Ausschalten durch Heirat
Hanna Rosins Anleitung zum Vertreiben von Männern aus den Vorstandsetagen. In Amerika haben viele moderne Entwicklungen ihren Ausgang genommen. Warum nicht auch jene, die Hanna Rosin beschreibt?
Literatur: Assange und Pariser über digitale Spione
Es lohnt sich, Leuten wie Julian Assange oder dem digitalen Aktivisten Eli Pariser zuzuhören. Sind sie es doch, die gefährliche Entwicklungen im Netz erkennen und vor ihnen warnen.
Die Dynamik des „rasenden Stillstands“
Überzeugend und schlüssig: Der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa analysiert und kritisiert die Logik sozialer Beschleunigung.
Was ich lese: Cordula Simon
Lesen Sie, was Sie wollen – ich empfehle Ihnen ein beliebiges Buch. Unter meinen Universitätsprofessoren meinte einer :„,Werther‘ ist für uns gestorben“.
Stille Hilfe an der Rattenlinie
Philip Hohenlohes Wien-Roman im Adels- und Nazimilieu. Ein Mann mit einem nicht unbekannten – hocharistokratischen – Namen hat nun, nachdem er sich zusätzlich einen als Designer machen konnte, ein Buch geschrieben.
Stramm abseits der Front
Erst jetzt ediert: der Briefwechsel Alexander Lernet-Holenias mit seiner Gefährtin Maria Charlotte Sweceny in den Jahren 1938–1945. Statt Schlachtengemälden häufige Bitten um Zigaretten.
In den Fängen der Mutter
Onanie und Esoterik: Das sind die Hobbys des 22-jährigen Helden in David Vanns Roman „Dreck“. Es sind seine Ausflüchte aus der familiären Hölle, in der ihn seine Mutter zu halten versucht. Bis sie ihn beim Sex mit seiner Cousine erwischt. Ein Familiendrama.
Was ich lese: Ferdinand Karlhofer
Anders als Morbus Kitahara, dessenHandlungsstrang mich seinerzeit rasch in seinen Bann gezogen und das ich viel zu schnell gelesen hatte (und später, diesmal mit Gewinn, noch einmal las), nähere ich mich Christoph Ransmayrs neuem Buch, Atlas eines ängstlichen Mannes (beide S. Fischer Verlag), mit gebotener Langsamkeit.
Mit anderer Münze
Ich habe mir immer gedacht, Leute wie Sie sprechen etwas zu leise und zu schnell, und jetzt reden Sie ganz normal. Kaum zu glauben. Ganz normal. Vielleicht sogar ein bisschen laut. Immer noch scheinen Sie davon auszugehen, dass ich einfach nur zuhöre. – Eine Rede vor Lobbyisten.
Rosen im Schnee
In „Mörikes Schlüsselbein“ schildert die in Nordsibirien geborene Olga Martynova boboeske Lebenswelten von heute – geprägt von äußerst komplizierten Beziehungen und von Geräten, die Nähe nur simulieren.
Ich ist ein anderer
V. S. Ramachandran, Neurologe in San Diego, geht der Frage nach, durch welche „Tricks“ der Natur menschliches Selbstbewusstsein und damit auch die Fähigkeit zur Reflexion – letztlich also die wissenschaftliche Selbsterforschung – möglich wurden. Geschichten aus dem Psychowald.
Teplitz-Schönau erobert Hollywood
Wie vor Hitler geflohene euro-päische Künstler versuchten, mit Drehbüchern und Geschichten in Hollywood Fuß zu fassen.
Dichter. Macht. Politik.
Willy Brandt und Günter Grass im Briefwechsel: In einem 1230 Seiten starken Buch hat Martin Kölbel die Beziehung der beiden bis ins letzte Detail dokumentiert. Geschichte eines ungleichen Verhältnisses.
Vier, von eigener Hand
Schwarz, intensiv: das Debüt der Kärntnerin Andrea Drumbl. Vier Menschen starben, unabhängig voneinander, innerhalb weniger Tage, im Umkreis von nur wenigen Kilometern – alle von eigener Hand.
Was ich lese: Klaus Ager
Nachdem ich schon vor einigen Jahren meinen Fernsehkonsum wesentlich eingeschränkt habe – um den üblichen Fernsehschwachsinn nicht mehr mitmachen zu müssen –, hat sich die Zeit, Bücher zu lesen, vervielfacht.
Leben, atmen, denken
Er war einer der großen Feuilletonisten der Weimarer Republik, bewundert von Tucholsky, gerühmt von Döblin. Er verstand es, aus stumpfen, unergiebigen Ereignissen poetische Funken zu schlagen und zugleich gesellschaftliche Einsichten zu gewinnen. – Ansporn, endlich Hans Siemsen zu lesen. Mit einem Schlenker auf Hans Sahl.
Wenn Frauen zu sehr töten
Frei vom Mann: Zdenka Beckers Mörderin als Gegenbild zum perfekten sozialistischen Staat. Wenn das kein guter Stoff für einen Roman ist“, sagt der Vater zur Tochter, der er nahelegt, ebendiesen Roman zu schreiben.
Was ich lese: Elisabeth Kulman
Texte und Sprachen sind für mich als Opern- und Liedsängerin von essenzieller Bedeutung, da sie der Rezeption von Musik und meiner eigenen künstlerischen Umsetzung zugrunde liegen.
Das siebte Flittchen
Welch literarischer Mehrwert rauskommen kann, wenn man den alten Beziehungsroman auf links dreht und mit Elementen des sozialkritischen Romans aufpeppt, zeigt Isabella Straub in ihrem Debüt „Südbalkon“. Vorsicht: lustig!
„Hier ist es, das Neue“
Vor 50 Jahren erschien Thomas Bernhards Roman „Frost“. Zum Jahrestag präsentiert Suhrkamp zwei Texte aus dem Nachlass, die mit dem Entstehungsprozess dieses Werks in Verbindung stehen. Vom Keim der Übertreibungskunst.
Mille kommt und geht
Abgründig: Linn Ullmann über Familiengeheimnisse. Mitunter hat das Böse ein ganz alltägliches Gesicht. Linn Ullmann spürt es dort auf, wo wires am wenigstens gern vermuten: im Kreise der lieben Familie.
Ornithologen fliegen nicht
Schmidt-Dengler zu Ehren: über schnelles Zuhören, umarmte Allegorie, von Autoren gehaltene Hausgermanisten.
„Alles von oben bis unten verfault“
Untergang der Sowjetunion: Für Michail Gorbatschow waren es zu wenige und zu spät begonnene Reformen, die dazu führten. Einigen Osteuropa-Experten fallen noch ein paar Ursachen mehr ein.
Genug!
Wie verknoten sich die Eigen-schaften des Finanzsystems mit der Unzahl schwer überschau-barer Einzelentscheidungen zum Debakel? Der Brite John Lanchester geht den Strukturdefiziten des Kapitalmarkts nach.
Die Abgründe der Hingabe
Kurzweilig: Michela Marzanos Geschichte der Körperlichkeit. Wenn Platon auf Cyberspace trifft und die Psychoanalyse dabei vermittelt, dann handelt es sich gewiss um Bildung, wie das 21. Jahrhundert sie anstrebt.
Was ich lese: Werner Hasitschka
Als Viel-, Schnell-, Kurz- und Quer-Leser sammelt sich generell eine große Bandbreite an aktueller Literatur auf meinem Tisch.
Angst vor starken Frauen
In ihrem Roman „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ gibt Taiye Selasi tiefe Einblicke in die Probleme und Gefühlslagen von Migranten. Ein Arzt aus Ghana scheitert in den USA – und dann auch wieder bei der Heimkehr.
Die Therapie des Lebens
Kunstvoll verschränkt Alix Ohlin drei Lebensläufe. Wie anders wäre das Leben verlaufen, hätte man in der Sekunde bloß anders reagiert, etwa nicht diesen Weg genommen, wäre nicht diesem Menschen begegnet oder hätte sich nicht darauf eingelassen, sich gerade in diesen Menschen zu verlieben.
Und immer eines dieser gefährlichen Bettchen
Radikal, zugleich subtil und selbstironisch: Jeanette Wintersons lebendige Selbstbefragung. Irgendwo steht immer eines dieser gefährlichen Bettchen. Ein Bettchen, in dem der Teufel liegt. Und nur zu leicht landet man mit ihm unter einer Decke.
John MalkovichHollywoodstar als Wiens Casanova
Erotik statt KörperkunstAndreas H. Bitesnichs neue Serie
Grammys 2011Eminem, Lady Gaga & Co. im Wettstreit
