Damen mit spitzen Zungen

Betty Paoli war eine der ersten „freien“ Literatinnen Österreichs. Galt sie bisher als Avantgardistin des Feminismus, so rückt Claudia Erdheim in ihrem Roman einen anderen Aspekt ins Zentrum: „Betty, Ida und die Gräfin“ oder die Kunst als Kitt der Gesellschaft.


Ein Fall für den Kater

Viel weniger provokant als ihre Dresdner Rede: Im Katzenkrimi „Killmousky“ lässt Sibylle Lewitscharoff einen vom Dienst suspendierten Münchner Kommissar in den USA einen Fall klären – den vermeintlichen Selbstmord einer Tochter aus reichem Haus.

Von Sprachen und Schimären

Eine Art Summa: die „kleine Prosa“ von Karl-Markus Gauß.

Meister der Zucht

Er war der typische preußische Gelehrte: ein scharfer Analytiker, fleißig und herrisch. Viele Thesen Max Webers sind inzwischen populärwissenschaftlich. In der akademischen Soziologie spielt er kaum mehr eine Rolle. Zum 150. Geburtstag: Zwei Biografien erinnern an den großen Sozialwissenschaftler.

Nur pomadige Schmeicheleien

Die bedrückenden Erfahrungen einer jüdischen Heimkehrerin nach dem Krieg: „Donnerstags bei Kanakis“ – Elisabeth de Waals stimmungsvolles Dokument des Heimwehs aus dem Nachlass.

1000 Seiten zum Schwärmen

Donna Tartt hat mit dem Roman „Der Distelfink“ ein Buch verfasst, bei dem es schwer ist, nicht ins Schwärmen zu geraten. Ein kleiner Hinweis: Tom Sawyer und Huck Finn heißen hier Theo und Boris.

Die kreisenden Frauen des Archäologen

Allzu kunstfertig: Margriet de Moors sinnliches Kaleidoskop von Liebe und Leid.


Osteuropa: Vom Hantieren in der Giftküche

„Der Geschmack von Asche“: Die US-Historikerin Marci Shore zeigt, dass die totalitäre Geschichte Osteuropas alles andere als vergangen ist.

Change-Management, poetisch

Es ist ein ungewöhnliches Buch, das die Gründerin der EU-Grundrechte-Agentur, Beate Winkler, geschrieben hat: ein Hybrid aus Erfahrungsbericht, Lebenshilfe, Autobiografie und Kunstbuch. „Es ist etwas in mir, das nach Veränderung ruft“ oder: Change-Management, poetisch.

Die zivilen Falken

Fast im Stil eines Kriminalromans schildert Sean McMeekin in „Juli 1914“ die Ereignisse zwischen dem Attentat auf Franz Ferdinand und dem Ausbruch des Krieges. Dass die Spannungen zum Krieg führ-ten, war für ihn die Folge einer bellizistischen und undemokra- tischen Grundeinstellung aller Hauptakteure.

Was ich lese: Johanna Doderer

Bei mir liegt immer irgendwo ein Buch herum und wartet darauf, gelesen zu werden. Ein besonders hartnäckiges Buch befindet sich seit Jahren immer in meiner Nähe.

„Bin des trocknen Tons nun satt“

„Das Mondschaf“, „Fisches Nachtgesang“ und etliche andere in die Populärkultur eingegangene sprachliche Erfindungen: Dafür steht Christian Morgenstern. Der Dichter der „Galgenlieder“ war aber auch ein sprachlicher Modernist und Kulturkritiker. Zum 100. Todestag: Neuentdeckung eines allzu Bekannten.

Sein und Unzeit

Seit der Edition der „Schwarzen Hefte“ Martin Heideggers macht der Begriff des „seinsgeschichtlichen Antisemitismus“ die Runde. Ist das Denken des Philosophen im innersten Kern vergiftet, ist er ein „Gedankenverbrecher“? Oder liegen seine Begriffe jetzt gerade auf der geistigen Schlachtplatte? Versuch zwischen den Fronten.

Der Sohn, der vom Himmel fiel

Im Zentrum steht ein Kind: Simon ist dünn, spricht eine Privat-sprache und sieht chinesisch aus. Sein Vater soll Sixten Braun sein? Unwahrscheinlich! Wie so vieles in Heinrich Steinfests Roman „Der Allesforscher“. Und trotzdem: ein zauberhaftes Buch, voll skurriler Einfälle und bewegender Episoden.

„Satiriker wird man schon in der Familie“

Werner Schneyder erinnert sich und präsentiert famose Kabarett- und Songtexte.


Auf der Fährte der Füchsin

Landflucht, Einsamkeit und Verfall: Mit viel Humor und überbordender Fantasie erzählt Saša Stanišić Anekdoten vom Überleben in der ostdeutschen Provinz zu Beginn des 21. Jahrhunderts. „Vor dem Fest“: ein Episodenroman, amüsant, melancholisch, tröstlich.

Erde im Bauch

Bilder wie aus der Hölle: Der großen Hungersnot von 1958 bis 1962 fielen in China 45 Millionen Menschen zum Opfer. „Maos großer Hunger“ – Frank Dikötters erschütternde Studie aus einer apokalyptischen Welt.

Leidenschaftlich mit leiser Stimme

Sein Theater wünschte er sich „ständig in Bewegung“. Gerard Mortiers „Dramaturgie einer Leidenschaft“ ist durch seinen Tod zum Vermächtnis geworden.


Lernen, mit den Lücken zu leben

Romane en miniature: Alice Munros „letzte“, essenzielle Erzählungen „Liebes Leben“.

„Das Begehrte enttäuscht“

Diedrich Diederichsen, Vorzeige-Hip-Intellektueller des Pop, will „Pop-Musik als Ganzes“ fassen – und sehnt sich nach einer neuen Allianz mit linker Politik. Leider verliert er sich in großen Worten.

„Es fühlt sich leer an“

In Angelika Reitzers bilderstarkem Roman „Wir Erben“ sind Siri und Marianne befreundet. Lose nur – „doch sie hatten Augenblicke, die sich als recht haltbar erwiesen“. Sie leiden daran, dass man einem nicht entkommt: der Herkunft.

„Juden in den Sumpf treiben“

Topografie des Todes: Martin Pollack gegen den Mythos von der „Unschuld“ der Landschaft.

Haschisch vor der bösen Tat

Der Arabist Heinz Halm erzählt von Eunuchen und Konkubinen, Revolten und Intrigen wie ein Reporter, der bei Glaubenskon-ferenzen mitgeschrieben und an verbotenen Türen gelauscht hat. „Ägypten und der Vordere Orient zur Zeit der ersten Kreuzzüge“: wie ein Krimi aus der Gegenwart.

Helmu Korherr - Was ich lese

Schriftsteller, geboren 1950 in Wien, hauptsächlich als Dramatiker tätig

Das Weiße zwischen den Worten

In ihrer weltläufigen Essaysammlung „Die Welt, die Rätsel bleibt“ vereint Anna Mitgutsch Überlegungen zu Heimat und Fremde, zu Medien und Macht und zur Sprache mit einfühl-samen Schriftstellerporträts. Literarische Kunststücke und eine Annäherung an das Unsagbare.

Fluchtburg der Heimat: die Küche

Sigrid Löfflers reiche Bilanz aus 30 Jahren Leseerfahrung: ein Lob der neuen Weltliteratur.

Klassik

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