Abkehr von den schönen Worten

Der Kunst als gesellschaftlichem Faszinosum verschließt sich auch die Literatur nicht. Besonders interessant sind Texte, die sich als Konzeptkunst lesen lassen.

Morden nach Lehrbuch

Das Massaker am Peršmanhof war eines der letzten NS-Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung in Kärnten. Nun dokumentieren zwei Historikerinnen nicht nur das Geschehen, sondern auch den zögerlichen Umgang der Nachkriegsjustiz mit den Tätern.

Von Gewinnern und Verlierern des Krieges

Erstmals in Buchform publiziert: Gina Kaus' Zeitroman „Die Front des Lebens“ aus dem Jahr 1928. Mit psychologischem Feingefühl.

Der Stoff, aus dem das Kapital ist

Keine Ware verkörpert die Entwicklung und Wirkungsweise des Kapitalismus so sehr wie Baumwolle. In „King Cotton“ holt der Historiker Sven Beckert kulturgeschichtlich weit aus, um den wirtschaftlichen Vorsprung Europas im Zuge der industriellen Revolution zu erklären.

Romane statt Strickmuster

Gespräche über Heimat: Fünf österreichische Autoren fremder Zunge berichten.

All das Schöne, das unerwartet geschieht

„Herkunft“: In einer Art Poetik des Ungefähren erinnert sich Botho Strauß seines „unzeitgemäßen“ Vaters. Eine mitreißende Nach-Schrift, ohne Schwarz-Weiß.

Zu dritt auf zwei Füßen

Minuziös vergegenwärtigte sich Andreas Latzko das Grauen, dem er an der Front traumatisiert entronnen war. „Menschen im Krieg“ – ein Novellenzyklus, der bezeugt, was der Krieg wirklich ist: ein einziges Malträtieren, Verstümmeln und Abschlachten.

Zwei verirrte Kugeln

Patrick Modiano auf der Suche nach der verlorenen Frau: In „Gräser der Nacht“ erzählt der Nobelpreisträger für Literatur eine irritierende Liebesgeschichte mit trügerischen Identitäten.

Was bleibt

„Going East – Going South“: eine Sammlung unglaublicher Geschichten über die Flucht von Österreichern vor den Nazis – nach Asien und Afrika. Ein Buch, das eine Lücke zeitgeschichtlicher Forschung schließt.

Teufelskreis aus Gewalt und Verfolgung

Wiederentdeckung: József Holdosis großer Roman über eine ungarische Romafamilie.

Die falsche Schwester

Kunstkrimi: Josef Nyáry geht der Geschichte von Mona Lisas Zwillingsschwester nach.


Tripel fast ohne Tragik

Überraschend: Joachim Reiber forscht nach Beziehungsdreiecken großer Komponisten.

Rebellion im Freizeitpark

Rasant und komisch: Bei Anita Augustin suchen ein paar junge Leute Arbeit und laufen Amok gegen die Bespaßungsindustrie. Achtung: Satire.

Vom Sprechen und vom Schweigen

Zwei Jahre lang schrieb Ludwig Wittgenstein während des Ersten Weltkriegs „geheime Tagebücher“. Sie zeigen den Philosophen viel mystischer als bisher bekannt. Wilhelm Baum hat die Herausgabe dieser Kriegsnotizen mit erläuternden Essays ergänzt.

„Dann wird's eng in der Schweiz“

Zwischen Allerheiligen und dem närrischen 11. 11. – eine gute Zeit, die Rückblicke einer Generation von Kabarettisten zu lesen. Georg Kreisler, Dieter Hildebrandt, Henning Venske und Herbert Feuerstein erinner(te)n sich.

Das Krokodil in uns

Altay ist mit Leyla verheiratet. Die aber schläft mit Jonoun. Altay schläft mit Männern. Das nimmt einen nicht unwesentlichen Teil von Olga Grjasnowas Roman „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ ein. Rund um die unmögliche Ménage-à-trois erfährt man etwas über Sex und Homosexualität zur Sowjetzeit und danach.

Schatten und Schemen aus dem Jenseits

Nach Art von Sagen: Benjamin Leberts romantisch auffrisierte Liebesgeschichte.

Was ich lese: Barbara Denscher

Wenn ich erwähne, dass ich mich für dänische Literatur interessiere, folgt als Reaktion darauf meist das Thema Krimi.

Tiefer als der Abgrund

Staatenlosigkeit war im 20. Jahrhundert ein Massenschicksal. In ihrem Buch „Heimatrecht und Staatsbürgerschaft österreichischer Juden“ zeigt die Historikerin Hannerlore Burger die Bedeutung staatsbürgerlicher Rechte und die Folgen von deren Verlust für das Leben von Menschen.

Samuel, Samir & Nina

Karine Tuil hat sich mit ihrem Roman „Die Gierigen“ viel vorgenommen: eine Dreiecksgeschichte eines Juden, einer Muslima und eines Muslims, ergänzt mit falscher Identität, Guantanamo, Gotteskriegertum und erstaunlichen Funden im Internet. Manchmal ist weniger mehr.

Kaskaden, Monologe, Purzelbäume

Kurzweilig: Lydia Davis' Prosa gegen alle Erwartungen und gegen alles Planmäßige. Ein Kompendium der Fantasie.

Was ich lese

Direktorin des Kunst Hauses Wien.

Apokalypse Gegenwart: Was gerade jetzt ist

Der Sinn wird fortan das Allzuviele sein, angeliefert über Google Alerts, Facebook, Twitter, Instagram et cetera. Eine Apokalypse namens Gegenwart - und warum wir sie vielleicht überleben werden.

Der Kaputte

Nahezu alles misslang ihm im Leben, und buchstäblich alles gelang ihm im Gedicht: Georg Trakl – Versuch einer Annäherung im 100. Todesjahr.

Es gibt noch viele Noras

Liebe, Sex, Schwangerschaft, durcheinandergeschüttelt wie in einem Kaleidoskop. Der Debütroman von Nadine Kegele.

Gnade statt Gebote

Wie sollte Theologie nach Eugen Drewermann aussehen? In seinem jüngsten Buch entwirft er eine „Theologie vom Menschen her“, in der Gefühle und Antriebe, Sehnsüchte und Ängste, Aggressionen und Zwänge ernst genommen werden. Theologie sei mit Psychotherapie zu verbinden.

Wortballungen

Botanisch: Hansjörg Zauners wilde Wortblütenformen, aus denen nach oben Triebe und nach unten Wurzeln wachsen.

Blutspur durch Texas

„Der erste Sohn“: Philipp Meyer entwirft ein Mosaik von Szenen über 150 Jahre, in deren Zentrum die reiche weiße Familie McCullough in Texas steht. In Nebenrollen: gute und böse Komantschen und Mexikaner.

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