Letzte Hürde weg: 3 übernimmt Orange

Durch das grüne Licht der Wettbewerbshüter kann die Fusion abgeschlossen werden. Österreich wird dann nur noch drei Mobilfunker haben. 3 will demnächst Details nennen, wie es für Orange-Kunden weitergeht.

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Letzte Hürde weg: 3 übernimmt Orange – (c) APA/HELMUT FOHRINGER

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und der Bundeskartellanwalt haben sich dazu entschieden, den Verkauf von Yesss an A1 nicht zu verhindern. Damit ist der Weg frei für die komplette Übernahme des drittgrößten heimischen Mobilfunkers Orange durch den kleineren Konkurrenten 3. Denn dieser Deal im Wert von 1,3 Milliarden Euro stand von Anfang an unter der Bedingung, dass die Orange-Diskontmarke Yesss zusammen mit Frequenzen und der alten Marke "One" an den Marktführer A1 für 390 Millionen Euro weiterverkauft wird. Nachdem alle anderen Kontrollinstanzen grünes Licht für die Orange-Übernahme gegeben hatten, waren BWB und Kartellanwalt unter Zugzwang.

Rekurs "nicht mit Aussicht auf Erfolg"

Im Vorfeld hatte es widersprüchliche Aussagen rund um die Behörde gegeben. Die BWB selbst hatte das Kartellgericht um eine Entscheidung bezüglich des Yesss/A1-Deals gebeten. Dieses hatte auf Basis eines Gutachtens keine negativen Auswirkungen auf die Konsumenten sehen können. Bis 27. Dezember hätte die Behörde noch Rekurs anmelden können. Das wurde aber nicht deshalb unterlassen, weil die Wettbewerbshüter den Deal gutheißen. Die Entscheidung des Kartellgerichts "ist zwar mangelhaft, jedoch vor dem Kartellobergericht (OGH) nicht mit Aussicht auf Erfolg bekämpfbar", begründete die BWB, warum man letztlich das Handtuch warf. Der Kartellanwalt war etwas ausführlicher. Weil die EU, das Kartellgericht und die Telekom Control Kommission alle der Übernahme zugestimmt hatten, gelte "die Kohärenz mit den Verfahrensergebnissen anderer befasster Behörden"

Die BWB sieht weiterhin Tatsachenmängel, diese seien aber mit den verfügbaren Mitteln nicht bekämpfbar. Für die Behörde ist das "eine wesentliche Unzulänglichkeit des Kartellgesetzes", erklärte die BWB. Angeblich soll es zu Drohungen gegenüber der Wettbewerbshüter bekommen sein, wenn sie das Verfahren verzögert hätten. Ein BWB-Sprecher wurde mit entsprechenden Aussagen im "Wirtschaftsblatt" zitiert. Wenig später dementierte die Behörde selbst, dass es solche Einschüchterungsversuche gegeben hätte.

Hin und Her seit zehn Monaten

3 hatte im Februar 2012 die Kaufabsicht bekannt gegeben. Ab dem Zeitpunkt prüften die EU-Wettbewerbskommission und die BWB, ob dadurch negative Auswirkungen für österreichische Konsumenten entstehen könnten. Ursprünglich hatten die beteiligten Unternehmen gehofft, bis Sommer eine Entscheidung auf dem Tisch zu haben. Allerdings prüfte nicht nur die heimische Behörde intensiver. Auch die EU ließ sich bis Mitte Dezember Zeit, um den Deal unter Auflagen zu genehmigen. So sagte 3 etwa zu, sein Netz virtuellen Anbietern (MVNO) zur Verfügung zu stellen. Einer dieser Provider wird UPC sein.

Dass die BWB nicht so leicht zu überzeugen ist, merkte auch Canning Fok, Managing Director des 3-Mutterkonzerns Hutchison Whampoa. Fok war am 14. Dezember in Wien und sagte nach einem Treffen mit den Wettbewerbshütern zu Journalisten: "Sie haben eine gute Behörde für Konsumenten in Österreich." Es wird vermutet, dass die BWB weitere Zugeständnisse von dem Anbieter haben wollte. Gerüchten zufolge könnte das die Servicepauschale betreffen, die alle Mobilfunker 2011 eingeführt haben und die der Behörde ein Dorn im Auge ist. Mit dieser Pauschale verlangen die Betreiber von ihren Kunden für "Serviceleistungen" ein zusätzliches Entgelt, meist in Höhe von rund 20 Euro im Jahr. Dieses wird aber in den angepriesenen Monatsgebühren für Verträge nur versteckt angeführt.

0699er-Nummern bleiben erhalten

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(c) APA
Mehrere Dinge werden demnächst geschehen. 3 will sofort nach dem offiziellen Abschluss des Deals (Closing) Informationen veröffentlichen, wie es weitergehen wird. Das soll noch im Jänner geschehen. Bestehende Orange-Verträge werden vorerst nicht angetastet, versprach Firmenchef Jan Trionow schon im Vorfeld. Es werde aber "attraktive Angebote" geben, um die Kunden zu aktuellen 3-Verträgen zu locken. Alle Rufnummern mit der Vorwahl 0699 bleiben "selbstverständlich" erhalten, versichert Trionow. Bis sich das dann gemeinsame Netz bemerkbar macht, wird auch noch einige Zeit vergehen. "In den nächsten Monaten ändert sich für Orange-Kunden einmal nichts", heißt es bei 3. Um den Betriebsübergang so reibungslos wie möglich zu gestalten wird die gesamte 3-Belegschaft vom jetzigen Büro im Wiener Gasometer in den Orange-Bürokomplex in Wien-Floridsdorf übersiedeln.

Weg frei für Frequenzvergabe

Die erfolgreiche Orange-Übernahme bedeutet nun auch grünes Licht für die Neuvergabe der Handy-Frequenzen. Der Telekom-Regulator RTR wartet bereits seit über einem Jahr mit der Ausschreibung, da aufgrund der ungelösten Situation zwischen den Firmen und den Behörden eine Versteigerung bisher keinen Sinn gemacht hätte. Im Zuge dieser werden die freigewordenen alten TV-Frequenzen (auch Digitale Dividende genannt) versteigert. Außerdem soll es zu einer Öffnung der vorhandenen GSM-Frequenzen für andere Funktechnologien geben, etwa UMTS (3G) oder LTE (4G). Dieses sogenannte Refarming würde den Ausbau des immer wichtigeren Datenfunks in Österreich beschleunigen. Andere Länder haben hier das ehemalige Vorzeigeland im Mobilfunk schon längst überholt.

LTE landesweit in zwei Jahren

Genau das will 3-Chef Trionow nun ändern. In einer Aussendung versprach er, hierzulande "in den nächsten beiden Jahren eines der besten LTE-Netze der Welt zu errichten". Davon würde auch der Wirtschaftsstandort Österreich profitieren. Wie zu erwarten zeigte sich Trionow über die Entscheidung der BWB und des Kartellanwalts "sehr erfreut". Mit der Übernahme von Orange steigt der Marktanteil von 3 von 11,29 auf 23,11 Prozent. Insgesamt wird das Unternehmen abzüglich Yesss mehr als drei Millionen Kunden verzeichnen. Der Marktführer A1 wiederum kann sich über ein Wachstum von rund 40 auf mehr als 45,68 Prozent freuen. Vorausgesetzt, keiner der 740.000 Yesss-Kunden springt nach der Übernahme ab.

Warum Frequenzen wichtig sind >>>

LTE

"Long Term Evolution" ist ein neuer Standard für mobiles Breitband-Internet. LTE verspricht Download-Geschwindigkeiten von bis zu 300 Megabit pro Sekunde statt derzeit gängiger HSDPA-Raten von 3,6 Megabit pro Sekunde. In Österreich gab es bereits erste Testläufe. Der noch schnellere Nachfolger "LTE Advanced" wurde auch bereits in Ausicht gestellt.

(db)

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