre gut beraten...
27.05.2012 17:20
3

Die Karten nicht auf den Tisch zu legen...

Ich denke mal, das keiner der hier genannten Kandidaten ernsthaft jetzt Nachfolger von Häupl wird, und ob Häupl überhaupt das Amt jetzt schon aufgibt, auch mehr als fraglich, warum, es läuft gut, die Stadt steht mehr als gut da, nicht nur national, es braucht sich selbst vor Metropolen wie NewYork, London, Paris und Berlin in keiner weise zu verstecken. Häupl hat auch dementsprechend International einen Namen, Wien wurde zum Vorbild für viele andere Metropolen.

Gut, es könnte besser laufen, ebenso sicher und viel wahrscheinlicher, das es bei weitem schlechter läuft als heute, es sei also drei mal überlegt, wer dieses Amt als Landeshauptmann und Bürgermeister in Zukunft wahrhaben will!

Mann kann mir Rot geben dafür, andersrum kann sich wirklich jemand einen FPÖ oder ÖVP Kandidaten als Bürgermeister vorstellen? Und genau das ist das Problem, Häupl ist nicht so verdammt gut, sondern der Rest so verdammt schlecht, das sie als Kandidaten untragbar sind und da sieht's auch in der eigen Partei der SPÖ nicht viel besser aus, leider!!!

Hundsdorfer....da war doch etwas.....

So kamen schließlich die 1,531 Milliarden Euro Schulden des ÖGB bei der AVB zustande, die erst im Juni 2006 der Öffentlichkeit bekannt wurden. ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer, der im September 2005 die Verschmelzungsverträge in Vertretung des damaligen ÖGB-Präsidenten abgesegnet hatte, hatte nach eigener Aussage damals keine Ahnung über diese Transaktion, die letztendlich für den ÖGB weit reichende Folgen hatte

Hundsdorfer gab damals an,er hätte geglaubt, die
Anwesenheitsliste zu unterschreiben....
Na ja.

Re: Hundsdorfer....da war doch etwas.....

reicht dann aber für einen wiener bürgermeister ... ist eh schon alles komplett verfilzt!

Häupl hat die österreichischeSozialdemokratie

an die Wand gefahren. Mit dem Untergang der SPÖ in Wien versinkt die SPÖ österreichweit in die Bedeutungslosigkeit.
Aber sich darüber freuen ist eine ganz andere Sache. Kein vernünftiger Mensch ,Kann sich die FPÖ an der Spitze wünschen, denn das wäre wohl die Alternative auf die da viele einfachdenkende User hoffen!

Endlich und hoffentlich bald auch der Regierungspartner


Re: Häupl hat die österreichischeSozialdemokratie

Genau, denn es gibt ja soviel Alternativen wie z.B. die "Autofahrerpartei" oder Baumschützer etc.
Was wäre Ihre Wahlempfehlung?

Fotograf/in kein Häupel Fan?

Ich bin kein Fotograf -aber es hat schon vorteilhaftere Fotos von Bgm. Häupel gegeben als für diesen Bericht.

Antworten Gast: Kahnae
27.05.2012 15:20
13

Re: Fotograf/in kein Häupel Fan?

Es ist jedenfalls nicht geschönt, dieses Foto.

Es ist halt der Michl, wie er leibt und lebt. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Er ist eben so und nicht anders.

Gast: gasti
27.05.2012 13:28
20

der arme sessel auf dem foto tut mir leid


Was für ein Foto!

Was für ein saturierter Mensch!

Ich bin mir sicher der hat das 10fache als Graser und Co. am Kerbholz.
Der Unterschied: Rote Solidarität inkl.Medien.

Demokratieverständnis der Sozis

Dem Faktum, dass der Bürger da eine Wörtchen mitzureden hat wird bei den Roten offenbar nicht mal mehr angedacht. Auch wenn ich mir dies lange nicht vorstellen konnte - mittlerweile wünsche ich mir einen blauen Bürgermeister für Wien.

 
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