Rebellischer Aktionär erringt Etappensieg gegen Apple

24.02.2013 | 12:17 |   (DiePresse.com)

Aktionäre wollen, dass Apple mehr von den Reserven von 137 Mrd. Dollar ausschüttet. Der Konzern wollte das mit einer Satzungsänderung erschweren.

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Es steht 1:0 für einen rebellischen Apple-Aktionär: Der kalifornische Konzern muss auf Geheiß eines Richters den Vorschlag für eine Satzungsänderung zurückziehen, mit der die Ausgabe von Vorzugsaktien erschwert worden wäre. Der Hintergrund für das Scharmützel vor Gericht: Hedgefonds-Manager David Einhorn will an den Milliardenschatz des iPhone-Herstellers heran.

Die Apple-Reserven hatten zum Jahreswechsel die Marke von 137 Milliarden Dollar (103,90 Mrd. Euro) überschritten. Das weckte bei vielen Anteilseignern Begehrlichkeiten. Sie wollen, dass Apple einen größeren Anteil des Geldes an sie ausschüttet. Mit dem aktuellen Chef Tim Cook gibt es zwar erstmals seit rund 17 Jahren wieder eine Dividende und einen Aktienrückkauf im Gesamtvolumen von 45 Milliarden Dollar. Doch das reicht einigen Investoren nicht.

Apple enttäuscht

Einhorn hatte neue Vorzugsaktien ins Gespräch gebracht und sie medienwirksam "iPrefs" getauft - ein Wortspiel aus dem bekannten "i"-Vorsatz für Apple-Produkte und dem englischen Wort "preferred shares" für Vorzugsaktien.

Einhorn verlangte konkret, dass Apple Vorzugsaktien im Wert von 50 Milliarden Dollar ausgibt und diese dann auch noch mit einer Dividende von vier Prozent jährlich ausstattet. Um die für seinen Plan hinderliche Satzungsänderung zu stoppen, reichte er die Klage in New York ein. Ein Richter stellte sich am Freitag auf Einhorns Seite und blockierte das Apple-Vorhaben.

Apple zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung des Richters. Sie sei nicht im Interesse der Anteilseigner. Konzernchef Cook hatte die Klage bereits zuvor scharf verurteilt. Es sei ein "dümmlicher Nebenkriegsschauplatz", der nur Zeit und Geld verschlinge. Die Apple-Führung hatte sich mit Einhorn getroffen, konnte ihn aber nicht überzeugen, die Klage zurückzunehmen. Zugleich gestand Cook ein, dass Apple derzeit mehr Geld als nötig auf der hohen Kante habe. Man denke weiter darüber nach, wie die Aktionäre daran teilhaben könnten, versprach er vor einigen Wochen.

Ausichtsrat muss Aktionärswunsch diskutieren

Nach aktueller Satzung muss sich der Aufsichtsrat direkt mit den Forderungen Einhorns auseinandersetzen. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass Einhorn mit seiner Forderung nach Vorzugsaktien durchkommt. Er habe einen Etappensieg vor Gericht errungen, stellte das "Wall Street Journal" fest. Aber er habe noch einen "langen Krieg" vor sich.

Einhorn braucht die Öffentlichkeit, um Druck auf Apple aufzubauen. "Es ist euer Geld", hatte er an die Adresse der anderen Aktionäre geschrieben. Sein Hedgefonds Greenlight Capital hält nach jüngsten Informationen rund 1,3 Millionen Apple-Aktien, die derzeit knapp 600 Millionen Dollar wert sind. Damit kommt der Investor auf einen Anteil von lediglich gut 0,1 Prozent an dem Unternehmen.

Abstimmung der Aktionäre abgeblasen

Eigentlich hatte Apple seine Aktionäre an diesem Mittwoch auf seiner Hauptversammlung über die erschwerte Ausgabe von Vorzugaktien abstimmen lassen wollen. Apple wurde nun eine Formalie vor Gericht zum Verhängnis: Das Unternehmen hatte den Vorschlag mit einer neuen Regelung zur vereinfachten Wahl von Verwaltungsrats-Mitgliedern sowie Änderungen bei der Berechnung des Aktienwerts gebündelt. Nach Ansicht Einhorns verstieß diese Koppelung gegen Regeln der US-Börsenaufsicht SEC - denn die Aktionäre hätten nur alle drei Punkte gemeinsam annehmen oder ablehnen können. Richter Richard Sullivan schloss sich dieser Ansicht an.

Der Konzern konterte, dass es bei der Neuordnung nur darum gehe, dem Verwaltungsrat das Recht zu nehmen, auf eigene Faust Vorzugsaktien zu verteilen. Mit Zustimmung der Aktionäre könnten die Vorzugsaktien weiter ausgegeben werden. Allerdings wäre das Verfahren damit komplizierter.

(APA/dpa)

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13 Kommentare

"verlangte konkret, dass Apple Vorzugsaktien im Wert von 50 Milliarden Dollar ausgibt"

Und wie genau kann damit ein Kuchen von 50Mrd. gleichmäßig an die Aktionäre ausgeschüttet werden, ohne dass es damit nicht zu einer Kapitalerhöhung, sondern zu einer Herabsetzung kommt?

Dieser Mechanismus ist mir nicht ganz klar. Experten an die Front!

Sie sei nicht im Interesse der Anteilseigner.

Ach so? es ist nicht im Interesse der Anteilseigner eine möglichst hohe Dividende von den erzielten Gewinnen zu bekommen?

Das wäre mir neu.

so saugen die Heuschrecken die Realwirtschaft aus

Wenn ein Unternehmen in dieser Branche erfolgreich ist, dann ist es mehr als legitim, eine Kriegskasse für schlechtere Zeiten aufzubauen. Schnell passiert es, dass ein Wettbewerber sich einen Vorteil erarbeitet und dann kommt man ohne Vorsorge schnell in Schwierigkeiten, siehe z.B. RIM.

Aber nachhaltiges wirtschaften ist den Hedgefonds sowieso egal, Hauptsache schnelle Kohle. Dass die Presse diesem Schweinepriester auch noch huldigt, und er selbst sich hinstellt und schreit "es ist Euer Geld", da geht mit sprichwörtlich das Messer in der Tasche auf.

Re: so saugen die Heuschrecken die Realwirtschaft aus


Recht tun sie, denn.....
.......sie werden noch sehr viele Reserven brauchen, wenn der Niedergang kommt.

Re: so saugen die Heuschrecken die Realwirtschaft aus

und was haben sie davon?

Tim Cook hat selber gesagt (lt. Artikel) dass sie zu viel Bares auf der Kante haben...

es ist nunmal der Sinn von AG's auch Geld für ihre Anteilseigner auszuschütten (Dividenden) - wozu sollte man sonst deren Aktien kaufen?


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Schnelle Kohle?

Nach 17 Jahren, ist das wohl ein bisserl gar schnell...

Re: so saugen die Heuschrecken die Realwirtschaft aus

Wobei man aber nicht vergessen soll und darf, dass die Heuschrecken auch die (Mit-) Eigentümer solcher Unternehmen sind.

D.h. wenn man einmal, als Unternehmen (die Ursprungseigner), so "gierig war" sich zu einer AG zu mausern um so Fremdkapital zu lukrieren, ja dann kommt man eben auch mit verschiedenen Varianten von neuen Eigentümern in Kontakt. Zu diesem Zeitpunkt ist der "Zug jedoch schon lange abgefahren".

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Re: Re: so saugen die Heuschrecken die Realwirtschaft aus

Mit Aktien lukriert man Eigenkapital.

Re: Re: Re: Mit Aktien lukriert man Eigenkapital.

Sie haben recht, so nennt man das korrekt.

Ich wollte mit dieser Formulierung, Verzeihung eher unsachlich in der Formulierung, nur darauf hinweisen, dass damit Geld von(!) "fremden, neuen (Mit-) Eigentümern" kommt.

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Re: so saugen die Heuschrecken die Realwirtschaft aus

Aktiengesellschaften sind eine Zweckehe mit zahlreichen heterogenen Interessen. Das Ivestoren Geld für die Millionen sehen wollen die sie in ein Unternehmen stecken ist ebenso verständlich wie der Wunsch der Geschäftsleitung möglichst große Puffer zu haben und langfristig zu planen.

Oft genug nehmen Kapitalgesellschaften Kleinanleger aus die sich nicht wehren können. Oft genug schaden Fonds Unternehmen wenn sie schnelles Geld machen wollen. Das ganze nennt sich eben Kapitalmarkt und hat seine Licht- und Schattenseiten.

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Re: so saugen die Heuschrecken die Realwirtschaft aus

sehr richtig.

Re: so saugen die Heuschrecken die Realwirtschaft aus

Und dann heißt er auch noch "Einhorn". Was für ein Skandal....

Re: Re: so saugen die Heuschrecken die Realwirtschaft aus

ein Schelm, wer Böses dabei denkt

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