21.05.2013 23:14 Merkliste 0

Bedrohen Tsunamis die Küsten des Genfer Sees?

29.10.2012 | 16:47 |  Von Jürgen Langenbach (Die Presse)

Im Jahr 563 kam eine Welle: Ein Felssturz brachte das Delta an der Rhone-Mündung in Bewegung. Das kann sich wiederholen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Seit Weihnachten 2004, als ein Tsunami an den Küsten des Indischen Ozeans wütete, ist der einst nur Erdkundlern bekannte Terminus zum Schreckenswort geworden, das immer häufiger in den Mund genommen werden muss: 2010 kam ein Tsunami über Chile, 2011 der von Fukushima, es sprach sich rasch bis in die hintersten Täler und höchsten Höhen herum, erregte auch dort Grauen vor der Gewalt der Natur, aber keine Angst, man selbst war ja weit genug weg.

War man? Die Felsmasse stürzte „so plötzlich, dass sie ein benachbartes Schloss verschüttete wie auch die Dörfer mit allen ihren Einwohnern; das schüttelte den See so sehr, dass am Ausgang seiner beiden Flüsse sehr alte Dörfer mit Männern und Herden zerstört wurden. Es traf mit Furie die Brücke von Genf, die Mühlen und die Männer und ließ dort mehrere Menschen umkommen.“ Mit diesen Worten berichtete der heilige Marius, Bischof von Avenches, was im Jahr 563 am Genfer See geschah. Demnach ging ein Felssturz direkt in den See, laut anderen Zeugen versperrte er den Einfluss der Rhone in den See mit einer künstlichen Staumauer, die irgendwann nicht mehr standhielt.

Nach 70 Minuten: 8-Meter-Welle in Genf

Nun ist es geklärt, Seismologin Stéphanie Kremer (Uni Genf) hat den Boden des Sees analysiert und rekonstruiert das Geschehen so: Die Rhone bringt nicht nur Wasser in den See, sondern auch Steine, die sich auf dem Seeboden zu einem System von Canyons türmen. Das geriet in Bewegung, als sich der Felssturz an der Einmündung der Rhone ereignete, das brachte die Welle. Es würde sie auch heute bringen – mindestens eine Million Menschen lebt nun um den See herum –, nach 15 Minuten wäre die Welle 13 Meter hoch bei Lausanne. Das liegt glücklicherweise hoch über dem See, es nahm auch damals keinen Schaden. Aber nach 70 Minuten  wäre sie beim ungeschützten Genf, und immer noch acht Meter hoch (Nature Geoscience, 28. 10.).

Und es könne jederzeit geschehen, durch Felsstürze, starke Stürme oder Erdbeben. Die sind rar in der Schweiz, aber 1601 gab es eines in der Region des Vierwaldstättersees, der Stadtschreiber von Luzern überlieferte die Folgen: Das Wasser zog sich partiell so weit zurück, „dass man schier trochens fuosses herüber hette gan mögen, wie es dann ettlich junge lütt söllent gethan haben“. Dann kam die Welle retour.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

8 Kommentare
Gast: Wahrheitsapostel
29.10.2012 19:44
0 22

auch Wissenschaft


753 v. Chr. furzte Romulus im Wolfslager südlich von Rom so stark, dass der Hallstätter See überschwappte und sich die Eishöhlen in Obertraun bildeten. Also ich ´sag´s Euch: Wir Wissenschaftler können Euch Deppen die Welt jederzeit erklären.

Antworten Gast: kh123
01.11.2012 11:25
0 0

Re: auch Wissenschaft

Ich mache Ihnen einmal einen Vorschlag: lesen Sie den Nature Artikel, setzen Sie sich mit den dort berichteten Daten inhaltlich auseinander (vermutlich sind Sie dann dankbar über diesen Presse-Artikel, damit Sie wenigstens irgendetwas kapieren), und wenn Sie das dann methodisch zerpflücken können, melden Sie sich hier wieder zu Wort. Es gibt da nämlich eine feine Linie zwischen ironisch und einfach nur dumm.

Antworten Antworten Gast: It's nature!
01.11.2012 14:08
0 0

Re: Re: auch Wissenschaft

Alles, was in nature steht, müssen sie auch nicht gleich für wahr nehmen, denn ein menschliches Siegel, dass die übermittelte message auch die Wahrheit ist, gibt es noch nicht, wird es in der Wissenschaft auch nie geben.

Und die vielen "good news" und "latest news" vom gemeinsamen Vorfahren - der ja vor 4 Mio Jahren lebte und immer immer wieder dem evolutionsgläubigen Publikum in abgewandelter Form wiedergekaut vorgesetzt wird - die in der Presse als Massenartikel im Wissenschaftsteil vermarktet werden, stimmten ja auch nicht. Als guter Evolutionist glaubt man dies aber ungeschaut.

Das was "Wahrheitsapostel" oben in etwas vulgärer Weise sagt ist dies:

Massenweise "wissenschaftliche" Gschichterln von Millionen Jahre alten Sachen, die kein Mensch heute mehr verifizieren oder falsifizieren kann und die in Wirklichkeit nur als Fabeln in den Wissenschaftsteil eingeschleust werden, hat der Presse-Leser satt.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die real sind und das Jetzt betreffen und auch experimentell nachvollziehbar sind - und davon gibt es ja auch sehr viele - wären wohl wesentlich interessanter.


Antworten Antworten Antworten Gast: kh123
01.11.2012 16:38
0 0

Re: Re: Re: auch Wissenschaft

Habe ich geschrieben, es steht in Nature also stimmt es? Nein, und das sogar deutlich. Ich denke wenn Sie sinnerfassend lesen können, sollte klar sein, dass die Message war, dass man sich wenn man Kritik äußern möchte, zuerst eine inhaltliche Auseinandersetzung erforderlich ist. Und dass in einem wissenschaftlichen Diskurs das der Ausgangspunkt ist. In diesem Fall mit Daten in einem Nature Artikel. Ihr Ansatz ist ziemlich der gleiche wie der des Wahrheitsapostels: über Inhalte reden Sie nicht, sondern machen lieber Pauschalverurteilungen aller Artikel in allen Zeitschriften einer Verlagsgruppe (denn Nature ist ja nicht nur eine Zeitschrift - die meisten davon haben noch nie über die Evolution geschrieben - wieso eigentlich der Themenwechsel, bilden Sie sich tatsächlich ein von Evolution mehr zu verstehen als von Geowissenschaften?). Und die etwas naive Auffassung von Ihnen und Wahrheitsapostel, wie man wissenschaftliche Evidenz absichert, ist auf diesem Niveau ohnehin müßig zu diskutieren.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: lavater
01.11.2012 16:58
0 0

Re: Re: Re: Re: auch Wissenschaft

ist ihnen nicht aufgefallen, dass dies Wissenschaft ist, die Dinge, die vor 1500 Jahren geschehen sind, "wissenschaftlich" aufarbeitet? Und dass dies halt wieder eine Hypothese ist, die als absolut sichere Theorie kommuniziert wird?

Und dass es mir auch nicht in erster Linie um Evolution oder Nicht-Evolution geht, sondern, dass bei den Affengeschichterln, die in der Presse übrigens schon Legion sind, man immer genau weiß, was vor 4 Mio Jahren passiert ist?

Im übrigen gibt es in Österreich eine historische Erdbebenforschung, die sicher interessantere historische Daten gesammelt hat als dieses Genfer-See-Horrror Gschichterl.


0 0

Re: Re: Re: Re: Re: auch Wissenschaft

Nein, das ist mir nicht "aufgefallen". Zunächst scheinen Sie davon auszugehen, dass historische Ereignisse aufzuarbeiten ein prinzipielles Problem ist. Dem stimme ich nicht zu. Es gibt historische Berichte, denen nachzugehen (ob diese eine reale Grundlage haben und ob das wissenschaftlich schlüssig ist) ist legitim. In vielen Fällen fehlen Daten, in manchen kann man Hypothesen aufstellen und auch mit der richtigen Methodik (und die reicht hier z.B. von der Physik bis zum Studium alter Dokumente) supportive evidence finden. Die Diktion "absolut sichere Theorie" oder "genau wissen" ist ihre, um dies dann verdammen zu können. Das macht es nicht besser. Und es mag ja sein, dass es eine historische Erdbebenforschung in Österreich gibt, aber ich bevorzuge eine etwas globalere Sichtweise, und das tun wohl auch österreichische Seismologen. Die interessiert sicher auch der Artikel (in Nature Geoscience, nicht in der Presse) und sie können dann versuchen, ähnliche Daten in Österreich zu sammeln (so wie auch der Artikel über den Genfer See auf vergleichbaren Befunden aus z.B. Skandinavien oder Kanada aufbauen konnte).

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: lavater
02.11.2012 09:31
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: auch Wissenschaft

Nein, historische Dinge wissenschaftlich aufzuarbeiten ist für mich kein prinzipielles Problem, ist in allen wissenschaftlichen Bereichen auch gut, weil es oft Licht auf die aktuellen Probleme werfen kann.

Das Problem habe ich dann, wenn aus wenigen historischen Daten umfangreichste Schlüsse gezogen werden und drauflos fabuliert wird.

Das zweite Problem habe ich, wenn in einem Wissenschaftsteil einer Zeitung 70% und mehr der Artikel dieser Art sind u. z.B. aus ein paar Affenzähnen eine halbe Menschheitsgeschichte konstruiert wird.

Im übrigen kann ich ihrer Replik voll und ganz zustimmen.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: auch Wissenschaft

ach Gottchen,
Lavater,
lesen Sie doch einfach "Nature Geoscience" und das Fabulieren dort

Ich weiß wirklich nicht, warum Sie solche Lust daran haben, sich täglich über meine Berichterstattung zu ärgern