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Die Gier nach Land zerstört den Amazonas-Regenwald

13.02.2008 | 10:21 |  PETER BABUTZKY (DiePresse.com)

Holzhändler, Viehbarone und Sojakönige. An der Vernichtung des Amazonas-Regenwaldes sind viele beteiligt. Nach einer „Verschnaufpause“ von zwei Jahren hat die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes 2007 wieder stark zugenommen. Auch der Biospritboom hat seinen Anteil daran. Die brasilianischen Behörden haben derweil der illegalen Abholzung den Kampf angesagt.

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„Wir werden nicht tatenlos bei der Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes zusehen", versicherte die brasilianische Umweltministerin, Marina Silva, im Februar 2008. Gerne schenkt man ihren Worten Glauben, denn ihre Vorgeschichte ist mehr als nur bemerkenswert. Marina Silva wuchs in einem entlegenen Regenwald-Gebiet Brasiliens auf, wo ihre Eltern ihr dürftiges Einkommen mit dem Sammeln von Kautschuk verdienten. Erst mit 14 Jahren lernte sie Lesen und Schreiben, später holte sie ihren Schulabschluss nach, studierte Geschichte und begann sich für die Rettung des brasilianischen Urwaldes zu engagieren.

Heute ist sie Umweltministerin ihres Landes und lässt an ihrer Mission keinen Zweifel: „Es ist die Heirat zwischen Moderne und Tradition, zwischen Stadt und Wald, zwischen Erde und Himmel, die Brasilien zu der Nation machen wird, die wir alle anstreben", sagte Silva in einem Interview mit der Nachrichtenagentur „Tierramerica."

Umso trauriger war die Nachricht, die sie Ende Januar der Weltöffentlichkeit verkünden musste: Die Zerstörung des Regenwaldes hat dramatisch zugenommen. Alleine von August bis Dezember 2007 wurden nach Schätzungen des brasilianischen Umweltministeriums 7000 Quadratkilometer Holz aus der „grünen Lunge" der Erde geschlagen, das entspricht in etwa der Fläche des Bundeslandes Salzburg. Ein Großteil der Abholzungen war illegal. Der Handlungsspielraum der brasilianischen Behörden ist sehr eng, denn um ein dermaßen großes Gebiet wie den Amazonas-Regenwald zu überwachen, fehlen den Behörden allzu oft die Mittel.

(c) EPA Brasiliens Umweltministerin Marina Silva

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Ist Biosprit Schuld an der Abholzung?

Immer wieder flammt auch der Vorwurf auf, dass der Biosprit-Boom Mitschuld trage an der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes. Ein heikles Thema in Brasilien: „Man sagt, wir würden die Regenwälder abholzen, um Zuckerrohr zu pflanzen. Das ist Unsinn, da unter anderem die dortige Niederschlagsmenge die Reifung des Zuckerrohrs verhindert. Eine derartige Nutzung wäre also unter technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten widersinnig", erboste sich Roberto Rodrigues, Koordinator des Zentrums für Agrobusiness der Getúlio-Vargas-Stiftung, auf der Website der brasilianischen Botschaft in Deutschland.

Auch wenn nicht direkt im Regenwald Zuckerrohr angebaut werden kann, verschärft die Ethanolgewinnung das Problem trotzdem. Denn wenn mehr Land für den Zuckerrohranbau benötigt wird, ist automatisch weniger Anbaufläche für andere landwirtschaftliche Produkte vorhanden. Die Bauern müssen auf andere Gebiete ausweichen, die sie oft nur im Amazonas-Urwald finden.

„Die goldene Kettensäge" für den Sojakönig

Am Regenwald haben gleich mehrere Gruppen ein großes Interesse. Zum einen gieren Holzproduzenten nach den Edelhölzern des Regenwaldes, zum anderen suchen Viehbarone nach neuen Weideplätzen für ihre Rinder. (Brasilien zählt zu den größten Rindfleisch-Exporteuren der Welt) Neben diesen Gruppen beteiligen sich aber auch Soja-Produzenten an den Abholzungen.

Dabei ist ein Mann in den vergangenen Jahren verstärkt ins Kreuzfeuer der Kritik geraten: Blairo Maggi, der Gouverneur des Bundesstaats Mato Grosso. Maggi trägt den Beinamen „O Rei da Soja" - der Sojakönig. Denn neben seinem Job als Gouverneur des Regenwaldstaates Mato Grosse, ist Maggi auch der größte private Sojaproduzent der Welt. Innerhalb weniger Jahre ist er zur Hassfigur zahlreicher Umweltschutzorganisationen aufgestiegen. Seine zweifelhafte Doppelfunktion brachte ihm im Jahr 2005 „Die goldene Kettensäge" ein, die alljährlich von Greenpeace an den größten Vernichter von Regenwald verliehen wird.

Die brasilianische Regierung hat der Abholzung in der Zwischenzeit den Kampf angesagt. Knapp 800 Polizisten sollen in die Region entsendet werden, um die illegalen Abholzungen zu unterbinden. So versprach der Justizminister Brasiliens, Tarso Genro: „Wir werden die Mafiabanden bekämpfen, die die Natur zerstören, unsere Souveränität bedrohen und unsere Reichtümer rauben."


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1 Kommentare
steschu
28.02.2008 01:49
0 0

Radfahrende Vegetarier

Solange auf dem Weltmarkt Biosprit, Soja und Rindfleisch nachgefragt wird, haben Regenwälder und andere Naturparadiese schlechte Karten.

Solange Fortschritt und Wachstum identisch sind mit dem Streben nach der täglichen Fleischration und unbegrenzter Mobilität, wird die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen langsam, aber stetig und global voranschreiten.

Überlassen wir späteren Historikern die Analyse, dass die Spezies Homo Sapiens in ihrer Überpopulation allenfalls als radfahrende Vegetarier ihre Umwelt hätte nachhaltig bewirtschaften und erhalten können (es sei denn, die Pille wäre hundert Jahre früher erfunden worden...)

Über die Reise

  • Bioethanol gilt als Wunderwaffe gegen den Klimawandel. Die Reise führt nach Brasilien, wo fast jedes zweite Auto mit dem „grünen“ Kraftstoff fährt. » mehr

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