Hautheilung: Ganz natürlich und nano

03.11.2012 | 18:12 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Julia Schwarz entwickelte Liposomen und Mikroemulsionen, die Wirkstoffe gegen Pilz- oder Herpesinfektionen effizient durch die Hornschicht der Haut transportieren.

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Unser größtes Organ, die Haut, ist zugleich auch unsere größte Barriere gegen Einflüsse von außen. Viele Krankheitserreger gelangen aber doch trickreich in und durch die Haut. Wenn man sie bekämpfen will, muss man die Wirkstoffe auch durch die Barriere bringen. „Für 80 bis 90 Prozent der Barrierefunktion der Haut ist die Hornschicht verantwortlich“, sagt Julia Schwarz. Und durch diese hart zu knackende Nuss versucht Schwarz, Wirkstoffe zu schleusen. „Der Vorteil von ,dermal‘ verabreichten Wirkstoffen ist, dass der Patient weniger Nebenwirkungen hat als bei systemischer Verabreichung“, so Schwarz. Deshalb entwickelte sie in ihrer Dissertation (Uni Wien, Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie, Betreuerin Claudia Valenta) verschiedene Trägersysteme, mit denen Wirkstoffe gegen Pilzerkrankungen (Fluconazol) und gegen Herpesviren (Aciclovir) in die Epidermis eindringen können. Die Dissertation wurde von einer Forschungsplattform der Departments für Pharmazeutische Technologie unterstützt – und nun mit einem „Award of Excellence“ des BMWF ausgezeichnet.

Schwarz' Ziel war es, Arzneistoffträger herzustellen, die als Salbe, Gel oder Spray auf die Virus- oder Pilzinfektion auf der Haut aufgetragen werden. Die Trägersysteme sind für das freie Auge nicht sichtbar, es handelt sich um Nanometer kleine Öltröpfchen oder andere Nanopartikel: „Ich habe Mikroemulsionen und Nanoemulsionen entwickelt, die die Hornschicht gut überwinden können und den Arzneistoff direkt an den Wirkungsort in die Haut transportieren.“ Das Besondere ist, dass dabei nur natürliche Emulgatoren verwendet wurden, etwa Lezithin aus Sojabohnen oder Hühnereiern. Bei der Kontrolle der eingesetzten Nanopartikel half Österreichs kältestes Mikroskop: das Kryo-Elektronenmikroskop am Vienna Biocenter in der Dr. Bohrgasse. Bei den Tests, wie tief die jeweilige Substanz eindringt, halfen Schweineohren: Die Haut von Schweinen ist der von Menschen am ähnlichsten. Nach der Einwirkzeit wurde die Schweinehaut Schicht für Schicht auf medizintechnische Klebestreifen abgenommen (Tape Strips). Dann wurde über Fluor-Kernspinresonanz (NMR) gemessen, wie viel des fluorierten Wirkstoffs wie tief eingedrungen ist. „Fluor-NMR wurde in diesem Setting erstmals eingesetzt“, so Schwarz. So konnte gezeigt werden, welche Parameter bei welchen Arzneien zur besten Hautpenetration führen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2012)

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