25.05.2012 21:33 | Meine Presse Merkliste 0

"Gendern": Psychologische Wirkung ist wichtig

10.01.2011 | 09:15 |  ALEXIA STUEFER (Die Presse)

Zwischen Korrektheit und Verständlichkeit: Die Forderung nach Zurückhaltung beim "Gendern" muss bestritten werden. Rechtsnormen sollten nicht bloß einfach lesbar, sondern auch gerecht formuliert sein.

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Wien. Im „Rechtspanorama“ vom 13. Dezember 2010 setzte sich Frau Dr.in Gerlinde Ondrej mit der sprachlichen Gleichbehandlung von Frau und Mann in juristischen Texten auseinander. Sie kritisierte Gesetzesstellen und höchstgerichtliche Judikate, in denen sowohl weibliche als auch männliche Bezeichnungen verwendet wurden, und rief „zur Zurückhaltung“ auf, „um die Verständlichkeit von Rechtstexten zu fördern“.

Ondrej gestand zwar zu, dass „[...] rechtliche Regelungen zur Gleichstellung von Mann und Frau beitragen können und dass durch eine eindeutig männliche Formulierung die Wertschätzung der Frau in Schieflage gerät und das traditionelle Bild von Frauen- und Männerwelten tradiert wird“. Sie fragte sich aber, ob die verfassungsrechtliche Grundlage für das legistische Vorgehen, der in Art. 7 B-VG geregelte Gleichheitsgrundsatz, nicht einschränkender beurteilt werden sollte. Ondrej hegt gar verfassungsrechtliche Bedenken gegen geschlechtergerechte Formulierungen, da die so abgefassten Gesetzestexte nicht (mehr) verständlich seien. „Wenn die Legistik sich aller Redundanzen bedient, wenn die Rechtsetzungstechnik versagt und wenn die Intention des Gender-Mainstreaming-Konzepts darin kulminiert, den Wiedererkennungswert einzelner Normen zu verschleiern, ist der an sich löblichen Gleichbehandlung und Gleichberechtigung der Frau kein guter Dienst erwiesen.“ Vielmehr habe Professor Eugen Klunzinger, Ordinarius an der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen, Recht, wenn er ausführt: „Die konstante Beachtung der ,political correctness‘ führt unweigerlich zur Kastration jeder lebendigen Rhetorik.“

Sprache schafft Bewusstsein

Ondrejs Appell ist nicht zu folgen. Die Gleichberechtigung von Frau und Mann erfordert jedenfalls auch eine sprachliche Gleichbehandlung. Ondrej lässt außer Acht, dass Sprache das Bewusstsein prägt, und unterschätzt damit die psychologische Wirkung der Sprache: Wenn in einem Bericht über die Arbeitswelt permanent von „dem Chef“ die Rede ist, wird – unweigerlich – suggeriert, dass Führungspositionen in Unternehmen und/oder Behörden – vornehmlich – männlich zu besetzen sind. Die Vorstellung, dass auch Frauen („Chefin“) Leitungsfunktionen übernehmen können, wird in der Person, die mit diesem Text befasst ist, erst gar nicht erzeugt. Sehr wohl aber, wenn auf geschlechtergerechte Formulierungen geachtet wird. Je öfter weibliche Bezeichnungen verwendet werden, desto mehr werden Frauen in der gesellschaftlichen Realität wahr- und ernst genommen. Rechtstexte sollten daher – entgegen Ondrejs Ansicht – nicht bloß einfach lesbar, sondern auch gerecht formuliert sein. Dass damit ein gewisser Aufwand verbunden ist, ist geradezu selbstverständlich. Die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern wird in keinem Lebensbereich ohne Anstrengung und Überwindung zu erreichen sein.

Eine (rein) männlich formulierte Sprache konserviert die traditionellen Rollenmodelle und damit die männliche Hegemonie. Eine moderne Gesellschaft, die die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann als einen ihrer Grundwerte ansieht, sollte daher eine entsprechende sprachliche Weiterentwicklung vollziehen. Ebendies versucht die Gesetzgebung, wenn sie Texte geschlechtergerecht bzw. möglichst neutral formuliert. Ihre Intention ist es nicht, den „Wiedererkennungswert von Normen zu verschleiern“, sondern das verfassungsrechtliche Postulat der Gleichberechtigung umzusetzen. Ebenso will das der Verwaltungsgerichtshof in dem von Ondrej zitierten Erkenntnis (2004/07/ 0166), wenn er ausspricht, dass „Landeshauptfrau“ eine zulässige Behördenbezeichnung ist, er somit nachgerade Logisches für den Fall festhält, dass eine Frau das Amt innehat. Dass diese Bezeichnung grammatikalisch die einzig Richtige ist, sei am Rande bemerkt. Nicht Klunzingers Ansicht, wonach politische Korrektheit „unweigerlich zur Kastration jeder lebendigen Rhetorik“ führe, trifft zu, sondern: Herausragende Rhetorik ist die Kunst der Sprache ohne Diskriminierung.

Dr.in Alexia Stuefer ist Rechtsanwältin in Wien. Dieser Beitrag wird in einer längeren Fassung im Heft 01/11 der Zeitschrift
juridikum erscheinen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2011)

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96 Kommentare
 
1 2 3
Gast: gast
16.01.2011 10:11
2 0

Die politische Korrektheit ist der Untergang des Abendlandes

In 50 Jahren wird man über die politische Korrektheit schallend lachen. Stellt sich nur die Frage wer.

Nieder mit dieſem Wahnſinne!

Solchen Frauen ſollte man ihre Lernungsberichtigung an der Hochbilde entziehen.

mesche
13.01.2011 21:22
3 2

So ein Schwachsinn...

... in der "Presse". Ich bin entsetzt.

0 1

Zu 90% Unfug.

Ich achte darauf, dass unter jedem nicht internen Schriftstück steht, dass sämtliche Bezeichnungen geschlechtsneutral zu verstehen sind, und damit hat es sich.

Natürlich ist das auch Unfug, wenn von Männern und Frauen die Rede ist, aber darauf kommt es ja nicht an.

Gast: Gast12.345
13.01.2011 17:00
3 1

Bitte nicht schon wieder

Lächerlich. Die gegenderten Bücher/Schriften lese ich nicht. Danke

Gast: jurist5667
13.01.2011 15:07
3 1

gääähn

Dieser Beitrag wird in einer längeren Fassung im Heft 01/11 der Zeitschrift
juridikum erscheinen.

danke, kein bedarf.

frau dokotrin (ist die doppelte verweiblichung eigentlich korrekt?) stüfer schreibt ja nichts anderes, als von psychologinnen - ohnehin - schon ewig widergekautes.

was kann man da noch ausführlicher abschreiben?


Antworten mesche
13.01.2011 21:23
0 0

Re: gääähn

Wenn der Artikel im juridikum erscheint, wissen wir, wo er politisch zuzurechnen ist.

Antworten Gast: jurist 5667
13.01.2011 16:19
0 0

Re: gääähn

sorry, sollte natürlich "wiEdergekautes" heißen.

Gast: Pressegast
13.01.2011 14:20
3 1

Gottes Willen Frau DOKTOR

Normalerweise halt ich ja nix von polemischen Postings ohne inhaltliche Auseinandersetzung, aber im Fall ihres Artikels kann ich nur raten: Suchen Sie sich einen Mann! Oder ekelt es Sie vor diesem Menschenschlag?

Gast: resident evil
13.01.2011 11:43
3 1

bla bla bla

zuallerst, es gibt bei höherer Bildung keine Dr.ins und keine Mag.asüchtigen. Nur in der Einbildung.

Bitte
1. das Universitätsgesetz 2002 lesen, Frau Kollega, insb. § 88 Abs. 2, der da lautet
“Mag.”, “Dr.” und “Dipl.-Ing.” (“DI”) sind im Falle der Führung dem Namen voranzustellen, die übrigen akademischen Grade sind dem Namen nachzustellen.

2. dieser Hoch- oder Nachstellunfug ist auch dem (amtlichen) Regelwerk sowohl 2004 als auch 2006 über die Neue Deutsche Rechtschreibung fremd.
http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/download/regeln2006.pdf

4 0

statt dass Juristinnen grammatikalischen Blödsinn schreiben

Dr.in, z.B. ich fragte mich zuerst in WAS, bis ich dahinter kam, die will ihren Dr. verweiblichen, wenn schonn dann sollte das Doctora heißen, statt also Blödsinn zu verzapfen sollten sie sich mit Sprachwissenschaftlern zusammentun und wenn es denn sein muss, die nächste Rechtschreibreform dem Genderwahn widmen, aber bitte ohne die absolut grauslichen In-Anhängsel.

Jusistendeutsch ist sowieso mit Absicht schwer verständlich, jetzt wollen es ein paar DamenErren (sind so die Herren jetzt genderrichtig?) noch unverständlicher gestalten. Amen

3 0

Re: statt dass Juristinnen grammatikalischen Blödsinn schreiben

Die feminine Form von "doctor" lautet "doctrix", wie zum Beispiel auch bei "victor" und "victrix". Demnach handelt es sich bei dieser Person um eine Dr.x, so wie man anscheinend auch Mag.a für eine "magistra" zu schreiben hat.

Gratulation zum Begriff "Mag.a-süchtig"!

Gast: gast
13.01.2011 07:25
2 0

ich bin sehr froh...

dass unsere Gesellschaft SOLCHE Sorgen hat...

Ich hätt ja glatt gedacht, man möge sich über den Klimawandel, die Probleme inkompatibler Kulturen, die Arbeitslosigkeit, über (warum auch immer) unheilbare Krankheiten und politische und religiöse Fanatiker Sorgen machen.

Wie man sich irren kann....

Gast: Die Ente Lippens
12.01.2011 10:14
5 0

"Dr.in" Stuefer ist inkorrekt. Doktorix ("Dr.x.") Stuefer" warere sprachlich korrekt.


Gast: Grummelbart2
12.01.2011 09:30
4 0

"Herausragende Rhetorik..."

"...ist die Kunst der Sprache ohne Diskriminierung."

Das sehe ich anders. Stellen sie sich die bewegendsten Reden der Menschheitsgeschichte vor - da gabs unter anderem auch ein paar auf deutsch.

Jetzt gendern sie das konsequent durch.

Es ist eine Sache, gendern als "notwendig" hinzustellen; eine andere, zu erwarten, dass die Leute es auch noch "toll" und als "herausragende Rhetorik" bezeichnen.

Im Übrigen: Welchen Preis ist man bereit zu zahlen? Wie groß sind die Auswirkungen des "Genderns" auf den Sprachgebrauch? Wie verheerend auf die Kultur? Und wie groß der Nutzen?

Ist jede Maßnahme gerechtfertigt, wenn sie dem Ziel der "Gleichberechtigung" (die übrigens bereits gesetzlich besteht, nur faktisch noch ein bisschen in der Umsetzung dauern wird) dient?

Und wenn die Antwort auf die obige Frage ein "Ja" ist - sollte man sich dann nicht fragen, ob es hier weniger um eine Verbesserung der Lebenssituation von Menschen geht, sondern eher um die blinde Durchsetzung einer Ideologie?

Gast: Novalis
12.01.2011 08:27
4 0

Korrektes Gendern

Der/die Sonn(e)In

der/die MondIn

der/die FlussIn

...

fireone
12.01.2011 07:25
4 1

Dieses Gendern

ist mir echt zu mühsam. Immer muß ich aufpassen, dass ich ja keinem auf die Zehen steige. Es könnte sich sonst jemand beleidigt fühlen. Und das wär mir echt wurscht!

Gast: gast
11.01.2011 13:34
9 1

generisches Maskulinum

„Die konstante Beachtung der ,political correctness‘ führt unweigerlich zur Kastration jeder lebendigen Rhetorik.“ (Prof. Klunzinger hat hiermit völlig recht.) Wer da ständig auf irgendwelche männlicher Formen eindrischt, die im Eigentlichen gar keine sind, ist entweder feministisch verblendet oder hat in der Schule nichts über das Generische Maskulinum gehört; das grammatische Geschlecht hat ja nichts mit dem natürlichen Geschlecht zu tun. Das generische Femininum (grammatisch weiblich, stimmt ebenfalls mit dem natürlichen Geschl. oft nicht überein) wünscht ja auch niemand weg. Aber das liegt wohl daran, daß in ihrer Selbstherrlichkeit die Femanzen genau das wollen: einerseits die Bevorzugung alles Weiblichen, gleichzeitig die Herabsetzung alles Männlichen. Und sage niemand, es beträfe "ja bloß" die Sprache. Die Sprache wurde (und wird!) dazu benutzt, Ideologien in die Gehirne der Menschen zu drücken.

Rex Mager

Gast: Gast
11.01.2011 00:11
6 0

Nicht aufgepasst?

Der Artikel klingt fatal danach, dass da jemand in der Schule nicht aufgepasst hat.

Pisa
isa
Hund.

Selbstausschaltung

Werden Gesetzestexte der politischen Korrektheit wegen derart formuliert,so daß sich der Sinn niemand mehr erschließt, so führt dies zur Ablehnung des Textes.

Mein persönlicher Höhepunkt war eine Präsentation der Gleichheitsbeauftragten: Sie musste auf die deutsche Sprache und damit das generische Maskulin zurückfallen, weil durch die unzähligen notwendigen Abkürzungen die Folien zwar buchstabenbedeckt, aber sinnbefreit waren...

Thonet H.
10.01.2011 22:27
9 0

Da schreibt schon wieder eine Oberlaiin der Genderzunft

ihren feministischen Frust von der Seele.

Gast: Gast
10.01.2011 19:59
12 0

"Je öfter weibliche Bezeichnungen verwendet werden, desto mehr werden Frauen in der gesellschaftlichen Realität wahr- und ernst genommen."

In Zeiten der 'positiven Diskriminierung' also des oeffentlichen und bewussten Eingestaendnisses, dass es eine Frau ohne sexuelle Diskriminierung von Maennern niemals in eine bestimmte Position bringen wuerde, klingt obiger Satz geradezu grotesk.

Frauen sollten besser darauf achten, dass ihre berufliche Leistung stimmt - dann und nur dann werden sie dort auch 'wahr- und ernst genommen'.

Alles andere ist zum Scheitern verurteilt und schadet letztlich dem Ansehen der Frauen.

Antworten Gast: Gast
11.01.2011 00:15
2 0

Re:

Schaut die so arg aus, dass sie aners nicht wahrgenommen wird?

ps: Sie verteidigte die Ravidass-Mörder. Die Anklage sei nur rassistisch.

Gast: Eggnogg
10.01.2011 18:06
6 0

Raus statt Dr.in

Feminachos brauchen wir nicht.

Gast: katzigiannis
10.01.2011 16:54
11 0

Die gute

Frau Anwältin hat schlicht und ergreifend nicht verstanden, dass es nicht Aufgabe der Rechtssprache oder irgendeiner anderen Fachsprache ist, allfällige, wenn auch historisch und rational begründbar gewachsene "Defizite" einer Sprache an sich, zu beheben, oder in irgendeiner Form "bewusstseinsbildend" zu agieren. Das wäre allenfalls Aufgabe einer "Sprachreformkommission" ähnlich der Rechtschreibreformkommission, die viele noch in Erinnerung haben werden. Aber selbst wenn man sich zu einer solchen Reform entschließen sollte, bliebe als Maxime nicht, in jedem Fall durch Anführung beider Geschlechter, Binnen-I und anderer Fehlgriffe "geschlechtsneutral" zu formulieren, zumal damit das Manko der schwierigen Lesbarkeit und Verständlichkeit nicht behoben werden kann. Oder, wie meine Tochter es bodenständig formuliert: "Das ist doch eh klar, wieso soll ich alles doppelt schreiben?". Da müsste man sich schon auf wirklich neutrale Begriffe, wie "der Mensch", "die Person", das "Rechtssubjekt" udgl einigen. Bis es so weit ist, dürfen sich jeder Kindergärtner und jede Täterin wegen vermeintlicher Nichterwähnung diskriminiert fühlen, und sie werden es verkraften, solange sonst keine Diskriminierung vorliegt.

Antworten fireone
12.01.2011 07:29
1 0

Re: Die gute

Ich protestiere dagegen, mich als Person oder Rechtssubjekt zu bezeichnen. Ich fühle mich dadurch diskriminiert.....gggg

 
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Schlagzeilen Recht