Neandertaler schmückten sich mit Federn

21.02.2011 | 21:29 |  von Jürgen Langenbach (Die Presse)

Ein Fund in der italienischen Fumane-Höhle zeigt, dass unsere Brüder die Vögel nicht nur alltagspraktisch nutzten – Fleisch zum Essen, Knochen für Werkzeuge – sondern auch als Lieferanten für symbolische Zeichen.

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Zogen Neandertaler mit Federschmuck in Kriege wie die nordamerikanischen Indianer? Oder verehrten sie ihre Götter mit Federkronen wie die Azteken? Ganz so absurd sind die Fragen nicht: Ein Fund in der Fumane-Höhle in den italienischen Voralpen deutet darauf, dass Neandertaler von manchen Vögeln weder das Fleisch noch die Knochen nutzten, sondern ausschließlich Federn, die großen der Flügel. Federn hatten und haben in allen menschlichen Kulturen symbolische Bedeutung, nicht nur in „primitiven“, auch bei uns schmücken Frauen sich selbst mit Boas und Weidmänner ihre Hüte mit Beute. Aber dabei geht es eben um Menschen und Kultur, und beides hat man den Neandertalern lange abgesprochen.
sDass sie Menschen waren, ist inzwischen unstrittig, heute zeigt es die Molekularbiologie. Aber auch unsere Ahnen sahen es so und paarten sich mit ihnen: Zwei bis vier Prozent unserer Gene haben wir von ihnen, Svante Pääbo (MPI Evolutionäre Anthropologie,  Leipzig) wies es letztes Jahr mit der Sequenzierung des Neandertaler-Genoms bzw. dem Vergleich mit unserem nach. Und dass sie elaborierte Alltagstechniken beherrschten, ist auch geklärt; sie waren gute Jäger, hatten ein komplexes Sozialleben etc. Aber hatten sie zudem die höheren Techniken, die wir „Kultur“ nennen, hatten sie all das, was von Symbolen und Abstraktion lebt: Sprache, Kunst, Religion?
Bei der Sprache wird es sich nie klären lassen – immerhin hatten die Neandertaler das Gen, das mit unserer Sprachfähigkeit in Verbindung gebracht wird, FOXP2. Bei der Religion braucht es neue Funde – es gibt umstrittene Hinweise darauf, dass Neandertaler ihre Toten bestatteten. Aber bei der Kunst zeigte sich schon in Spanien, dass Neandertaler Schmuck fertigten, aus Muschelschalen, vor 50.000 Jahren. Auch die frühesten Hinweise auf Kultur bei Homo sapiens stammen von Schmuck aus Muscheln, er wurde in Marokko angefertigt, vor 90.000 Jahren.

Adler, Geier, Falken, Tauben

Da waren die Neandertaler schon lange in Europa, Homo sapiens kam erst vor 40.000 Jahren, auch in die Fumane-Höhle; er hinterließ Zeugnisse seiner Kultur, ornamentale Objekte und bemalte Steine. Aber der erste Nutzer der Höhle war er nicht, vor ihm lebten Neandertaler dort. In diesen Schichten fand ein Team um Marco Peresani (Ferrara) nun 44.000 Jahre alte Vogelknochen, die Spuren menschlicher Bearbeitung zeigen (Pnas, 21. 2.). Zu deren Nachweis braucht es feinste Analyse, denn die Höhle war periodisch auch von Tieren bewohnt, Bären und Füchsen. Aber zu deren Zähnen passen die winzigen Kratzer auf den Vogelknochen nicht. Sie entstanden, als Neandertaler die Federn entfernten, etwa bei Adlern, Geiern und Falken – Fleisch von Raubvögeln ist nicht essbar –, oder bei Tauben, die munden zwar, aber an den Flügeln ist kaum Fleisch, warum hätten just diese Knochen abgeschabt werden sollen?
Zur Stabilisierung von Pfeilen im Flug? Die Neandertaler hatten keine Pfeile, sie müssen die Federn für anderes gebraucht haben: „Alles deutet auf die symbolische Sphäre und darauf, dass diese eingesessene Population ein modernes Verhalten hatte, lange bevor die modernen Menschen (H. sapiens, Anm.) nach Europa kamen“, schließen die Forscher. Damit wird immer rätselhafter, warum die Alten verschwanden – körperlich, in einem Teil ihrer Gene sind sie ja da –, als die Neuen einwanderten.

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10 Kommentare
Gast: Romlan2@web,de
27.02.2011 02:24
0

mehl

cool

homo sapiens sapiens

"hatten sie all das, was von Symbolen und Abstraktion lebt: Sprache, Kunst, Religion?"

sind wir dann noch Menschen , da uns dieses immer mehr abhanden kommt?

Gast: g1
22.02.2011 22:35
0

Last not least wäre zu bemerken, dass die Vogelfedern

indirekt von den Reptilien kommen, denn der Vogel schlüpfte laut ET aus einem Reptilei.

Natürlich ist dazwischen viiiiiel Zeit vergangen, Zeit ist einer der wichtigsten Bausteine der Evolution. Denn Zufall schafft Intelligenz und Federn, aber es braucht ZEEEEIT.

Re: Last not least wäre zu bemerken, dass die Vogelfedern

Ich schau auch noch immer Pokemon und hab meine ganzen Biologiekenntnisse von dort!

Fast, aber nicht ganz:

Zufall und _Selektion_ ist des Rätsels Lösung, über dem du schon so lange brütest.

Gast: Ludwig Ammer
22.02.2011 02:02
3

Hm,

gibt nicht so viel her dieser Artikel. Aber irgendwie müssen Sie sich ja bis zur Pernsion proforma betätigen und sowieso ist der Neandertaler en vogue. Ich habe als Kind auch immer die Flügerl so gerne abgenagelt und angeschnitten: vielleicht haben das die Affen uns schon mitgegeben, Herr Langenbach.
Viel Wasser geht den Bach hinunter bis man den Pensionshimmel erschaut: das und die Grabgarantie sind noch die einzigen Motive für Religion, wenn man das sich so anschaut, daß eigentlich kein Mensch mehr in Mitteleuropa sich nach zehn Geboten verhalten will. Aber vielleicht will der Homo sappens germaninuss auch gar nichts mehr von unserer Neantertalerreligion mit den zwei Steintafeln haben, vielleicht will er das gar nicht verstehen, daß wir immer die Flügerl zum Schreiben benutzt haben - mit kleinen geschliffenen Steinklingen darin, die beim Schlagen der Klingen für die Messer angefallen sind. Wie die heilige Bakhita 114 Mal in die Haut geritzt wurde, haben sich Neandertaler viele wunden mit Taubenflügelmesserchen gemacht, und davon ist das Tätowieren geblieben. Als Kind hatten mir schon auch die Wulste an Wunden gefallen - heute weiß ich, daß es Bakterien sind, die unsere Liebe dafür steuern, damit sie länger in einer Wunde verbleiben. Die Schrift der Neandertaler war in die Haut geritzt und die Sprache war vielleicht schon weiter entwickelt als heute bei Kiffern, aber so stark ausdifferenziert kann er mit den klitzekleinen Scheitel- und Schläfenlappen auch nicht gewesen sein

Antworten Gast: Ludwig Ammer
22.02.2011 02:55
2

Mit Birkenpech

haben Neandertaler Messer geklebt und auch die Tätowiermesserchen gemacht, die schon auch zum Abschaben der Vogelflügerl benutzt wurden und zum Auskratzen der Ockerknollen (Kalkrinde wie bei Silexknollen). Mit Ocker hat der Neandertaler wie der H. sapiens gemalt: auf dem Gesicht, wie das in Burma und Australien heute noch so schön für die Touristen gemacht werden muß mit allen möglichen Mineralien. Die Ockerknollen hatten Neandertaler sich umgehängt, um immer etwas mit dem kleinen Messerchen ausschaben zu können. Unser Sohn hat das als Kleinkind mit einem ungefährlichen kleinen Schraubenzieher gemacht. Ah, endlich sind die Erdbeben in Down Under da: Südinsel Neuseelands, genau wie ich hier angekündigt habe. Eines mit 6,4 Fiji war vorher. Und mitten in Australien war ein Beben nahe dem Tennant Creek, wo öfter Beben sein könnenn, aber das war selten weit weg davon: der Eisenkontinent hat will sich am östlichen Rand der Gebirgswüsten in 5 - 10km Tiefe punktuell mit den Neutrinos aus dem Berylliumbeschuß erhitzt: hier muß viel Kupfer sein, das wohl nur mit Schmelzbohrverfahren nach Radermacher und Foppe erkundet werden kann. Ausbeuten werden es unsere Enkel, und dabei werden sie noch mehr Gold hier finden, mit dem wir weiter das innere Australien begrünen werden.

Ein gewisser libyscher diktator...

... Könnte einer der letzten abkömmlinge sein

Gast: G Ast
21.02.2011 22:18
2

... Frauen schmücken sich mit Boas um den Hals ...


So eine Boa ist schon ein kleidsames Accessoir. Allerdings, ab drei Meter Länge sollte man vor dem Umhängen noch ein letztes Mal noch ganz tief Luft holen.

Antworten Gast: Ludwig Ammer
22.02.2011 02:24
1

Ja, das kenne ich

aus dem Zirkus: das erhöht die Spannung im Publikum so ein Schnaufer mit aufgespreizten Augen. Ich hab´ jetzt aber auch so große Augen bekommen wegen der zwei starken Erdbeben, die ich vor rund zehn Tagen angekündigt habe als Folge des Coronal Holes vor dem Sonnenfleck 1158. Ganz schön lange hat das jetzt gedauert, bis diese flachen Krustenbeberl gekommen sind, aber jetzt ruckelts halt auch schwer dahin mit 6,3 und 5,6 und...
Die stark die kosmischen Elektronen abhaltenden Sonnenwinde zweier so großer Sonnenfleckenansammlungen haben jetzt die Verzögerung gemacht. Jaja, wir haben zwei solare Großereignisse in der Vorwoche gehabt, wie sie schon mehr als fünf Jahren nicht mehr so stark waren, und davor war eben der Erdbeben so stark beeinflussende schwarze Patzen unten an der Sonne, aber den Herrn Langenbach juckt das alles nicht, obwohl es den modernen Menschen enorm durcheinander gebracht und zu Mut für Revolutionen huschen lassen hat. Unter den solaren Störungen gleicht mangels Aktivität der äußeren Gehirnregionen der Mensch tatsächlich wieder mehr dem Neandertaler, und so könnte man durchaus sagen, daß der Neandertaler wieder Nordafrika beherrscht. Mir ist das lieber als der Gadd-Aff, der noch nicht einmal auf einem H. erectus Niveau agieren konnte.

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