Der Geist von Wien

Sieger und Besiegte sind untaug-liche Begriffe. In einer Friedenskonferenz spricht man über den Frieden und nicht über den vorhergegangenen Krieg. Das war das Geheimnis des Erfolgs beim „Wiener Kongress“, der vor 200 Jahren festlich eröffnet wurde.

Boleros hören, Rum trinken und gut essen

Leonardo Padura rechnet mit der kubanischen Revolution ab: „Ketzer“ – ein amüsanter Roman über eine hedonistische Gene-ration, die genug hat von Parolen.

Der Anschein von Ordnung

Ist Sprache angeboren oder anerzogen? Diese Frage beschäftigt die Menschheit schon Jahrtausende. Der Erzähler in John Burnsides Roman „Haus der Stummen“ will – wie manche vor ihm – das Rätsel experimentell lösen. Ein Feldversuch an lebenden Menschen, zugleich das Porträt einer psychotischen Persönlichkeit.


Cool und unendlich jung

Er war die schillerndste Figur der „Wiener Gruppe“: Konrad Bayer, der Dandy der österreichischen Literatur. Vor 50 Jahren nahm er sich das Leben. Aus diesem Anlass erscheint sein Montageroman „der kopf des vitus bering“ in der „Reihe Österreichs Eigensinn“.

Das Recht auf den Liebesakt

Bis zur Aufklärung verfuhr man im christlichen Abendland nicht anders als muslimische Extremis-ten bis heute. In „Lust und Freiheit“ schildert der Oxfordhistoriker Faramerz Dabhoiwala die Befreiung englischer Männer und Frauen aus den Zwängen mittelalterlicher Kirchenzucht.

Der Weg zur Quelle

Der 1964 in London geborene Sadakat Kadri ist Autor und Menschenrechtsanwalt. Auf diesen zwei Beinen fußt sein Buch „Himmel auf Erden“, eine detailreiche Geschichte des islamischen Rechts, der Scharia.


Eine Politik des Schweigens!

Redselig plädiert Byung-Chul Han für Modelle gegen eine neoliberale Psychopolitik.

Hauptstadt der Spione und der Subordination

Mit spitzer Feder: Johann Kaspar Riesbecks streng subjektive Beschreibungen einiger mitteleuropäischer Städte vor der Französischen Revolution.

Wall Street, wir haben ein Problem

Selten wurde gesellschaftlicher Wandel so einfühlsam, verständlich und packend beschrieben wie in George Packers Buch „Die Abwicklung“. Der Journalist erzählt darin anhand von einem Dutzend Porträts über Veränderungen im US-amerikanischen Alltag.

Michelangelos Schneemann

Aphoristisch: Clemens J. Setz' „Gedichte“, die keine sind.


Die Furcht vor dem Fremden

In seinem Roman „Pfaueninsel“ erzählt Thomas Hettche das Märchen von einer Zwergin, die eine Königin erschreckt. In dem Moment, da die Kleinwüchsige als Monster und Bedrohung gesehen wird, hört die Geschichte auch auf, ein Märchen zu sein.

Abhängig von der Schönheit

Wolfgang Herles' Roman aus der Welt der High Society.

Das raue Leben als Stiefkind in den Bergen

Ein Männer- und ein Frauenschicksal aus dem vorigen Jahrhundert: Kurzromane von Robert Seethaler und Isabella Feimer.


Ein Drehbuch für Charlie?

In Michael Köhlmeiers Roman „Zwei Herren am Strand“ stehen zwei Ikonen des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt: Charlie Chaplin – Prototyp des sozialen Aufsteigers – und Premier Winston Churchill, dem das politische Abseits droht.

Schwindel und Schwebe

Es ist nicht ganz neu, dass sich ein Autor in einem Text mitsamt seinen Manuskripten in Luft auflöst. Gerhard Roth treibt in seinem Roman „Grundriss eines Rätsels“ sein illustres Spiel mit der Frage, was Wirklichkeit und wie sie wahrnehmbar ist.

Autos kommen nicht weit ohne Straßen

Der Staat als Investor sollte auch an den Erträgen beteiligt werden, so Mariana Mazzucato.

Wo die Pausen die Story ausmachen

Der totale Roman: Lucas Cejpek erzählt auf radikale, verblüffende und avantgardistische Weise sein Leben. Eines der wichtigsten Bücher des Jahres.

Aus dem Kopf klopfen

Ein Teenager entdeckt über den Besuch des Films „Winnetou I“ seine Liebe zum Kino und seine Leidenschaft für die Literatur. „Winnetou, Abel und ich“: ein typischer Text Josef Winklers, zugleich ein völlig neuer.

Der Hund in uns

Bereits seine Zeugung verläuft abenteuerlich, geradeso wie das anschließende Leben des Mischlingshundes Bertie. Warum soll es Hundekindern besser ergehen als Menschenkindern? „Unter Menschen“: Bettina Balàkas turbulenter und hoch amüsanter Roman über ein Hundeleben.

Was ich lese: Juila Danielczyk

Unmittelbar nach seinem Erscheinen am 28. Juli las ich Wilhelm Genazinos neuen Roman, Bei Regen im Saal (mit dem gelungensten Cover des Jahres), in welchem der Autor seine fein-ironischen Beobachtungen brillant weiterführt (Hanser Verlag).

Brücken bauen und schürfen

Rasche Schnitte: Michael Wallners Liebesroman in Kuba während der Wirtschaftskrise.

Daten sind besser als Taten

Dave Eggers widmet sich in seinem Roman „Der Circle“ der digitalen Umzingelung des „gläsernen Menschen“. Die Provinzpomeranze Mae Holland landet in einem global tätigen Internetkonzern und wirbt dort für totale Transparenz.

Werke für Gott, den Zaren oder die Partei

Kenntnis- und aufschlussreich: Vladimir Fedosejevs Gang durch die russische Musikgeschichte der vergangenen 200 Jahre.

Es geschieht eben zu viel

Idee gut, Ausführung mangelhaft: Andrea Winklers Essayband „Ich weiß, wo ich bin“.


Es ist immer alles heute

Der Vater, der sich davongemacht hat. Die Mutter, die 20 Jahre schwieg. Die gescheiterte Ehe. Die Männer danach. Die beiden Söhne. Und „ein Mädchen mit verlorener Erinnerung“. Elke Laznias Roman „Kindheitswald“.

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