Telekommunikation: Neue Mobilfunkfirma in Österreich?

24.04.2013 | 17:19 |  Von Hedi Schneid (Die Presse)

Der frühere Orange-Chef Michael Krammer bringt mit der Gründung eines Billiganbieters Bewegung in den ohnehin schon umkämpften heimischen Handymarkt. Derzeit werden das Geschäftsmodell und Vertriebskanäle geprüft.

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Wien. Zu Jahresende wurde „sein“ Unternehmen verkauft – der Mobilfunker Orange ging an Hutchison („3“). Orange-Chef Michael Krammer wurde damit arbeitslos, was allerdings keineswegs heißt, dass er untätig ist. Der Telekom-Profi, der sich mit der Beratungsfirma MDC3 selbstständig gemacht hat, plant nämlich schon die Rückkehr in die Mobilfunkbranche. Krammer will mit einem virtuellen Mobilfunkanbieter ohne eigene Netzinfrastruktur, einem sogenannten MVNO (Mobile Virtual Network Operator), den Markt bereichern. Damit könnte ein weiterer Billiganbieter entstehen.

„Natürlich schaue ich mir das an“, bestätigt Krammer im Gespräch mit der „Presse“ entsprechende Pläne. Noch sei nichts entschieden – das endgültige Go oder ein Stopp soll im Sommer erfolgen.

Krammer nützt eine einmalige Chance: Im Zuge des Verkaufs von Orange an Hutchison, der Ende des Vorjahres über die Bühne gegangen ist, hat die EU-Wettbewerbsbehörde den Chinesen etliche Auflagen erteilt. Eine wesentliche: Hutchison muss sein Netz „Untermietern“ ohne eigene Infrastruktur öffnen. Die EU sprach von bis zu 16 MVNOs, die Zugang erhalten sollen. Den ersten Vertrag hat Hutchison schon mit dem Kabelbetreiber UPC geschlossen.

„3“: „Attraktives Angebot“

„Das Angebot von Hutchison ist äußerst attraktiv“, sagt Krammer. Aber auch die anderen Netzbetreiber Telekom Austria (A1) und T-Mobile böten ähnlich gute Konditionen. Die Telekom hat allerdings im Zuge des Orange-Verkaufs deren Billigmarke Yesss! übernommen und mit „Bob“ eine eigene Diskontmarke. T-Mobile wiederum besitzt Tele.ring – wo Krammer einst Chef war.

Derzeit werden das Geschäftsmodell und Vertriebskanäle geprüft, erzählt Krammer. Wobei durchaus ein Online-Vertrieb ohne physischen Partner mit Geschäften infrage komme. Gerüchte, wonach der Computerfachmarkt DiTech Partner werden könnte, dementieren sowohl Krammer als auch DiTech-Gesellschafterin Aleksandra Izdebska.

Ins Geschäft könnte Krammer hingegen mit einer anderen österreichischen Firma und einem alten Bekannten aus der Telekomszene kommen: Die Mattersburger Hightechschmiede I-New, bei der Ex-Telekom-Austria-Boss Boris Nemsic Aktionär und Aufsichtsratspräsident ist, hat „MVNO in a MiniBox“ entwickelt – die komplette Technik in einem einzigen Gehäuse.

Österreich gilt im Mobilfunk als wettbewerbsintensivstes Land der EU. Seit Jahren sinken aufgrund der Marktsättigung und des Preiskampfes die Gewinnmargen. Der Tenor, den auch Krammer unterstützte, lautete daher: Drei Anbieter sind genug. Warum will es Krammer, der bei Tele.ring und bei Orange mit Billigtarifen und Flat-rates den Preiskampf angeheizt hat, noch einmal wissen? „Drei Mobilfunker reichen tatsächlich – mit eigenem Netz. Diese Situation haben wir nun infolge der Orange-Übernahme“, erklärt er. „Eine gute Geschäftsidee zieht aber immer – das kann sich rechnen.“

Unter zehn Millionen Euro

Die Kosten dürften sich – je nach Marketingaufwand – im einstelligen Millionenbereich einpendeln. Ein „echter“ MVNO braucht sehr wohl Infrastruktur – ein sogenanntes Kernnetz. Dieses wird mit rund drei Mio. Euro veranschlagt.

Nach dieser Definition gibt es derzeit nur einen MVNO, die Vectone Mobile, die günstige Auslandsgespräche über Wertkartenhandys anbietet. Andere Firmen sind streng genommen Serviceprovider bzw. Wiederverkäufer.

Auch bei I-New ist man überzeugt, dass sich ein virtueller Mobilfunker schon ab 10.000 Kunden rechnet. Die EU habe (bei den Auflagen für Hutchison) ein Preisniveau vorgegeben, das Profitabilität ermögliche, sagte Nemsic bei der Präsentation der MiniBox im Februar. Das Modell müsse nur entsprechend schlau angelegt sein, meinte er. Bei einem MVNO gehe es ja nicht nur darum, billige Telefonminuten zu verkaufen, sondern Kundeninteressen mit einem Handyservice zu verbinden. Als Beispiel nennt I-New den britischen Handelskonzern Tesco: Wenn man dort einkauft, gibt man seine Handynummer an und wird registriert. So lässt sich daraus ableiten, wann der Kunde wo was kauft.

Auf einen Blick
Ex-Orange-Chef Michael Krammer prüft die Gründung eines Mobilfunkers ohne eigenes Netz (MVNO). Die Firma dürfte bei Hutchison andocken, die im Zuge der Orange-Übernahme von der EU die Auflage erhalten hat, „Untermieter“ an das Netz zu lassen. Die Konditionen seien äußerst attraktiv, sagt Krammer, der für die Firma gute Chancen sieht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2013)

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13 Kommentare
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Pedro`s back!

Viel Erfolg & lass Dir die Sache nicht krankjammern!

Die Geschäftsidee ist nicht neu!

Man braucht sich nur in Deutschland umsehen, welche MVNOs sich hier herumtreiben.
Verkauft wir unter anderem über Supermarkt Discounter wie Penny, Lidl und Aldi.

Wünsche Hrn. Krammer alles Gute und viel Erfolg!

Mit der Empfangs- und Servicequalität von Orange?

Wird ein Flop.

Re: Mit der Empfangs- und Servicequalität von Orange?

Keiner der Billiganbieter an ein Serviceangebot von nennenswerter Qualität.

Was die Empfangsqualität angeht: Haben Sie den Artikel nicht gelesen? Es handelt sich um einen "virtuellen" Netzbetreiber im Netz von "3" oder "A1".

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Re: Re: Mit der Empfangs- und Servicequalität von Orange?

Das kann man ganz so nicht im Raum stehen lassen, klar wenn man bei bob zb. sofortigen Service will muss man 1,09 Eur bei der Hotline zahlen kommt aber meist sofort durch und wird zügig und kompetent behandelt. Per Mail dauert das ganze auch nicht viel länger und ist kostenlos, neue Simkarte war bei mir zb. gratis und das ganze für 9,9 Euro pro Monat mit sehr gutem A1 Netz.
Also hier hat sich echt fast alles in Österreich stark gebessert wenn ich denke dass so 2002-2007 fast jeden 2ten Monat eine 80 Euro Handyrechnung ins Haus geflattert ist für viel weniger Leistung als heutzutage. Bei Yess ist der Service noch besser dank gratis Hotline. Klar bei diesen Anbietern kann sich die Omi nicht in einen Shop begeben wenn sie jeden 2ten tag ein Problem mit dem Handy hat da haben sie allerdings recht.

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Re: Re: Re: Mit der Empfangs- und Servicequalität von Orange?

yesss hat keine gratishotline.
zumindest bei der wertkarte ohne anmeldung ist das so.

lasst mich rechnen

1) ein unternehmen A vermietet seine infrastruktur gewinnbringend an andere mobilfunker (mvno) B
2) diese mobilfunker B generieren endkunden denen sie gewinnbringend tarife andrehen
3) A hat natürlich auch endkunden mit denen sie gewinne machen wollen

dh in allen fällen sind die endkunden (also wir) die idioten, die den unternehmen die nur abcashen wollen das geld in den rachen werfen.
das geht solange gut bis die handy hersteller draufkommen, dass die dummen betreiber für eine vernünftige kommunkiation gar nihct benötigt werden (WLANS und peer-to-peer kommunikation in ballungszentren)

in 10 jahren krachen die alle wie die kaisersemmeln.

Re: lasst mich rechnen

welche kaisersemmel kracht denn bitte?!?!? wechseln sie den bäcker!

Re: lasst mich rechnen

Mädl, du hast keine Ahnung.

Ist nix dagegen einzuwenden


krammer

eigentlich war alles, was der Krammer gemacht hat, immer irgendwie gut, hoffe, dass er da wieder ein konzept mit gutem service herausbringt. Service und Kundenzufriedenheit sind wohl schon die halbe Miete.

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Telefonanbieter

Neue Konkurenz ist immer gut,fuer die Komsumenten,es muss nur genutzt werden.

Re: Telefonanbieter

genau! wie bei den internetanbietern... am Schluss zahlt man bei allen drauf ;)

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