Das Naturhistorische modernisiert sich auch beim Forschen

22.04.2013 | 18:12 |   (Die Presse)

Für 1,57 Millionen Euro vom Bildungsministerium wurden neue Analysegeräte eingekauft und am Montag präsentiert.

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„Mineralogische Werkstätte“ steht in güldenen Lettern über einer der Türen im Naturhistorischen Museum in Wien, und es sieht so aus, als sei das Schild schon bei der Eröffnung des Hauses im Jahre 1889 aufgehängt worden. Zumindest war es Anfang der 80er-Jahre da, als ein Assistent der TU oft ins Museum kam, beruflich, er kannte sich aus mit Gesteinen und ihrer Chemie, er erforschte im Naturhistorischen die dort reichhaltig gelagerten Meteoriten. Heute ist er, Christian Köberl, Chef des Museums: „Vor 35 Jahren gab es hier moderne Analysegeräte, aber als ich 2010 als Direktor gekommen bin, waren diese Geräte immer noch die gleichen und grob veraltet“, berichtete der Hausherr am Montag der Bildungsministerin, Claudia Schmid.

Die war, mitsamt journalistischem Tross, am Montag zu Besuch, um sich anzusehen, was mit 1,57 Millionen Euro, die ihr Ministerium lockergemacht hatte, eingekauft wurde. Das war vor allem modernstes Analysegerät für das „Elektronenmikroskopische Labor“, das damit in die Details vieler Schätze des Museums dringen kann, etwa in Splitter des Meteoriten, der dieses Frühjahr über Tscheljabinsk niederging: „Unsere Elektronenstrahlmikrosonde (EMS) mit ihrer Feldemissionskanone ist das modernste Gerät seiner Art in Österreich“, erklärt Franz Brandstätter, Direktor der Mineralogie und Petrologie, der sich zudem über ein neues Rasterelektronenmikroskop (REM) freuen kann. Beide Geräte zusammen ermöglichen feinste chemische Analysen, die auch die Struktur des Ganzen und räumliche Verteilung der Elemente exakt sichtbar machen.

 

Hightech ist sensibel und braucht Schutz

Allerdings muss das Hightech-Feinstgerät vor den Nebenwirkungen gröberer Technik geschützt werden: Wenn vor dem Museum eine Straßenbahn vorbeifährt oder unter ihm eine U-Bahn hindurch, dann löst das Vibrationen und leichte Veränderungen des Magnetfelds aus. Deshalb stehen die Geräte auf vibrationsschluckenden Füßen und sind in Käfigen, die Veränderungen des Magnetfelds automatisch ausgleichen. Mit ganz anderen Problemen hat die zweite Abteilung des Hauses zu kämpfen, die – mit Eigenmitteln – modernisiert wurde, die Genetik bzw. das DNA-Labor: „Bei Genanalysen ist der heikelste Schritt die Extraktion der DNA“, berichtete Elisabeth Haring, Direktorin des DNA-Labors: „Dabei ist die Gefahr der Kontamination groß.“ Kleiner wird sie durch einen neuen Reinraum im Museum. In den dürfen natürlich nur Forscher, aber Museumsbesucher können ihnen beim Arbeiten zusehen, durch ein Fenster hindurch.

„Wir haben drei Hauptaufgaben, Ausstellen, Bewahren und Forschen“, schließt Köberl, der beim Forschen kein leichtes Erbe übernahm: „Jetzt können wir auch wissenschaftlich international mithalten.“ jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2013)

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