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Vorratsdaten: Weshalb der Hut brennt

07.03.2011 | 18:43 |  ANDREAS WETZ (Die Presse)

Alles, was durch die lückenlose Aufzeichnung der Telekommunikation anfällt, kann und wird künftig gegen Staatsbürger eingesetzt werden. Ein Nein zum Überwachungsgesetz wird es nicht geben.

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Österreich steht in den nächsten Wochen ein bürgerrechtlicher Paradigmenwechsel bevor. Alles, was durch die lückenlose Aufzeichnung der Telekommunikation anfällt, kann und wird künftig gegen Staatsbürger eingesetzt werden. Die Vorratsdatenspeicherung wird die Verfolgung von Whistleblowers und Missstandsaufzeigern erheblich erleichtern. Unter dem Verweis auf eine 2006 ergangene EU-Richtlinie drängen insbesondere die VP-geführten Ministerien für Inneres und Justiz auf Umsetzung. Der Koalitionspartner SPÖ steht trotz einiger kritischer Stimmen innerhalb der Partei mit dem Rücken zur Wand. Ein Nein zum Überwachungsgesetz wird es nicht geben. Warum eigentlich? Weil die Sozialdemokraten die Tragweite des Themas verkannt und dann jahrelang nicht ernst genug genommen haben. Jetzt wird die Zeit knapp, denn schon einmal hat der EuGH Österreich verurteilt, weil die Umsetzung der Richtlinie überfällig ist. Demnächst setzt Brüssel eine letzte, kurze Frist. Verstreicht auch die, drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe. Also drückt man nun lieber ein Auge zu und spart sich Negativschlagzeilen auf Kosten der Grundrechte.

Dabei sind Kritiker bis in die höchsten Kreise der Partei vertreten. Die für einen Teil des Gesetzes zuständige Infrastrukturministerin, Doris Bures, hat sich in der Vergangenheit kritisch zur systematischen Datenspeicherung geäußert, aber stets darauf verwiesen, dass die EU die Regeln vorgebe.

 

Faymann kritisch

Ganz ähnlich auch Kanzler Werner Faymann, dem das Thema als Infrastrukturminister zunächst kein Anliegen war, um sich später ebenfalls kritisch dazu zu äußern. Unter anderem in einem Interview mit der „Presse“ („massive Bedenken“) oder in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage („Die Umsetzung der EU-Richtlinie ist unabhängig von meiner persönlichen Meinung vorzubereiten“). Streng genommen waren anfängliche Ignoranz und spätere Verzögerungstaktik der Sache wenig dienlich. Weil die Richtlinie bis heute nicht umgesetzt ist, waren auch keine Klagen beim Verfassungsgericht möglich. Und jetzt, nach einer ersten Verurteilung durch den EuGH, ist ein wichtigeres Interesse hinzugekommen: Strafzahlungen sind zu vermeiden. So tat man sich zuletzt auch bei einem innerkoalitionären Abtausch von Interessenlagen leichter. Die SPÖ stimmte der erleichterten Herausgabe von Vorratsdaten an Polizei und Staatsanwalt u.a. deshalb zu, weil die ÖVP im neuen Fremdenrecht bei der Schubhaft Zugeständnisse machte.

Seit dem Deal im Ministerrat vom 22 .Februar wird Kritik nicht mehr gerne gehört. Auch wenn ein Papier des Datenschutzrates das Vorhaben als „ernste Gefahr für die Freiheit der Bürger“ qualifizierte. Vorsitzender des Datenschutzrats ist SP-Abgeordneter Johann Maier. Die Frage, ob er dem Gesetz zustimmen könne, beantwortet er so: „Das werde ich nach der parlamentarischen Diskussion entscheiden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2011)

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10 Kommentare
Gast: iokawa
14.03.2011 00:16
0 0

gibts was erbärmlicheres

als politiker und beamte, die ungeachtet ihrer persönlichen meinung, und obwohl bei den maßgebenden kontrollinstanzen alle alarmglocken schrillen, ihre pflicht erfüllen?
als hilfsschani der eu.

ich finde, das gehalt des kanzlers und der minister ist für diese hilfsarbeitertätigkeit um lichtjahre zu hoch.

Gast: buaök
09.03.2011 18:22
0 0

die regierung sägt ja mit volldampf am eigenen ast.

die fpö braucht nur mehr einsammeln. das wird ein easy job für strache.

Gast: abea
08.03.2011 21:17
0 0

warum

berichten denn die medien so zaghaft über diesen dramatischen umbruch in der menschenrechtsgeschichte?

wenn das thema so brisant ist,
wieso prangt es nicht täglich in riesenlettern auf den titelblättern, wieso schreibt nicht jeder, der halbwegs auf sich hält, einen kommentar dazu,
wieso gibt es keine roundtables, diskussionen mit vips und experten im hauptabendprogramm?

irgendwas stimmt nicht.
es ist nicht so wie es scheint.

Gast: Pat
08.03.2011 18:03
0 0

Wehe

Und wehe, irgendwann bekommen solche Kelche wie die FPÖ oder KPÖ derartiges Werkzeug in die Hand. Für diese ist der Vorrat doch gerade wie geschaffen.

Antworten Gast: tigerzahn
08.03.2011 19:27
0 0

Re: Wehe

times have changed.

es sind övp und spö die sich diesen vorrat schaffen, gerade so wie övp und spö es brauchen.

nur fpö, bzö, grüne können uns davor schützen.

2 0

das einzig Positive daran ist...

dass wir endlich dagegen klagen können. Die Rumänen haben's vorgemacht, dann die Deutschen.

Die Klagen werden schon vorbereitet, liegen bereit.

Echt schlimm finde ich allerdings, dass der jetzige Entwurf von den Law-and-Order - Wahnsinnigen als noch zu schwach kritisiert wird.

Wenn's nach der Schotter-Mitzi ginge wäre alles noch viel furchtbarer.

und nicht vergessen, der Teufel steckt nicht nur im TKG, sondern vor allem im SPG.

Wen der Präventivstaat kommt, dann gute Nacht.

Antworten Gast: rnav
08.03.2011 12:18
0 0

Re: das einzig Positive daran ist...

Die von der SPÖ haben mir gesagt, dass der Verfassungsgerichtshof nichts dagegen tun kann, weil's EU-Recht ist.

Ich bin gespannt.

Antworten Antworten Gast: urps
09.03.2011 01:36
0 0

Re: Re: das einzig Positive daran ist...

komisch daß die verfassungsgerichte der anderen mitgliedsländer sehr wohl etwas dagegen tun können.

Gast: Gast
08.03.2011 09:34
0 1

offene Seele

Offene Seele
Jetzt werden wir für den Staat ein offenes Buch sein wie nie zuvor. Ob wer bei WikiLeaks oder anderen Informations-Plattformen, Umweltschutzorganisationen, Amnesty und anderen, die hinter die Kulissen schauen und berichten, nachlesen oder dort aktiv ist, wer welche Informationen im Internet sucht, welche Interessen Hobbys allgemein bestehen, ist für den Staat interessanter, als wie oft wer sich Pornos im Internet ansieht. Science Fiction der Vergangenheit wird nun real. Wahrscheinlich werden bald uns Menschen, so wie Schweinen, Kühen usw., ein Chip unter die Haut gegeben, ohne dem erhält keiner mehr Zutritt zu einem Haus, kann nicht einkaufen, ist vogelfrei. George Orwell grüßt herzlich.

Gast: ich schäme mich Österreicher zu sein
07.03.2011 19:10
2 1

die Dilettantentruppe von SPÖVP

zeigt dem Bürger welche "Qualitäten" sie vorzuweisen haben. Die Rechte der Bürger sind denen längst egal. Das Gehalt wird ja pünktlich überwiesen....