Sibirischer Forscher will Haare vom Yeti gefunden haben

Eine Genanalyse soll eine enge Verwandtschaft des Schneemenschen zu Menschen zeigen. Doch es gibt Zweifel an den Haaren und der Analyse.

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Symbolbild – (c) AP (Robert Ray)

Aus dem fernen Sibirien kommt wieder einmal Kunde vom Yeti, dem Schneemenschen: In einer Höhle in der Region Kemerowo hat Walentin Sapunow vom staatlichen Hydrometeorologischen Institut demnach Haare gefunden, die er in Genanalysen hat auswerten lassen, in drei ungenannten Instituten in Russland und den USA: „Alle diese Weltklasseuniversitäten sagen, dass die Haare zu einem Lebewesen gehören, das enger mit dem Menschen verwandt ist als mit einem Affen“, berichtete Sapunow, der auch ausschloss, dass das Haar irgendeinem regionalen Tier gehörte.

Daran scheiterte etwa die Yeti-Suche des Mount-Everest-Erstbesteigers Sir Edmund Hillary: Er brachte „Yeti“-Haare aus einem Kloster im Himalaya mit, sie erwiesen sich als Haare einer Bergziege. Auch sonst hat sich bisher kein Nachweis der sagenumwobenen Wesen – zwei Meter groß sollen sie sein und völlig behaart – erbringen lassen, obwohl allein aus Russland inzwischen über tausend angebliche Sichtungen vorliegen, allerorten, bis hin zu den Außenbezirken von St. Petersburg.

Immerhin, Sapunow machte seinen Fund am Rande einer Tagung von Kryptozoologen – sie suchen verborgene Lebewesen – in Kemerowo. Aber aus dem Kreis der Teilnehmer kommt Widerspruch: Jeff Meldrum (Idaho State University) – er ist hinter „Bigfoot“, dem US-Pendant des Yeti, her – war mit in der Höhle und hat nichts gesichtet. Und Russlands führender Yeti-Experte Igor Birtsew bezweifelt gar, dass es die Gentests gibt. Sapunow beeindruckt das nicht: „Jede Wissenschaft braucht ihren Yeti.“ Man denke nur daran, wie Fermats letztes Theorem die Mathematik gefördert habe, bevor es nach 350 Jahren bewiesen wurde.   jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2012)

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