Moses verhüllt sein Antlitz

Am 17. Oktober 520 vor Christus empfängt der Prophet Haggai von Gott die Forderung nach Vergegenwärtigung des Geschehens beim Auszug der Juden aus Ägypten. Diesem unscheinbaren Vorgang, meint der Ägyptologe Jan Assmann, verdanken die drei Abrahamsreligionen ihr Dasein.

„Das hatte ich nicht gewollt!“

Drago Jančars großartiger Roman „Die Nacht, als ich sie sah“ rührt an ein Tabu der jugoslawischen Nachkriegsgeschichte: am Mythos des entschlossenen Widerstands gegen den Nazismus. Aus dem Blickwinkel von fünf Figuren wird die Geschichte von Opfern und Tätern neu erzählt.

Betäubtes Hirn,belegte Zunge

Aus Sicht einer Dolmetscherin: Shumona Sinhas differenzierte Innensicht einer Asylbehörde.


Partisanen des Lebens

„Die Unamerikanischen“: Für Molly Antopol sind das nicht nur verfolgte Linke in den USA, sondern auch Opfer des Stalinismus in der ČSSR oder Überlebende des Holocaust in Israel. Illusionslose Zwischenexistenzen eben. Ein Debüt, in dem Erzähltalent und Welthaltigkeit verschmelzen.

Der mildtätige Müller und das Waisenkind

Die „Landnovellen“ Ippolito Nievos, eines früh verstorbenen Mitkämpfers Garibaldis, beschwören empathisch Freud und Leid des einfachen Lebens.

Das Schiff der letzten Reise

Alban Nikolai Herbsts beinahe fröhlicher Roman über das Sterben: „Traumschiff“.

Was ich lese

Der Sommer ist die Zeit des rauschhaften Lesens, und so fröne ich dieser wunderbaren Sucht und benutze als Ausrede für meine Maßlosigkeit, die andere „Wichtigkeiten“ zurücksetzt, meine Vorbereitung auf das „spätsommer.spiel“ am Thalhof.

„Nu, wie fühlst du dich?“

An Offenheit und Selbstergründung schwer zu überbieten: Gary Shteyngarts Autobiografie „Kleiner Versager“ über seine Emigration, seine brüchige Identität und ein Leben zwischen den Kulturen.

Bei der Sexpuppe

„Expedition Europa“ im tiefen, dunklen Graubünden.

Wie wird man Scherge?

Wie kann ein widerständiger Mensch in Zeiten der Diktatur seine Würde bewahren? Das ist die Kernfrage in Ilija Trojanows Roman „Macht und Widerstand“. Ein Gespräch über Herkunft und Nationalismus, Karrierismus undIdealismus, Gewalt und das Böse, Freiheit oder Sicherheit.

Wie tot ist Hans?

Lautlose Gewalt, subtile Grausamkeit: die junge Wienerin Magda Woitzuck über eine Dreiecksbeziehung in der Provinz.

Über die Dörfer

Gehen und Schreiben, von Ljubljana bis ans Meer.

Die Freiheit von und zu

Freiheit als das Grundproblem der Moderne: Otfried Höffes kritische Theorie unter der Leitformel eines aufgeklärten Liberalismus – zugleich eine Anleitung zur Lebenskunst.


Madonna mit Kippe

Vier junge Menschen suchen im „Swingin' London“ der 1970er-Jahre Glaube, Liebe, Hoffnung: „Jahre wie diese“, Sadie Jones' bittersüßer Roman.

Das verflixte siebte Jahr

Insel ohne Technik und Mensch mit Natur: Margit Schreiners großartiger neuer Roman, „Das menschliche Gleichgewicht“, verhandelt Grundsätzliches.

Was ich lese: Helmut Schmidinger

„Auf meinem Rade tummle ich mich lustigherum – es ist der einzige Sport (außer componiren), den ich hier treibe“, schreibt Gustav Mahler 1896 an Anna von Mildenburg.

Hoffen auf Mekka

Islam-Reform: unrealistisch – aber unvermeidlich! In ihrem Buch „Reformiert euch!“ sieht Ayaan Hirsi Ali die in Medina entstandenen, mehr von Aggression geprägten Teile des Korans als Wurzel gegenwärtiger Probleme.|22 Kommentare

Ist denn Israel wirklich an allem schuld?

Über Emotionen, Halbwahrheiten,Falschmeldungen: eine Streitschrift zu der Frage, warum der Judenstaat so gehasst wird.

Gleisfehler, Kontaktstörung

Isabella Straubs Roman über die Verbiegungen einer Erfolgsfrau.

Island, du hast es schwerer

Zerklüftet, ungebändigt, fesselnd: „Der Junge, den es nicht gab“, Sjóns neue nordische Prosa.

Arbeit am Kuss, stundenlang

Patricia Brooks schrieb eine meisterhafte Paarstudie.

Die Angstsaat

Fremdheit hier wie dort, Leben in zwei Sprachen, Österreich als Land der „Ibermenschen“, Kindheit als Überforderung. „Die Farbe des Granatapfels“: der Debütroman der 1973 in Zagreb geborenen und in Klagenfurt lebenden Anna Baar.

Proud to present: Mr. Kraus

Jonathan Franzen will dem US-Publikum einen Österreicher nahebringen: „Das Kraus-Projekt“ präsentiert zwei Essays des Altmeisters mit opulenten Randnotizen von Franzen. Ebenfalls am Projekt beteiligt: Daniel Kehlmann und Paul Reitter.


Undine begräbt ihre Träume in Schächtelchen

„Nausikaa oder Die gefrorenen Wellen“: Rüdiger Görners melancholische Spaziergänge durch eine verloren gegangene Welt.

Auf dem Elefanten Richtung Wien

Sufis, Harems, religiöse Eiferer: Rund um Jahan, einen Schüler des genialen Baumeisters Sinan, entwirft die türkische Autorin Elif Shafak ein prächtiges Gemälde der Blütezeit des Osmanischen Reichs.

Lola läuft und liebt

Die Figuren in Mirna Funks Roman „Winternähe“ sind alle ein bisschen exzentrisch. Trotzdem vermittelt er ein realistisches Bild vom modernen Leben in Europa und in Tel Aviv mit den sozialen Netzwerken, dem Antisemitismus und dem Leben unter Raketenbeschuss. Fesselnd und aktuell.


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