Ein Hippie avant la lettre
In „Imperium“ nähert sich Christian Kracht dem Leben des Aussteigers August Engelhardt augenzwinkernd. Als deutscher „Ritter der Kokosnuss“ errichtet er in wilhelminischer Spätzeit auf einer Südseeinsel eine Kolonie.
Was blind im Menschen steckt
„Eine Steißgeburt warst du, dein Körper voll weißem Schmer. Blut troff von deinem Gesicht, du warstvon der Stirn ab darin getaucht, mit der verschmierten Schnauze eines jungen Polarbären, der sich in einer Robbe festgebissen hat.“ Beginn der neuen Erzählung.
Wenn Gedanken unfrei sind
Die Unterdrückung von uner- wünschten Schriften hat eine lange Tradition. Werner Fuld listet in seiner „Universalgeschichte des Verfolgten und Verfemten“ lehrreich und kurzweilig zahlreiche Beispiele sowie allerlei Kuriositäten auf.
Bereit für die letzte Schlacht
Wahdat-Haghs breite Material- sammlung zum Totalitarismus des iranischen Regimes.
Grauen und Glamour
Was Vera Lehndorff so faszinie-rend macht, sind die Extreme. Ihr Leben steht für alte Aristokra- tie und neuen Stil, für Wider-stand gegen die Nationalsozialis-ten und Raubkunst, für Glanz und Verzweiflung. In ihrem Lebensrückblick berührt vor allem der zwischen Steifheit und Reflexion schwankende Tonfall.
Allein im Canyon
Äußerlich ist alles in Ordnung im Leben des Michael Wessely. Doch er hat alles versäumt, was sein Leben hätte bunt machen können. Walter Kappachers karg und präzise erzählter Roman „Land der roten Steine“.
Cäsar eigenen Glücks
Seine so neuartig wirklichkeitsnahen Romane waren die Straßenfeger des frühviktorianischen Zeitalters. Nicht nur England feiert am 7. Februar den 200. Geburtstag von Charles Dickens.
Fünf silberne Fußkettchen am Knöchel
Mathias Énards eleganter Künstlerroman um Michelangelo.
Drei Buben auf See
Es geschehen sonderbare, unheimliche, herzzerreißende Dinge auf und unter Deck. Vom „Katzentisch“ aus beobachtet Michael Ondaatjes Held Mynah das Geschehen auf der Überfahrt von Ceylon nach England. Ein Roman ohne Schlagseite.
SS im zweiten Anlauf
Reinhard Heydrich sympathisier-te nicht von Anfang an mit dem Nationalsozialismus. Doch als er in der SS seine Karriere startet, sind jegliche Zweifel dahin. Eine Biografie von Robert Gerwarth.
Bestseller: Belletristik
Erstellt von den 18 Buchhandlungen der Morawa Buch- und Medien-Gruppe.
Krawatte, Zigarette und Bentō
Zwei Männer sitzen auf einer Parkbank. Nach einer langen Weile erzählen sie sich ihr Leben. „Ich nannte ihn Krawatte“, Milena Michiko Flašars dritter Prosaband, verbreitet eine beckettsche Grundstimmung.
Der Krieg in der Familie
Die Schuld der Eltern überträgt sich auf die Kinder. Zeruya Shalev beschreibt illusionslos das Scheitern einer langen, leeren Existenz. „Für den Rest des Lebens“ – eine Tragödie ohne Katharsis.
Die Wende als umgestülpte Reformation
Volker Brauns mythologische Deutung der Zeitgeschichte.
Was Intelligenz wirklich ist
Was ist dran an Sarrazins Thesen?Dieter E. Zimmer über die große Bedeutung der Genetik im Zusammenhang mit Intelligenz.
Was ich lese
Der amerikanische Soziologe und (Kultur-)Historiker Richard Sennett stellt seiner spannenden Kulturgeschichte über das Handwerk das vielsagende Motto „travail, opium unique“ voran.
ich sitze nur GRAUSAM da
„ich sasz mit Ely und starrte auf das Geschehen in meinem Körper was da alles versagte versiegt war was wehtat und krüppelte usw.“ Beginn eines Prosatextes.
Die schärfere Klinge
Es war ein Kopfsprung in den Fettnapf, den Franz Werfel unternahm, als er Karl Kraus verschämt von der Liebschaft Rilkes mit Sidonie Nádherný berichtete. Penible Dokumen-tation einer Literaturfehde.
Ich sehe ja noch
„Mit einem Schlag bin ich sehr alt geworden, in einer Verfassung, die meinen Lebensjahren – ich war 87 – entspricht. Dieser Zustand ist faszinierend.“ Erkundungen.
Sklavin gesucht
„Subs“ – moderne Sklaven. Im gleichnamigen Roman erzählt Thor Kunkel eine teils trashige, meist aber bissig-witzige Parabel zum Herr-Knecht-Verhältnis. Ein Unterhaltungsroman mit Haltung.
Einer, der nicht lachen kann
„Die sieben Leben des Felix Kannmacher“: Jan Koneffkes moderner Schelmenroman führt von Deutschland über Rumänien nach Wien. Zuletzt kommt es zum Totentanz des Schelms, der die Wirren des 20. Jahrhunderts überlebt hat.
Nichts, was einen schützt
Sie war Mitglied der RAF und saß 75 Monate im Gefängnis. Danach wanderte sie aus Deutschland aus und begann „noch einmal ,von vorn‘“. Margrit Schillers uneitler und ungekünstelter Bericht über das Fremdsein in der Fremde.

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