
Magdalena Jetschgo
“Zwischen Tito und EU Bosniens Jugend auf dem langen Weg zur Versöhnung ”
Jahrgang: 1985
Wohnort: Sarleinsbach
Hobbies: reisen, Sprachen, mich ehrenamtlich engagieren, lesen, Musik hören und machen
Aktuelles Studium: Uni Wien/Politikwissenschaft Uni Wien/Internationale Entwicklung
Soundtrack für die Reise:
- TBF
- Zivot je lijep
- Mostar Sevdah Reunion
- Cudna jada od Mostara grada
- Reinhard Mey
- Nein meine Söhne geb ich nicht
Lesestoff für die Reise:
- Ivo Andric
- Die Brücke über die Drina
- Hanne-Margret Birckenbach
- Warum haben Sie eigentlich Streit miteinander?
- Kreutzer/Milborn
- Ware Frau
3 Dinge für die Reise:
- Džezva (bosnisch-türkische Kaffeebraukännchen)
- Humor
- Schlafsack
MOTIVATION
„Tito war echt ein cooler Typ“ versicherte mir eine Bosnierin meines Alters im August dieses Jahres. Ich befand mich für ein Auslandssemester in der Region und war entsetzt darüber, dass die Kriegsschäden in den Menschen der Nachfolgestaaten Jugoslawiens noch viel gravierender und langfristiger sind als jene an den Gebäuden. Anlässlich des Kriegsverbrecher-Tribunals gegen Karadžić in Den Haag sind Geschehnisse des Krieges am Balkan zwischen 1992-95 wieder in aller Munde. Alte Frauen, die Angehörige beim Massaker von Srebrenica verloren haben, werden als Zeitzeugen vor die Kameras geholt. Doch wie geht es der Jugend dieser Region? Die Jugend ist hin und her gerissen zwischen den von ihren Eltern übermittelten Sehnsüchten nach „der guten alten Zeit“ und den Bestrebungen, Teil der Europäischen Union zu werden. Diese Generation wurde im Krieg geboren und hat mit dessen Folgen zu leben. Was heißt es, jung zu sein in Orten, in der es nach Ethnien getrennte Schulen und Kirchen dreier Religionen gibt? Was haben Jugendliche in Bosnien für Träume, Hoffnungen und Wünsche? Was sind ihre Zukunftsvisionen und Lebenspläne angesichts der zerklüfteten Realität, in der sie aufwachsen? Was erwarten sie sich von der Europäischen Union? Ich gehe Dingen gerne genauer auf den Grund und würde mich freuen, gemeinsam mit Thomas Seifert eine Reportage über die Situation der heutigen Jugend Bosniens zu schreiben. Denn mehr als von jeder anderen Gruppe hängt der Friede in der Region von ihr ab.
REISEPLAN
Startpunkt der Recherche ist Jajce in Zentralbosnien. Die alte Königsstadt ist eine ruhige Stadt - zu ruhig, wie viele meinen. Glaubt man den Leuten, was sie von der Zeit vor dem Krieg erzählen, war Jajce eine prosperierende, kulturell hoch entwickelte Stadt voll pulsierendem Leben, in der die drei Ethnien mehr oder weniger friedlich nebeneinander lebten. Heute ist das anders. Mehr als jeder vierte ist arbeitslos, vom kulturellen Leben ist wenig übriggeblieben und die Jungen wollen meistens nur weg, am besten nach Deutschland oder Österreich. In dieser Stadt gibt es ein Jugendzentrum, das „omladinski centar Jajce“. Diesem Friedensprojekt gelingt, was sich viele auch auf nationaler Ebene wünschen würden: der Dialog zwischen den Menschen verschiedenster Herkunft und Religion. Dieses Zentrum sowie die Stadt selbst sind sicher ein guter Ort für erste Recherchen und Gespräche. Kontakte besitze ich durch meine einmonatige Mitarbeit in dieser Einrichtung. Nächste Station ist das Projekt „Erziehung zum Frieden“ in Žepče, wo wir mit P. Tihomir Sutalo über seine Arbeit sprechen. Weiter geht’s nach Sarajevo, zu einer Diskussionsveranstaltung mit StudentInnen der Kunstakademie zum Thema „Identität“, die weiteren Einblick in die Wahrnehmung und das Selbstverständnis bosnischer Jugendlicher geben wird (organisiert über die StudentInnenvereinigung USUS der Universität Sarajevo). Interessant wäre auch ein Gespräch mit dem internationalen Bosnien-Beauftragten, dem Österreicher Valentin Inzko, über das Fortschreiten des europäischen Integrationsprozesses in Bosnien. Der Abschluss der Recherche führt uns zurück nach Wien, wo uns im Studentenheim Salesianum im dritten Bezirk bosnische Studenten ihre (Fern-)Sicht auf ihr Herkunftsland und den Friedensprozess darlegen werden.


