Formel 1: Frauenpower aus Österreich

Susie Wolff
Susie Wolff(c) APA/WILLIAMS FORMEL 1 TEAM (Williams Formel 1 Team)
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Monisha Kaltenborn wird Sauber-Teamchefin, die Wahlösterreicherin Susie Wolff bei Williams zur Pilotin ausgebildet. Furcht vor der Männerdomäne hat sie keine - auch nicht vor Blondinen-Witzen.

Österreichische "Frauenpower" in der Formel 1: Die Wienerin Monisha Kaltenborn übernimmt bald das Teamchef-Amt bei Sauber, die britische Rennfahrerin Susie Wolff wird 2012 Entwicklungsfahrerin beim englischen Williams-Rennstall. Das Engagement der 29-jährigen Wahlösterreicherin, die ihren Schwerpunkt aber weiter mit Mercedes im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) hat, wurde am Mittwoch in Wien verkündet.

Dies deshalb, weil Wolff (ehemals Stoddart) seit dem Vorjahr mit dem österreichischen Ex-Rennfahrer, Finanzinvestor und Williams-Direktor Christian "Toto" Wolff verheiratet ist. Bei der Präsentation in einem Wiener Kaffeehaus war es beiden wichtig zu betonen, dass es sich um keinen PR-Gag handle und Ehemann Toto in die Entscheidung nicht involviert gewesen sei.

Vielmehr habe man nach einem ausgiebigen Simulatortest entschieden, Geld in die Ausbildung von Susie Wolff zu investieren. Teamchef Frank Williams bekräftigte in einer Aussendung: "Toto war nicht involviert. Die Ernennung zur Entwicklungsfahrerin erfolgte nach sorgfältiger Prüfung durch den Aufsichtsrat."

Ecclestone: "Hoffentlich so schnell wie hübsch"

Selbst Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone zeigte sich begeistert. "Wenn Susie so schnell ist wie sie hübsch ist, ist sie eine enorme Bereicherung für jedes Team. Ich freue mich sehr, sie in der Formel 1 zu sehen", sagte der 81-jährige F1-Supremo. Wolff wird ein Zweijahresprogramm durchlaufen und neben aerodynamischen Tests und intensiven Simulatordurchläufen spätestens im Sommer auch einen vollen Wettkampf-Test mit dem FW34 auf einer europäischen Rennstrecke absolvieren.

"Es war immer schon mein großer Traum, ein Formel-1-Auto zu fahren", sagte Susie Wolff, die seit ihrem achten Lebensjahr Motorsport betreibt und seit sechs Jahren in der DTM startet. Sie tritt nun freilich auch an um zu zeigen, wozu Frauen in der männerdominierten Motorsport-Königsklasse fähig sind.

Zumindest ein halbes Dutzend hat es vor ihr schon probiert, außer der mittlerweile verstorbenen Italienerin Lella Lombardi hat aber keine nachhaltigen Eindruck hinterlassen oder gar Punkte gemacht. Erst im März präsentierte das Formel-1-Nachzüglerteam Marussia die 32-jährige Spanierin Maria de Villota als F1-Testfahrerin. Die derzeit vielleicht begabteste Fahrerin, die US-Amerikanerin Danica Patrick, bleibt in der Indy-Car-Serie.

Wolff wartet noch auf Staatsbürgerschaft

Parallelen zwischen den Wolffs und Kaltenborn sind gegeben. Auch Toto hat seine Wurzeln in Wien, beide leben wie Kaltenborn in der Schweiz und zwar am Bodensee in der Nähe von Konstanz. Die österreichische Staatsbürgerschaft hat Susie aber (noch) nicht.

"Die Entscheidung ist ohne mein Zutun erfolgt", versicherte auch Ehemann Toto. "Die Überlegung einer Frau in der Formel 1 gibt ja seit je her. Aber PR-Gags, um Sponsoren anzulocken, funktionieren nicht. In Europa gibt es ein einziges, weltweit vielleicht eine Hand voll Mädchen, die in der Lage sind, so ein Auto nicht peinlich zu bewegen. In Europa ist das definitiv nur die Susie."

Die Ausbildung bei Williams soll zeigen, wie weit Susie Wolff kommen kann und hat zum Ziel, dieses Jahr ein Formel 1 Auto zu fahren. Toto Wolff: "Es geht um Wettbewerbsfähigkeit im Motorsport. Wir haben jetzt schon eine Teamchefin, jetzt geht es darum, ob wir es schaffen, ein Mädchen zu einer konkurrenzfähigen Formel-1-Pilotin auszubilden. Williams geht das sehr ernst an", betonte der Team-Miteigentümer.

Wolff: "Will kein PR-Gag sein"

Susie Wolff selbst hat zum Thema "Frau in der Formel 1" keine großartige Meinung. "Ich fahre seit je her für mich selbst. Ich wollte nie als PR-Gag ein Mal in einem Formel-1 Auto sitzen und gleich wieder weg sein, sondern mir diese Chance verdienen. Jetzt habe ich diese Möglichkeit, einen Traum zu schaffen, diese Chance möchte ich mit beiden Händen packen."

Als eventuell dritte Fahrerin (alleiniger Testfahrer war bisher der Finne Valtteri Bottas) Freitagstests zu absolvieren, ist derzeit aber kein Thema. Wolff: "Ich muss zunächst einmal gehen, bevor ich laufe. Paul di Resta hat aber gezeigt, dass man erfolgreich von der DTM direkt in die Formel kommen kann.

Angst, dass das auch nach hinten los gehen kann, hat die blonde Britin nicht. "Ich habe aus der DTM jeden Witz zu diesem Thema gehört." Blond, hübsch und ein großes Auto fahren ..., "schlimmer kann es nicht kommen", scherzte die Britin.

(APA)

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