Wie viel Irishness muss sein?

Die teuren Lokale, die mehr versprechen, als sie halten, stehen leer; seit drei, vier Jahren ist auch das Auswandern wieder ein Thema. Trotzdem: Ungeachtet des wirtschaftlichen Einbruchs, ist Irland eine Erfolgsgeschichte. Ein Lokalaugenschein in Dublin.

Der erste Satz, den ich aus irischem Mund höre, trifft das Stereotyp. Der Schaffner, der mir die Buskarte in die Hand drückt, grinst unmissverständlich, als ich, aus Versehen, einen Pfund-Schein mit der englischen Queen aus der Tasche ziehe: „Diese Dame mögen wir nicht.“ Stereotype sind langlebig, und sie möchten gegenüber Fremden gerne bestätigt sein. Was mir der verschmitzte junge Mann nämlich nicht mitteilt: dass die stilisierte Abneigung gegen die Briten längst Risse bekommen hat. Der höchst gelungene historische Staatsbesuch von Königin Elisabeth im Mai 2011 war ein triumphaler Erfolg für die Monarchin, die bei ihrem Besuch alles richtig machte, was man richtig machen kann, vom Respekt für den Nachbarn bis zu den rechten Worten der Entschuldigung. Beim Besuch im Trinity College, das einstmals als protestantische Hochburg im katholischen Dublin gegründet wurde, sagte sie über jene andere berühmte Elisabeth, die es seinerzeit begründete und die vom Bild herab alltäglich die Professoren im Common Room begrüßt: „Ach ja, sie war ja auch eine Akademikerin.“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

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