Das statistische ÖFB-Zentralamt

29.11.2012 | 18:33 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Der Österreichische Fußball-Bund hat seine sportliche Jahresbilanz gezogen: Glaube nur den Zahlen, die du selbst veröffentlichst.

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Der Österreichische FußballBund hat am gestrigen Donnerstag Jahresbilanz gezogen, die Erkenntnisse schön in Zahlen gebettet. Die Ziele, die es zu erreichen gilt, die haben die Funktionäre im Vorjahr formuliert: WM-Qualifikation 2014, EM-Qualifikation 2016, Top 30 in der Fußballweltrangliste. Rot-Weiß-Rot ist von allen drei Hauptzielen noch weit entfernt, auch wenn Präsident Leo Windtner lieber über die Teilerfolge sprechen wollte. Denn Teamchef Marcel Koller hat für die erfolgreichste Saison seit 1998 gesorgt (vier Siege, zwei Remis, zwei Niederlagen, Tordifferenz 13:8), wenn man will, dann sind eine österreichische Spielkultur und Spielphilosophie erkennbar. „Es gibt eine umfassende Strategie“, so Windtner. „Wir wollen eine Durchgängigkeit von der U15 bis zum A-Team erreichen.“

Sportdirektor Willi Ruttensteiner lobte die Qualität des Betreuerstabes (Teamchef, Assistenz, Tormanntrainer, Spezialisten für Fitness, Mentalcoaches, Sportwissenschaftler, Ärzte, Therapeuten). „Was das betrifft, haben wir internationales Niveau erreicht“, sagte er. Leo Windtner sprach sogar von Optimierungen. Ganz so optimal läuft es dann aber doch nicht. In der Weltrangliste steht man auf Rang 68, in der WM-Qualifikation ist bislang nur ein Sieg gelungen.

Willi Ruttensteiner hat die Spiele alle analysiert, er unterstreicht die positive Entwicklung. „Die physischen Werte belegen, dass es zu den EM-Halbfinalisten keinen signifikanten Unterschied gibt. Auch im technisch-taktischen Bereich haben wir uns verbessert.“ Immerhin werden unter Marcel Koller jetzt mehr Pässe vertikal als in die Breite gespielt. Die Statistik der bisherigen WM-Qualifikation (1,7 Tore pro Spiel geschossen, nur 0,7 Gegentreffer pro Partie) als besonders positiv darzustellen, das ist jedoch reinste Lobhudelei. Das Duell mit Deutschland darf als ernste Angelegenheit in Betracht gezogen werden, aber man soll die beiden Spiele gegen Kasachstan nicht überbewerten, wenn man auf eine erfreuliche Tordifferenz verweist. Wer sich zu sehr an solch nackte Zahlen klammert, der läuft Gefahr, sich selbst in den Sack zu lügen. Das wäre vor den nahenden Aufgaben gegen Schweden und Irland kontraproduktiv. Denn das Team hat noch genug Defizite. Das weiß der Sportdirektor auch. „Bei der Passgeschwindigkeit liegen wir noch um einiges unter den Topmannschaften.“

Ein Extralob vom Präsidenten gab es für das Damennationalteam für das Erreichen des Play-offs, vier Nachwuchsmannschaften (U17, U19) qualifizierten sich für die Eliterunden. Leo Windtner: „Österreich ist ein Ausbildungsland.“ Eher jein. Der Trainerexport funktioniert beispielsweise so etwas von überhaupt nicht.

 

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2012)

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