Kampf hat unsere Hände geformt

19.12.2012 | 22:01 |  Von Jürgen Langenbach (DiePresse.com)

Als „aggressiven Affen“ bezeichnet US-Biologe David Carrier den Menschen. Sein neues Argument: Nur wir können Fäuste bilden. Dazu wurden die Daumen länger.

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Friede auf Erden? Ach was: Wer einem anderen drohen will, der tut das, gut sichtbar, mit der erhobenen Faust. Und wenn das Zeichen nicht wirkt, dann verwandelt sich unser feinstes Instrument, die Hand, in unsere härteste Waffe, dann geht es zur Sache bzw. an den Körper, bisweilen bis zum Tod.

Denn die Menschheit ist aggressiv, vor allem ihr männlicher Teil, und das ist nicht nur bei uns so, auch unter Menschenaffen herrscht oft Gewalt. Orang-Utan-Männchen begegnen einander besser nicht, Gorillamännchen fügen anderen übelste Verletzungen zu, und Schimpansen töten gar, sie führen Kriege gegen Nachbarn, wie sonst nur wir, bei anderen Primaten ist das ganz und gar nicht so. Könnte es also sein, dass die Evolution auch auf die Stärkung der Kampfkraft hin gearbeitet hat – bei Arten, bei denen Männchen um Weibchen bzw. Territorien streiten –, und könnte es sein, dass die zur Faust ballbare Hand eines der Produkte ist?
Menschenaffen kennen keine Faust, ihre Hände sind auf das Klettern im Geäst optimiert. Aber als unsere Ahnen von den Bäumen herabstiegen, haben sie die Hände umgebaut, der Daumen wurde länger und abspreizbar. Das war ideal für die Feinmechanik, man konnte damit Werkzeuge produzieren und gebrauchen: Damit erklärte man lange die Evolution unserer Hand. Dann kam eine zweite Möglichkeit: Unsere Ahnen stiegen nicht nur von den Bäumen herab, sie entwickelten auch den aufrechten Gang, und der brauchte einen veränderten Fuß, u. a. wurde die große Zehe lang. Vielleicht schlug dieses genetische Programm auf die Hände durch.

Wer von oben schlägt, schlägt härter


Vielleicht kam noch etwas Drittes hinzu, das mit den beiden anderen Hypothesen durchaus verträglich wäre: eben die Nutzung der Hand bzw. Faust als Waffe. Das vermutet David Carrier (University of Utah). Letztes Jahr schlug er vor, damit die aufrechte Haltung des Menschen selbst zu erklären: Wer die Hände frei hat, hat sie nicht nur für Werkzeuge frei, sondern auch zum Zuschlagen. Und: Wer von oben schlägt, schlägt härter. Das zeigte Carrier in Versuchen mit Punching-Bällen. Darum erheben sich viele Tiere, wenn es zum Kampf kommt: Katzen, Hunde, Bären, Menschenaffen. Doch nach dem Kampf gehen sie wieder auf alle viere herab. Nur der Mensch erhob sich auf Dauer, als der „aggressive Affe“, wie Carrier ihn nennt.

Nun ging Carrier den nächsten Schritt und hat wieder Testpersonen im Labor auf Punching-Bälle schlagen lassen – auf verschiedenste Art, in verschiedensten Winkeln etc. – und alles gemessen (Journal of Experimental Biology, 19. 12.). Sein Resümee: Menschen schlagen – korrigiert um das Körpergewicht – nicht härter zu als Menschenaffen. Aber die schlagen mit der offenen Hand. Bei uns konzentriert die Faust die Kraft auf eine kleinere Fläche, und zugleich sind die Finger einer Faust so aufeinander abgestimmt, dass die Hand beim Schlag keinen Schaden nimmt. Um die Faustbildung zu erlauben, musste der Daumen länger werden, währen die anderen Finger und die Handfläche kürzer wurden.

„Unsere Hand ist ein Paradox“, schließt Carrier, „mit ihr können wir feinste Werkzeuge gebrauchen, Musikinstrumente spielen, Kunst produzieren. Und zugleich ist sie die wichtigste Waffe unseres Körpers. Damit zeigt sie mehr als jeder andere Körperteil die Identität von Homo sapiens. Sie dient zugleich zwei scheinbar unvereinbaren, aber offenbar tief menschlichen Funktionen.“

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9 Kommentare

Unser Zeigefinger ist deswegen jener mit dem meisten Gefühl...

damit wir besser den Abzug von Schusswaffen bedienen können.

Finde ich.

Und wenn nicht... auch gut. Solange es funktioniert. Das sollen uns diese Affen mal nachmachen.

Interessant! Allerdings vermisse ich seit geraumer Zeit...

...die Kommentare des Users "Lavater".

Re: Interessant! Allerdings vermisse ich seit geraumer Zeit...

haben Sie Dank,
aber was vermissen Sie an Lavater,
das Ritual?
Ich mache mir auch seit einiger Zeit Sorgen um ihn,
er war so der Fels in in der Evolutionsbrandung,
aber genau das hat mir immer mehr missfallen an dieser (zum Lavater-Reflex )eingefahrenen Postingmaschine,

gottlob hat sie sich ausgedünnt, seit die "Gäste" weg sind,
mir wäre lieb, aber das wissen Sie, wenn auch die ganze Pseudonymerei weg käme,
haben Sie in denn gar keinen ganz normalen Vor- und Zunamen?

Re: Re: Interessant! Allerdings vermisse ich seit geraumer Zeit...

Sehr geehrter Herr Langenbach,

wenn Sie soviel Wert auf die Identität der User legen, so bin ich gerne bereit Ihnen meinen Vor- und Zunamen an langenbach@diepresse.com zu mailen, sofern Sie das wünschen.

Re: Re: Re: Interessant! Allerdings vermisse ich seit geraumer Zeit...

das wäre fein,
bitte tun Sie es,
ich antworte gerne,
ich bin nur, Sie werden es an der Mail-Response sehen, gerade in Ferien,
also auf diesem Weg:
Frohes Fest

und wissen Sie, wenn ich Ihren Beitrag weiter unten lese,
ich bin für die Dinge, die ich vor 20 Jahren geschrieben habe, auch noch verantwortlich,
warum denn nicht? War es Quatsch, Dann war es Quatsch!

Was mich wirklich aufregt, ist diese Feigheit von Grummelbart2 und Konsorten,
sein Kollege oder Chef könnte mitlesen,
was er just an meinen Wissenschaftsartieklen zu kommentieren hat,

glauben Sie, Grummelbart2, allen Ernstes, dass es irgendjemanden interessiert, was Ihnen an einer meiner Geschichten
missfällt? Und wie agieren Sie, wenn es einmal in der öffentlichen Auseinandersetzung um ernstere Dinge geht als meine Wissenschaftsgeschichten?
Scheissen Sie sich dann auch an, pardon, anders kann ich Ihren Gratismut unter Pseudonym nicht nennen?

Re: Re: Re: Re: Interessant! Allerdings vermisse ich seit geraumer Zeit...

Finde ich schockierend, meinem Bedürfnis nach Anonymität gleich "Feigheit" zu unterstellen.

Ich stimme dahingehend zu, dass "Mut" und "goschert sein" unter dem Deckmantel der Anonymität "leichter" ist; dennoch gleich aus dem Bedürfnis der Anonymität den Rückschluss zu ziehen, dass derjenige "im echten Leben" dann ein "Feigling" ist, ist nicht wissenschaftlich (und im Übrigen ist auch der sonstige Tonfall in Ihren Posts mE nach angemessen).

Die viel interessantere Frage ist: Warum ist der echte Name so wichtig? Wenn jemand nur Blödsinn redet (wie Lavater) kann man ihn ohnedies ignorieren; wenn er strafrechtlich relevantes postet kann man mittels IP auch die Identität heranziehen, etc.

Ich genieße es, dass aus der Anonymität des Internets das Kommentar alleine da steht und für sich selbst tragen muss. Kein kommentar ist "mehr" wert; das Post eines Phds steht gleichwertig neben dem eines "Hacklers", und die Berufung auf "im echten Leben bin ich aber..." ist keine Entschuldigung für "miese" oder angriffige Posts.

Zusätzlich bin ich auch froh, dass jemand, der mein Post "angreifen" will, nicht einfach meinen Namen googeln kann und möglicherweise Sachen herausfindet, die nichts damit zu tun haben.

Und zu Guter Letzt: Bei posten unter echtem Namen eröffnet man sich einer unkontrollierbaren Öffentlichkeit (unregistrierte Leser, etc), was ich - ehrlich gesagt - nicht will.

Re: Re: Re: Re: Re: Interessant! Allerdings vermisse ich seit geraumer Zeit...

Ich finde das Minusstricherl sehr interessant...

Zumal dieses ja komplett anonym abgegeben werden kann, erfährt man nicht einmal, wer aus welchem Grund etwas gegen das Posting hat - eigentlich noch schlimmer als anonym zu posten, oder?

Re: Re: Interessant! Allerdings vermisse ich seit geraumer Zeit...

Diese Fixierung auf den "echten" Namen kann ich nicht nachvollziehen, ehrlich.

Das ist ja grade das feine am Netz, dass man frei posten kann, ohne dass man gleich die Posts via Google oä finden kann.

Was hat es einen möglichen Arbeitgeber oder neugierige Kollegen zu interessieren, was ich wann in irgendwelchen Artikeln kommentiere?

Ja, stimmt! Ich bin auch froh darüber, dass wenn ich meinen Namen in eine beliebige Suchmaschine eingebe...

...kein Treffer erscheint. Geschmäcker und Ansichtsweisen ändern sich im Laufe der Zeit und ich möchte nicht, dass ich in 20 Jahren auf irgendeinen Kommentar dumm angesprochen werde, denn ich vielleicht so gar nicht mehr vertreten würde. Beispielsweise sind meine 5 E-Mail-Accounts und 2 fb-Accounts alle unter fake-IDs angelegt.

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