"Absichtliche Erfindungen": Breivik ficht Gutachten an

Ein Gutachten hat den Attentäter für unzurechnungsfähig erklärt und ihm "paranoide Schizophrenie" bescheinigt. Breivik wehrt sich. Die Einschätzungen der Psychiater seien falsch.

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Anders Behring Breivik
Anders Behring Breivik – (c) REUTERS (Pool)

Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik hat sich vor Gericht gegen ein psychiatrisches Gutachten gewehrt, das ihn für unzurechnungsfähig erklärt. Die Einschätzungen der Psychiater seien "absichtliche Erfindungen", sagte Breivik am Mittwoch in Oslo. Auch wenn sie möglicherweise nicht beabsichtigt gewesen seien, so seien sie "in jedem Fall falsch". Die Frage nach dem Geisteszustand des Attentäters ist in dem Prozess von großer Bedeutung. Wird Breivik für unzurechnungsfähig erklärt, würde er seine Strafe nicht in einem Gefängnis sondern in einer psychiatrischen Klinik verbüßen müssen. Nach Angaben seiner Verteidiger ist es der ausdrückliche Wunsch des Angeklagten, im Prozess als schuldfähig eingestuft zu werden.

Ein erstes Gutachten hatte Breivik "paranoide Schizophrenie" bescheinigt und daher für unzurechnungsfähig erklärt. Das Ergebnis war in der Öffentlichkeit heftig kritisiert und auch von Experten angezweifelt worden. Deshalb wurde eine zweite Beurteilung angeordnet. Demnach soll der Oslo-Attentäter doch voll zurechnungsfähig sein. Breivik behauptet, das erste Gutachten enthalte mehr als 200 Fehler. Die beiden Gutachterteams verfolgen den Prozess und sollen später gehört werden.

Breivik: Anstalt "schlimmer als der Tod"

Schon vor dem Prozess hatte Breivik erklärt, in einer geschlossenen Anstalt zu sein wäre für ihn "schlimmer als der Tod". Vor Gericht sagte der Attentäter, der sich als Verteidiger der Norweger im Kampf gegen den Islam sieht, für ihn seien "Tod oder Freispruch" die einzig legitimen Ergebnisse des Prozesses. Mit einem Urteil wird nicht vor Mitte Juli gerechnet.

Breivik hatte am 22. Juli insgesamt 77 Menschen getötet. Bei einem Amoklauf auf der Fjordinsel Utöya starben 69 Teilnehmer eines Sommercamps der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten. Acht Menschen starben bei einer Explosion in der Osloer Innenstadt, mehr als 200 Menschen wurden verletzt.

(Ag.)

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