Die Inflation der Werte

Soziale Werte. Demokratische Werte. Westliche Werte. Europa als Wertegemeinschaft. Familienwerte. Lebenswerte. Negative Werte. So viel Wert war noch nie. Über die Rhetorik der Werte – und was sie verdeckt.

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Alle möglichen Interessen, Mächte und Kräfte, aber auch Vorlieben und Marotten melden ihre Ansprüche heute mit einem wertphilosophischen Visum an – die Rede von „Werten“ ist ubiquitär geworden. Was als Begriff einmal eine strikt ökonomische Kategorie war, findet nun als Phrase thematisch universelle Verwendung, in Moral und Ethik, in Politik und Kultur. Man versteht Europa als Wertegemeinschaft und spricht von westlichen Werten, von demokratischen Werten und von humanistischen Werten, von sozialen Werten und von Familienwerten, wie man schon von geistigen Werten und von Lebenswerten sprach, und man spricht vom Wertebewusstsein generell, dessen Herstellung vornehmste Aufgabe der Pädagogik sei. Der Mehrwert, einst prägnant definierter und durchaus denunziatorisch gemeinter Kernbegriff marxistischer Ökonomie, macht heute als Fangwort Karriere in der Reklame für alle Branchen. Der Wertewandel wiederum ist ein Dauerthema der Soziologie und die Nänie über den Werteverfall ein solches des gehobenen Feuilletons.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2014)

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