Allee der Asylanten

Sie standen etliche Kriege und Umbrüche durch und waren doch, trotz ihres ehrwürdigen Alters, in den Augen der Dorfbewohner Fremde geblieben. Mir raunten sie von einer fernen Welt. Die Maulbeerbäume am Dorfrand: eine Erinnerung.

Gestützt auf ihren kaiserlichen Ehegatten und Mitregenten, ist es Maria Theresia gelungen, mehrere Kriege durchzufechten und zwischen diesen 16 Kindern das Leben zu schenken. Also Workaholic durch 40 Jahre Regentschaft. Innenpolitisch standen mehrere wichtige Reformen ins Haus, beispielsweise die Heeres- und Staatsreform, die Verwaltungsreform – und mit der verbunden die des Schulwesens. Eingebunden in die Pläne ihrer Agrarreformen in den Kronländern auch der Wunsch, das miserable deutschwestungarische Wegenetz zu verbessern, unter anderem sollte eine Straße von Ödenburg bis nach Landsee geführt werden. Tatsächlich ist dann ein Stück dieser neuen Verbindungsstraße entstanden und diese gleich auch mit dem damaligen „Modetrend“ geziert worden – mit jungen Maulbeerbäumen, als der Bau auch schon wieder zu stocken kam. Neue kriegerische Projekte sollen es gewesen sein, die die habsburgische Hauskasse geleert hatten bis auf den letzten Gulden. So wurde aus der geplanten Straße ein Weg, ein Schmalspurweg, ein Karren- und Leiterwagenweg, der ein paar Dörfer verband, ein sandiger Fußweg, der der Buckelkraxenträgerin ins Gesicht staubte oder ihr nach schweren Regengüssen die Schuhe auszog.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2011)

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