Reicht Facebooks Angriff auf Google?

16.01.2013 | 18:11 |   (Die Presse)

Das soziale Netzwerk wird zur Suchmaschine und geht damit auf Kollisionskurs mit Google. Das erhoffte schnelle Geld bringt das aber nicht. Der Höhenflug der Aktie ist vorbei.

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Menlo park/Auer. „Komm und schau, was wir bauen!“ So kryptisch hat Facebook in der Vorwoche die Medien in die kalifornische Unternehmenszentrale eingeladen und damit nicht nur Journalisten, sondern auch Anleger in Aufruhr versetzt. Wird das soziale Netzwerk endlich sein eigenes Smartphone präsentieren? Oder gar einen Weg, die gesammelten Daten von einer Milliarde Nutzer bald zu Geld zu machen?

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Aktie stieg zuletzt um die Hälfte

Nicht wirklich. Stattdessen holte Mark Zuckerberg zum Generalangriff auf Google aus. Mit der neu vorgestellten Funktion „Graph Search“ wird das soziale Netzwerk zur Suchmaschine. Statt wie mit Google das Internet zu durchforsten, können die Facebook-Nutzer nun in den Daten ihrer näheren und ferneren Bekannten auf Facebook nach Antworten auf ihre Fragen suchen. „Wir sehen Facebook als große soziale Datenbank“, sagte der Facebook-Gründer. „Wie bei jeder Datenbank sollte es möglich sein, sie zu durchsuchen.“ Liefern soll Graph Search nicht noch eine Linkliste, sondern konkrete Antworten. Entscheidend wird die Frage sein, was wertvoller ist: Irgendein Sushi-Lokal in Wien zu finden oder eines, das möglichst viele Freunde mögen.

Klingt ja nicht schlecht, wirklich revolutionär ist es aber nicht. Facebook spricht seit Jahren davon, das verwaiste Suchfeld in der oberen Ecke aufwerten zu wollen. Aber auch nach der Präsentation bleiben viele Fragen offen. Besonders enttäuscht waren wohl die Anteilseigner. In der Hoffnung, dass Zuckerberg nicht nur ein neues Feature vorstellen wird, sondern auch eine Idee hat, wie er damit Geld verdienen will, haben sie die Aktie des Unternehmens in den vergangenen Monaten um mehr als 50Prozent nach oben getrieben. Am Gipfel der Vorfreude dann dieser Event. Und siehe da, genau der lang ersehnte Plan fehlt immer noch. Derzeit gebe es keine konkreten Vorstellungen, wie Graph Search kurzfristig monetarisiert werden solle, ließ der Firmenchef wissen. Die Aktien stürzten um 2,7Prozent ab. Wer beim Börsengang im Mai eingestiegen ist, hat trotz des Höhenflugs der jüngeren Vergangenheit ein Fünftel seines Geldes verloren.

Langfristig könnte die Attacke auf Google freilich durchaus zu interessanten Verschiebungen am Werbemarkt führen. Derzeit generiert Google den überwiegenden Großteil seiner 40 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr über Anzeigen neben Suchergebnissen. In den USA hält das Unternehmen drei Viertel des gesamten Markts.

 

Kooperation mit Microsoft

Genau davon will Facebook in Zukunft ein größeres Stück haben und bietet Firmen an, bezahlte Beiträge in „Social Graph“ besser zu platzieren. Damit die Nutzer nicht nur die 240 Milliarden Fotos und zig Billionen an Meldungen der anderen Facebook-Mitglieder durchsuchen können, holt sich das Unternehmen Microsoft ins Boot. Die „klassischen“ Suchergebnisse aus dem Internet soll die Microsoft-Suchmaschine Bing zuliefern.

Während Google sich gar nicht zum konzertierten Angriff auf sein Kerngeschäft äußerte, warnten Datenschützer vor der neuen Funktion. „Die Suchfunktion, die wir vom Internet kennen, wird jetzt in den Freundeskreis hineingezogen, mit der Folge, dass hochsensible Informationen auch Dritten zur Kenntnis gelangen“, sagte Thilo Weichert. Vorerst kann aber Entwarnung gegeben werden. Die Facebook-Suche ist noch gar nicht fertig. Derzeit können nur ein paar Nutzer aus den USA die Beta-Version testen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2013)

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21 Kommentare

Zucki ist grössenwahnsinnig geworden

Dem Zucki ist wohl sein Facebook in den Kopf gestiegen ...

Mir soll es egal sein, habe kein Facebook (lebt sich super ohne diesen FB-Mitteilungszwang ...).

Soziale Netzwerke ...

... sind die Befreiung aufgeblasener Egos mit Logorrhoe vom Desinteresse ihrer unmittelbaren Umgebung.

wohl eher umgekehrt

facebook wird scheitern und nicht google. wenn in einem algorithmus 15 jahre arbeit stecken macht das nicht irgendein mark zuckerberg einfach wett. hinter google steckt wesentlich mehr know-how als hinter facebook, einfach ein recht verzweifelter versuch die wahrlich miese performance der aktie aufzubessern. microsoft hatte den gleichen einfall und ein höheres budget und es hat trotzdem nicht funktioniert...

8 0

wer braucht das gesichtsbuch?

Neue massenverbloedung und ueberwachung.

google benutzen viele

aber bei Facebook ist man nur angemeldet!

facebook out !

ıch benutze facebook gar nıcht mehr ehrlıch gesagt ıch habe es auch nıe wırklıch benutzt schon gar nıcht so wıe dıe meısten dıe ıhre ganze lebensgeschıchte dort ausbreıten und alles von ıhrem leben tagesablauf 24 h kommentıeren !

aber ıch weıss es von meınem umfeld und ıch habe eın sehr grosses umfeld vıele benutzen face nıcht mehr face wırd ın wenıgen jahren unınteressant werden da kann zuckerberg auch noch eınen kopfstand dazu machen wırd das nıchts brıngen !

es war eıne zeıt lang mode ın und lustıg er hat damıt eın vermögen gemacht und es wırd bıs ans ende seıner zeıt reıchen aber wıe erwaehnt das wars dann auch schon ! ın 5 jahren wırd den keıner mehr kennen !


Re: facebook out !

Interpunktion kann hilfreich sein.... oder etwa in der Schule nix gelernt?

Bing…

Ich glaube, Google braucht sich nicht zu fürchten. Bing ist nur sehr bedingt brauchbar, und auch dieser Versuch von Microsoft, über die Hintertüre bzw. als Trittbrettfahrer von Facebook mehr Nutzer für seine Suchmaschine zu bekommen, wird nicht funktionieren.

4 0

facebook wir einfach unbrauchbar

schlimmer als die geheimdienste

Zockerberg

lässt nichts unversucht,um an möglichst viele Daten seiner Schafe zu kommen

Google hat die besseren Ingenieure

und die besseren Mathematiker. Vor allem die besseren Mathematiker.

Ich bezweifle, dass FB hier schnell aufholen können wird.

Mag sein,

aber IMHO wird "social" als Signal sowieso überschätzt.

Im Prinzip hat Google das mit "search plus your world" auch schon, aber die tatsächlichen Ergebnisse sind nicht so berauschend - ich denke, das wird bei facebook nicht viel anders sein.

Wenn man als Antwort auf die Suche nach "Pizza" dann die Pizzeria sieht, die irgendein "Freund" für ein Freigetränk "geliked" hat ist der Gewinn für den Nutzer endenwollend.


Re: Mag sein,

Das ist bereits alles in der normalen Google Suche integriert.

Es geht allerdings auch nicht um Likes, sondern um Äußerungen in Statusmeldungen, Kommentaren, etc. und Surf-Verhalten. Durch die Like-Buttons die überall integriert wird, tracked FB einen sowieso immer - egal ob eingelogged oder nicht.

Google macht es über die angeklickten Links im Suchergebnis und allen Daten die über sonstige Google-Services laufen ähnlich.

Ist schon klar, daß das Ganze komplizierter ist,

aber ich halte schon die Grundannahme, daß die Interessen von mir und meinem Freunden ähnlich sind für falsch.

Gerade Facebook, das ja eher ein Kumpel- als ein Interessensnetzwerk ist, hat da keine allzu aussagekräftigen Signale.

Re: Ist schon klar, daß das Ganze komplizierter ist,

Es geht auch nicht darum was ihre Freunde liken sondern in welchem Kontext Sie was schreiben.

Da ist schon weit mehr dahinter.

12 7

man kann ...

es sich dann zwischen Pest und Krebs entscheiden.
Beide Unternehmen verdienen ihr Geld nur durch Datenverkauf ihrer User.

Und?

Wie sollen sie sonst Geld verdienen?

Pro Suchanfrage?
Staatliche Förderung?

Ist doch ideal, so wie es ist - beide Seiten profitieren.

Sie sind verblendet!

Den Datenschutz vor den Grundrechten zu stellen, ist den Menschen von Google und Co wohl gelungen.

Natürlich wollen auch die Google Jünger ihr Geld.
Wie wärs mit normalen Werbeeinschaltungen, so wie unzählige andere Unternehmen auch, die nicht gegen nationale Datenschutzrichtlinien verstoßen!

OMG, welche Daten denn?

Welche ach so geheimen Daten werden denn da "missbraucht"?

Nichts, was die Nutzer nicht freiwillig hergeben. So, what?

Mit Grundrechten hat das rein gar nichts zu tun, diese binden überdies nur Staaten, nicht Unternehmen, zu denen die Geschäftsbeziehung eines Bürgers freiwilliger Natur ist.

Was glaubst Du denn, was Facebook und Google mit Deinen Daten machen?
Ausdrucken und im Rahmen schwarzer Messen auswendig lernen?

Im Endeffekt zeigen sie Dir einfach Werbung, zum Teil darauf beruhend, was Du ihnen zuvor an Information übermittelt hast. Was sollte daran schlecht sein?

Als Inhaber 2ter Zähne interessiert mich zB keine Werbung von Kukident - was spricht dagegen, mir diese nicht zu zeigen?

Re: OMG, welche Daten denn?

Zb koennte man die daten an versicherer verkaufen

Wer zb haeufig nach Best. Begriffen sucht zahlt mehr praemie

Ohne dass er je erfaehrt warum genau und auch ohne dass es einen direkten causalen zusammenhang geben muss....

Nur so ein beispiel

Re: OMG, welche Daten denn?

Die Vernetzung ist das Problem. Die Vernetzung und die automatische Verarbeitung dieser Daten.

Eine Fülle noch gar nicht abzusehender Profile (Bewegungsprofile, Konsumprofile, Beziehungsprofile, Profile bzgl. der sexuellen Ausrichtung, etc.) können daraus erstellt werden.

Das einzelne Datum zählt nichts. Aber in der Summe weiß Google sehr, sehr viel über jeden Benutzer - weit mehr als dieser z.B. seiner Mutter je erzählen würde.

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