25.05.2012 20:53 | Meine Presse Merkliste 0

Des Kaisers gestrenge Sparkommissare

02.02.2012 | 11:26 |  Helmar Dumbs (Die Presse)

Wenn das die Griechen wüssten: Im Heiligen Römischen Reich wurde mit verschuldeten Staaten viel strenger verfahren.

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Der Staat stand kurz vor dem Bankrott. Mit vollen Händen war jahrelang Geld ausgegeben worden, das die Regierung längst nicht mehr hatte. Auf Schulden türmten sich immer nur neue Schulden - bis irgendwann den Gläubigern dämmerte, dass es mit der Einbringung der Außenstände eventuell ein wenig zäh werden könnte. Als der Kleinstaat praktisch unregierbar geworden war, schritt die supranationale Ebene ein - und schickte einen Sparkommissar mit weitreichenden Vollmachten.

Griechenland 2012? Weit gefehlt: Die Rede ist von Sachsen-Hildburghausen im Jahr 1769, und die supranationale Institution war das Heilige Römische Reich. Beim Wiener Reichshofrat waren bereits mehrere Schuldklagen gegen den Prasserherzog Ernst Friedrich III. anhängig, und irgendwann zog man die Notbremse. Nicht zuletzt auf Betreiben seines Großonkels, des Prinzen Joseph Friedrich, den Wien auch gleich an die Spitze der eingesetzten Debit-Kommission rief. Ernst Friedrich ist seine Verschwendungssucht übrigens schlecht bekommen - er wurde schlicht entmündigt.

Griechenlands heutige Politiker vom irgendwie ja ebenfalls entmündigten Georgios Papandreou bis Technokraten-Premier Lukas Papademos, dem man in Brüssel einmal die Rettung des Landes zugetraut hat, würde sich sehr wundern, läsen sie nach, was diese Kommissionen für Vollmachten hatten. Und die griechischen Zeitungen würden sich möglicherweise mit Nazi-Vergleichen etwas zurückhalten und zu dem Schluss kommen, dass ein Sparkomissar, wie ihn jüngst Deutschland vorgeschlagen hat, für sie noch die harmlosere Variante wäre.

"Völliger Entzug der Finanzhoheit"

Verglichen nämlich mit einer der mehreren Dutzend Debit-Kommissionen, die der Kaiser in Wien bzw. sein Reichshofrat zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges - der an der Verschuldung zahlreicher Staaten im 17. Jahrhundert nicht ganz unschuldig war - und dem Ende des Heiligen Römischen Reiches in die Lande schickten, um verschwenderische Fürsten zur budgetären Räson zu bringen. Denn wenn der Kaiser auf Initiative des Reichshofrats oder auch der jeweiligen Landstände seine Sparmeister aussandte, dann beinhaltete deren Mandat Durchgriffsmöglichkeiten, von denen die heutige Troika aus EU, IWF und EZB vor Neid erblassen würde.

„Es handelte sich um einen völligen Entzug der Finanzhoheit", erklärt der Münchner Neuzeithistoriker Wolfgang Burgdorf im Gespräch mit der „Presse": „Nur noch die Debit-Kommissionen durften Schulden aufnehmen, und die gesamte Verwaltung wurde auf sie vereidigt." Mit anderen Worten: Die Regierung konnte ihren eigenen Beamten nichts mehr befehlen: „Die Fürsten durften keine Baumaßnahmen mehr durchführen. Wenn größere Kosten anfielen, musste das bewilligt werden. Und gab es in einem kleinen Territorium zu viele Schlösser, dann musste etwas verkauft werden", erklärt Burgdorf und stellt fest: „So weit sind wir im Fall Griechenlands noch nicht."

Griechenland - ein gescheiterter Staat

Die damalige Situation sei durchaus mit der heutigen vergleichbar, meint der Historiker. „Man könnte sagen, dass Griechenland ein gescheiterter Staat ist, und viele von diesen kleinen Reichsfürstentümern waren ja auch auf eine Weise gescheiterte Staaten." Zimperlichkeit war den Schuldenkommissaren dabei fremd, schildert Burgdorf: „In Sachsen-Weimar-Eisenach hat man den Leuten im Winter die Türen und Fenster weggenommen, bis sie ihre Steuern bezahlt haben." Und dennoch: Bei den Untertanen waren die Kommissionen in der Regel nicht unbeliebt, waren sie doch ein nachhaltiger Schutz vor der ortsüblichen Misswirtschaft. Die äußerte sich zumeist in einer verschwenderischen Hofhaltung mit ausgeprägter Neigung zu repräsentativen und also kostspieligen Prunkbauten.

Die Folge war eine immer drückendere Steuerlast auf die Untertanen - bis es den Landständen irgendwann zu bunt wurde und sie einen Hilferuf nach Wien absetzten. Letztlich scheint den Untertanen offenbar klar gewesen zu sein, dass sie am Ende, also bei sanierten Staatsfinanzen und einer dadurch geringen Steuerlast, besser dastehen würden. Standen sie meistens auch. Denn die Debit-Kommissionen zogen erst ab, wenn die Finanzen eines Staates - es handelte sich im übrigen immer um kleinere Entitäten des Heiligen Römischen Reiches, die „großen Fische" wie etwa Preußen waren sozusagen immun - wieder auf gesunden Beinen standen. Burgdorf: „Die Fürsten haben sich in der Regel an die ausgehandelten Verträge gehalten, sie hatten Angst vor einem weiteren Prestigeverlust."

Es konnte allerdings dauern, bis eine solche Kommission ihre Arbeit tatsächlich beendet hatte: Im Falle von Sachsen-Hildburghausen dauerte es bis 1826. Die Sparmeister waren also noch am Werk, als es ihr Heiliges Römisches Reich schon nicht mehr gab. Für die EU ist das hoffentlich kein böses Omen.

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18 Kommentare
Gast: alatheus
02.02.2012 23:07
0 0

Ein weiteres historisches Beispiel, wie man anno dazumal finanzielle Engpässe zu überwinden versuchte:

Der württembergische Herzog Carl-Eugen, der wegen seiner aufwändigen Hofhaltung und dem Bau mehrerer Schlösser an chronischer Geldnot litt, verkaufte im Jahr 1786 über einen Subsidienvertrag ein Regiment von Soldaten an die Holländisch-Ostindische Handelskompanie.

Auf Wikipedia gibt es einen hervorragenden Artikel dazu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kapregiment

http://www.heimatverein-moeglingen.de/so/kapregiment1.htm

Antworten Gast: Draco Draconis
11.02.2012 22:20
0 0

Re: Ein weiteres historisches Beispiel, wie man anno dazumal finanzielle Engpässe zu überwinden versuchte:

Und der hannöversche Potentat machte dasselbe mit seinen Untertanen. Die gingen aber in die andere Richtung nach Amerika

Gast: montana
02.02.2012 20:04
0 0

Offenbar gibt es auch in Griechenland historisch Bewanderte,

weil ja schon jemand die Idee hatte, den Strombezug an die Ablieferung der Steuern zu koppeln.

Gast: Hammvieh
02.02.2012 17:24
0 1

Soso

Die EU haelt sich jetzt fuer das Reich, ihre Bonzen fuer den Kaiser und ihre Mitgliedsstaaten fuer seine Vasallen? Man sollte diese offenbar an Caesaropapismus leidenden armen Irren in eine Klapse einweisen und richtig einstellen.

2 0

Re: Soso

Die Darstellung stammt von einem Historiker, keinem EU Funktionär. Bitte genauer lesen !

Gast: Franzzy
02.02.2012 17:05
1 0

EAV hat die Lösung

Ein Kaiser muss wieder her :-)

http://www.youtube.com/watch?v=Nf_ySGYLrBM

Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus, Paris
02.02.2012 17:53
0 0

die Lösung UHBP = Ersatzkaiser


Antworten Antworten Arethas
02.02.2012 21:05
0 0

Re: die Lösung UHBP = Ersatzkaiser

Ersatz-Breschnew wohl eher

GeraldC
02.02.2012 15:44
0 0

„So weit sind wir im Fall Griechenlands noch nicht."

Aber bald!
Sehr bald!
Noch 2012

Gast: Warth
02.02.2012 15:43
0 0

Frau Merkel ...

sollte aufgeklärt werden. Herr Faymann ist viel zu nachsichtig mit Griechenland.

Antworten Erich Bahn
06.02.2012 13:47
0 0

Re: Frau Merkel ...

Seit wann hat Faymann in diesem Kreis etwas zu plaudern?

Antworten Antworten Gast: Wart
06.02.2012 16:20
0 0

Re: Re: Frau Merkel ...

Einer muß in Österreich das Geld zusammenhalten.

Antworten Antworten Antworten Gast: Meran
08.02.2012 15:33
0 0

Re: Re: Re: Frau Merkel ...

Herr Grasser bringt das Geld im Koffer nach Lichtenstein. So wird das Geld zusammengehalten.

Antworten Antworten Antworten Erich Bahn
06.02.2012 19:14
0 0

Re: Re: Re: Frau Merkel ...

war ist dies?

Gast: Genosse Graf Gudenus, Paris
02.02.2012 15:06
0 0

Ein Segen, dass Deutsche Nation unter Tisch gefallen ist

Die Stände, ob Fürsten, Städte, etc wurden selbstveratändlich zur Verantwortung gezogen? Sowohl im Reich, als auch im Deutschen Bunde, wie auch Bismarcks Gebilde. EU, man hat keine Geschichtskenntnisse!

Ein ständiger Kunde war Sachsen-Coburg bzw. dessen Herzog.

Von Griechenland ist bekannt, die Socialisten bestanbden auf ...

Es sind auch andere Fehlgänger. Blick auf die Landkarte, etc

Zuerst einmal Kerneuropa: F, D, Benelux. Gier war und ist zu gross.

Gast: Johann S
02.02.2012 13:31
0 0

Die

Kaiser des"heiligen römischen Reiches"waren selbst Spitzenreiter des Schuldenmachens.

Stichwort Welser,Fugger.

Gast: Monarchenzähler
02.02.2012 13:22
0 0

So viel ich weiß, hatten die Kaiser selber permanent Geldprobleme.

Und waren daher auch nicht immer frei in ihren Entscheidungen.

Gast: porto5
02.02.2012 12:07
2 0

Meine Rede

Das hätte man schon vor einem Jahr machen müssen, also VOR jeglicher Hilfszahlung. Griechenland vollständig entmündigen und unter Zwangsverwaltung stellen. Von jeder Bank verlangt man zurecht, daß die Risiken genau geprüft und bewertet werden, und Kredite nur gegen entsprechende Sicherheiten und ggf. unter entsprechenden Auflagen gewährt werden. In Griechenland wurde fahrlässig (man könnte auch sagen kriminell) Geld ohne Sicherheiten und ohne funktionierende Auflagen verschleudert...und das ist unser Geld. Und es geht munter weiter, und die Beträge werden immer größer.