Erste Grippefälle, aber keine Resistenzen

12.01.2013 | 18:02 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Das Überwachungssystem Sentinel verfolgt, welche Virusstämme in Europa zu Grippe-Erkrankungen führen.

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Seit Anfang November werden auch jetzt wieder die Influenzavirusinfektionen in Österreich überwacht. Die ersten sporadisch auftretenden Fälle wurden in Kalenderwoche 50 (ab 10. 12. 2012) gemeldet. Aktuell gibt es in ganz Österreich nur regional begrenzte „Influenzavirusaktivität“, wie man auf www.influenza.at nachlesen kann, dem diagnostischen Influenza Netzwerk Österreich (Mitglied der europaweiten Sentinel-Überwachung vom European Centre for Disease Prevention and Control, ECDC). Vergangene Saison war die Grippewelle in Österreich etwas später dran als sonst, erst Mitte Februar 2012 ging es so richtig los mit 14.000 Neuerkrankungen in Wien. Heuer erwartet man den Start der Grippewelle noch im Jänner.

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Die heimische Überwachung der Grippefälle erfolgt durch das nationale Influenza-Referenzlabor am Department für Virologie der Med-Uni Wien. „Derzeit kann man noch nicht sagen, was für die saisonale Grippe zu erwarten ist. Bei den wenigen Fällen bisher hat sich noch kein dominanter Stamm durchgesetzt“, sagt die Virologin Monika Redlberger-Fritz. Ende 2012 kamen hauptsächlich A(H3N2)-Infektionen vor, inzwischen macht dieser Stamm nur mehr 50 Prozent aus, die restlichen Infektionen stammen von Viren, die wir alle als „Schweinegrippe“ kennen: A(H1N1). Letzte Saison wurde in Österreich aber kein einziger Fall dieser Form der Grippe registriert.


„Schweinegrippe“. „Wir Virologen sagen nur ungern ,Schweinegrippe‘. Die offizielle Bezeichnung ist A(H1N1)pdm09“, erklärt Redlberger-Fritz. Das Kürzel „pdm09“ verrät, dass dieses Virus seit der „Pandemie 2009“ in der Welt ist. Spannend ist, dass das neue A(H1N1)-Virus den alten H1N1-Stamm vollkommen verdrängt hat. „Der alte Stamm wurde in der Saison 2007/08 gegen das Grippemittel Tamiflu, also den Wirkstoff Oseltamivir, resistent“, weiß die Virologin. In der Saison 2008/09 waren alle H1N1-Viren gegen diese Behandlung resistent, was nicht so tragisch war, da H1N1 damals nur einen Bruchteil der grassierenden Infektionen ausmachte.

Als im Jahr 2009 ein Grippevirus der Schweine so mutierte, dass es erstmals für Menschen infektiös wurde, hatte dies den Nebeneffekt, dass das neue A(H1N1)-Virus wieder empfindlich gegen Tamiflu war, also nicht resistent. Auch die häufigen A(H3N2)- und die B-Influenza-Stämme haben noch keine Resistenzen gebildet, weder gegen Oseltamivir, noch gegen Zanamivir (Arzneimittel „Relenza“).

Vergangene Saison konnte jedoch ein „Drift“ des Virusstammes A(H3N2) beobachtet werden, der allerdings nichts mit Resistenzen zu tun hatte: „Viren sind hoch agile und wandlungsfähige Systeme.“ Die Oberfläche des Virus hat sich so verändert, dass jene Antikörper, die aufgrund der vorjährigen Impfung gebildet wurden und vor der Infektion schützen sollten, nicht mehr optimal mit dem gedrifteten Stamm übereinstimmten.

Dieser Drift wurde in den Impfstoffen der aktuellen Saison beachtet: „Und bisher sieht es so aus, dass die aktuelle Impfung voll gegen die zirkulierenden Virusstämme wirkt.“ Da die Grippewelle noch nicht begonnen hat, rät Redlberger-Fritz, sich auch jetzt noch impfen zu lassen, da man so das Risiko, an Influenza zu erkranken, um 70 bis 90 Prozent senken kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2013)

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