Lance Armstrong

19.01.2013 | 18:39 |  von wolfgang wiederstein (Die Presse)

Dopingsünder Lance Armstrong hat jede Glaubwürdigkeit verloren. Sein Auftritt bei der TV-Beichte macht ihn um kein bisschen sympathischer. So ein Mann, der keine Reue kennt, muss unter Eid aussagen.

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Lance Armstrong drückte auf die Tränendrüse. Der 41-jährige Texaner, der damit leben muss, wenn man ihn als Lügner und Betrüger bezeichnet, versuchte bei Talkmasterin Oprah Winfrey sein anderes Gesicht zu zeigen. Lance Armstrong unternahm alles, um über Armstrong zu sprechen. Aber Mitleid ist nicht angebracht beim ehemaligen Giganten der Tour de France. Er hat den gesamten Radsport in den Abgrund getreten, er hat Teammitglieder und Konkurrenten bedroht, er hat Medien, die seine Weste als nicht ganz sauber bezeichneten, verklagt, er hat alle eingeschüchtert, die sich ihm in den Weg stellten.

Der US-Amerikaner war ein selbstverliebter Machtmensch, dem jedes Mittel recht war, um Erfolg zu haben. Wenn er jetzt davon spricht, die Flucht in den TV-Beichtstuhl wegen seiner Kinder angetreten zu haben, dann klingt das zwar wie ein ehrlich versuchter Hilfeschrei, aber man tut sich dennoch schwer, dem Dopingsünder noch irgendetwas abzunehmen.

Lance Armstrong beklagte sich in „Oprah's Next Chapter“ darüber, dass man über ihn gleichsam die Todesstrafe verhängt habe. Der Texaner ist lebenslang gesperrt, er kann und darf keine Wettkämpfe bestreiten, das trifft ihn hart. Andere hingegen seien besser davongekommen. Ein Akt der Ungerechtigkeit, was sei da schon eine Gefängnisstrafe dagegen. Lance Armstrong haben die verbotenen Mittelchen, die über viele Jahre in seinen Körper gepumpt wurden, offenbar nicht gut getan. Und wenn er sagt, einer der schlimmsten Momente sei der gewesen, als er seine Krebsstiftung verlassen musste, dann sollte er vielleicht einmal den Kontakt zu Krebspatienten suchen, denen er Mut gemacht hat und Vorbild war – für die aber in den vergangenen Monaten eine Welt zusammengebrochen ist.

In Lance Armstrong, so behaupten Rad-Insider, steckt ein Monster. Als die Ehefrau des früheren Teamkollegen Frankie, Betsy Andreu, vor Gericht gegen ihn aussagte, bezeichnete er sie als verbitterte Hexe. Floyd Landis, ebenfalls einer seiner ehemaligen Mitstreiter, stempelte Armstrong als Trunkenbold ab. Als einen Teamkollegen, der psychisch krank sei. Tylor Hamilton, Zeuge wie Landis, lauerte Armstrong in einer Bar auf und meinte in seiner knappen, aber direkten Art: „Meine Anwälte werden dich zerstören und dich auseinandernehmen. Wir werden dein Leben zur Hölle machen!“

Wer glaubt, Lance Armstrong würde irgendetwas bereuen, der irrt. Offen gelegt hat er nichts über die Doping-Praktiken, Hintermänner wurden auch keine genannt. So manche Funktionäre dürfen sich weiterhin in Sicherheit wiegen. Aber nicht alle nehmen Doping so auf die leichte Schulter wie etwa Frankreichs Staatschef und Armstrong-Fan Nicolas Sarkozy. Er meinte nonchalant: „Sogar Asterix nahm Zaubertrank.“

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2013)

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