Wien bleibt eine Melange der Nationen

Soziologie. Die Bundeshauptstadt wird immer bunter, aktuell haben 48 Prozent der Wiener einen Migrationshintergund. Dabei rangieren Türken in der Wahrnehmung ganz vorn, sind aber nicht die größte Gruppe.

Wien wächst durch seine Zuwanderer. Insgesamt leben heute mit rund 1,8 Millionen etwa 300.000 Menschen mehr in Wien als vor 25 Jahren. Der Bevölkerungsanteil der Österreicher ohne Migrationshintergrund ist in dieser Zeit fast gleich geblieben. „48 Prozent der Wiener haben heute einen Migrationshintergrund“, sagt Roland Verwiebe vom Institut für Soziologie der Uni Wien.

Woher kommen diese Menschen? Das Bevölkerungswachstum speist sich vor allem aus internationaler Zuwanderung, heißt es im „Werkstattbericht“ zu Zuwanderung und Integration, den der Soziologe im Auftrag der Stadt Wien mitverfasst hat. Die größte Gruppe wurde im ehemaligen Jugoslawien geboren (rund sieben Prozent), aus den zehn neuen EU-Staaten stammen rund drei Prozent. Die Gruppe der eingewanderten Türken wird zwar als die größte eingeschätzt, liegt aber tatsächlich bei 2,6 Prozent.

Immerhin 40 Prozent der Befragten der kürzlich veröffentlichten Studie haben einen Migrationshintergrund. „Das ist repräsentativ für die Stadtbevölkerung“, sagt Verwiebe. Trotz einer grundsätzlich positiven Einstellung (siehe Beitrag oben) sehen diese Zuwanderung mitunter selbst als Problem. Wie stark, hängt deutlich mit der sozialen Lage der Migranten zusammen: Sind sie sozial eher schlechter gestellt, sind sie eher besorgt. Das trifft vor allem auf Türken zu, die allerdings zu 57 Prozent angaben, auch selbst schon in irgendeiner Form diskriminiert worden zu sein.

Insgesamt geben 43 Prozent aller Befragten an, dass das Zusammenleben der verschiedenen Ethnien in Wien besser funktioniert als in anderen europäischen Großstädten. Die Wiener haben allerdings mit 75 Prozent die meisten sozialen Kontakte zu Deutschen.

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Internationaler Spitzenwert

Rückschlüsse auf andere Bundesländer sind allerdings nicht möglich. „In Wien ist die Konzentration und Durchmischung – auch im europäischen Vergleich – weit höher. Das ist ein internationaler Spitzenwert“, sagt der Soziologe. Außerdem: „Die Daten reichen bis an die Stadtgrenze.“

Mit 35 Prozent stellen Österreicher aus den Bundesländern übrigens die größte Teilgruppe dar, die zuwandert; Österreicher sind mit rund 50 Prozent zugleich aber auch die größte Gruppe, die Wien wieder verlässt. (gral)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2015)

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