Eishockey: Villach triumphiert im Freiluft-Derby

Erstmals seit 1959 wurde das Eishockey-Derby zwischen KAC und VSV wieder im Freien ausgetragen. 30.500 Zuschauer kamen ins Klagenfurter Euro-Stadion. Villach siegte 3:1.

Eishockey-Derby: Villach siegt 3:1 gegen Klagenfurt
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Eishockey-Derby: Villach siegt 3:1 gegen Klagenfurt
(c) Agentur Diener (Agentur Diener/ Kuess)

„Haben Sie einen Führerschein? Wer sein Sie, Sie sein kein Anrainer!“ In Klagenfurt herrschte am Samstag vor dem großen Eishockey-Freiluft-Derby zwischen KAC und VSV im Euro-Stadion Ausnahmezustand. Ein Anrainer nahm das zu persönlich. Er blockierte wutentbrannt die Zufahrtstraße. Selbst das Schneefahrzeug durfte ab 13 Uhr nicht durch seine Straße in Richtung Stadion fahren.

Im Stadion selbst hatte nur noch der Sport das Wort. 30.500 Fans drängten in die Arena, um ihre Cracks beim trotz eisiger Kälte hitzigen Derby anzufeuern. Wie beim Fußball saßen sich die Fangruppen gegenüber, in der Mitte thronte stolz die Eisfläche, und schon eine Stunde vor Spielbeginn begannen sich die Tribünen zu füllen. „Die Könige des Südens“, also die Villacher, leuchteten in Blau-Weiß, die Erzrivalen in Rot-Weiß-Rot.

Erstmals seit 1959

Den Fans konnten dichter Schneefall und Kälte nichts anhaben, zu groß war die Vorfreude auf den Puck-Klassiker, der in Österreich erstmals seit 1959 wieder im Freien ausgetragen wurde. Hauptsache, die Eisfläche hielt.

Wem doch kalt wurde, dem heizten Stadionsprecher, die vom Beachvolleyball bekannten Musik-Jingles, Opus-Sänger Herwig Rüdisser mit seiner „KAC-is-Life“-Version und Günther Magerle ein, der als finale Einstimmung auf die wahre Größe des regionalen Highlights das „Kärntner Heimatlied“ intonierte.
Auch so mancher Spieler hatte wohlweislich vorgesorgt und die lange Unterhose angezogen. Sicher ist sicher. Nur VSV-Veteran Mike Stewart lehnte dieses Bekleidungsstück strikt ab. Echte Männer brauchen so etwas nicht.

Prestigeduell kann beginnen

Nach dem Segen des Kärntner Bischofs stoppte der Schneefall, und das Prestigeduell konnte beginnen. Checks, Einsatz und Laufarbeit beider Mannschaften stimmten, als Zuschauer aber hatte man so seine liebe Müh'. Der Puck war beim besten Willen nicht zu erkennen. Wer geschossen oder gefoult hatte, war auch auf der kleinen Videowall nicht gleich zu erkennen. Auch war erst nach Auskunft des Schiedsrichters klar, warum Kirk Fureys sehenswerter Treffer für den KAC nicht zählte. Hoher Stock soll es gewesen sein.

Ein Teil der Fans pfiff, der andere applaudierte. Die Show stimmte, aber echtes Eishockey sieht anders, in der Halle viel besser aus. Wer ohne Feldstecher angerückt war, der saß auf der Tribüne auf verlorenem Posten. Zumindest weiß man jetzt, wie es Referees ergehen kann.

3:1 für Villach

Im zweiten Drittel wurde es laut im VSV-Sektor, Michael Raffl traf zum 1:0. KAC-Coach Manny Viveiros tauschte daraufhin panikartig den Torhüter aus. Ein Fehlgriff. Denn Jordan Parise kassierte 13 Sekunden später ein „Steirer-Tor“. Erneut war Raffl zur Stelle, 2:0. Im Schlussdrittel setzte KAC nach, Thomas Hundertpfund sorgte mit dem 1:2 für Hoffnung. Doch postwendend schlug VSV zurück, Roland Kaspitz stellte auf 3:1 – die Entscheidung.

„Hier regiert der VSV“, hallte es von der Tribüne während die Rotjacken vom Eis schlichen. Villach ist die Nr. 1 in Kärnten, zumindest bis zum 278. Derby. Was wohl der verbitterte Anrainer dazu sagt? Sofern er ansprechbar ist und nicht heute noch eisern seine Zufahrtsstraße blockiert?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2010)

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