Flucht in Ketten

„Der leichteste Fehler“: Die kanadische Autorin Lisa Moore bedient souverän gleich mehrere Genres. Roadmovie, Krimi, Seefahrtsroman bündeln sich zu einer amüsanten Verfolgungsjagd.

Nicht schauen, sondern tun

Appell an die Menschlichkeit: Beate Winklers kleine Ermutigung „Unsere Chance“.


Schönheit und Schrecken

Wie weit ging die Verstrickung Werner Heisenbergs und Martin Heideggers in den Nationalsozialismus? Damit beschäftigen sich zwei Bücher auf unterschiedliche Art. Jérôme Ferrari nähert sich Heisenberg literarisch, Silvio Vietta verteidigt Heidegger sachlich-philosophisch.

Zum Kindsein nicht geschaffen

Hilary Mantel befreit sich von Geistern – in einer geistvollen, grandiosen Autobiografie.

Herz und Leber roh

Sohn, Vater und Großvater fahren jedes Jahr in ein entlegenes Gebiet, um nach Hirschen zu jagen. Statt eines Tiers erlegt der Sohn aber einen Wilderer. „Goat Mountain“: David Vanns Roman über eine von Gewalt geprägte Familie.


Links reden, rechts leben

Mit dem Links-rechts-Schema kann man vielleicht noch Wahlkämpfe führen, die Gesellschaft lässt sich so nicht mehr beschreiben, meint der deutsche Soziologe Armin Nassehi.

Kagraner nimmt Platz und redet

Im Café ungestört Zeitung zu lesen – das ist vorbei für den Ich-Erzähler in Gustav Ernsts Roman „Zur unmöglichen Aussicht“. Denn ein Unbekannter verwickelt ihn immer wieder in Gespräche über banale Angelegenheiten.

Salut auf den Pelzmantel

Ein literarischer Fund: die Erinnerungen der russischen Schriftstellerin Teffy.

Die Sprache der Nacht

Die Traditionalistin, als die sie in den 1960er-Jahren von der Avantgarde angesehen wurde, war Christine Busta in ihrer Lyrik sicher nicht. Ihr 100.Geburtstag könnte ein Anlass sein, nicht nur ihre Wortneubildungen, sondern auch ihre Dialektgedichte zu entdecken.

Vergiss das Gute!

Ein einstiger Starreporter, er nennt sich Robert Kisch, wird Verkäufer in einem Möbelhaus. In seinem Bericht darüber erzählt er von einer Arbeitswelt, in der sich Habgier, Neid und Niedertracht der Menschen bemächtigen und wie Viren die Gesellschaft unterwandern. Eine Entlarvung.

Wie die Fische an Land kamen

Neil Shubin hat sein Buch „Das Universum in dir“ als Reise mit einer Zeitmaschine zurück zum Urknall organisiert. Die kleinsten Teile unseres Körpers, dies die Pointe, haben eine Vergangenheit, die so alt ist wie das Universum.

Einstein und der „Sumpf der Metaphysik“

Mit dem biografischen Roman „Reisende in Sachen Relativität“ widmet sich Manfred Rumpl dem heimischen Physik-Nobelpreisträger Erwin Schrödinger.

Ein Freund, aus Sand gebaut

Ästhetik der Untertreibung: Gerhard Jaschkes literarische Abwehr von Erwartungen.

„Bei Lilien gehe ich über Leichen“

Für Barbara Frischmuth ist der Garten auch ein ästhetisches Projekt, das sie zu sprachlichen Orgien in der Beschreibung der blühenden Beete treibt. „Der unwiderstehliche Garten“: ein prächtiges Buch über Pflanzenpflege und ein dezentes Buch übers Altern.


Mädchen und Moral

Die Anklage lautete Kindesmissbrauch. „Der Fall Loos“ ist lange bekannt. 2011 stellte Christopher Long neue Nachforschungen an. Als im Vorjahr der verschollene Gerichtsakt auftauchte, durfte man auf neue Erkenntnisse hoffen. Weit gefehlt. Longs Mono-grafie: Makulatur, druckfrisch.

Ein flutendes Loslassen

Dietmar Krugs Anti-Idylle einer rheinländischen Dorfkindheit.

Taufen mit Schlamm

Woher die Jenischen kamen, weiß man nicht so genau. Klar ist da-gegen, wo viele endeten: im KZ. Thomas Sautner gibt in seinem mit großer Empathie geschriebenen Roman „Die Älteste“ Einblick in die Lebensweise einer Frau aus dieser Volksgruppe.

Liebe in Zeiten der Stasi-Pest

„Paranoia“, der Politthriller des Weißrussen Viktor Martinowitsch:eine Geschichte von Liebestollheit, Käuflichkeit und Ausgeliefertsein an einen allgegenwärtigen Polizeistaat. Aber auch eine literarische Parabel über geheimdienstliche Repression.

Kopfüber in den Bäumen

Literatur pur: Carolina Schuttis novellistischer Abschluss ihrer Trilogie über Kindheiten.

Ein Captain Ahab der Prärie

Der Roman „Butcher's Crossing“ ist fast ein klassischer Western. Es geht um Büffeljagd, schnelles Geld und das Recht des Stärkeren. Bei John Williams wird aber selbst das zur atemberaubenden Studie über die Psychologie des Tötens.

Die Bombe, die nicht explodiert ist

In seinem letzten, nachgelassenen Werk suchte José Saramago nach der moralischen Verantwortung des Einzelnen. „Hellebarden“ oder Die Aufforderung zur Sabotage.


Moses wartet vor Sizilien

Stefano D'Arrigos großer Roman „Horcynus Orca“ glänzt durch erzählerische Qualität in der Neudeutung antiker Mythen, durch Klang- und Bilderreichtum. Kongenial auch die deutsche Übersetzung von Moshe Kahn.

Borniertheit als Form des Widerstands

Peter Moeschls Analyse der „inhumanen Selbstverwertung“ durch den Kapitalismus.

Odin und die Wilde Jagd

In 38 Kapiteln stellt Jacob Grimm in seiner „Deutschen Mythologie“ die religiöse Welt der germanischen Völker dar. Sein Sammeleifer trug so viel Material zusammen, dass wir noch heute darin nachschlagen. Nun liegt eine Neuausgabe vor.

Und fast ein Mensch

Robert Streibel stellt ein für die österreichische Zeitgeschichte eminent sinnträchtiges Ereignis aus vielerlei Perspektiven und fesselnd dar: das Massaker an den Häftlingen der Strafanstalt Stein am Ende des Krieges. „April in Stein“: ein großes Ereignis.

Stoffbär mit aufgeplatztem Bauch

Xaver Bayers Prosastücke rücken das Marginale ins Zentrum. Eine Wundertüte geheimnisvoller Betrachtungen.

Klassik

Sinkothek auf DiePresse.com »

AnmeldenAnmelden