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Boateng schaltet Ballack aus: "Habe mieses Image"

17.05.2010 | 19:56 |  FLORIAN HAUPT (Die Presse)

Kevin-Prince Boateng ist im Berliner Armenviertel aufgewachsen. „Dort wirst du Fußballer oder kriminell“, sagt er. Er wurde ein wegen seiner Härte berüchtigter Fußballer. Sein letztes Opfer heißt Michael Ballack.

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Berlin. Vor anderthalb Jahren wäre Joachim Löw, der deutsche Bundestrainer, dem Deutsch-Ghanaer Kevin-Prince Boateng vielleicht sogar dankbar gewesen für dieses Foul. Da war Michael Ballack für ihn vor allem ein Problem: Der Kapitän hatte Löw öffentlich kritisiert, Deutschland befand sich im Zustand höchster anzunehmender Aufregung und intern wurde die Möglichkeit von Ballacks Rauswurf durchgespielt. Mühsam rang sich Löw zu einer Begnadigung durch – und muss nun doch ohne Ballack zur WM.

Dessen Verletzung nach einem Tritt von Kevin-Prince Boateng während des englischen Cup-Finales am Samstag zwischen Chelsea und Portsmouth (1:0) stellte sich gestern als Innenbandriss im rechten Sprunggelenk heraus – mindestens acht Wochen Pause. Wieder befindet sich Deutschland in höchster Aufregung, die aufgrund diverser anderer Baustellen im Team ohnehin schon düstere WM-Prognose droht ins Apokalyptische abzugleiten. „Unendlich traurig“, zeigte sich Fußballverbandspräsident Theo Zwanziger, „geschockt“ Löw. Der Bundestrainer bedachte aber schnell die weiteren Implikationen des Falls: „Ich bitte alle, Jerome Boateng in die Sache nicht hineinzuziehen.“

Reue am Montag
Kevin-Prince Boateng hat sich mittlerweile öffentlich beim DFB-Kapitän entschuldigt. Er zeigte sich am Montagabend in einem Bericht von "Sport Bild online" von Ballacks WM-Aus schockiert. "Es tut mir leid. Es war keine Absicht", sagte Boateng. "Ich komme einfach zu spät und treffe ihn voll. Es sah dumm aus."

Bruder spielt in DFB-Auswahl

Denn es war ja nicht irgendein Foul von irgendeinem Spieler. Kevin-Prince Boateng, 23, ist (Halb-)Bruder des deutschen Nationalspielers Jerome Boateng. Bis vor einem Jahr war er selbst deutscher Jugend-Nationalspieler. Er wuchs auf in Berlin, sein Großvater mütterlicherseits ist ein Cousin von Helmut Rahn, dem mythischen Siegtorschützen bei der WM 1954. Kürzlich entschied er sich jedoch, in Zukunft für Ghana, das Land seines Vaters, aufzulaufen. Weil er bei den Erwachsenen noch nie für Deutschland nominiert worden war, stand dem Seitenwechsel nichts im Wege.

Bei der WM steht er im ghanaischen Kader. Die Westafrikaner sind deutscher Gruppengegner in Südafrika. Und das Tackling an Ballack, es war verdammt hart.

„Das sah schon nach Absicht aus“, erklärte Ballack und sprach damit aus, was sowieso schon alle denken. Vaterlandsverräter ist noch eine der milderen Beleidigungen, denen sich Boateng in deutschen Fanforen seit Samstag ausgesetzt sieht. Er darf sich auf turbulente Tage einstellen, solche in etwa, wie sie der Argentinier Aldo Duscher erlebte, als er vor der WM 2002 in einem Champions-League-Spiel David Beckham umtrat, den Kapitän des Gruppengegners England. Britische Reporter belagerten wochenlang Duschers Haus in La Coruña und analysierten jede seiner Partien, um die Frage zu klären: Spielt der immer so hart oder steckte konkreter Vorsatz hinter der Tat?

Im Fall Boateng ist die Antwort relativ einfach: Der spielt immer so. Aus seinem halbjährigen Gastspiel vorige Saison bei Borussia Dortmund etwa ist der Vorwurf des Bayern-Stürmers Miroslav Klose überliefert, Boateng habe ihn absichtlich verletzten wollen. Oder ein wüster Kung-Fu-Tritt mit anschließender Roter Karte gegen den Wolfsburger Hasebe. In nur 52 Bundesliga-Einsätzen für Hertha BSC Berlin, seinen Stammklub, sowie Dortmund brachte es Kevin-Prince Boateng zum unumstrittenen „bad guy“ des deutschen Fußballs. „Mir haftet ein mieses Image an“, weiß er selbst. Und sein schlechter Ruf beschränkt sich nicht auf den Platz.

Boateng ist in Berlin-Wedding aufgewachsen, einem Problemviertel der deutschen Hauptstadt, oder, in seinen Worten: „Heißes Pflaster. Da lebst du auf der Straße, da setzt sich der Stärkere durch.“ Da werde man Fußballer oder kriminell. Kevin-Prince wurde Fußballer, mit seinen Jugendkumpels Ashkan Dejagah, Chinedu Ede und Patrick Ebert schaffte er den Aufstieg in die Profimannschaft der Hertha – Jerome Boateng, der denselben Vater hat, aber bei seiner Mutter im bürgerlichen Stadtteil Charlottenburg aufwuchs, kam dazu. Sie nannten sich „Ghetto Kids“, sie fühlten sich stark, und Kevin-Prince war der Stärkste. Er hatte O-Beine und einen feinen Fuß, er galt als größtes deutsches Talent seit Sebastian Deisler. Aber er stand sich selbst im Weg. „Bei der Hertha habe ich mich oft benommen wie der letzte Assi. Ich hatte keinen Respekt, habe nie zugehört, mich mit Mitspielern geprügelt. Das ging gar nicht.“ Noch letztes Jahr soll er nächstens mit Patrick Ebert randaliert haben, das Verfahren läuft.

2007 wechselte er für acht Millionen Euro nach Tottenham – und drückte dort nur die Bank. Der weniger talentierte, aber disziplinierte Jerome wurde beim Hamburger SV Nationalspieler, Kevin-Prince musste beim englischen Tabellenletzten Portsmouth anheuern, um überhaupt zu spielen.

Vielleicht steht hinter seinen aggressiven Auftritten eine latente Wut über eine verpfuschte Karriere? Vielleicht folgte das Foul an Ballack wirklich dem Kalkül, den Deutschen ihren Kapitän wegzunehmen? Allzu wahrscheinlich ist es nicht. Wenige Minuten vorher hatte derselbe Ballack ihm während einer Rudelbildung eine Ohrfeige verpasst. Wie damals auf der Straße ging es bei dem Revancheakt wohl einfach nur darum zu zeigen, wer der Stärkere ist.

AUF EINEN BLICK

Michael Ballack fällt für die Fußball-WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) aus. Der deutsche Teamkapitän hatte sich am Samstag im englischen Cup-Finale bei einem Foul von Kevin-Prince Boateng verletzt. Eine Kernspintomografie zeigte am Montag den Grad der Verletzung: ein Riss des Innenbandes und ein Teilriss des vorderen Syndesmosebandes des rechten oberen Sprunggelenks.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2010)

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22 Kommentare
Gast: Charlottenburg
19.05.2010 19:16
0 0

Armenviertel

Wedding ist kein Armenviertel. In dem ehemaligen Bezirk der Stadt Berlin gibt es unterschiedliche Problembereiche. Die Problembereiche ändern sich schon beim wechseln der Straßen. Herr Boateng hat ein Problem mit der geistigen Wahrnehmung seiner Umwelt. Daran sollte er arbeiten.

0 0

„Dort wirst du Fußballer oder kriminell“

Oder beides!

Antworten Gast: Moabit
26.05.2010 17:17
0 1

Re: „Dort wirst du Fußballer oder kriminell“

Dummes Zeug!

Gast: Gast
18.05.2010 14:12
1 1

Kevin

Wenn einer schon Kevin heißt. Unterschichtenname.

Gast: Blackrobe
18.05.2010 10:12
1 0

Problem liegt nicht nur bei dem Spieler

Der hier gennate Spieler ist mit Sicherheit kein Unschuldslamm.
An der Spielweise an sich sind aber die Schiedsrichter und die Verantwortlichen in den Senaten zu einem großen Teil mitschuld.
Wenn Spieler für solche Fouls ohne Folgen davonkommen macht das natürlich Schule.

Aber auch der dümmste Profi wird sofort damit aufhören, wenn es lebenslage oder zumindest mehrjährige Sperren bei solchen Aktionen setzten würde.

Darum her mit dem Videobeweis und her mit einer ordentlichen Rechtssprechung!

Gast: Gast
18.05.2010 09:45
1 1

Auf die Bereicherung

Die Grüninnen werden ein Gläschen Schampus aufmachen :)

Antworten Allah
18.05.2010 10:54
0 0

Re: Auf die Bereicherung

hehe, jetzt muss nur noch das Parlament bereichert werden :D

Gast: 2Rad
18.05.2010 08:35
1 1

Fußball oder kriminell

wo ist da bitte heutzutage der Unterschied. Einbahngasse für ghetoianer 2Rad

0 0

Re: Fußball oder kriminell

Mit Fußball (bzw. Sport generell) haben schon viele den Sprung aus einem Unterklassenmilieu in die gesellschaftliche Oberklasse geschafft. Allerdings kommt bei Kevin"Prince"Boateng auch noch die typische Gettoatmosphäre samt Gangsta-Rapperattitüde hinzu. Bei den echten Gangsta-Rappern blieb während ihres rasanten beruflichen Aufstieg diese ganz spezielle Attitüde nur noch eine Art Bühnenoutfit über. Innerlich hatten sie sich schon lange davon distanziert. "Prince" Boateng spielt diese Rolle noch heute; seine zahlreichen Tatoos sind im das Wichtigste.

koko
18.05.2010 04:34
2 0

Asozial

Ob die Attacke mit ihren Konsequenzen mit Absicht geschah oder nicht sei dahingestellt. Faktum ist, dass der Typ keinenerlei Verantwortungsbewusstsein hat. Auf seine Gegner ohne Rücksicht auf Verluste hinzutreten und deren Gesundheit zu ruinieren, ist letztklassig.

patriot_79
17.05.2010 23:32
0 3

Selber Schuld

"Wenige Minuten vorher hatte derselbe Ballack ihm während einer Rudelbildung eine Ohrfeige verpasst."

Warum war dann Ballack noch am Feld? Nach dem Austeilen muss man eben auch etwas einstecken können.

Antworten Gast: Adebar
18.05.2010 10:31
1 0

Re: Selber Schuld

Zustimmung zu ihrem ersten Absatz.
Fussball ist nicht Eishockey. Nach einer Ohrfeige normal: die Rote.

Und besonderrs klug dürfte Ballack nicht sein: er weiss ja, dass Boateng ohne Rücksicht auf Verluste agiert...dämliche Provokation

Antworten Dekkard
18.05.2010 10:01
1 0

Re: Selber Schuld

Ballack kann auch einstecken, er sieht die Sache den Umständen entsprechend relativ gelassen. Aber jemandem direkt eine Ohrfeige geben, ist sicher mutiger als ihn während dem Spiel bewußt umzuhacken...

bufo
17.05.2010 22:32
0 0

Beide Boatengs Proleten

Gottseidank ist dieser Typ heute eher die Ausnahme

Gast:
17.05.2010 21:07
0 0

Solche Leute sind eine Schande für den Sport


gilt übrigens auch für die Ohrfeigen-Austeiler ...

cosinus
17.05.2010 20:41
2 0

Boateng

ist kein Einzelfall. Fast jede Manschaft hat einen Schlächter in ihren Reihen, der den gegnerischen Spielmacher durch Brutalattacken"aus dem Spiel nehmen" soll. Und die Schiedsrichter schauen dem Treiben im allgemeinen zu, weil sie die Empörung fürchten, wenn sie - selten genug - doch einmal einen ausschließen. Dabei würde die rigorose Elimination dieser Holzhacker sowohl dem Spiel wie dem Gesundheitszustand der Spieler guttun, ganz zu schweigen vom finanziellen Verlust, wenn hochbezahlte Stars wegen Verletzung monatelang oder gar nicht mehr spielen können.

1 0

Re: Boateng

Als Boateng 2009 Jahr als Dortmund-Spieler einem Wolfsburger in Kung-Fu-Manier gegen den Schädel trat, wurde er völlig zurecht sofort ausgeschlossen. Anschließend jedoch von seinem Coach Klopp tröstend in den Arm genommen! Wo bleibt da der erzieherische Effekt? Ich habe den Verdacht, daß dieser "Prince" in seiner Karriere zu oft mit derart "verständnisvollen" Betreuern zu tun hatte, die ihn damit sogar in seiner Art, ständig auszurasten, sogar noch bestärkten! Doch alleine schon seine zahlreichen Tätowierungen sind ein sichtbares Zeichen, daß sich möglichst viele vor ihm fürchten sollten...

Gast: Marina
17.05.2010 20:08
0 7

Klage

Von mir hätte Ballack eine Klage am Hals.
Dieser Spruch
"Das sah schon nach Absicht aus",
grenzt ja schon an Rufmord.

Antworten bufo
17.05.2010 22:33
1 0

Re: Klage

Zweifelst Du an der Absicht????

Antworten Gast: Lutz
17.05.2010 22:19
1 0

Re: Klage

Wie bescheuert muss man sein, um so eine Aussage zu treffen?
Der Boateng gehört ein Leben lang gesperrt. Der Sachverstand dieser "Dame" ist ja wirklich enorm. Denn mit Sicherheit weißt die ja - zumindest dieser Aussage zufolge - wem der Schlächter (Boateng) jeweils schon Tritte versetzt hat. So wie der spielt, das ist schon fast kriminell - und DAS (bzw. DER) gehört vor Gericht.

Antworten Dekkard
17.05.2010 20:53
0 0

Nur sind sie leider nicht dieser Terrier...


Antworten Gast: ageh
17.05.2010 20:52
0 0

Re: Klage

mit verlaub, aber ihnen scheint diesbezüglich ziemlich der durchblick zu fehlen.

;)