Angst vor Mathe macht echte Pein

02.11.2012 | 18:44 |   (Die Presse)

Schon die bloße Erwartung einer Rechenaufgabe aktiviert im Gehirn Schmerzzentren. Diese Hirnzentren werden auch bei einer ganz anderen Angst aktiv, der vor sozialer Ablehnung.

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Manche Menschen sind von Mathematik fasziniert, anderen ist sie ein Graus, sie kann richtige Pein bereiten, und das im Wortsinn: Sian Beilock, Psychologe an der Uni Chicago, hat Testpersonen mit und ohne Mathematikangst ins Labor gebeten und sie dort auf PC-Schirme schauen lassen. Auf denen erschienen entweder Rechenaufgaben, etwa: (12 x 4) – 19, oder sinnlose Wörter, bei denen man rasch entscheiden musste, ob sie Sinn ergeben, wenn man sie von hinten liest (etwa: yretsym). Welche von beiden Typen erscheinen würde, wurde kurz vorher durch Symbole angezeigt. Und dabei – in der Erwartung der Aufgabe, nicht beim Erledigen – wurden im Gehirn Areale aktiv, die sonst bei Schmerzen aktiv werden, bei aktuellen wie drohenden, die dorso-posteriore Insula und der mittlere cingulate Cortex.

Diese Hirnzentren werden auch bei einer ganz anderen Angst aktiv, der vor sozialer Ablehnung. „Im Gegensatz zu ihr ist Mathematik eine junge kulturelle Erfindung, die Ursache für diesen Zusammenhang kann daher nicht in der Evolution liegen“, erklären die Forscher (PLoS One, 31.10.). Aber woher auch immer diese Angst kommt, sie kann Leben gestalten: Menschen mit ihr „meiden mathematiklastige Schulfächer und Berufswege, in denen sie mit Gleichungen und Zahlen zu tun haben würden“. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2012)

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8 Kommentare

Angst vor Mathematik

Mich erstaunt es immer wieder, wie intelligente Menschen an Aufgaben scheitern, sobald man ihnen diese als Mathematik-Problem verkauft.

Mein Eindruck war auch oft, dass von vielen Mathematik als Rezepte-Sammlung betrachtet wird. Und man fürchtet, dass bei der "Prüfung" ein Gericht zu kochen ist, bei dem anzunehmen ist, dass man kein 1:1-Rezept parat haben wird. Dann wird im Ernstfall tatsächlich wie wild im Gedächtnis nach einem möglichst ähnlichen Gericht gesucht und man verzweifelt oder kocht das falsche. Das verstärkt die Angst und aus diesem Teufelskreis kommt man nur noch durch einen wirklich guten Lehrer oder gar nicht.


Gast: Eulenspiegel 111
04.11.2012 14:22
1

Mathematik war zu meiner Zeit

sehr wohl ein Angstfach.
Eigentlich bin ich ja gegen derartige Behauptungen - aber es hing und es hängt noch immer vom Lehrer ab, wie er Mathematik rüberbringt.
Ich machte die Erfahrung, dass Mathe-Lehrer auch die unbeliebtesten waren,. Sind wohl eigene Typen.
Kurioserweise hatte ich trotz " Mathe-Traumatisierung" immer Jobs, die mich rechnerisch forderten. Und es machte Spass! Weil kein Druck mehr da war! Das sollte man auch heute noch bedenken.

Gast: Callisto
04.11.2012 09:11
1

Angst? Aber nur bei den Dummen.

.

Wenn die Grundlagen nicht da sind,...

...wird alles, was darauf aufbaut, zur Qual.

Das Ganze ist also ein Problem der unteren Schulstufen, die sich mehr mit mangelhaften Sprachkenntnissen und Kuschelpädagogik beschäftigen als mit Basiswissen und -fertigkeiten.

Gast: Wirtschaftler
03.11.2012 12:16
3

Angst vor Mathe ist leicht zu verstehen !

Wenn ein Kind in der Jugend in der Schule Mathe als Druck oder als Angstfach erlebt hat, dann wird es nie wieder einen normalen Zugang zu diesem Fach haben, egal dann, wie alt man später ist.
Der einzige Ausweg ist der, dass man hier Mathe als Möglichkeit zur Lösung von rechenbasierten Problemen aufbereitet, dabei aber immer aufzeigt, wie die Wege zur Lösung aussehen. Und das ohne emotionalen Druck. Dann will sogar das resistenteste Kind hier experimentieren. Nach Erlernung des Handwerkzeuges( addieren, subtrahiern, multiplizieren, dividieren, 1x1) kann man auf die Neugier mit lustvollen Aufgaben losgehen.
Das erfordert aber gute Lehrkräfte, welche den Stoff toll aufbereiten können. Nur mechanisches Lernen bringt wieder nur Angst, da die Möglichkeit für Lösungen ausgeschlossen werden.
Das ist so wie bei einem Tier, das in die Enge getrieben wird: Es beißt !

Antworten Gast: kpax
04.11.2012 00:12
2

Re: Angst vor Mathe ist leicht zu verstehen !

Stimme Ihnen vollkommen zu. Zu ergänzen wäre noch, dass Mathematik als das aufgefasst und gelehrt werden sollte, was sie ist: nämlich eine Sprache.

Antworten Antworten Gast: Diplom_Ingenieur
04.11.2012 10:25
0

Re: Re: Angst vor Mathe ist leicht zu verstehen !

Eben keine Sprache!

Mathematik ist ein Werkzeug. Man kann mir ihr die Natur (näherungsweise) beschreiben, Konstruieren, Bilanzieren, Kennzahlen ermitteln, Ströme berechnen,....

Die Mathematik sollte völlig wertefrei unterrichtet werden. Niemanden ist geholfen, wenn irgendwelche Philisophen-Mathelehrer dieses Werkzeug hochstilisieren.

Antworten Antworten Antworten Gast: Wirtschaftler
04.11.2012 12:08
1

Re: Re: Re: Angst vor Mathe ist leicht zu verstehen !

Das mit dem Werkzeug ist richtig, auch die Anwendungen dazu.
Damit es allerdings dazu kommt, muss man aufzeigen, was man mit diesem Werkzeug alles kann, sonst entsteht keine Neugierde.
Und es ist wie beim Ofen: Hat sich das Kind einmal die Finger verbrannt, greift es nie wieder hin....! Das hat mit "Hochstilisieren" nichts zu tun, sondern eher mit Vorbildwirkung. Warum sollten auch nicht gute Mthematikder oder Anwender mal Stunden in einer Grundschule zwecks Vorstellung ihrer Arbeitsbereiche geben und damit Kinder neugierig machen ? -- Ist halt ein Vorschlag....

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