Rad: Armstrong gesteht langjähriges Doping

18.01.2013 | 05:50 |   (DiePresse.com)

Er gibt zu, bei seinen sieben Tour-de-France-Erfolgen manipuliert zu haben. Doping gehörte zum Job. Anschuldigungen gegen Dritte machte Amstrong nicht.

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Lance Armstrong hat reinen Tisch gemacht. Der frühere Radprofi gab nach über 13-jährigem Leugnen zu, in seiner Karriere in großem Stil gedopt zu haben. Das hatte ihm die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) in einem Verfahren im Vorjahr nachgewiesen - fast drei Monate nach der Aberkennung seiner sieben Siege in der Tour de France durch den Radsport-Weltverband (UCI) legte nun auch der 41-jährige US-Amerikaner selbst alle Fakten auf den Tisch und in dem am Donnerstag ausgestrahlten ersten Teil des TV-Interviews mit Oprah Winfrey ein reumütiges Geständnis ab.

Armstrong, der in seiner Karriere nichts ohne Kalkül gemacht hatte, hatte sich geweigert, sich dem Verfahren vor der USADA zu stellen und versuchte (erfolglos), dieses auf gerichtlichem Weg zu verhindern. Der Star-Talkerin antwortete er bereitwillig - ohne große Emotionen schilderte Armstrong die Dopingpraktiken und nahm alle Schuld auf sich.

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Amstrong: "Doping gehörte zum Job"

Anschuldigungen gegen frühere Teamchefs, Ex-Kollegen oder den Weltverband gab es nicht. Im Gegenteil. Der "Boss", wie er früher genannt wurde, entschuldigte sich bei jenen Personen, die er wegen ihrer früheren Aussagen über sein Doping beschimpft und geklagt hatte, etwa seine frühere Physiotherapeutin Emma O'Reilly, und bat seine Fans um Entschuldigung.

Was er zuvor in dem Interview ausgesagt hatte, zeichnete wohl auch das Sittenbild des Radsports zu dieser Zeit, obwohl sich Armstrong dezidiert nur auf sich selbst bezog. Doping gehörte zum Job, sagte er. "Das war wie Reifen aufpumpen oder die Flasche auffüllen." Er wolle andere nicht beschuldigen, er habe das eben so gesehen. Es wäre ohne Doping nicht möglich gewesen, die Tour de France sieben Mal zu gewinnen, betonte der frühere Krebspatient.

Geständnis komme "zu spät"

Er habe schon Mitte der 90er-Jahre mit EPO-Doping begonnen, gab Armstrong zu. Also noch vor seiner Hodenkrebs-Diagnose. Später habe er mit Eigenblut-Transfusion, Kortison, Testosteron und Wachstumshormon gedopt. Auf die direkte Frage von Oprah Winfrey gestand der Vater von fünf Kindern, bei allen seinen sieben Tour-Siegen von 1995 bis 2005 unerlaubte Substanzen oder Methoden verwendet zu haben.

In seinen Comeback-Jahren 2009 und 2010 habe er aber nicht mehr zu verbotenen Mitteln gegriffen, beteuerte der Texaner. Denn da hätten sich zwei Dinge geändert - die Trainingskontrollen und der biologische Pass ("Der funktioniert wirklich").

Sein Geständnis komme "zu spät", sagte Armstrong. "Ich sehe die Lage als eine große Lüge, die ich immer wiederholt habe. Die Wahrheit lautet anders, als alles, was ich gesagt habe", erklärte der ruhig wirkende Ex-Champion, der in einem Hotel in seinem Heimatort Austin (Texas) befragt wurde. Er habe die (Doping-)Kultur nicht erfunden, aber auch nicht versucht, sie zu einem Ende zu bringen. "Das bereue ich, das tut mir leid", versicherte Armstrong.

Amstrong bestreitet Ausübung von Druck

Wenn jemand in sein Terrain eingedrungen sei, habe er angegriffen. Wie jene Zeugen, die ihm schon früher Doping vorgeworfen hatten. Armstrong bestritt jedoch, jemanden unter Druck gesetzt zu haben zu dopen, wie es ihm von ehemaligen Teamkollegen vorgehalten wird.

Er habe freilich jede Menge Fehler gemacht. "Und heute zahle ich den Preis dafür, und das ist auch in Ordnung so, ich habe es verdient", beteuerte Armstrong, der auch zugab, dass sechs seiner EPO-Tests bei der Tour de France 1999 positiv gewesen seien. "Aber das waren Nachtests, in hunderten Tests war ich nie positiv."

Doping-Arzt Ferrari in Schutz genommen

Den Weltverband (UCI) nahm Armstrong gegen Korruptionsvorwürfe in Schutz. Keineswegs sei ein positiver EPO-Test während der Tour de Suisse 2001 vom Weltverband verschleiert worden. Teamkollegen hatten zuvor ausgesagt, Armstrong habe im Gegenzug der UCI 125.000 Dollar gespendet. "Die Geschichte ist nicht wahr", betonte Armstrong. "Es gab keine positive Probe, keine Bestechung des Labors, kein geheimes Meeting mit dem UCI-Chef. Manche Dinge waren vielleicht dubios, aber das hier nicht."

Auch den umstrittenen und inzwischen lebenslang gesperrten Mediziner Michele Ferrari nahm er aus dem Kreis der "Bösen". "Es gibt welche, die keine Schurken sind. Michele Ferrari war für mich ein guter Mann, auch heute noch."

Armstrong sagte, er habe geglaubt, seine "Geschichte" würde noch lange so weiterlaufen. Als die gerichtliche Untersuchung wegen Betrugs, Drogenhandels und Beeinflussung von Zeugen im Februar 2012 eingestellt wurde, habe er geglaubt, er sei aus dem Schneider, sagte der Ex-Superstar. "Aber dann ist die USADA mit vergleichbarem Druck gekommen und hat den Zeugen Deals angeboten."

Monate nach der Verurteilung gab sich Armstrong einsichtig. Wenn er heute in dieser Situation wäre, würde er sagen, gebt mir drei Tage, ich möchte Leute anrufen, meine Familie, Freunde, Kollegen, Sponsoren, meine Stiftung. "Es hat mir an Respekt gefehlt vor den Spielregeln", bekannte Armstrong und zeigte Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der USADA. "Ich könnte vielleicht helfen, wenn ich eingeladen werde."

(APA/dpa)

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69 Kommentare
 
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Heuchlerische Medien, moderne Heroen und Doping

Die gleichen Medien, die Armstrong als abschreckendes Beispiel betrügerischen Sportlerverhaltens verdammen hoben ihn zu seiner aktiven Zeit ob seiner Erfolge in den Status eines Superhelden.
Profisport ist ein beinhartes Geschäft, ein Produkt, das verkauft werden soll, jeder Profi ist sich dessen bewußt.
Armstrong trat unter seinesgleichen an, zu seiner aktiven Zeit war er wohl in jeder Hinsicht "primus inter pares"...
In Wahrheit ist das Problem nicht der Mißbrauch leistungsfördernder Substanzen im Spitzensport, sondern die verbreitete Einnahme solcher Mittel im Amateur- und Freizeitsport.
Als langjähriger aktiver Sportler im Bereich Fitness- und Kraftsport kann ich nur sagen, daß man in jedem Studio jemanden finden kann, der nimmt bzw. Quellen für entsprechendes Material kennt.
Dort heißt es anzusetzen, dort ist die Masse an Abnehmern und dort sind die wahren Kriminellen, die beispielsweise dem 16-jährigen, der gerade mal drei Monate Gewichte bewegt, seine erste Kur verschaffen.

Re: Heuchlerische Medien, moderne Heroen und Doping

"Die gleichen Medien, die Armstrong als abschreckendes Beispiel betrügerischen Sportlerverhaltens verdammen hoben ihn zu seiner aktiven Zeit ob seiner Erfolge in den Status eines Superhelden."
Ja warum denn?
Weil Armstrong sie anlog.
Weil er seinen Sponsoren und der Sportwelt etwas vorgaukelte.
Er setzte seine Unterschrift bewusst unter Verträgen mit Anti-Doping-Klauseln.

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Re: Heuchlerische Medien, moderne Heroen und Doping

Bravo! Stimme zu 100% zu!

Gedopt wird in jeder Sportart

aber immers ind die radler die dummen denn die UCI ist zu schwach bei der FIFA sagt blatter mommt nicht in frage im Fußball wird nicht gedoüpt und schluss

...

Doping hin oder her, die Leistung muss mal einer von denen, die ihn hier anprangern bringen! Vor allem nach solch einer Krankheit!

1 0

Re: ...

Wie man im Interview erfahren konnte hat er schon vor seiner Erkrankung gedopt. Von daher könnte man vielleicht sagen, dass sein Hodenkrebs eventuell von übertriebenen Testosteron Doping herrührte. Ansonsten bin ich völlig Ihrer Meinung.

1 2

Radsport

nennt mir doch eine Hand voll Profi-Radsportlern die nicht dopen!

das ist gier doch schon normal... langweilig

0 1

Re: Radsport

Wieder so eine Pauschalverurteilung.... langweilig!

Es ist unverständlich, dass

man diesem Weltklassebetrüger eine Plattform bietet, um das von ihm zu hören, worauf keiner mehr scharf ist.

Das ist Professionalität in Reinkultur

Unsere österr. Sportler sind dazu nicht in der Lage und lassen sich erwischen um dann am Nasenring durch die Manege gezogen zu werden.

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Ich finde den Typen und seine Leistungen genial!!!

welche rahmenbedingungen und damit auch schlupflöcher ein system bietet, daraus in perfektion das beste zu machen ist die höchste kunst!!!!!

...und alle die hier posten, dass das unmoralisch und unethisch ist...
fangt an in eurem bedeutungslosen armseeligen (eigenen) leben sinnlos zu kehren!

Re: Ich finde den Typen und seine Leistungen genial!!!

Jawohl Lance armstrong und Jan Ulrich waren supersportler leider zuviel gespritzt

die Frage darf neu gestellt werden

nicht wer war gedopt..sondern wer war besser gedopt..???wer hatte den besseren Arzt......

10 4

Wen wunderts?

Rund 3.000 Km innerhalb von drei Wochen, dazu ungefähr 30.000 Höhenmeter und das Ganze mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40km/h.
Wer da glaubt, das ginge ohne Doping ist ein Narr. Die Rekordjagd wird weitergehen, denn für Menschen gibt es nur ein höher, weiter, schneller. Ohne Rücksicht auf Verluste. The show must go on!

Re: Wen wunderts?

gehen würde es schon, aber man bräuchte eben viel mehr zeit;
auch ginge es, dass jemand 7mal gewinnt; er müsste jeweils schneller sein als alle anderen teilnehmer

sport

ist eben mord und wird dadurch immer unglaubwürdiger und unpopulärer.

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der reumütige sünder

ach wie arm

Soll das Doping halt freigegeben werden.


Kann mir doch keiner erzählen dass man mit ein paar Knödeln und einer Cola jeden Tag bergauf, bergab und in den Erholungsphasen mit einem gemütlichen 50er unterwegs sein kann.


Re: Soll das Doping halt freigegeben werden.

ja, dann ist man eben mit einem gemütlichen 20er unterwegs statt einem 50er..;-)

Re: Soll das Doping halt freigegeben werden.

Der gemütliche "50er" is guat
Jetzt waaß i endlich warum i nie schwitz
Und noch imma kane hinnigen Kniascheib´n hab

Re: Soll das Doping halt freigegeben werden.

Wollen sie, dass junge Sportler unter Druck geraten ihren Körper zu vergiften?

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Re: Re: Soll das Doping halt freigegeben werden.

in unserer gesellschaft steigt der druck auf unsere kinder durch ganz andere dinge:

leistungsdruck in schule, arbeit, karrieredruck, soziale verarmung.....

das sind die wahren "vergifter" unserer jugend

und leistungssport soll zeigen, wass mit den aktuell zur verfügung stehenden mitteln möglich ist (wir kommen ja auch nicht mit dem fahrrad oder die skiern auf die welt)

auch im breufsalltag interessiert es kein schwein, ob die person durch aufputschmittel und einer generell ungesunden lebensweise nur ihre leistung erbringen kann

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Re: Soll das Doping halt freigegeben werden.

Die Sportler ruinieren sich damit ja ihre Gesundheit. Deswegen sollte es niemand machen. Sollen sie halt mehr Pausen machen oder fahren halt langsamer. Die Ausgangsbasis ist ja die selbe. Es geht ja nicht um einen Pharma-Wettbewerb, wer die besten Präparate hat, sondern wer der beste Sportler ist.

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Re: Re: Soll das Doping halt freigegeben werden.

So eine Aussage kann nur von einen Couchpotatoe kommen. Denken Sie, es interessiert mich, wenn ein Profisportler mit 25 km/h auf's L'Alpe d'Huez radelt? Das schaff ich selbst auch! Nein, ich will sehen, wie beispielsweise ein Lance Armstrong beim Bergzeitfahren mit einem Stundenmittel von beinahe 40 km/h dort bergauf radelt. Das beeindruckt und nichts anderes.

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Re: Re: Re: Soll das Doping halt freigegeben werden.

dann fahren sie die Tour de France Strecke durch - bergauf mit 25km/h - ohne Doping. Dann schreiben sie nochmals!

Wie heißen eig die TdF-Sieder der letzten Jahre

die noch nicht des Dopings überführt sind?

 
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