365 Schnipsel zur Ordnung der Welt

Märchenhafter Ton: Ein seltsamer Kriminalfall setzt Monika Helfers Roman „Die Welt der Unordnung“ in Gang. Beklemmend und subtil.

Wie ein Vogel in der Falle

Migration, Emigration, Immigration: Darum kreisen Luiz Ruffatos Romane. Im jüngsten wandert ein junger Brasilianer nach Portugal aus. Dort versucht er den Alltag zu „normalisieren“: „Ich war in Lissabon und dachte an dich“. Ein Leben als Überleben.

Hauptsache unterwürfig

Hilde Schmölzer über die Männerfantasien und Liebesbeziehungen von Karl Kraus.

Der schwarze Mann vom Amt

„Expedition Europa“: bei den Pfingstlern von Norwegen.


Wer hat den Vater verraten?

György Dragománs Roman „Der Scheiterhaufen“ ist zwar in der zu Ende gehenden Ära Ceausescu angesiedelt, liefert aber, weit über Rumänien hinaus, ein Panorama der psychischen Verwundungen des 20. Jahrhunderts.

Das Kind wird zum Monster

„Das Gift“: Samanta Schweblins knapper, luzider Horrorroman über mütterliche Urängste.

Ein kleiner Schritt, ein falscher

Schon der Titel verrät, wo Hans Platzgumers Protagonist Gerold Ebner steht: „Am Rand“. Und vor ihm: der Abgrund. Er blickt zurück auf sein Leben, in dem selbst kleine Entscheidungen in die Katastrophe führten.


Ungnädig gegenüber der Partei

Respektvoll: Gunter Hofmanns Biografie über den im Vorjahr verstorbenen deutschen Altkanzler Helmut Schmidt.

Ein Leben als ewiger Prolog

Auf kalkulierte Weise lässig zu sein, darauf käme es an, doch diese Technik der Täuschung beherrscht Hannah nicht. Sie wird zermahlen und sie vereinsamt. „Traurige Freiheit“: Friederike Gösweiners Roman ist todtraurig. Aber ein exzellentes Debüt.

Dem Kosmos einen Tritt

„Dada ist kein Rüpelspiel“, schrieb Hans Arp rückblickend. Zu Beginn war das „Mouvement“ Ausdruck der Verzweiflung über den Krieg und die damit verbundene Sprachverluderung. Dada oder: Der kurze Frühling der Anarchie.

Nur wer etwas wagt, der lebt

Im multiperspektivischen Roman „In der freien Welt“ versucht der Erzähler, Näheres über den Tod seines jüdischen Freundes John in Erfahrung zu bringen. Indem er drei schicksalhaft aufeinander bezogene Welten entfaltet, betritt Norbert Gstrein erzählerisch zum wiederholten Mal historisch vermintes Terrain.


Schau'n Sie sich das an!

Zwei Bände mit Texten und Bildern zu Karl Farkas begleiteneine Ausstellung in St. Pölten.

Soll man Banken retten?

Sein Spezialgebiet beim Studium war die große Depression in den 1930ern. Das half dem ehemaligen US-Notenbankchef Ben Bernanke, die Krise von 2008 zu verstehen. In seinen Erinnerungen „The Courage to Act“ blickt er nun zurück auf diese schwere Zeit und auf seine europäischen Vorfahren.

Männer ohne festen Wohnsitz

„Mesopotamien“, so nennt Serhij Zhadan seine Heimat Ukraine und will uns ihre jüngste Geschichte auf dem Umweg über neun unverbundene Porträts einzelner Menschen begreifbar machen. Er erzählt vom belanglosen Alltag in Zeiten des Krieges und von der Normalität mitten im Wahnsinn.


Geselle mit Empathie und Bleistift

Jochen Jungs mitreißende Autorenporträts aus 40 Jahren als Lektor, Verleger und Autor.

Madrid, Machos, Mädchen

Den Spanischen Bürgerkrieg, eine klassische Männergeschichte, alternativ anhand dreier Liebespaare zu erzählen, dokumentarisch genau, elegant geschrieben, emotional aufbereitet. Das gelingt Amanda Vaill mit „Hotel Florida“.


Ein Land ohne Länder?

Thomas Winkelbauer hat für seine „Geschichte Österreichs“ ein prominentes Historiker-Team zusammengestellt. Im Gegensatz zum geplanten „Haus der Geschichte“, das eher willkürlich mit 1848 beginnen soll, setzt seine kompakte Historie in der Zeit der Völkerwanderung an.

Der Mond als fette Zitrone am Himmel

Rainer Wielands unterhaltsame Hommage ans Unterwegssein in die Ferne.

Who the fuck is Inge?

Auf den Spuren von Ingeborg Bachmanns Wiener Jahren: Joseph McVeigh versucht, die letzten Schleier um das „Phantombild“ der jungen Dichterin zu lüften.

Den Wörtern kündigen

Ein 72-jähriger Mann meldet sich in einem Online-Suizid-Forum an. Nach dem Verrat seines Freundes denkt er, nicht mehr weiterleben zu können. Martin Walsers spielerischer Roman „Ein sterbender Mann“.


Kafkas Klassen, Bernhards Motorsäge . . .

„Bauer Bernhard, Beamter Kafka“: Janko Ferks vergnügliche Essays über die „Zweitberufe“ bekannter österreichischer Dichter.

Das ungelebte Leben

Eine Lebens- und Schaffenskrise des britischen Schriftstellers E. M. Forster (1879 bis 1970) steht im Mittelpunkt von David Galguts Roman „Arktischer Sommer“. Zentrales Moment: Forsters über lange Zeit nicht gelebte Homosexualität. Ein innerer Thriller.

Eine tödliche Liebe

Es beginnt mit einer harmlosen Alter-Mann-trifft-junges-Mädchen-Geschichte, die sich am Rande eines Mordfalls entspinnt. Zülfü Livanelis Roman „Schwarze Liebe, Schwarzes Meer“ oder: Wenn man allein mit Büchern lebt.


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