Jänner 1919: Der Bluttag von Marburg a. d. Drau

30.01.2009 | 18:53 |   (Die Presse)

Auf dem Hauptplatz der Stadt kam es zum blutigen Massaker. Ein slowenischer General kassiert die Untersteiermark für Südslawien.

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Er war der Sohn einer ethnisch gemischten Familie in der Steiermark, wurde von seiner slowenischen Mutter zu einem glühenden Nationalisten erzogen und ging als „Schlächter von Marburg“ in die Geschichtsbücher ein – zumindest in die deutschen. Stimmt dieses Klischee des 1874 geborenen Rudolf Maister, der als k.u.k.-Leutnant begonnen hat und als slowenischer „General Majster“ 1919 zur Schlüsselfigur der Abtrennung der Untersteiermark von Österreich wurde?

Maister, der im Ersten Weltkrieg eine durchschnittliche Offizierslaufbahn durchmessen hatte, sah seine Chance mit Kriegsende gekommen. Er war dem slowenischen „Volksrat“ für die Steiermark bereits ein Begriff, der machte den Major kurzerhand zum General und übertrug ihm den militärischen Befehl über die untersteirische Hauptstadt Marburg.

Marburg, heute Maribor. Seit 1147 im Herzogtum Steiermark gelegen, eine Sprachinsel mit 32.000 Deutschsprachigen. Mit einer Fläche von 6050 Quadratkilometern umfasst die später abgetrennte Untersteiermark die Ebene des Pettauer Feldes, die Weinhügel der Windischen Büheln, das 1500 Meter hohe Bacherngebirge bis zu den 2300 Meter hohen Sanntaler Alpen. Die größten Flüsse zwischen Mur und Save sind die Drau und die Sann, die größten Städte heißen Marburg, Cilli (heute Celje) und Pettau (Ptuj, die älteste Stadtgemeinde im heutigen Slowenien).

 

Kampf um jeden Weiler

404.350 Slowenen standen 73.950 Deutsche gegenüber, die zum großen Teil in den Städten siedelten und den Ton angaben. In Cilli waren es 74 Prozent, in Pettau 90. Ein gemischtsprachiges Gebiet somit, um das zwischen Österreich und dem neu gegründeten südslawischen Staat ein erbitterter Kleinkrieg um jede Stadt, jedes Dorf, jeden Weiler stattfand.

Majster hatte im November und Dezember 1918 das umstrittene Gebiet mit einer relativ schwachen slowenischen Truppe unter seine Kontrolle gebracht – die österreichische Zentralregierung in Wien war ohnmächtig. Aber anders als in Kärnten, wo sich ein starker österreichischer Abwehrwille formierte, blieb in Graz die Landesregierung untätig. Sie fürchtete um die dringend nötige Nahrungsmittelzufuhr.

Als rettender Lichtblick erschien daher den Österreichern eine amerikanische Delegation, die sich ein Bild über die ethnischen Verhältnisse – in Kärnten – machen sollte, um den bevorstehenden Friedensverhandlungen einen guten Rat zu geben.

Am 27. Jänner 1919 verließ die US-Kommission Graz. Sie bestand aus Oberstleutnant Sherman Miles, Leutnant Le Roy King und den Professoren Robert Kerner und Lawrence Martin. Wie ein Lauffeuer sprach sich in Marburg herum, dass die Mission zu Mittag mit General Majster im „Volkshaus“ speisen werde.

 

Die letzte Chance

Die eingeschüchterte Bevölkerung wusste, dass dies ihre letzte Chance werden könnte. Dass es zu Gewalttaten kommen könnte, war seit den Weihnachtstagen nicht mehr ganz auszuschließen. Damals hatten Majsters Garden einen Österreicher erschossen, der sich widersetzt und seine Waffen nicht kampflos ausgeliefert hatte. Sein Begräbnis wurde durch eine tausendköpfige Trauergemeinde zur politischen Demonstration. Der Prediger Mahnert rief damals: „Als Diener meines Gottes, der die ewige Wahrheit ist und der die Lüge hasst, stehe und falle ich einem Herrn und Meister, der ein Meister ist über alle irdischen Majster. . . !“

So standen an diesem 27. Jänner 1919 an die 10.000 Marburger Einwohner auf dem Hauptplatz und in den angrenzenden Straßen, um der ausländischen Kommission zu zeigen, dass man bei Österreich bleiben wolle. Ganze Schulklassen wurden trotz Schnee und Kälte von ihren Lehrern aufgeboten, schwarz-rot-goldene Bänder an den Hüten, „tosende Zurufe und Gesänge drangen durch Fenster und Mauern und legten ein feierliches Bekenntnis für Deutschösterreich ab“, heißt es im Augenzeugenbericht.

Majster hatte etwa 20 slowenische Wachposten mit aufgepflanztem Seitengewehr vor dem Rathaus aufmarschieren lassen. Noch höhnte die Menge: „So ein Patzerl Soldaten!“ Aber als das Gedränge immer bedrohlicher und ein slowenischer Soldat niedergeschlagen wurde, fielen Schüsse. Ohne Befehl. In Panik versuchten sich die Menschen in Sicherheit zu bringen, in ebensolcher Panik reagierten Majsters Wachposten: Eine Salve nach der anderen feuerten die Soldaten in die nichtsahnende, wehr- und waffenlose Volksmenge, während Majster im Rathaus mit der Militärkommission speiste.

 

Der Platz war rasch gesäubert . . .

Entsetzen lähmte die Überlebenden, unbeschreiblich war die Wirkung, furchtbar die Ernte: 13 Tote und etwa 60 Verwundete, die eilig weggebracht wurden. Wenig später fuhr die US-Delegation über den gesäuberten Platz – und weiter nach Kärnten. Zumindest Miles soll tief erschüttert gewesen sein, aber sein Auftrag beschränkte sich auf die Kärntner Verhältnisse.

Die Landesregierung in Graz erkannte zu spät, wohin das blinde Vertrauen auf Recht und Gerechtigkeit geführt hatte. Und so sah schließlich auch der Friedensvertrag aus, den die Österreicher im Herbst 1919 zu akzeptieren gezwungen waren.

Seit der Vertreibung der Deutschen nach 1945, den Erschießungen und Deportationen lebt in diesem Raum heute eine etwa 2000 Seelen umfassende Minderheit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2009)

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6 Kommentare
Gast: Adolf Kovač
02.02.2009 00:09
0

Quellen

Respekt! Die "Krone" hätte es nicht besser machen können. Aber die drucken bekanntlich nicht so lange "Artikel".

Sie sollten Ihre Quellen überdenken, die kommen mir ziemlich beschissen vor.

Antworten Gast: tschriasche
08.04.2011 11:13
0

Re: Quellen

So bald was nicht ins Weltbild passt, ist die Quellenlage "beschissen"?

....

Daran sollte man denken wenn Linke (aus völliger Geschichtsunkenntnis) und Slowenen eine Slowenisierung Kärntens fordern.

Die Slowenen haben schon damals und erst recht in der Folgezeit mit blutigen Höhepunkt 1945 die Untersteiermark entdeutscht und seither ihren Expansionsdrang auf Kärnten ausgedehnt.

Aber in Kärnten steht ihnen deutscher Selbstbehauptungswille entgegen der sich von wiener linker Dekadenz nicht beirren läßt.

Re: ....

Dieselben deutsch-slawischen Volkstumskämpfe oder besser gesagt den slawischen Expansionsdrang gab es auch in den böhmischen Ländern und in den von Polen besiedelten Gebieten Preußens.
Die jeweils mit slawischen Landraub, Massenmord und Vertreibung der heimatberechtigten deutschen Bevölkerung 1945 endeten.

Gast: bürgerIn
31.01.2009 17:32
0

danke hws!!

bravo hans werner scheidl! danke für das aufzählen dieser tatsachen, die aber von der österreichischen geschichtsschreibung sowie von der slowenischen totgeschwiegen werden! aus politischer korrektheit. slowenien ist ein leichenhaufen, ein nationalistisches land, das seine geschichte nicht einmal ansatzweise aufgearbeitet hat und auch keine anstalten dazu macht. psychologen würden dieses verhalten zwischen größenwahn und minderwertigkeitskomplex einordnen. ich persönlich messe allerdings dem slowenischen größenwahn größere bedeutung bei. und im übrigen: dieser staat ist mentalitätsmäßig noch nicht im 21. jhd. angekommen (zeigt auch die eu-blockade kroatiens). wir werden noch das eine oder andere nett überraschende erlebnis mit diesem kleinstaat haben.

Antworten Gast: e-xcard
16.02.2009 21:21
0

Re: danke hws!!

Ja natürlich, eine Psychoanalyse würden Sie eher benötigen.........

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