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Österreich als Ziel von Cyber-Attacken

10.07.2011 | 16:32 |  von Andreas Wetz (Die Presse)

Der Verfassungsschutz spricht von „mehreren ernsten Internet-Angriffen“ auf die Republik. Auch Firmen und Private sind vermehrt unter Beschuss. Ein nationaler Verteidigungsplan ist in Ausarbeitung.

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Die Liste der Opfer von Internet-Attacken wird täglich länger. Auf ihr stehen prominente Namen. Zuletzt im Visier: der US-Senat, CIA, Zoll und Bundespolizei in Deutschland sowie die britische Sonderbehörde zum Kampf gegen organisierte Kriminalität (SOCA). Nun muss man die Republik Österreich hinzufügen. Angriffe, wie sie zuletzt gegen Webseiten von SPÖ und FPÖ gefahren wurden, sind dagegen harmlos.

Wie „Die Presse“ erfuhr, ist im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) 2010 ein Fall dokumentiert, von dem auch andere europäische Länder betroffen waren. Mit großem Aufwand sollen Täter Informationen gestohlen haben. Nach Kontaktaufnahme mit ausländischen Nachrichtendiensten stellte sich heraus, dass die Hacker auch dort in staatliche Systeme eingedrungen waren. Sowohl über den Inhalt der gestohlenen Informationen als auch über den Ursprung der Angriffe schweigt sich das Amt aus.

Starke Zuwächse der Taten

Bereits im Herbst hat „Die Presse“ einen anderen Angriff auf das Außenamt veröffentlicht. Auf beide Fälle angesprochen, sagt BVT-Direktor Peter Gridling heute: „Es gab in den letzten Jahren mehrere ernst zu nehmende Angriffe auf Ziele in Österreich.“ Einzelfälle will er nicht kommentieren, aber: „Es werden nicht weniger.“

Die Fallzahlen hält das BVT genauso geheim wie das Abwehramt, das als Nachrichtendienst des Heeres für den militärischen Teil der nationalen Cyber-Security zuständig ist. Beide Behörden sind in Österreich für den Schutz von Bundeseinrichtungen, kritischer Infrastruktur und Unternehmen von staatlichem Interesse (z. B. Technologieträger) verantwortlich.

Eine Ahnung davon, wie die zahlenmäßige Entwicklung der Internet-Angriffe auf Österreich aussehen könnte, gibt die Statistik des Bundeskriminalamts (BK), das für klassische Cyber-Kriminalität zuständig ist. Seit 2002 haben sich die Fallzahlen beim Internetbetrug versechsfacht (2010: 4450 Anzeigen). Echtes Hacking, also Einbrüche in Computer, wurde im Vorjahr 149-mal registriert. Viermal so oft wie 2009. „Und dieser Sektor wächst logarithmisch weiter“, sagt BK-Ermittler Ernst Österreicher, der das Referat für Netzwerkkriminalität leitet. Dabei werden viele Fälle nicht gemeldet, weil Betroffene entweder die Sicherheitslücken ihrer technischen Infrastruktur geheim halten oder Nachahmungstaten verhindern wollen.

Staatliches Chaos für 10 Mio. Euro

Derzeit ist Erpressung von Onlinewettanbietern in Mode. Das funktioniert so: Ein paar Tage vor einem großen Sportevent machen die Täter das Portal des Anbieters mithilfe unzähliger automatisierter Seitenaufrufe (sogenannter Distributed-Denial-of-Service-Attacke, auch DDoS) für Wettkunden unerreichbar. Damit wird demonstriert, dass man die Geschäftsgrundlage des Unternehmens zerstören kann. Gegen ein Schutzgeld können die Betreiber verhindern, dass die nächste Attacke ausgerechnet während der umsatzträchtigen Großveranstaltung (z. B. des Champions-League-Finales) stattfindet.

Die Gefahren für einen Staat sind größer. „Koordinierte Angriffe wären geeignet, ein Land nicht nur für Stunden, sondern für lange Zeit lahmzulegen“, schrieb Walter Unger, Leiter der Abteilung für elektronische Abwehr im Abwehramt, schon 2009 in der Österreichischen Militärischen Zeitschrift. Ähnliches geschah in Estland und Georgien, wo Hacker die Kommunikationsinfrastruktur unter Feuer nahmen. Ganze Teile des Internets gingen offline, die Regierungskommunikation war unterbrochen.

Laut Unger ist ein solches Szenario auch für Österreich denkbar. Besonders effektiv wäre ein gleichzeitiger Angriff auf die Steuerzentralen der Stromversorger, die Steuerrechner der Telekom-Provider, Internet-Knoten, ORF, Innenministerium und Notfallorganisationen. Kämen ein paar zerstörte Glasfaserleitungen und ein Feuer im Telekom-Rechenzentrum hinzu, stünde das Land still. Kosten und Vorbereitungszeit für den Angreifer wären vergleichsweise gering. Das Abwehramt rechnet mit zehn Mio. Euro, zwei Jahre Arbeitszeit für die Programmierer von Schadsoftware (Viren, Trojaner etc.) inklusive – ein Bruchteil dessen, was ein konventioneller Angriff kosten würde.

Die Investitionen im Feld Cyber-Sicherheit und Cyber-Kriminalität waren hierzulande bisher vergleichsweise bescheiden. Gerade zwölf Personen sind seit 2002 im BK auf dem Sektor tätig. Die nötige Spezialsoftware ist teuer. Das einschlägige Programm „Encase“ kostet pro Arbeitsplatz 3000 Euro, Schulungen weitere 24.000. Auch der Schutz kritischer Infrastruktur liegt in den Händen weniger BVT-Beamter. Nur ein Bruchteil der 500 Beamten (einstelliger Prozentbereich) gilt im IT-Bereich als hoch qualifiziert. Ein „Missverhältnis, das nicht nur durch Schulung behoben werden kann“, meint BVT-Direktor Gridling.

Das wird sich ändern. Immer mehr Staaten – darunter Österreich – erkennen ihre Defizite. Helfen sollen internationale Vernetzung und der Austausch von Know-how. Vor wenigen Tagen vereinbarte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner mit US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano intensiveren Wissensaustausch, von dem das neue Cybercrime-Kompetenzzentrum des Bundes profitieren soll. Und: Im Rahmen der neuen Sicherheitsdoktrin plant die Republik derzeit gerade eine eigene Strategie zum Thema Cyber-Sicherheit. Auftakt dazu soll eine internationale Expertenkonferenz sein, die im September stattfinden wird.

Auf einen Blick
Cyber-Attacken. Nahezu täglich registrieren Österreichs Regierungsstellen kleinere Angriffe auf IT-Systeme des Bundes. Größere Angriffe sind aus dem Vorjahr bekannt. Die neue Sicherheitsstrategie soll das in der Wahrnehmung vieler Behörden eher vernachlässigte Feld der Cyber-Security zum Bestandteil der Landesverteidigung machen. Einen exakten Zeitplan gibt es noch nicht. Start soll eine Expertenkonferenz im September sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2011)

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45 Kommentare
 
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Gast: Wilhelm Rollmann
27.07.2011 18:10
0 0

Skriptkiddies

Lieber Herr Schumacher!

Ich würde mit "Skriptkiddies welche nur Programme benutzen welche sie nicht verstehen" den Mund nicht allzuvoll nehmen. In unserer Gemeinschaft gibst es natürlich auch solche, jedoch auch welche, die ihre Arbeit um einiges besser verstehen als so mancher Sicherheitsbeauftragter, wie es in den letzten Wochen gezeigt wurde.

Datenbanken wurden auch in den vergangenen Jahren gehackt, blos der Schritt zur Veröffentlichung fällt in Zeiten der Korruption und des Machtmissbrauchs etwas leichter.

Ich darf Ihnen heute schon versprechen, dass dies erst der Anfang einer Welle ist, wenn auf politischer Ebene nichts passiert.

mit Grüßen

Wilhelm Rollmann


Gast: Auszahlung
11.07.2011 10:51
0 0

*Cyberattacke* eines der geflügelten Wörter des Propaganda-Apparates für die nahe Zunkunft..

Ja wir brauchen viel mehr anti-Terror Gesetze im Verfassungsrang.

Viel Umverteilung von Steuermitteln in die Schaffung von Institutionen gegen die pöse Terrorgefahr die täglich für jeden zu spüren ist in jeglichster Form. Jetzo auch im cyber-space!

Mit unseren technischen stand of the art Kampfflugzeugen können wir Großraumflugzeuge vom Himmel pusten welche mit täglicher Gefahr unsere Bundeshauptstadt samt Kulturerbe und extrem gefärdeten Gebäuden bedrohen.

Da der Terror ja natürlich nicht nur in den Datenleitungen sein geheimes Spiel treibt, muss grundsätzlich völlig logisch jeder Bürger in seinen Rechten eingeschränkt werden.
Denn heute, nach der Epoche des kalten Krieges, ist das Zeitalter des Terrors (wieder) eingekehrt, und exakt wie zur vorigen Epoche, schafft Politik und deren Propagandamaschine die Manifestierung der über allem schwebenden Bedeutung der Gefahr über die tägliche Gefahr für unsere Gesellschaft.

Aber es stimmt ja völlig richtig, die Liste der Terroranschläge in Österreich ist in den letzten 10 Jahren beständig gewachsen, noch immer kommt es zu unaufhaltsamen Kettenreaktionen in unseren Atomkraftwerken die der pöse Terror angriff, und die zerbomten ground-zeros in Stenzels Hochburg rauchen in den Sommerhimmel.

Ja, und ganz klar auch hat es sowas wie "Hacker" nicht auch schon vor 30 Jahren gegeben, die sind jetzt alle aus Erdlöchern entsprungen und sind Terroristen geworden, alle verschwört zusammen um unser Kulturgut und Existenz zu gefährden!

Ein erbärmliches Statment über unser Dasein dieses Thema, alle mal kräftig fremdschämen da wir nix gegen Verdum*ung und Vereinfälltigung unternehmen.


Gast: Fidel Gastro
11.07.2011 10:06
0 0

Ich muss zugeben,

... dass ich es noch nicht geschafft habe, die Klospülung des Bundespräsidenten über IPv6 zu hacken. Die scheint mit einer militärischen Firewall geschützt zu sein ...

;-)

Lupus.67
11.07.2011 09:16
0 0

na so was

also da bewertet einer, der davon lebt, einfch so aus dem bauch heraus, dass mit internetkriminalität mehr geld gemacht wird als mit drogen- und waffenschmuggel? naja, um selber mehr fördergeld abzucashen ist ja jedes mittel recht. kommt immer halt auf die bewertung an.

und um neue, noch schärfere und bürgerfeindlichere gesetze einzuführen ist ja auch jedes mittel recht (v.A. wenn genau diese "berater" dabei auch wieder cashen).

politiker haben sowieso von sehr wenig eine ahnung, also wieso sollten sie hier kompetent sein. täglich beweisen sie doch, dass sie völlig abhängig von lobbyisten sind, und nur kompetenz für ihre schmale klientel und ihre eigene geldbörse besitzen.

Gast: dojon86
11.07.2011 08:32
1 1

Erinnerung

Erinnert mich an die Panikmache anläßlich des Y2K-Bug. Auch damals haben sich etliche Firmen eine goldene Nase verdient.

Imperator
11.07.2011 08:31
0 1

Sommerloch.


ELGA- was nun?

Der Super-Supergau: von Millionen Oesterreichern koennten alle Gesundheitsdaten veroeffentlicht werden. Jeder Oesterreicher waere 'supernackt'.
Durch ELGA.
Dieses Risiko koennen wir nicht eingehen.

Gast: Dildo
11.07.2011 07:23
0 1

wa fehlt ist die passende judikatur!!!

es gibt länder wo mittlerweile cyber-crime gleich mindestens 25 jahre häfn bringt... also lassen die hacker die hände davon!
österreich und die meisten EU länder bieten alles was das cyber-herz begehrt!!!

da hilft nur eines: den stecker ziehen und zurück zum alten telefon und fax gerät!

Gast: olligast
11.07.2011 06:59
1 0

Endlich

ist Österreich auch dabei - ich dachte schon wir versinken in der Bedeutungslosigkeit!

Gast: Servus Österreich
11.07.2011 04:19
1 1

Panikmache

... wie in den USA... haha

Gibt es nichts zu berichten, dann schüren wir Angst und Panik!!!

Als nächstes werden wir lesen, dass ein großer "Hackerangriff" noch rechtzeitig verhindert werden konnte...^^

Gast: FritzOn
10.07.2011 23:42
3 0

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner

Frage mich, wo die Komptenz der Frau Innenminister für ihr Ressort liegt. Da wundert es mich auch nicht, wenn völliges Chaos bzw. Ratlosigkeit herrscht.

Antworten AUG A3 SF
11.07.2011 07:37
0 0

Re: Innenministerin Johanna Mikl-Leitner

ihre einzige kompetenz liegt in der unterrichtung ihres arbeitstages an den Erwin !

2 0

Wollt ihr die totale Überwachung?

Nein!
Wurscht! Sie kommt trotzdem.

Gast: An0n
10.07.2011 22:55
0 1

Naja

Tolle "Experten" habt ihr da...

"Rädelsführer der Anonymousgruppe festgenommen"

Anonymous ist keine Gruppe und hat deswegen auch keine Struktur, es gibt keine festen Führer/Mitglieder/....

ausserdem gibt es tatsächlich eher wenige Scriptkiddies.....

Gast: Alpinator
10.07.2011 21:59
2 0

Open house

Mich kotzt die offenbare Schutzlosigkeit im IT Umfeld gewaltig an. Wieso machen die Staaten keine schärferen Gesetze. Die Datenüberträger und Softwareschmieden müssen haftbar gemacht werden für knackbare Software. Es kann doch wohl nicht sein, dass bei der Übertragung des F players das Antivirusprogramm zvor abzuschalten ist etc.etc. . Jeder Computeruser am Netz muß zwangsweise offen wie ein Scheunentor sein, sonst kann er das Graffel gleich wegschmeissen. Das ist gezielte Begünstigung von Strafdaten.

Antworten Wrdlbrmpft
11.07.2011 09:01
0 0

"...Strafdaten."

Sie haben in der Dat rechd!

Gast: ezekiel
10.07.2011 21:53
0 0

...

Mir schwant boeses. Die Leute die uns IMSI-Catcher als "Tourengeherwiederfindungsmaschinen" verkaufen wollten, haben es jetzt auf dass Internet abgesehen!

Gast: barra
10.07.2011 21:52
0 0

ah, jetzt probieren sie es so,

weil sich vor den selbstmordterroristen niemand so richtig fürchten will.

ist außerdem einfacher, weil ja alles streng geheim ist...

Gast: opolis
10.07.2011 20:50
0 0

gratis sicheres email ....

... gibts auch mit österreichischer technologie - jeder kann sich bei www.opolis.eu anmelden: emails werden nicht nur verschlüsselt übertragen, sondern der absender entscheidet, ob und wie der empfänger eine nachricht weiter verarbeiten kann / darf!

Gast: Sinus
10.07.2011 20:38
2 0

Das sind die Vorboten

einer Internetzensur !

taxxan
10.07.2011 20:24
0 0

fein ist eine gute idee


ich denke mal österr. behörden haben es gar nicht mitbekommen....

Gast: killerbyte
10.07.2011 20:04
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Cyber Terroristen??? :-O

Also ganz ehrlich, ich hab keine Angst.

Gast: gast gast
10.07.2011 19:45
1 1

soll die überwachung wieder mal erweitert werden


muleo
10.07.2011 19:40
2 0

The Anarchists Cookbook für Anfänger

"Besonders effektiv wäre ein gleichzeitiger Angriff auf die Steuerzentralen der Stromversorger, die Steuerrechner der Telekom-Provider, Internet-Knoten, ORF, Innenministerium und Notfallorganisationen. Kämen ein paar zerstörte Glasfaserleitungen und ein Feuer im Telekom-Rechenzentrum hinzu, stünde das Land still."

Schön - so plaudert man auch die Schwachstellen aus - wie der deutsche Chemie-Prof., der gemeint hat, man würde mit Thermitgemisch im vorderen linken Teil einer Boeing 747 ordentlich was anstellen können.

Antworten pirat
10.07.2011 20:42
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Re: The Anarchists Cookbook für Anfänger

1. war das kein Deutscher sondern ein Österreichischer Wissenschaftler; Der Deutsche Innensenator hatte nur keinen Humor. Und wie man Thermit mischt, lernt man wohl hoffentlich noch in der Unterstufe.

2. ist keine Anlage mit dem Internet verbunden, die von irgendeiner Bedeutung ist. Ob Pumpwerk oder Kraftwerk. Die wurden alle schon vernetzt, bevor es Internet in Österreich gab und etliche kleine Messtechnik-Buden verdienen sich goldene Nasen mit ihren verschiedenen Fernwartungslösungen.

Die Aussage ist also reine Panikmache zur Vorbereitung für neue Überwachungsgesetze. Sollte es tatsächlich in Einzelfällen möglich sein, kritische Steuerungssysteme zu hacken, dann frage ich mich, wo unsere tollen HNA und BVT Leute damals waren, als die Anlagen spezifiziert und abgenommen wurden.

Antworten Antworten muleo
10.07.2011 21:08
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Re: Re: The Anarchists Cookbook für Anfänger

Ad Punkt 1: Stimmt - Mir ist erst später eingefallen, dass er ja sogar bei Dorfers Donnerstalk experimentierte

Ad Punkt 2: Das bezweifle ich. Es hängt genug am WWW, was man in irgendeiner Form sabotieren und erheblichen Schaden mitsich ziehen könnte.

 
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