26.05.2012 07:48 | Meine Presse Merkliste 0

Vorratsdaten: EU will Richtlinie überarbeiten

18.04.2011 | 15:15 |   (DiePresse.com)

Die umstrittene Richtlinie zur Speicherung von Telefon- und Internetdaten durch Provider wird überarbeitet. Einige Staaten weigerten sich, die Richtlinie umzusetzen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Nach Problemen in mehreren EU-Staaten will die EU-Kommission die umstrittene EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung von Internet- und Telekommunikationsdaten überarbeiten. Sie werde noch in diesem Jahr Änderungsvorschläge vorlegen, sagte die zuständige EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström am Montag in Brüssel. "Es gibt Raum für Verbesserungen."

Die Umsetzung der EU-Richtlinie ist von den jeweiligen Verfassungsgerichten in Deutschland, Tschechien und Rumänien gekippt worden. Außerdem haben Schweden und Österreich die Richtlinie bisher nicht in nationales Recht überführt. Malmström machte aber klar, dass die EU-Staaten "die Regeln befolgen müssen" und die Richtlinie umzusetzen hätten.

Einzelheiten der geplanten Änderungen nannte die EU-Kommissarin nicht. Sie wolle zuerst mit den EU-Staaten, dem Europaparlament, Interessenvertretern und der Zivilgesellschaft beraten, sagte sie. Malmström erklärte, die großen Unterschiede unter den EU-Staaten bei der Umsetzung der Richtlinie seien unbefriedigend.

So würden die Speicherfristen von sechs Monaten bis zwei Jahren reichen, und auch im Hinblick auf den zugelassenen Verwendungszweck und die rechtlichen Verfahren zur Datenabfrage gebe es erhebliche Unterschiede. Die Kommission wolle auch prüfen, inwieweit die Kostenerstattung für die Telekommunikationsbetreiber einheitlicher geregelt werden kann.

Trotz Selbstkritik zieht die EU-Kommission auch eine positive Bilanz der nach den Terroranschlägen von Madrid (2004) und London (2005) beschlossenen Gesetzgebung. "Gespeicherte Daten haben beispielsweise entscheidend dazu beigetragen, dass in den Mitgliedstaaten, in denen die Richtlinie umgesetzt ist, dank der Fahndungsaktion 'Operation Rescue' ein internationales Pädophilen-Netz enttarnt, 670 Verdächtige identifiziert und Kinder vor diesem Netz geschützt werden konnten", heißt es in dem Evaluierungsbericht der EU-Behörde.

In Ungarn und Polen hätten Betrüger ausgeforscht werden können, die ältere Menschen über Telefonanrufe geprellt hätten, sagte Malmströlm. Auch ein Drogenboss, der für Heroinschmuggel im Wert von 14 Millionen Euro verantwortlich gewesen sei, habe geortet werden können.

In Österreich steht die Vorratsdatenspeicherung kurz vor dem parlamentarischen Beschluss. Hatte die Regierung die Umsetzung der EU-Richtlinie zuerst hinausgezögert und war vom EuGH wegen Säumigkeit bereits verurteilt worden, gab es in diesem Jahr doch grünes Licht. Die Novelle im Telekommunikationsgesetz (TKG) sieht zwar die minimale Umsetzung der Vorgaben vor, bis zuletzt heftig diskutiert waren aber die Begleitgesetze im Sicherheitspolizeigesetz (SPG) und in der Strafprozessordnung (StPO).

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

6 Kommentare
makaberich
26.03.2012 11:56
0 0

Ist uns eigentlich bewußt,

... dass die DDR von einer derartigen Datenspeicherung nicht einmal träumen hätte können?
Aufgrund der Kommunikationswege ist es möglich, das gesamte Sozialsystem eines Menschen festzustellen, denn mit jedem telefoniert man und an alle Freund schickt man manchmal ein Rundschreiben.
Und wer sagt, dass damit keine Rasterfahnung gemacht wird, der lügt.
Was werden wir den Kindern sagen, wenn sie fragen: "was habt Ihr dagegen getan?"

Gast: AKVorrat
21.04.2011 09:56
0 0

Keine Vorratsdatenspeicherung in Österreich!

Die Vorratsdatenspeicherung ist die Totalüberwachung elektronischer Kommunikationsdaten und bedeutet die Aufzeichnung, welche Menschen wann, mit wem, von wo aus, wie lange und in welcher Form kommuniziert haben – unabhängig davon, ob sie sich jemals etwas zuschulden kommen lassen haben, und ohne Vorliegen eines Verdachtes.

Mit Hilfe der über die gesamte Bevölkerung gespeicherten Daten können Bewegungsprofile erstellt, geschäftliche Kontakte rekonstruiert und private Beziehungen identifiziert werden. Auch Rückschlüsse auf den Inhalt der Kommunikation, auf persönliche Interessen und die Lebenssituation – Krankheit und Beziehungsprobleme ebenso wie etwaige finanzielle Schwierigkeiten – der Kommunizierenden werden möglich. Für Terroristen und organisierte Kriminelle ist es einfach, sich diesem Überwachungsnetz zu entziehen, darin hängen bleiben: „Frau Maier“ und „Herr Müller“, also Sie!

Mit der Vorratsdatenspeicherung dringt der Staat in einen Kernbereich Ihrer Freiheit ein: die Privatsphäre. Wen kenne ich? Mit wem kommuniziere ich und wie oft? Wo war ich?

http://www.akvorrat.at" target="_blank">http://www.akvorrat.at

Gast: bloße vorratsdate
19.04.2011 04:46
1 0

von minimaler umsetzung in ö kann keine rede sein

wenn jederzeit ohne konkrete begründung und genehmigung auf die daten zugegriffen werden kann.

und daß die daten an alle mächtigen, die sichs richten können, weitergegeben werden, ist sowieso klar.

und die kommissarin wird sich damit abfinden müssen, daß sie die staaten nicht dazu zwingen kann, gegen ihre verfassung und die menschenrechte zu verstoßen.

auch wenn sich die EU als menschenverachtende diktatur positionieren möchte, kann sie nicht verhindern, daß es menschen gibt, die sich dagegen wehren, die auf ihren grundrechten bestehen und die ein mindestmaß an anstand einfordern.

Gast: Notiz4
18.04.2011 20:54
1 1

jeder noch

so aggressive Drogen - Boss ist ein kostbarer Freund verglichen mit der EU. Diese Einrichtung muss beendet werden

ADAXL
18.04.2011 20:49
4 0

Überarbeiten?

Einstampfen!

Gast: stig
18.04.2011 17:06
5 0

Wenn die EU

ihre Reglementierungssucht einbremsen könnte, wäre sie vermutlich weniger unbeliebt ..