Der Großmeister und sein Gefolge

Schnelle Schwünge, aber keine Konstanz: So lautet das Resümee des Winters aus ÖSV-Sicht. Bei den Männern stimmt die Richtung, die Damen konnten Leistungsträgerinnen nicht ersetzen.

Kugelsammler Marcel Hirscher, das Vorbild in Sachen Konstanz.
Schließen
Kugelsammler Marcel Hirscher, das Vorbild in Sachen Konstanz.
Kugelsammler Marcel Hirscher, das Vorbild in Sachen Konstanz. – (c) APA/HANS KLAUS TECHT

Aspen/Wien. Österreichs Skiherren haben den Abstand zur Konkurrenz wieder vergrößert. Die Nationenwertung wurde zum 25. Mal in Folge klar vor Frankreich und Norwegen gewonnen, nach dem abschließenden Slalom in Aspen standen elf Siege, 13 zweite und vier dritte Plätze zu Buche (Vorsaison: acht, 13, acht). „Das Gesamtbild zeigt, dass wir uns in eine gute Richtung entwickeln“, erklärte Cheftrainer Andreas Puelacher.
Der Tiroler wünscht sich aber mehr Konstanz, sowohl in den Läufen als auch über den gesamten Winter. Meister in dieser Hinsicht ist Gesamtweltcupsieger Marcel Hirscher, der zwar beim letzten Rennen der Saison das Podest als Vierter im Slalom verpasste, aber bei rund 70 Prozent seiner Rennen aufs Stockerl gefahren ist.

Routinier Hannes Reichelt steuerte in der Abfahrt einen ersten Platz bei, ebenso Premierensieger Max Franz, der auch bei der WM in St. Moritz Bronze eroberte. Auch im Super-G schlug Reichelt einmal zu, außerdem Matthias Mayer. „Die Mannschaft fährt schnell Ski, aber wir sind zu unkonstant, zu fehleranfällig, das ist ein Kritikpunkt, das müssen wir in den Griff bekommen“, meinte Puelacher. In den Technikbewerben überragte Hirscher als Gewinner der Riesentorlauf- und Slalomkugel sowie als zweifacher Weltmeister alles. Mit Michael Matt gibt es im Slalom aber ein neues Siegergesicht, und bei der WM jubelten Roland Leitinger (Riesentorlauf ) und Manuel Feller (Slalom) über Silbermedaillen. „Im Riesentorlauf hat sich Leitinger entwickelt. Bei Feller ist es ein Auf und Ab, schön langsam stabilisiert er sich“, sagte Chefcoach Puelacher.

Eine große Änderung kommt auf die Riesentorläufer zu, der Radius der Skier wird auf 30 Meter verkürzt. „Dafür braucht man gute Testtage, das kann man nicht auf Gletscherschnee machen“, glaubt Puelacher, die Sommervorbereitung werde so zur Herausforderung. „Es wird leichter, die Schwünge zu fahren, aber viel wird auch von der Kurssetzung abhängen.“ Österreichs Herren-Chef kann sich auch vorstellen, dass wieder Athleten aus dem Speedbereich in den Riesentorlauf zurückkehren, Mayer, Vincent Kriechmayr oder Reichelt etwa, so dessen Rücken mitspielt.

Italien ist neue Nummer eins

Die ÖSV-Skidamen haben gemessen an Podestplätzen den schwächsten Weltcupwinter seit mehr als zwanzig Jahren absolviert. Ein Sieg, zwei zweite und vier dritte Plätze in der Bilanz. „Unter dem Strich zählen die Stockerlplätze und Siege, und da waren wir natürlich nicht so gut aufgestellt“, meinte Cheftrainer Jürgen Kriechbaum. „Die Ziele haben sich mit den Verletzungen stark geändert.“ Der Reihe nach fielen Eva-Maria Brem, Carmen Thalmann und Cornelia Hütter aus. Anna Veith gab Ende Dezember ihr Comeback, musste sich aber im Februar einer weiteren Knie-Operation unterziehen. Die Ausfälle konnten nicht kompensiert werden.

Die Entwicklung der Mannschaft sieht Kriechbaum im Speedbereich gut. Nicole Schmidhofer (Super-G-WM-Gold), Stephanie Venier (Abfahrts-WM-Silber) und Christine Scheyer (Abfahrtssieg in Zauchensee) haben aufgezeigt, im Riesentorlauf fuhr Stephanie Brunner dreimal in die Top fünf. Im Slalom schaffte Bernadette Schild den Sprung in die Topgruppe, Michaela Kirchgasser (Kombi-WM-Bronze) verzeichnete viele Ausfälle. „Da müssen wir mehr ins Detail arbeiten, dass Läuferinnen, die das Potenzial haben, auch die Zielankunft sehen“, meinte Kriechbaum. Die Damen-Nationencupwertung ging somit erstmals nach 18 Erfolgen verloren, Italien ist die neue Nummer eins, untermauerte die Vormachtstellung mit einem Dreifachsieg im abschließenden Riesentorlauf, angeführt von Federica Brignone. Österreich wurde in keiner Disziplin Erster.

Weltcupfinale Aspen

Riesentorlauf Damen:

1. Federica Brignone (ITA) 1:58,01 Min.
2. Sofia Goggia (ITA) +1,44 Sek.
3. Marta Bassino (ITA) +1,47
Weiters: 4. Viktoria Rebensburg (GER) +1,52 5. Tessa Worley (FRA) +1,83 6. Mikaela Shiffrin (USA) +2,14 20. Michaela Kirchgasser (AUT) +4,10 22. Katharina Truppe (AUT) +5,28.

RTL-Weltcup:

1. Worley (FRA) 685 2. Shiffrin 600 3. Goggia 405.
Gesamtweltcup: 1. Shiffrin 1643. 2. Ilka Stuhec (SLO) 1325 3. Goggia (ITA) 1197.

Slalom Männer:

1. Andre Myhrer (SWE) 1:27, 97 Min.
2. Felix Neureuther (GER) 0,14 Sek.
3. Michael Matt (AUT) 0,15
Weiters: 4. Marcel Hirscher (AUT) +0,32 16. Manuel Feller (AUT) +1,12 18. Marco Schwarz (AUT) +1,37 22. Marc Digruber (AUT) +2,07.
Slalom-Weltcup: 1. Hirscher 735 2. Henrik Kristoffersen (NOR) 575 3. Manfred Mölgg (ITA) 476.

Gesamtweltcup:

1. Hirscher 1599 2. Kjetil Jansrud (NOR) 924 3. Kristoffersen 903.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Der Großmeister und sein Gefolge

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.