Borniertheit als Form des Widerstands

Peter Moeschls Analyse der „inhumanen Selbstverwertung“ durch den Kapitalismus.

Moses wartet vor Sizilien

Stefano D'Arrigos großer Roman „Horcynus Orca“ glänzt durch erzählerische Qualität in der Neudeutung antiker Mythen, durch Klang- und Bilderreichtum. Kongenial auch die deutsche Übersetzung von Moshe Kahn.

Stoffbär mit aufgeplatztem Bauch

Xaver Bayers Prosastücke rücken das Marginale ins Zentrum. Eine Wundertüte geheimnisvoller Betrachtungen.

Odin und die Wilde Jagd

In 38 Kapiteln stellt Jacob Grimm in seiner „Deutschen Mythologie“ die religiöse Welt der germanischen Völker dar. Sein Sammeleifer trug so viel Material zusammen, dass wir noch heute darin nachschlagen. Nun liegt eine Neuausgabe vor.

Und fast ein Mensch

Robert Streibel stellt ein für die österreichische Zeitgeschichte eminent sinnträchtiges Ereignis aus vielerlei Perspektiven und fesselnd dar: das Massaker an den Häftlingen der Strafanstalt Stein am Ende des Krieges. „April in Stein“: ein großes Ereignis.


Europa jenseits der Vaterländer

Romain Rolland, Stefan Zweig: Briefe einer Freundschaft und Zäsur im Denken Zweigs.

Die Rettung: Das weiße Kreuz auf rotem Grund

Arnon Grünberg: ein Schweizer im Irak. Das Aufeinanderprallen des Rechtschaffenen mit dem Unkalkulierbaren schafft Komik.


Was ist schon gut am „guten Leben“?

„Wider die Gleichgültigkeit“: Josef Dohmen möchte mit seiner Darstellung der philosophischen Lebenskunst, der Ars Vivendi, sowohl belehren als auch unter-halten. Tatsächlich zeigt das Buch die Kunst des Autors, den Leser mit Lebenskunst zu langweilen.

Einen Whisky für Tito!

Die dichten Szenen in der Vater- und Familiengeschichte Miljenko Jergovićs weiten sich ständig zu Mentalitätsdiagnosen, die erklären, warum sich Kroatien so schwertut mit seiner Vergangen- heit. „Vater“: ein Ausnahme-Essay über Persönliches und Staatliches.

Inventar und Inventur

Ein großes Buch mit kleinen Schönheitsfehlern: Joachim Sartorius' „Handbuch der politischen Poesie im 20. Jahrhundert“ – mit Beispielen aus allen Kontinenten.

Besitzer und Besatzer

Mit 17 wanderte Tuvia Tenenbom in die USA aus und gründete ein Theater. Später kehrte er nach Israel zurück und erforschte seine alte Heimat undercover. „Allein unter Juden“: eine wallraffinierte Polemik, entlarvend, provokant.

Mein Opa, der Rockgitarrist

Nonkonformistisch: O. P. Ziers etwas anderer Familienroman „Komplizen des Glücks“.

Worüber man nicht schweigen kann

Die Journalistinnen Stefanie Schramm und Claudia Wüsten-hagen haben eine Menge Material zusammengetragen, das die Korrelation zwischen Sprache, Denken und Fühlen erforscht: „Das Alphabet des Denkens“ – eine reichhaltige Übersicht.

„Zurück nach Hause, wo gar nichts ist!“

Genau beobachtet: Sandra Gugićs Debütroman „Astronauten“ über die Kinder der Gastarbeiter und ihre Identitätsprobleme.

Grande Nation, kaputt

Wie Gewalt entsteht, wie jegliches Mitgefühl verloren geht, das erfährt der Protagonist in Gila Lustigers Roman „Die Schuld der anderen“ an sich selbst. Sein innerer Konflikt spiegelt dabei die großen gesellschaftlichen Pro-bleme – nicht nur Frankreichs. Mit gigantischer Plansequenz.


Mit billigem Anzug im Regen stehen

Gekratze an der Oberfläche: Richard Walls Kurzprosa über sein Leiden an der Gegenwart.

Embryos, in Rexgläser gepackt

Ausgedörrte Leichen liegen wie Staubhaufen herum. Valerie Fritschs Endzeitvision inszeniert den Untergang mit Bildern aus der europäischen Mythenwelt und der afrikanischen Wirklichkeit. „Winters Garten“: ein fremdartiger Roman, der von Beginn an in seinen Bann schlägt.

Don't drill!

Dem Kapitalismus muss ein Ende gesetzt werden, will man den Klimawandel einbremsen. Naomi Kleins Kampf gilt dem „Extraktivismus“, also dem Abbau von Rohstoffen durch die Energiekonzerne. Die Frage, wie wir mit geringerem CO2-Ausstoß gut leben können, wird nicht einmal gestellt. Das wird nicht reichen.

Om und Heil!

Nur bösartige Götter kämen auf die Welt, soll Buddha gesagt haben, nicht die friedlichen. Adolf Holl hat sich auf der Suche nach den Schattenwelten nach Indien begeben – und trifft dort auf Lord Shiva und den wiedergeborenen Hitler. „Braunau am Ganges“: eine Zeitreise in Geisteswelten.


Die Zweite von links

In einem Koffer in New York: Alfred Polgars wiederentdeckte Hymne auf Marlene Dietrich.

Wie viele Klafter Holz ist sie wert?

In „Wald“, ihrem dritten Roman, schildert Doris Knecht, wie eine erfolgreiche Karrierefrau aus ihrem gewohnten Leben fällt – und hart aufprallt. Mag die Natur da draußen auch noch so schön sein, Loos-Bar ist sie keine.

Was ich lese

Ich lese, so viel ich kann. Immer sind es mindestens zwei oder drei Bücher.

Undine in der Kirche

Marlen Schachinger fabuliert, lügt das Blaue vom Himmel herunter, mischt Realität mit Irrealität und hat keine Scheu vor ungeheuerlichen Behauptungen: „Albors Asche“, ein parabelhaftes Märchen im Horrorgewand.

Um nicht ich zu sein

Eine Nacht lang haben sie geredet und getrunken: Oskar Werner und Michael Degen. Der Jüngere fand seine Ansichten durch den Älteren bestätigt. Jetzt hat Michael Degen ein Buch daraus gemacht: „Der traurige Prinz“ – Dokument einer tragikomischen Begegnung.

Knistern auf dem Linzer Schlossberg

Flott und amüsant: In seinem Roman „Die Anatomie der Träume“ stellt Wilfried Steiner genüsslich das Innenleben des Linzer Kulturbetriebs aus.

Die Heilige Dreisteifigkeit

Peter Strasser hat ein Anstandsbuch verfasst: „Lust“ bereitet zumindest beim Lesen Wonne.

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