Von Facebook in die Klapse - eine TV-Serie für "Freunde"

09.04.2013 | 08:27 |   (DiePresse.com)

Zuseher können sich mit den Protagonisten von "About:Kate" auch auf Facebook anfreunden. Das Thema der TV-Serie: Identitätsverlust dank Facebook, Google und Co.

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Weiß das "Social Web" mehr über uns als wir selbst? Wenn ja: Können Internetnutzer dann mit Google und Facebook mehr über sich selbst erfahren? Fragen, denen sich Arte und "Ulmen Television" ab 27. April in der TV-Serie "About:Kate" stellen wollen. Dabei versuchen die Macher Christian Ulmen und Janna Nandzik dem Thema auch durch eine crossmediale Aufarbeitung gerecht zu werden. Zuseher können sich auf Facebook mit der Protagonistin anfreunden oder über eine App sogar "simulierte Anrufe" von der Serienfigur erhalten.

"Der Zuschauer ist heute ... so multitaskingfähig, dass ihm das klassische Fernsehen zu wenig ist", sagt Nandzik. Vielleicht wird das Trendthema aber auch etwas überschätzt. Laut einer Studie von ZDF und ARD von vergangenem Jahr surfen 37 Prozent der Zuseher nebenbei im Internet - nur 12 Prozent davon sehen sich dabei gelegentlich Informationen rund um die aktuelle Sendung an und nur 3 bis 6 Prozent davon äußern sich im Netz über die laufende Sendung.

Dank Facebook in die Nervenklinik?

Zurück zu "About:Kate". Die Hauptfigur, Kate, ist ein typischer "Digital Native". Sie verfolgt das Leben ihrer Freunde und Bekannten in Online-Netzwerken und spielt umgekehrt ihre eigenen Erlebnisse und Träume täglich in das Netz, um dort "Likes" zu sammeln. Macht dieses Hobby reif für die Nervenklinik? Die bald 30-jährige Kate ist offensichtlich dieser Ansicht und weist sich selbst ein. Die Grenzen zwischen der Realität und der digitalen Inszenierung sind ihrer Ansicht nach in ihrem Leben verschwommen. Darauf will Ulmen.tv auch mit der crossmedialen Umsetzung anspielen - wobei sich die Frage stellt: Was soll in diesem Fall als Realität verstanden werden? Die TV-Serie? Dort begibt sich Kate auf eine Spurensuche nach ihrer Identität.

Das Internet gestaltet auch uns

Kate fühlt sich durch den "ständigen Input in den sozialen Netzwerken" überfordert, ist auf der Website von Ulmen.tv zu lesen. Zwischen den Therapiesitzungen in der Berliner Klinik klickt sich die Kunststudentin im Internet durch Fotoalben, Videos und Pinnwandeinträge, um ihr digitales Alter Ego zu erforschen und Idealvorstellungen auf den Grund zu gehen. Die Kernaussage der Serie: Nicht nur wir gestalten das Internet, sondern das Internet gestaltet auch uns. "Das Unbewusste speist sich nicht nur durch unsere Innenwelten, sondern wird auch gefüttert und generiert durch die elektronischen Maschinen, die wir bedienen", ist in der Beschreibung auf der Arte-Website nachzulesen. Wer sich selbst betroffen fühlt, darf mit einer dazupassenden App selbst an der Therapie teilnehmen und kann - wenn er will - seine eigene "Akte" mit Freunden teilen. Womit wir wieder am Anfang der Problematik wären.

(sg)

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1 Kommentare

Klingt sehr interessant!

Das ist nämlich tatsächlich ein ernstzunehmendes Problem. Ich habe erst heute meinen Facebook-Account gelöscht, weil ich fand, dass es einen zu großen Teil meines Lebens besetzte.

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