Internes Nokia-Memo: "Unsere Plattform brennt"

09.02.2011 | 09:40 |   (DiePresse.com)

Nokia-Chef Stephen Elop vergleicht sein Unternehmen mit einer brennenden Bohrinsel. Er deutet einen radikalen Kurswechsel an. Nokia hätte im "Krieg der Ökosysteme" zu lange die falschen Entscheidungen gefällt.

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Bei Nokia brennt der Hut. Wenige Tage, bevor Firmenchef Stephen Elop die neue Strategie präsentieren will, ist ein internes Memo an die Öffentlichkeit geraten. Darin schildert Elop die Geschichte eines Mannes, der sich von einer brennenden Bohrinsel ("oil platform") retten konnte, indem er in den eisigen Atlantik sprang. Auch Nokia würde sich derzeit auf einer "brennenden Plattform" befinden. Als Gründe nennt er Konkurrenten wie Apple, Googles Android und Billighersteller in China. Auf all diese Faktoren hätte Nokia nicht oder falsch reagiert, schreibt Elop. "Wir befinden uns Jahre hinter der Konkurrenz", schlussfolgert der Firmenchef. Das Wall Street Journal, Engadget, der Register und TechCrunch berichten von dem internen Papier.

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"Krieg der Ökosysteme"

Elop, der erst im September 2010 zum Nokia-Chef ernannt wurde, hat die vergangenen Monate genutzt, um sich ein Bild über die Probleme seines Unternehmens zu verschaffen. Er sieht einen "Krieg der Ökosysteme", bei dem nicht nur Hard- und Software eine Rolle spielen, sondern auch Entwickler, Anwendungen, Werbung und vieles mehr. "Apple kam 2007 mit dem iPhone heraus und wir haben noch immer kein Produkt, das an es herankommt", konstatiert Elop. Das Apple-Handy hätte das Spielfeld verändert, schreibt der Nokia-Chef. Statt dem etwas entgegenzusetzen, hätte Nokia noch mehr Benzin in sein eigenes Feuer geschüttet, schreibt Elop grimmig. Der Fehler sei gewesen, die Konkurrenz mit Geräten und nicht mit einem Ökosystem zu bekämpfen.

Wechsel zu Windows Phone 7?

Konkrete Gegenmaßnahmen nennt Elop nicht. Er deutet aber einen radikalen Kurswechsel an - den Sprung ins kalte Wasser. Analysten hatten im Vorfeld Nokia geraten, von Symbian zu Microsofts Handy-System Windows Phone 7 zu wechseln. Dass das von Nokia neu entwickelte MeeGo noch eine Chance hat, kann angesichts des Memos bezweifelt werden. Elop kritisiert die Entwicklungsgeschwindigkeit: "Wenn es so weitergeht, haben wir bis Ende 2011 vielleicht nur ein einziges MeeGo-Produkt auf dem Markt." Der Wechsel zu Microsoft wird auch vermutet, weil Elop einst für den Softwarekonzern tätig war.

(db)

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15 Kommentare
Gast: gast
11.02.2011 17:39
0

die aktie des herstellers

die aktie des herstellers gab um 10 prozent nach

http://derstandard.at/1297216091503/Heftige-Reaktion-Nokia-Aktien-stuerzen-um-gut-zehn-Prozent-ab

Antworten Gast: gast
11.02.2011 20:18
0

Re: die aktie des herstellers

Siehe Text: "die Aktie des Herstellers legte AM MITTWOCH um rund zwei Prozent zu."

am freitag dann minus, und zwar z.t über 14 %, und nicht 10

Ja, gute PISA-Ergebnisse...

...allein bringen's halt auch nicht im weltweiten Wettbewerb!

Gast: nebel
10.02.2011 21:46
0

webOS

vielleicht steigen sie ja gar auf webOS von HP um, das fände ich gescheit.

Nokia

Eine asoziale Firma sondergleichen.Und ich hoffe das solche Firmen vom Markt verschwinden..... .Ja in Rumänien ist es eh so billig und EU Milliarden habts auch bekommen-MEHRMALS.Ja ja die Gier!!

Und ein Klumpert !

Ökosystem ? Und Nokia lässt Kinder arbeiten-wissentlich.
Da gibts einen Beitrag d.heißt: Blutige Handys.

Re: Nokia

Und das iPhone wird schon in Europa produziert, oder das Samsung, oder das HTC?

Ich verstehe nicht, dass sich Leute beschweren, dass Nokia ins Ausland ging. Andere Handyhersteller waren dafür immer schon im Ausland und ließen in China ua produzieren.

Ich will Nokia nicht verteidigen, besitze selbst ein iPhone und sehe wie schlecht Nokia-Handies funktionieren, aber Kritik am Produktionsstandort ist etwas daneben gegriffen.

Re: Re: Nokia

Die haben auch keine EU Milliarden bekommen.Aber dafür waren Sie "sehr gut" bei den Kundenreklamationen und bei den Standortwechsel..............Nokia Like!!Die haben halt was übrig für die Kunden und Mitarbeiter!


Ich hab ja nicht die größten Finger

aber die feine, glatte, Tastatur zu bedienen verlangt schon etwas Geschick. Manchmal muss man halt doch eine Nr wählen, man wird ja nicht immer angerufen um per Headset abzuheben.

„Analysten haben geraten“ – soll heißen Finger weg.

Wenn er auf Win7P setzt gibt er dem Unternehmen den Todestoß

dann ist er zwar nächstes Jahr seinen Job los, aber MS wird es ihm schon danken.

Nokias Handys funktionieren wenigstens


Symbian mag veraltet sein, aber es funktioniert, Tag und Nacht, Jahraus, Jahrein.

Antworten Gast: TT1
09.02.2011 14:27
3

Re: Nokias Handys funktionieren wenigstens

Und wissen Sie was? IOS von Apple ist nicht veraltet und funktioniert genauso. Tag/Nacht/Jahrein-aus. Und dazu ist auch noch genial.

Re: Nokias Handys funktionieren wenigstens

aber mehr schlecht als recht. So stürzt es häufig ab, ist träge und die Menüführung alles andere als intuitiv.

alles verschlafen ??

nokia hat im smartphone markt jetzt drei jahre lang geschlafen, klar dass ein kunde da etwas misstrauisch ist. aber wieso vermarktet das unternehmen jetzt ihr hochgelobtes "meego" nicht so wie es sich gehört? sollte es wirklich ein so innovatives system sein muss man es auch an die leute bringen.

Antworten Gast: sepp huber
09.02.2011 12:12
0

Re: alles verschlafen ??

Ich denke, Meego ist alles andere als fertig.

Antworten Antworten Gast: e
09.02.2011 12:57
0

Re: Re: alles verschlafen ??

weil es noch immer nicht fertig ist, (Vermutlich ende 2011) und selbst hat es nicht den gleichen Standard wie Android, iOS oder Win Phone 7. (laut eines Berichtes von engadget.com)


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