Auch Koller ist nicht unfehlbar

Österreichs Fußballteamchef hat die Qualität und Breite seines Kaders überschätzt.

Es ist kein Zufall, dass die großen Fußballnationen so ihre Probleme mit sogenannten Freundschaftsspielen haben. Der November-Termin ist besonders heikel, die Saison zieht sich schon ein wenig hin, man spürt die Mehrfachbelastungen. Die Verlockung, einmal ein Länderspiel auszulassen, die ist groß. Das Duell zwischen den Niederlanden und Deutschland ist so zu einem Nichtangriffspakt verkommen, gebracht hat dieses Match keinem etwas. Nur das Vorspiel hatte Unterhaltungswert, als sich die beiden Teamchefs, Louis van Gaal und Joachim Löw, gegenseitig einschenkten.

Österreichs Cheftrainer Marcel Koller wollte wiederum die Gelegenheit nützen, um nach Alternativen zu suchen. Er hat die Qualität und die Breite des Kaders allerdings überschätzt, denn es gibt sie offenbar doch, die B-Garnitur. Der Konkurrenzkampf im Team ist in Wahrheit nicht so intensiv, wie sich das der Schweizer vorstellt, das letzte Hemd hat gegen die Elfenbeinküste keiner gegeben. Das 0:3 aber tut den Spielern nicht wirklich weh, denn sie werden im kommenden Jahr ziemlich sicher wieder dabei sein.

Auch Marcel Koller ist also als Teamchef nicht unfehlbar. Er hat die Wechselspiele nämlich etwas übertrieben, die Niederlage geht auch auf seine Kappe. Dementieren ist da relativ zwecklos. Mit halber Kraft und edlen Reservisten kann Rot-Weiß-Rot gegen die Nummer 15 der Weltrangliste nicht bestehen. Wie auch, wenn es passiert, dass die Parade-Elf und Einsergarnitur in Kasachstan nicht gewinnt?


wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2012)

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