Sonderausstellung „Planet 3.0“ im Naturhistorischen Museum

Eine Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum macht deutlich, wie sehr der Mensch und alle anderen Lebewesen von halbwegs stabilen Umweltbedingungen abhängig sind.

Vor ungefähr 3,5 Milliarden Jahren – damals war die Erde gerade eine Milliarde Jahre alt – bildeten sich erste Lebensformen. Diese veränderten die Welt grundlegend: Die bis dahin von CO2 dominierte Atmosphäre wurde mit Sauerstoff angereichert. Dadurch starben viele Arten aus, gleichzeitig entstanden Bedingungen, in denen höhere Lebewesen entstehen konnten. Die Entwicklung verlief freilich nicht gleichförmig, sondern war von wiederholten Umwälzungen der Umweltbedingungen geprägt. Diese Geschichte wird nun in der Sonderausstellung „Planet 3.0“ im Naturhistorischen Museum Wien thematisiert: In sieben Stationen werden Schlaglichter auf jene Epochen geworfen, die entscheidenden Einfluss auf Umwelt und Klima hatten.

Dabei wird vor allem eines deutlich: Wir und alle anderen Lebewesen auf der Erde sind auf halbwegs stabile Umweltbedingungen angewiesen. Änderungen führten stets zu einem großen Artensterben. Und vieles deutet darauf hin, dass wir uns derzeit erneut in einer solchen Epoche befinden – woran wir zum Teil selbst schuld sind. Das betrifft nicht nur den rasanten Klimawandel, sondern auch viele andere Veränderungen, die mit der griffigen Bezeichnung „Anthropozän“ für das gegenwärtige Zeitalter umschrieben werden.

Wie sehr der Mensch – eine von mehr als 1,5 Millionen Spezies – mittlerweile die Erde dominiert, sieht man allenthalben. So nutzen wir rund ein Viertel der jährlichen globalen Biomasseproduktion für unsere Zwecke. Der kanadische Wissenschaftler Vaclav Smil hat berechnet, dass im 20. Jahrhundert die Masse aller Menschen jene von allen anderen wild lebenden Säugetieren zusammengenommen überholt hat: Die 7,3 Milliarden Menschen machen derzeit rund 30 Prozent der „Zoobiomasse“ aus, unsere Nutztiere rund zwei Drittel – und alle Wildtiere zusammen nicht einmal fünf Prozent.

Die Menschheit wird, wie alle Spezies, irgendwann aufhören zu existieren. Auch von den direkten Überresten unserer Zivilisation – Gebäude, Infrastruktur etc. – wird dann binnen weniger Jahrtausende nichts übrig bleiben. Allerdings hinterlässt Homo sapiens dennoch Spuren in der Welt, die noch Jahrmillionen nachweisbar sein werden – etwa geologische Schichten, die vom rasanten Ansteigen des CO2-Gehalts der Luft, von einer großflächigen Umverteilung chemischer Elemente oder von Atombombentests zeugen. So deutliche Spuren hat bis dato keine andere Spezies hinterlassen.


Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Chefredakteur des „Universum Magazins“.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2015)

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