Hauptstadt der Spione und der Subordination

Mit spitzer Feder: Johann Kaspar Riesbecks streng subjektive Beschreibungen einiger mitteleuropäischer Städte vor der Französischen Revolution.

Wall Street, wir haben ein Problem

Selten wurde gesellschaftlicher Wandel so einfühlsam, verständlich und packend beschrieben wie in George Packers Buch „Die Abwicklung“. Der Journalist erzählt darin anhand von einem Dutzend Porträts über Veränderungen im US-amerikanischen Alltag.

Michelangelos Schneemann

Aphoristisch: Clemens J. Setz' „Gedichte“, die keine sind.


Die Furcht vor dem Fremden

In seinem Roman „Pfaueninsel“ erzählt Thomas Hettche das Märchen von einer Zwergin, die eine Königin erschreckt. In dem Moment, da die Kleinwüchsige als Monster und Bedrohung gesehen wird, hört die Geschichte auch auf, ein Märchen zu sein.

Abhängig von der Schönheit

Wolfgang Herles' Roman aus der Welt der High Society.

Das raue Leben als Stiefkind in den Bergen

Ein Männer- und ein Frauenschicksal aus dem vorigen Jahrhundert: Kurzromane von Robert Seethaler und Isabella Feimer.

Schwindel und Schwebe

Es ist nicht ganz neu, dass sich ein Autor in einem Text mitsamt seinen Manuskripten in Luft auflöst. Gerhard Roth treibt in seinem Roman „Grundriss eines Rätsels“ sein illustres Spiel mit der Frage, was Wirklichkeit und wie sie wahrnehmbar ist.

Wo die Pausen die Story ausmachen

Der totale Roman: Lucas Cejpek erzählt auf radikale, verblüffende und avantgardistische Weise sein Leben. Eines der wichtigsten Bücher des Jahres.


Ein Drehbuch für Charlie?

In Michael Köhlmeiers Roman „Zwei Herren am Strand“ stehen zwei Ikonen des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt: Charlie Chaplin – Prototyp des sozialen Aufsteigers – und Premier Winston Churchill, dem das politische Abseits droht.

Autos kommen nicht weit ohne Straßen

Der Staat als Investor sollte auch an den Erträgen beteiligt werden, so Mariana Mazzucato.

Aus dem Kopf klopfen

Ein Teenager entdeckt über den Besuch des Films „Winnetou I“ seine Liebe zum Kino und seine Leidenschaft für die Literatur. „Winnetou, Abel und ich“: ein typischer Text Josef Winklers, zugleich ein völlig neuer.

Was ich lese: Juila Danielczyk

Unmittelbar nach seinem Erscheinen am 28. Juli las ich Wilhelm Genazinos neuen Roman, Bei Regen im Saal (mit dem gelungensten Cover des Jahres), in welchem der Autor seine fein-ironischen Beobachtungen brillant weiterführt (Hanser Verlag).

Der Hund in uns

Bereits seine Zeugung verläuft abenteuerlich, geradeso wie das anschließende Leben des Mischlingshundes Bertie. Warum soll es Hundekindern besser ergehen als Menschenkindern? „Unter Menschen“: Bettina Balàkas turbulenter und hoch amüsanter Roman über ein Hundeleben.

Brücken bauen und schürfen

Rasche Schnitte: Michael Wallners Liebesroman in Kuba während der Wirtschaftskrise.

Daten sind besser als Taten

Dave Eggers widmet sich in seinem Roman „Der Circle“ der digitalen Umzingelung des „gläsernen Menschen“. Die Provinzpomeranze Mae Holland landet in einem global tätigen Internetkonzern und wirbt dort für totale Transparenz.

Werke für Gott, den Zaren oder die Partei

Kenntnis- und aufschlussreich: Vladimir Fedosejevs Gang durch die russische Musikgeschichte der vergangenen 200 Jahre.

Es geschieht eben zu viel

Idee gut, Ausführung mangelhaft: Andrea Winklers Essayband „Ich weiß, wo ich bin“.

Es ist immer alles heute

Der Vater, der sich davongemacht hat. Die Mutter, die 20 Jahre schwieg. Die gescheiterte Ehe. Die Männer danach. Die beiden Söhne. Und „ein Mädchen mit verlorener Erinnerung“. Elke Laznias Roman „Kindheitswald“.

Verführung ist die wahre Gewalt

Madame Bovary, Anna Karenina, Effi Briest – drei untreue Frauen der Weltliteratur. „Die Kunst des Ehebruchs“: eine anregende Untersuchung von Wolfgang Matz.


Der Wein verkauft sich gut

Im neuen Groll-Roman von Erwin Riess begibt sich der streitbare Rollstuhlfahrer mit Dozent Tritt, seinem gebildeten Sancho Pansa, auf die Reise durch die Wachau. Achtung: kein Heimatroman mit eingefügter Tourismuswerbung!

Wer war Victor Léon?

Nicht nur Höhenkammliteratur: spannende Erkundungen in Österreichs 19.Jahrhundert.

Oh Gott, wie lässt du dich beweisen?

Edgar Rai satirisch über Klerus, Literaturbetrieb, Midlife-Crisis.

Und er redet nur über das Wetter

Sie beginnt am Schulhof und könnte gewöhnlicher nicht sein. Sie dauert keine Woche – und bestimmt doch das ganze Leben. Navid Kermani blickt zurück auf eine sehr „Große Liebe“.


Der Treibstoff und das Feuer

Vom kindlichen Spracherwerb bis hin zur Relativitätstheorie: Analogien sind das Werkzeug, mit dem wir die Welt kognitiv erschließen. Douglas Hofstadters und Emmanuel Sanders gewichtiges, anarchokreatives Werk „Die Analogie“: eine Fundgrube, so anregend wie unübersichtlich.

Versuche über das Zwischen

Wie denken, erinnern, fühlen wir? Siri Hustvedt sucht in ihrem brillanten Essayband „Leben, Denken, Schauen“ nach interdisziplinären Antworten und findet das „Zwischen“-Reich.

Ein Abgrund, der nicht gähnt

Ferdinand Raimund oder: Endlich startet die historisch-kritische Ausgabe – mustergültig.

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