Der Wächter der Kaisergruft

14.07.2011 | 18:16 |  EVA WINROITHER (Die Presse)

Die Kapuzinermönche wachen über die Familiengruft der Habsburger und die Kirche, in der die Särge von Otto und Regina Habsburg aufgebahrt sind. Die Gruft ist für die Padres gleichzeitig Fluch und Segen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Wenn Pater Gottfried Undesser einen Platz in der österreichischen Zeitgeschichte finden wird, dann auch deshalb, weil er gleich zwei Habsburgern den Einlass verwehrt hat. Denn morgen, Samstag, wird Pater Gottfried als Kustos der Kapuzinergruft die Anklopfzeremonie durchführen und Otto Habsburg erst den Weg in die Kapuzinerkirche nach zweimaligem Nachfragen freigeben, wenn dieser vom Zeremonienmeister frei von allen Titeln angekündigt wird.

Mehr zum Thema:

Mit Pater Gottfried trifft es keine unerfahrene Person, hat er doch schon beim Begräbnis der Mutter Habsburgs, Kaiserin Zita, die Zeremonie durchgeführt. „Aber damals war nicht so ein Andrang wie heute“, sagt der circa 1,60Meter große Mann mit den grauen Haaren. Pater Gottfried spielt damit auch auf die Menschen an, die sich seit gestern, Donnerstagvormittag, in der Kapuzinerkirche zusammenfinden, um Otto Habsburg-Lothringen und seiner Frau, Regina, die letzte Ehre zu erweisen.

Denn sie sind zahlreich gekommen: Im Zehn-Sekunden-Takt steigen die Trauergäste die flache Stiege zur Kirche empor, ein Obdachloser steht daneben und versucht sein Glück als „Augustin“-Verkäufer. Im Inneren der Kirche herrscht eine Atmosphäre zwischen Trauer, Medien-Event und Touristenattraktion. Vorwiegend ältere Menschen stehen in der Schlange vor dem Sarg und warten, vorgelassen zu werden. Dazwischen mischen sich junge Gesichter, viele Touristen, die mit dem Fotoapparat in der Hand ihre Chance nützen.

Zwei pensionierte Frauen aus Erzberg/Steiermark gehen langsam aus der Kirche. Sie sind schon am Mittwochabend angereist, um die Verabschiedung nicht zu verpassen. „Es war mir ein Anliegen“, sagt die 67-jährige Heidi S.

Dazwischen läuft Pater Gottfried nervös auf und ab und bietet den Mitarbeitern der Bestattung Wien immer wieder Kaffee an. Er ist blasser als sonst. Der ganze Aufwand – es ist nicht zu übersehen – verlangt viel von dem 79-jährigen Pater, der seit mehreren Jahrzehnten Mitglied des Ordens ist. Auch wenn seine Geschichte untrennbar mit jener der Gruft oder den Habsburgern verbunden scheint. Kurz nach der Matura trat er ins Kloster ein, gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder, der jetzt bei den Kapuzinern in Klagenfurt lebt. Danach folgten das Theologiestudium, Jahre als Religionslehrer und schließlich seine Berufung zum Provinzsekretär, die er 43 Jahre lang ausübte. Seit 1988 ist Pater Gottfried Kustos der Kapuzinergruft und damit auch die erste religiöse Ansprechperson für die Habsburger, wenn diese in der Gruft beigesetzt werden.

 

Fluch und Segen

Sein Amt führt er mit größter Diskretion aus. Kein Wort zu viel kommt über seine Lippen. Nur so viel: „Die Anklopfzeremonie gehört eben zu den Pflichten eines Kustos“, sagt er. Dann wieder nichts. Pater Gottfried schweigt gerne, das sagen auch seine Mitbrüder. Tatsächlich ist die Gruft für die Brüder viel mehr als die letzte Begräbnisstätte einer alten Herrscherfamilie. Denn die Brüder leben von den Einnahmen der Gruft, auch wenn sie mit dem Erlös deren Instandhaltung und die des Klosters sowie das Ordensleben finanzieren müssen.

 

Keine „Anbetung von Toten“

Täglich bieten die zehn Mitglieder, die der Orden in Wien umfasst, Seelsorge an, feiern drei Mal am Tag die Messe und kümmern sich um einen Kindergarten des Seraphischen Liebeswerks, der zum weltweiten Kapuzinerorden mit seinen insgesamt 11.000Mitgliedern gehört.

Doch die Gruft ist für die Padres gleichzeitig Fluch und Segen. „Junge Menschen glauben oft, dass wir nur für die Toten in der Gruft leben, aber das stimmt nicht“, erzählt Bruder Klaus, der mit seinen 52 Jahren noch der Jüngste unter den zehn ist. Das sei auch für den Nachwuchs ein Problem. Der letzte Pater trat vor drei Jahren ein. Und auch sonst kommt dieser Tage die spirituelle Arbeit zu kurz. „So ein Massenandrang ist natürlich schlecht für unser Leben im Kloster“, sagt Bruder Klaus. Und natürlich. Die Schlange in der Kirche wird immer länger, ein erstes Gedränge entsteht draußen, vor der Tür. Ein junge Mann kommt während seiner Mittagspause vorbei, drei Geschwister, noch keine 30Jahre alt, betreten den Raum. Dazwischen steht Pater Gottfried und hält, nach außen ruhig, die Stellung. Sein Befinden, sagt er, tue heute nichts zur Sache. „Aber besser geht es mir, wenn Montag ist.“

Auf einen Blick

Das Freitag-Programm. Eine Auswahl der Orden von Otto und Regina Habsburg wird am Freitag in der Kapuzinerkirche in Wien ausgestellt: dynastische, staatliche, nicht staatliche Orden und Auszeichnungen. Im Zentrum stehen für den verstorbenen Kaiserssohn die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies, dessen Souverän er bis 30.11. 2000 war.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

27 Kommentare
 
12

Gast: Feuervögelchen
15.07.2011 13:22
0 1

War das jetzt wirklich der letzte dieser Verbrecherdynastie?

Aber wie ich vernahm will einer dieser zu BP Wahl antreten?

Die Österreicher sind sogar zu einer Revolution zu blöd, dabei haben es ihnen die Bolschewiki 1917 gezeigt wie man sowas erfolgreich zu Ende führt...

Wen man bei einer Revolution die Gegner nicht innerhalb kürzester Zeit ausschaltet, sollte man es lassen - es ist dann sowieso umsonst.


0 0

Re: War das jetzt wirklich der letzte dieser Verbrecherdynastie?

und willst du jetzt also einzelnen Person ausschließlich aufgrund Ihres Namens verbieten, zu demokratischen Wahlen anzutreten?

Das ist Sippenhaft - und hat lange genug in Österreich geherrscht. Eine Freude, dass diese zumindest teilweise beseitigt wurde.

Antworten Antworten Gast: Nudelauge
15.07.2011 16:08
0 0

Re: Re: War das jetzt wirklich der letzte dieser Verbrecherdynastie?

Natürlich nicht, ich habe nur das Antreten zur Wahl festgestellt.

Der Fehler wurde 1918 begangen, wenn Sie verstehen.


0 2

Otto

Nun ist bald endlich Schluß mit diesem unerquicklichen Leichenwanderzirkus

hört denn dieser Schwachsinn

überhaupt nicht mehr auf?!

Antworten Gast: Johann S
15.07.2011 12:50
0 1

Re: hört denn dieser Schwachsinn

Hast recht.Habe mich leider auch auf einen Dialog eingelassen.Komme mir heute vor
wie der Ritter aus dem Buch von Cervantes,
Der mit den Windmühlenflügeln.

Man lernt daraus.

Nächste Woche spricht kein Mensch mehrdavon.
Gottseidank.

Jetzt bleib ich bleich und stumm,vor soviel Heldentum.
Lb Gr

Antworten Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus
15.07.2011 14:17
0 0

Nächste Woche spricht kein Mensch mehr davon,. Gottseidankn

Jeder Sinn ist begrenzt

1 0

Das ist definitiv...

...der letzte Auftritt der Habsburgermonarchie.
Ich glaube das kann man ihnen ruhig gönnen, da ist es nicht nötig, die Schmutzküberln auszugießen.

Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus
15.07.2011 12:52
0 0

Monarchie,

warum so populär von Anfang an?

Man liebt Fremdwörter in A. Man ist gebildet, angeblich. Drückt sich gewählt aus.

Von Anfang an

erster ANSPRECHPARTNER

für Habsburger die in der Gruft bestattet werden möchten.
Danke, mit einem Lächeln beginnt ein guter Tag

Gast: Es lebe der Zentralbahnhof und alle seine Roten, der Eintritt ist für andere Farben ausnahmslos verboten......
14.07.2011 22:54
0 3

Der Wächter der Kaisergruft???

.....da gehört schon viel Mut dazu, um tote Menschen zu bewachen.....aber blöd schaun tät er schon da Herr Mönch, wenn 2 Verstorbene so spasshalber in der Nacht die Liegeplätze wechseln und in der Früh den Kopf so leicht anheben und rausschauen ob dem Mönch etwas Spanisch vorkommt, weil einer vielleicht beim schnellen Wechseln ein Wurmerl verloren hat!?

umbetten auf den Zentralfriedhof

... und eine Tiefgarage statt der Gruft. Ich dachte die Habsburger wurden enteignet?

Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus
15.07.2011 12:55
0 1

umbetten auf den Zentralfriedhof!

Man fühle zunächt beim Bundesdenkmalamt vor!

die augustin verkäufer sind auch überall...


Der Adel hat noch immer die volle Macht

Nur weil der Otto in Oest. nichts mehr zum sagen hatte heisst das nicht das der Europäische Adel nur als Statisten ihr Dasein fristen. Das Engl. Königshaus ist ja eigenlich Deutsch (Coburg, nur auf Windsor umgetauft), die Grimaldis waren (und sind noch) Seeräuber, etc etc. Die Hochfinanz hat schon in den Adel eingeheiratet und kontrolliert so einen Grossteil von Europa und Amerika. Die Demokratie ist eigentlich nur eine Fata Morgana.

Re: Der Adel hat noch immer die volle Macht

das zentrum sitzt in der city of london, eine tentakel liegt hinter der fed, und weiter oben sind wesen nicht von dieser welt.

0 2

Re: Der Adel hat noch immer die volle Macht


Ojeee ...

Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus
14.07.2011 21:19
0 0

Adel hat noch immer die volle Macht - schon lange nicht mehr in der Monarchie

Aber wer es braucht, kann alles so sehen, wie er es gerade benötigt.

Was ist Adel?

Ab kleines von vor dem bügerichen Namen?

Ist das eine feste Gruppe, die in sich verschweisst ist?

Re: Adel hat noch immer die volle Macht - schon lange nicht mehr in der Monarchie

"Was ist Adel?"

eine bestimmte blutlinie die nicht durch andere menschen verunreinigt werden darf, sonst können die adelsmarionetten nicht durch reptoiden aus der vierten dimension besetzt werden

Antworten Antworten Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus
15.07.2011 14:12
0 0

eine bestimmte blutlinie

Einem's Grossvater heirate Mitglied einer der Herkunft nach jüdischen Familie. Trotzdem ... Standeserhebung von einem's Urgrossvater.

Man war jedefalls gnädiger als ... Es empfahl sich natürlich 1938 durchzugehen.

In der Emigration ward man wohl ernährt.

Deswegen geistig nicht verhungert?

Antworten Antworten Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus
15.07.2011 10:12
0 0

Adel - blutlinie die nicht durch andere menschen verunreinigt werden darf

Früher hiess es: Kind folgt der “ärgeren” Hand.

Grundsatz zwei Mal verletzt. Verstorbener; Verstorbene.


Re: Re: Adel hat noch immer die volle Macht - schon lange nicht mehr in der Monarchie

deinen kommentar behirnt maximal 0,0001 prozent der bevoelkerung.

Re: Re: Re: Adel hat noch immer die volle Macht - schon lange nicht mehr in der Monarchie

leider...

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus
15.07.2011 07:35
0 1

Behirnen, Erweiterung des Sprachschatzes


ich mag die presse

bei der Biographie am Todestag in der Presse habe ich kurz wirklich geglaubt Otto hätte den eisernen Vorhang im Alleingang verschwinden lassen. Dann ist mir eingefallen dass da ja die Presse ist... jedenfalls die beste Hofberichterstattung in Österreich.

 
12

Umfrage

  • Sollen U-Ausschüsse im TV übertragen werden?
  • Ja, das schafft mehr Transparenz.
  • Nein, dann verkommt der U-Ausschuss zur Show.
  • Weiß nicht; egal.

Mein Parlament

Jetzt Politik-Newsletter abonnieren

Auf einen Blick: Die wichtigsten Ereignisse aus Innen- und Außenpolitik. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden