Wir hören

Der Fluss, der gefangen nimmt. Der Fluss, der kein Ende nimmt. Der Fluss, der alles nimmt. Zur Musik des Richard Wagner, der vor 200 Jahren geboren wurde.
Die Wahrheit hinter 16 Lügen
Ich kenne Friedrich Zawrel seit 1979. Damals war das Spiegelgrund-Opfer zum zweiten Mal in die Fänge des NS-Euthanasiearztes Heinrich Gross geraten. Dieser Tage hat man Zawrel ein Goldenes Ehrenzeichen überreicht. Eine unerwartete Geste. Das Böse, das man ihm angetan hat, werde ich dieser Republik dennoch nie verzeihen.
Maßlos, mit Dackel
Seine Erfolge feierte er zwar als Schriftsteller, doch sein eigentliches Talent war das Malen und Zeichnen: Franz Hrastnik, Bohemien – und unberechenbares Original. Erinnerung an einen Freund.
Seitenspringe, wer kann!
Tugend wider Willen? Ein Spam-Filter – und (noch) keine Affäre. Im Grunde sind wir doch alle Verhinderte. So glücklich (oder so fantasielos) kann einer gar nicht in seiner eigenen Haut sein, dass er sich nicht manchmal wünschen würde, in der eines anderen zu stecken.
Die Abgründe der Hingabe
Kurzweilig: Michela Marzanos Geschichte der Körperlichkeit. Wenn Platon auf Cyberspace trifft und die Psychoanalyse dabei vermittelt, dann handelt es sich gewiss um Bildung, wie das 21. Jahrhundert sie anstrebt.
War alles nur Zufall?
Februar 1970: fünf Terroranschläge innerhalb von elf Tagen. Bilanz: 55 Tote. Deutschland als Zielgebiet palästinensischer Guerilleros. Beteiligung prominenter Linker konnte Wolfgang Kraushaar nicht nachweisen. Aber sie haben das öffentliche Klima antisemitisch beeinflusst.
Und immer eines dieser gefährlichen Bettchen
Radikal, zugleich subtil und selbstironisch: Jeanette Wintersons lebendige Selbstbefragung. Irgendwo steht immer eines dieser gefährlichen Bettchen. Ein Bettchen, in dem der Teufel liegt. Und nur zu leicht landet man mit ihm unter einer Decke.
Angst vor starken Frauen
In ihrem Roman „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ gibt Taiye Selasi tiefe Einblicke in die Probleme und Gefühlslagen von Migranten. Ein Arzt aus Ghana scheitert in den USA – und dann auch wieder bei der Heimkehr.
Die Therapie des Lebens
Kunstvoll verschränkt Alix Ohlin drei Lebensläufe. Wie anders wäre das Leben verlaufen, hätte man in der Sekunde bloß anders reagiert, etwa nicht diesen Weg genommen, wäre nicht diesem Menschen begegnet oder hätte sich nicht darauf eingelassen, sich gerade in diesen Menschen zu verlieben.
Das Glück beim Händewaschen
Es war nicht leicht, Mozart zu ersetzen. Zur konzertanten Aufführung von „La Clemenza di Tito“ lässt der Theaterdirektor ins Programmheft schreiben: „Man fühlt es beyder Anhörung dieser, wie einer jeden seiner Musiken, nur zu sehr, was die Kunst an ihm verlor.“


