Nie wieder Sonnenbrand?

28.04.2012 | 18:04 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Ruth Greussing untersucht, was mit Hautzellen nach Sonnenbestrahlung passiert: UV-B-Strahlung verstärkt die Produktion von „freien Radikalen“ in der Zelle.

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„Das Thema UV-B-Strahlung betrifft jeden“, sagt Ruth Greussing: „Denn wer kann von sich behaupten, noch nie einen Sonnenbrand gehabt zu haben?“ Sie selbst ging früher gern ins Solarium und hat im Sommer wenig darauf geachtet, ob sie einen Sonnenbrand bekommt. Doch seit sie im Labor zusehen kann, wie sich Hautzellen verändern, wenn sie die kurzwelligen, energiereichen UV-B-Strahlen abbekommen, geht sie nicht mehr ohne passenden Sonnenschutz außer Haus und meidet das Solarium. In ihrer Dissertation an der Med-Uni Innsbruck und dem ÖAW-Institut für biomedizinische Alternsforschung (Betreuer Pidder Jansen-Dürr) wollte sie wissen, was in menschlichen Zellen passiert, wenn sie zu viel Sonne abbekommen. „Die Dosis an UV-B, mit der wir die Zellen bestrahlen, entspricht der Dosis von zwei Wochen Urlaub mit 2,5 Stunden direkter Sonne pro Tag. Und zwar in unserer Region, südlicher ist die Dosis höher“, so Greussing. Das Ergebnis im Laborschälchen: Die Zellen schwellen auf die drei- bis vierfache Größe an, können sich nicht mehr teilen. Es hat eine vorzeitige Zellalterung stattgefunden. „Wir haben untersucht, was global in diesen Zellen passiert: Welche Gene werden vermehrt oder weniger aktiv, welche Proteine verändern sich, welche Stoffwechselprodukte liegen vor? Und das sehr junge Forschungsthema: Welche microRNAs sind in den Prozess involviert?“

Schnell war klar, dass in den vorzeitig gealterten Hautzellen vermehrt „freie Sauerstoffradikale“ vorkommen, die auf unterschiedliche Zellbestandteile schädigend wirken. Greussing zeigte nun, dass verschiedene Zellsysteme nach der UV-B-Bestrahlung viel mehr freie Radikale produzieren als ohne Bestrahlung. Dazu gehören „NADPH-Oxidasen“ wie das Enzym „Nox4“ und die Mitochondrien. Hier wird nach Ansatzpunkten gesucht, wie man diese vermehrte Produktion der schädlichen Radikalen unterbinden kann. Auch die „Protein-Müllabfuhr“ der Zelle, das Proteasom, könnte unterstützt werden, denn nach zu starker UV-B-Bestrahlung verklumpen manche Proteine in der Zelle so stark, dass das Recycling nicht mehr funktioniert. Greussing forscht jetzt auch nach der Dissertation in dem Gebiet weiter, gefördert von der Kosmetikindustrie und von öffentlichen Geldern, um vielleicht „irgendwann den Schlüssel zu finden, wie wir ohne Bedenken in die Sonne gehen können und vielleicht keine Antifalten-Creme mehr brauchen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2012)

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