Etwas in Erinnerung rufen? Ihre Faust hilft Ihnen dabei!

02.05.2013 | 18:14 |   (Die Presse)

Da die rechte Hand auf die linke Hirnhälfte wirkt und die linke auf die rechte, stärkt richtiges Ballen das Gedächtnis.

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Wenn eine Hand zur Faust geballt wird, kann das viele Gründe haben: offenen Zorn etwa – dann folgt bald der Schlag –, oder auch ohnmächtige Wut, dann wird die Faust nur in der Tasche geballt. In jedem Fall geht es um Erinnerung. Der vom Schlag Getroffene soll die Lektion gut im Gedächtnis behalten, und die klandestin geballte Faust erinnert ihren Träger daran, dass sie irgendwann auch vorgezeigt werden wird.

Aber eine Faust kann noch viel direkter mit dem Einprägen einer Erinnerungsspur zu tun haben – und die andere mit dem späteren Abrufen. Das vermutete zumindest Ruth Propper (Montclair State University), denn aus früheren Experimenten weiß man, dass das Ballen der rechten Hand das linke Stirnhirn aktiviert, und das Ballen der linken Hand wirkt auf das rechte. Das hat Folgen, etwa für Emotionen. Die geballte Linke und das damit aktivierte rechte Stirnhirn bringen Stimmungen der Zurückgezogenheit (Trauer, Angst), das Ballen der rechten steigert hingegen ausdrucksstarke Emotionen, Freude und Ärger etwa.

 

Nur eine Hand zu ballen bringt nichts

Aber nicht nur Emotionen werden von der einen Hirnhälfte anders gesteuert als von der anderen, auch bei der Raumwahrnehmung ist dies so, und das Sprachzentrum sitzt links. Lässt sich das alles beeinflussen, indem man schlicht die eine oder andere Faust ballt? Propper hat es mit dem Gedächtnis versucht und ist davon ausgegangen, dass auch das asymmetrisch organisiert ist, in der Hemispheric Encoding/Retrieval Asymmetrie (Hela). Ins Gedächtnis eingelagert wird es von der linken Hirnhälfte, die rechte kommt ins Spiel, wenn es dann um das Abrufen der Erinnerung geht. Also hat Propper Testpersonen lange Listen mit Wörtern auf dem PC-Schirm gezeigt und sie gebeten, sich möglichst viele zu merken. Hinterher wurde abgefragt.

Zugleich wurde in fünf Gruppen aufgeteilt: Die eine ballte vor dem Einprägen 90Sekunden lang die rechte Hand und dann vor dem Erinnern die linke, die zweite tat es umgekehrt. Die dritte und vierte ballten zweimal die gleiche Hand, und die fünfte tat mit den Händen gar nichts. Am besten erinnerte sich die erste Gruppe, gefolgt erstaunlicherweise von jener, die keinerlei Fäuste machte (PLoS, 24.4.). „Der Befund ist beeindruckend“, schließt Propper. Er lasse sich „in vielen Bereichen fruchtbar machen, von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung“. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2013)

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1 Kommentare
0 1

da fehlt die variante beide fäuste ballen.

der test ist wie so oft in der wissenschaft völlig wertlos wenn man nicht alle möglichkeiten bedenkt.

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