21.11.2009 20:41 | Meine Presse Merkliste0

Österreich steigt beim CERN aus

07.05.2009 | 18:00 |  Von MARTIN KUGLER (Die Presse)

Minister Johannes Hahn erklärte, dass die Mitgliedschaft beim europäischen Zentrum für Teilchenphysik in Genf gekündigt wird. Das frei gewordene Geld soll in andere internationale Projekte fließen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Vor exakt 50 Jahren wurde Österreich Mitglied beim CERN, der weltgrößten Teilchenbeschleunigeranlage bei Genf. Gestern, Donnerstag, hat Wissenschaftsminister Johannes Hahn das Parlament darüber informiert, dass er die Teilnahme an dieser Großforschungseinrichtung ab dem Jahr 2011 beenden will. Den jährlichen Beitrag von rund 20 Millionen Euro (davon 16 Millionen Euro als Fixum, der Rest sind Projektkosten) will Hahn zumindest zum Teil in andere internationale Kooperationen umschichten.


Diese Entscheidung folgt der Prüfung aller rund 50 österreichischen Beteiligungen an internationalen Forschungsinfrastrukturprojekten. 70 Prozent der dafür budgetierten Mittel fließen in das CERN. Der Analyse zufolge stimmt das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen nicht: Nach dem Auslaufen der Teilchenphysik an österreichischen Unis blieb als österreichischer „Brückenkopf“ für das CERN praktisch nur das Institut für Hochenergiephysik (HEPHY) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
Gleichzeitig steige aber die Zahl der möglichen Beteiligungen an Großforschungsanlagen – allein in der europäischen ESFRI-Liste gibt es 42 interessante Projekte. Mangels budgetärer Mittel wäre daran keine Beteiligung möglich, daher wären mehrere wichtige Universitätsstandorte – Hahn nannte Graz, Innsbruck und Wien – vom Zugang zu neuen Forschungseinrichtungen praktisch abgeschnitten gewesen. „Das Budget erhöht sich nicht im selben Ausmaß wie das Angebot“, sagte der Minister.


Mehr Nutzen für Österreich


Am CERN arbeiten derzeit rund 150 Österreicher, davon 13, die direkt von der ÖAW bezahlt werden. Dazu kommen noch Dutzende Dissertanten, für die es spezielle Stipendien gibt. Bei einzelnen Projekten will Österreich freilich weiter am CERN tätig bleiben, das scheint auch möglich: Neben 20 Vollmitgliedern unterhalten rund 30 weitere Staaten Kooperationen.
Alternativen, die in den Augen des Wissenschaftsministeriums mehr Nutzen für Österreich stiften können, gibt es einige. Sie sollen an Forschungsschwerpunkte von Universitäten andocken, in denen Österreich exzellent ist. So besteht die realistische Chance, die Zentrale für die geplante Biobank BBMRI nach Österreich zu bekommen. Die Vorbereitungen für die 170 Millionen Euro teure Sammlung von menschlichen Geweben werden vom Grazer Pathologen Kurt Zatloukal geleitet. Ein „Memorandum of Understanding“ hat Österreich bereits für den in Darmstadt geplanten Teilchenbeschleuniger FAIR unterzeichnet, auch beim geplanten Teleskop E-ELT – mit einem Durchmesser von 42 Metern das weltgrößte Fernrohr – will Österreich dabei sein. Interesse besteht weiters am deutschen Röntgenlaser XFEL oder an CLARIN, einer riesigen Datenbank, mit der Texte wissenschaftlich aufbereitet werden sollen.


Für den Ausstieg aus CERN ist noch ein Regierungs- und Parlamentsbeschluss sowie eine Ermächtigung des Bundespräsidenten nötig, bis Jahresende soll das Außenministerium dann den Staatsvertrag mit dem CERN lösen. Das „Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire“ wurde im Jahr 1954 gegründet, hat 3400 Mitarbeiter und beherbergt jährlich 8000 Gastwissenschaftler aus 85 Nationen. Das Budget lag zuletzt bei 694 Millionen Euro.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

128 Kommentare
Kantig
17.05.2009 08:49
0 0

Die Begründung mit Geld kann es nicht sein, weil mehr für Freunderlabfertigung zugeschanzt wird - jährlich!

Die Angst vor dem schwarzen Loch?

Nicht das der Freunderlabfertigung, sondern das, das vermeintlich CERN produziert?

Das Ziel ist, Schwerkraft und Kernfusion besser zu verstehen. Die Gefahr der Erdvernichtung ist gegeben; in weit geringerem Ausmaß als bei der Erfindung des Feuernutzens und damit die ganze Erde abzufackeln.

Wir haben die Finanzierung geleistet und nun soll daraus eine Finanzirrung gemacht werden.

Politiker müssen belehrt werden, wir wollen gefragt werden um uns einer Entscheidung wider Vernunft zu fügen.

Tyrranei in der Wissenschaft hat uns gerade noch gefehlt. Morgen wird ein Gott als existent ausgerufen und wir haben zu huldigen.

Wäre ein Politiker einverstanden - klar wenn ihm gehuldigt wird

Gast: Ratio
12.05.2009 15:39
0 0

Tipp

Siehe Grafik http://lhc-concern.info/
und dafür auch noch Unsummen aufbringen?


untertan
10.05.2009 21:02
0 0

Brauch ma denn das, die, den CERN, Travnitschek?

I waas ned.

Gast: as
09.05.2009 15:22
0 0

Forscher entwickeln "Desktop-LHC"

Allen Kritikern des Herrn Minister Hahn sei dieser interessante Artikel aus dem New Scientist, vom Jänner dieses Jahres, der die Richtung der Teilchenphysik in der nahen Zukunft beschreibt, zur Lektüre empfohlen.

"Desktop atom smashers could replace LHC"(Artikel vom New Scientist):
http://www.newscientist.com/article/mg20126884.400-desktop-atom-smashers-could-replace-lhc.html

Unserem Herrn Minister Hahn ist nur zu gratulieren, endlich beweist jemand Weitblick und reagiert rechtzeitig auf Entwicklungen, auf wissenschaftliche Entwicklungen, welche die protestierenden "Experten" hier in den vorangegangen Postings offensichtlich noch nicht wahrgenommen haben.

Antworten Gast: Peter
09.05.2009 17:00
0 0

Re: Forscher entwickeln

Da können sie gleich hier weiterlesen:
http://cerncourier.com/cws/article/cern/30148

so einfach wie sich das Maxi mustermann vorstellt ist das ganze nämlich nicht.

der LHC wird anfang Herbst eingeschalten und liefert Daten. Es ist die absolut blödeste Idee die es geben kann genau jetzt aus dem CERN auszusteigen... jetzt wo die ergebnisse kommen werden.

untertan
10.05.2009 21:06
0 0

Re: Re: Forscher entwickeln

Ein "s" mehr und schon ist vieles klar.

Gast: IGS
09.05.2009 01:54
0 0

schlau

Flotte Sprüche haben wir von Minister Hahn schon gehört, neuerdings auch unverständliche. Zu diesem Zeitpunkt auszusteigen ist kurzsichtig und zeigt keinesfalls eine intelligentes Forschungsmanagement. Oder will Hahn mit der öffentlichen Erregung über diesen Vorfall zusätzliche Budgetmittel erpressen, wie es der Unterrichtsministerin gelungen ist. Bauernschläue pur?
Nicht alles in der Welt lässt sich mit dem Bauernkalender und der Bibel erklären.

untertan
10.05.2009 21:07
0 0

Re: schlau

Sie meinen, der Gio ist ein Nachahmungstäter? Gut möglich. Denn was er sonst aufzuweisen hätte, ist mir bisher verborgen geblieben.

Antworten Gast: frau tugendhat
09.05.2009 11:42
0 0

Der Wahrheit einen Schritt näher

Bin ganz bei Ihnen: Eine kleine öffentliche Erregung kann oft die Sinne schärfen.

Dafür, dass Steuergeld nicht endlos ist.

Dafür, dass es sehr wohl kritisch ist, wenn die Bundesregierung unsere beschränkten Mittel in durch Missmanagement (nicht durch die Krise) kaputtgemachte Strukturen schießt, anstatt durch Forschungs- und Innovationsanreize Strukturen aufzubauen.

Dafür, dass der Hahn eben keinen Zugriff auf die staatlichen Abfertigungen von Taugenichtsen hat, sondern nur in seinem Minibudget (alles andre ist Fehlinfo) umschichten kann.

Österreich ist durch die CERN-Entscheidung der Wahrheit einen Schritt näher.

Gast: Anmerkung
08.05.2009 22:27
0 0

Wer, wenn nicht er!

Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Herr Hahn neben seiner philosophischen Ausbildung auch fundierte Kenntnisse über das Glücksspielgeschäft vorzuweisen hat. Er hat also wirklich die besten Voraussetzungen für ein profundes Urteil über die Erfolgsaussichten dieses Fischens im Trüben, das von den CERN-Gamblern praktiziert wird.

Gast: Beobachter
08.05.2009 21:36
0 0

Austro-Unis KAPUTT

Wer Ingenieur werden moechte, muss raus aus der Republica di Banana komplett mit Guevara-Bueste.
Ausgezeichnet dotiert hingegen die Historienforschung zur Austro-Schuldzuweisung.
Und Professor werden ist nur noch eine alternative fuer taxifahrende Schoengeister, jemand aus der Industrie macht das bei diesen Konditionen sicher nicht mehr.

Gast: Schroedinger
08.05.2009 20:20
0 0

Vielleicht spendet ja einer der überbelohnten Wirtschaftsbosse ein bissl was von seinem Krisenbonus...

Der Hahn kann net mehr ausgeben, als Stan und Ollie ihm geben.

Ich finds gut, wenn die Österreicher erkennen, dass Geld, das manchen einfach nachgeschmissen wird, woanders tatsächlich schmerzlich fehlt.


aquilo
08.05.2009 17:53
0 0

4 Tage Bundesbahndefizit = Jahresbeitrag CERN


Antworten Gast: Insider
08.05.2009 18:59
0 0

oder = 1 Tag Landwirtschaftssubventionen


aquilo
08.05.2009 16:19
0 0

Was brauchen wir CERN!

Die modernen Menschen, die Konsumenten und Konsumentinnen, deren Wissen jeden Tag von den Medien erneuert wird, können nun verkünden, ohne als Deppen dazustehen, dass z. B. Leitl’s Granderwasserziegel gesünder sind. Endlich darf sich jeder seiner Pendelkünste öffentlich rühmen, sich der Polizei bei der Suche nach Verbrechern andienen und oder seine Nachbarn damit eines Verbrechens überführen. Gericht und Staatsanwaltschaft warten nur darauf, wieder jemanden der Hexerei überführen zu können. Die Tage der teuren unlauteren Rechenkünste und der unverständlichen chemisch-physikalischen Gutachten von Sachverständigen sind gezählt. WiFI-diplomierte Pendler und Rutengeher erledigen das. Der Staat muss niemanden mehr beschützen. Gut ist, was zu verkaufen ist; und zu verkaufen sind am besten Versprechen, die unrealistisch und unbeweisbar sind. Was will man auch lange beweisen, wenn die Theorie von oben kommt. Beweislast? Was ist das, fragt der moderne Eso-Ökonom. Das ist Schnee von gestern. Es gibt keine unsinnigen Behauptungen. Die Grandertechnologie ist wissenschaftlich nicht beweisbar, steht deutlich als Qualitätsauszeichnung auf dem Hochglanzprospekt. Erlaubt ist, was Umsatz bringt. Irgendwer wird schon das Richtige spüren, auf das sich die in jeder Hinsicht unabhängige Justiz berufen kann. Und nicht nur die Justiz auch die Wirtschaftskammer hat erkannt, wie man Hilfestellung zum Geldmachen bietet. Sie erweitert ihr Angebot für die neue ernergethische Zukunft.

untertan
10.05.2009 21:09
0 0

Re: Was brauchen wir CERN!

Wer hat denn Sie so tief "verletzt".

Gast: blabla
08.05.2009 16:10
0 0

super 20 millionen eingespart

die können wir dann in die nächste niederöesterreichische gartenbauausstellung investieren. die hat ja auch ungefähr soviel gekostet. und weil die blumen so lieb sind kommen in zukunft sicher ganz viele wissenschafter nach österreich.

Gerald
08.05.2009 16:01
0 0

Da muss man eben Prioritäten setzen.

Um die 20 Millionen € können die ÖBB immerhin wieder eine Woche fahren (Jahresverlust 2008 1 Mrd. €) oder wir einen Tag lang den Pensionszuschuss (nur der Zuschuss = ca. 8Mrd/Jahr) zahlen!

Es ist einfach nur noch traurig, wo unsere Politversager überall gigantische Summen hinausschmeißen, während sie an der Zukunft (F&E) sparen.

Kantig
17.05.2009 08:57
0 0

Re: Der Pensionszuschuss bei ASVG ist kleiner 3% bei Beamten über 80%.

So gesehen ist Ihr Einwand trefflich!

Gast: Hans-Robert Schönherr
08.05.2009 15:57
0 0

zum Kotzen

Ich bin wirklich entsetzt darüber, dass Ö aus dem derzeit wichtigsten wissenschaftlichen Projekt aussteigt. Sagt sehr viel über einen "Wissenschaftsminster" einer Bananenrepublik aus. Oder sind wir wirklich schon so pleite?

untertan
10.05.2009 21:10
0 0

Re: zum Kotzen

Wir sind.

Gast: Guest
08.05.2009 15:15
0 0

Sparprogamm a la Hahn

Das Beste kommt noch: die Austrittskosten sind viel, viel hoeher als ein jahresbeitrag, angeblich 7-mal so hoch. Werden aber sofort bei Austritt
faellig!

Also eine enorme kurzfristige Belastung!!

Wahrlich ein Schildbuergerstreich der hier gelungen ist!

Gast: MS Deutschland
08.05.2009 15:05
0 0

Projektvorschlag

Ich würde gerene mit den dank der Einsparungen bei CERN freiwerdenden Mitteln im Weltall ausprobieren, ob man dank Entropie tatsächlich, wie ich vermute, eine Drehbewegung starten kann.

Bekanntlich wird eine Festplatte schwerer, wenn man diese beschreibt, also den Wert der Ordnung erhöht, dieser Effekt müsste, wenn man eine Vorrichtung enstsprechend meinen Plänen baut, zu einer Drehbewegung führen.

Mehr Sinn als 20 Mio. in CERN zu versenken, wo man ein kleinstes Teil sucht, obwohl man auf Grund der Logik wissen kann, dass es kein kleinstes Teil gibt, sondern jedes Teil immer wieder teilbar ist, hat mein Experiment immer noch.

Natürlich würde ich selbst im Urlaub nebenbei beim Start das Projekt leiten und dafür die 20 Mio. einstecken. Ich verstehe schon das gejammere der Physiker, die sich um ihren Lohn geprellt fühlen, weil CERN vom Staat nun kein Geld mehr bekommt.

Um auf jeden Fall einen Erfolg vorweisen zu können versuche ich eben zu begründen warum sich alles dreht.

Kantig
17.05.2009 08:59
0 0

Re: Sie werden nicht befinden könnrn "warum sich alles dreht" aber worum sich alles dreht und sowas gedreht wird;-)


untertan
10.05.2009 21:14
0 0

Re: Projektvorschlag

Alsdann. Solchene vifen Leute wie Sie könnten die in Genf gebrauchen. Wofür kann ich Ihnen leider nicht sagen. Schon wieder die Schweizer. Wohl der tiefere Grund der Abneigung. Na, ist ja auch erklärbar.

Antworten Gast: Kai Hyrui
08.05.2009 18:21
0 0

Re: Projektvorschlag

es ging nie um die "Suche nach dem kleinsten Teil". sondern um den Beweis der Superstring- bzw. M-Theorie, und damit um das Erkennen, wie das Universum aufgebaut ist, ob es andere Universen gibt etc.
Die Erde ist keine Scheibe. Aufwachen.
Hier lesen hilft auch:
http://fm4.orf.at/stories/1603137/


Schlagzeilen Wissenschaft