Genug!
Wie verknoten sich die Eigen-schaften des Finanzsystems mit der Unzahl schwer überschau-barer Einzelentscheidungen zum Debakel? Der Brite John Lanchester geht den Strukturdefiziten des Kapitalmarkts nach.
Die Abgründe der Hingabe
Kurzweilig: Michela Marzanos Geschichte der Körperlichkeit. Wenn Platon auf Cyberspace trifft und die Psychoanalyse dabei vermittelt, dann handelt es sich gewiss um Bildung, wie das 21. Jahrhundert sie anstrebt.
Was ich lese: Werner Hasitschka
Als Viel-, Schnell-, Kurz- und Quer-Leser sammelt sich generell eine große Bandbreite an aktueller Literatur auf meinem Tisch.
Und immer eines dieser gefährlichen Bettchen
Radikal, zugleich subtil und selbstironisch: Jeanette Wintersons lebendige Selbstbefragung. Irgendwo steht immer eines dieser gefährlichen Bettchen. Ein Bettchen, in dem der Teufel liegt. Und nur zu leicht landet man mit ihm unter einer Decke.
Die Therapie des Lebens
Kunstvoll verschränkt Alix Ohlin drei Lebensläufe. Wie anders wäre das Leben verlaufen, hätte man in der Sekunde bloß anders reagiert, etwa nicht diesen Weg genommen, wäre nicht diesem Menschen begegnet oder hätte sich nicht darauf eingelassen, sich gerade in diesen Menschen zu verlieben.
Angst vor starken Frauen
In ihrem Roman „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ gibt Taiye Selasi tiefe Einblicke in die Probleme und Gefühlslagen von Migranten. Ein Arzt aus Ghana scheitert in den USA – und dann auch wieder bei der Heimkehr.
War alles nur Zufall?
Februar 1970: fünf Terroranschläge innerhalb von elf Tagen. Bilanz: 55 Tote. Deutschland als Zielgebiet palästinensischer Guerilleros. Beteiligung prominenter Linker konnte Wolfgang Kraushaar nicht nachweisen. Aber sie haben das öffentliche Klima antisemitisch beeinflusst.
Mimikry mit vielen Jargons
Der Band „besser wäre: keine“ versammelt Theatertexte und Essays von Kathrin Röggla. Da durchdringen einander Fiktion, Montage und Reflexion. Fazit: eine witzige Kampfansage an die zeitgenössische Geschwätzigkeit.
Die aufrechten Helden der vierten Gewalt
„Blattkritik“: In seiner Analyse der Krise der Zeitungsbranche entdeckt der deutsche Journalist und Soziologe Anton Hunger viele hausgemachte Probleme.
Was das gute Leben ist
Er ist ein Star des akademischen Betriebs, der Harvard-Philosoph Michael J. Sandel. Sein Buch über „Gerechtigkeit“ ist eine hervorragende Einführung in die poli-tische Ethik. Ob es jedoch aktuelle Probleme des Zusammenlebens lösen hilft, darf bezweifelt werden.
Ausfälle aus dem Nichts
Joachim Meyerhoff erzählt von seiner Jugend. „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ ist ein klug auf Effekt und Pointe abgestimmter Erzählreigen, in dem sehr komische Burlesken aneinandergefügt werden.
Wo da Herrgott a Tir zuamocht
Se san sowas von glücklich / Wengan neien Papst / Unaussprechlich glücklich / Des schau i ma au / Des Gefühlsechte / Wo alle so heita san. – Ein Monolog.
Richard Wagner: Spürhund der Moderne
Er lässt nicht gleichgültig, man ist entweder für ihn oder gegen ihn. Keiner traut sich, ihn rückhaltlos zu feiern, nur weil er schon 200 Jahre am Leben ist. Richard Wagner: eine Gratulation nebst einem Überblick über die Jubiläums-Neuerscheinungen.
Justiz, Literatur und Vorurteile
Humorvoll: Wolfgang Jedlicka entzaubert das Gerichtswesen.
Wenn der CEO mit dem COO
Nein, Sprachwächter brauchen wir nicht. Aber ein bisserl Sprachaufklärung kann nicht schaden. Jo Wüllners „German für Deutsche“ oder: Sprachkritik zum Weiterdenken.
Elektrisch geladene Klitoris
Mitteleuropa – als Roman und als Essay: US-Autor William T. Vollmann versieht historische Figuren mit „Spinnweben des Übernatürlichen“, György Konrád überlebte zwei Totalitarismen.
Massenmord in der Hitze des Sommers
Rumäniens Vernichtungskrieg im Osten: der „primitive“ Holocaust in Bessarabien und der Bukowina.
Richard Wagner: Spürhund der Moderne
Er lässt nicht gleichgültig, man ist entweder für ihn oder gegen ihn. Keiner traut sich, ihn rückhaltlos zu feiern, nur weil er schon 200 Jahre am Leben ist. Richard Wagner: eine Gratulation nebst einem Überblick über die Jubiläums-Neuerscheinungen.
Träume bedürfen zarter Nachhilfe
Essays, Erzählungen, Nekrologe, Würdigungen: Klemens Renoldners Zusammenstellung bekannter und unbekannter Texte Stefan Zweigs schafft Beziehungsgeflechte. Eine Anthologie, die zum österreichi-schen Hausbuch werden sollte.
Geld oder Liebe?
Isabelle Flükigers „Bestseller“: Denkanstöße statt Antworten. Ich habe gehadert. Mit dem Buch und mit mir. Erst spät ließ ich mich von diesem „Bestseller“ umstimmen.
Burn-out der Diagnose
Dass psychische Erkrankungen so rasant steigen, ist ein künstlicher Effekt von falsch positiven und überhaupt inflationär gebrauch-ten Diagnosen. Sagt der profilierte US-amerikanische Psychiater Allan Frances – und versucht, die Normalität zu retten.
Was ich lese: Johanna Gehmacher
Seminararbeiten, Prüfungsarbeiten, alle Arten von Studienabschlussarbeiten gehören zu meinem Lesepensum, das bisweilen alle anderen Lektüren verdrängt, das aber auch Einblicke in die Arbeit des Denkens und Formulierens eröffnet, wie sie professionellere – und damit abgeschlossenere – Texte oft nicht zulassen.
Ein Leben als Magd
Zu Lebzeiten war ihr Werk für die Öffentlichkeit inexistent. Sie hatte ihr Wissen und Können ganz in den Dienst ihres Mannes gestellt. Doch Veza Canetti war eine Schriftstellerin von Rang. Anmerkungen zum 50. Todestag.
Was ich lese: Friedrich Faulhammer
Lesen ist ein zentraler Bestandteil meines beruflichen Alltags: Gesetze, politische Texte, Leistungsvereinbarungen mit Universitäten, Leistungsberichte et cetera.
Das Huhn in der Suppe
Die Beziehung des Menschen zu den Tieren in der Veterinärmedizin, der Philosophie und Psychologie, der Verhaltensforschung und in den Weltreligionen: Ein interdisziplinärer Essayband gibt profund Auskunft.
Ein Schiff namens Struma
Eine Armenierin als Großmutter? Für Türken eine Schande. Aber Maya erfährt noch mehr über ihre persönliche und die türki- sche Vergangenheit. „Serenade für Nadja“, Zülfü Livanelis Roman wider die Geschichtsvergessenheit seines Landes.
Kultur? Nur Unterhaltung!
Kulturpessimistisch: Don Mario liest Europa die Leviten. Der Nobelpreis für Literatur kam spät für Mario Vargas Llosa: 2010. Berühmt war er dank seiner vulkanischen Kreativität schon immer.
Fetische der Hypermoderne
In 14 Szenen führen Ulrich J. Beil und Christian Kiening eine Imaginationsgeschichte des Medialen vor. Analytisch. Schwer zu sagen, was Medien eigentlich sind. Leser von Marshall McLuhan wissen, was alles Medien sein können oder sollen.
John MalkovichHollywoodstar als Wiens Casanova
Erotik statt KörperkunstAndreas H. Bitesnichs neue Serie
Grammys 2011Eminem, Lady Gaga & Co. im Wettstreit
