Arbeitsmarkt: Lage entspannt sich

Die bessere Konjunktur lässt die Arbeitslosenquote sinken. Diese geht selbst bei Jugendlichen und Ausländern zurück. Nur wer über 50 ist, hat nichts vom Trend.

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Themenbild: Arbeitslosigkeit – (c) Clemens Fabry

Wien. Die Lage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt hat sich weiter entspannt. Wie das Sozialministerium gestern bekannt gab, waren Ende April einschließlich Schulungsteilnehmern 413.683 Menschen ohne Arbeit - um 2,6 Prozent bzw. 11.014 Personen weniger als vor einem Jahr. Rechnet man die Schulungsteilnehmer heraus, so waren zuletzt 337.923 Menschen als arbeitslos gemeldet - ein Rückgang um 4,5 Prozent.

Alle Bundesländer profitieren vom Trend. Überdurchschnittlich stark war der Rückgang in Tirol (-10,1 Prozent), der Steiermark (-9,4 Prozent) und im Burgenland (-8,5 Prozent). Niederösterreich (-1,2 Prozent) bildete mit Vorarlberg (2,1 Prozent) und Wien (2,5 Prozent) das Schlusslicht.

Für die nationale Arbeitslosenquote bedeutet das eine Verbesserung um 0,5 Prozentpunkte im Jahresabstand auf nunmehr 8,6 Prozent. Nach internationalen Maßstäben gemäß EU-Statistikamt Eurostat beträgt die jüngste verfügbare Quote (Februar) 5,7 Prozent, was Platz neun innerhalb der EU ergibt. Der EU-Durchschnitt liegt bei 8,0 Prozent.

 

Arbeitslose in Österreich im April
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Arbeitslose in Österreich im April
Arbeitslose in Österreich im April – Quelle: APA/AMS Grafik: "Die Presse"MGM

EU-Vergleich zeigt Luft nach oben

Gerade Österreichs Hauptwirtschaftspartner Deutschland liegt deutlich vor Österreich. Aber auch Tschechien und Ungarn mischen in der EU-Statistik ganz vorne mit. Tschechien (3,4 Prozent Arbeitslosenquote) führt vor Deutschland (3,9 Prozent). Deutschland erntet seit langem die Früchte der einschneidenden Arbeitsmarktreform unter dem wohlgemerkt roten Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

In Österreich bleiben Reformthemen im Bereich Arbeit heiße Eisen. Gerade vor dem gestrigen 1. Mai waren sie am Freitag wieder aufgepoppt. Arbeiterkammer und Gewerkschaft stemmten sich gegen die Pläne zur Arbeitszeitflexibilisierung, Vertreter aus der Wirtschaft verweisen darauf, dass es die Unternehmen sind, die Arbeit schaffen.

In Österreich zeige sich die Belebung der Wirtschaft vor allem an der deutlichen Zunahme der gemeldeten offenen Stellen um 41,1 Prozent auf 55.530, so das Sozialministerium gestern. Insgesamt waren Ende April 3.607.000 Menschen unselbstständig beschäftigt, um 64.000 mehr als vor einem Jahr. „Unsere Maßnahmen für die Betriebe wirken“, sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP).

Ins Auge springt, dass die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen (zwischen 15 und 24 Jahren) im April um 16,1 Prozent zurückgegangen ist. Die Zahl der Lehrstellensuchenden ist um 4,7 Prozent auf knapp 5000 gesunken, die gemeldeten offenen Stellen haben um 28,5 Prozent auf 4274 zugenommen.

 

Jeder vierte Arbeitslose über 50

Entgegen dem Gesamttrend verschärft hat sich jedoch die Situation für ältere Arbeitsuchende, deren Zahl um 4,9 Prozent auf 102.520 gestiegen ist. Somit war etwa jeder vierte Arbeitslose über 50 Jahre alt. „Was wir bei den Jugendlichen geschafft haben, können wir auch bei den älteren Arbeitsuchenden schaffen“, verwies Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) laut Aussendung auf die „Aktion 20.000“, mit der Langzeitarbeitslose ab 50 Jahren einen Job in gemeinnütziger Arbeit finden sollen. Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker jedoch nannte gestern diese Aktion sowie den Beschäftigungsbonus „eine planwirtschaftliche Umgestaltung des Arbeitsmarktes“, mit der man Reformen, besonders Qualifizierungsmaßnahmen, ersetzen wolle. „Für die Dauer von zwei Jahren werden hier Menschen mit sinnlosen Posten – ohne wirklichem Arbeitsbedarf – versorgt“.

Erstmals rückläufig war im April übrigens die Arbeitslosigkeit bei den Ausländern. Mit 99.626 liegt die Zahl um 2009 bzw. 2,0 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das ändert freilich wenig daran, dass Migranten deutlich seltener erwerbstätig sind als Österreicher, woran der Integrationsfonds im Vorfeld des 1. Mai erinnerte: Nur insgesamt 63 Prozent von Zuwanderern seien im Jahresschnitt 2015 erwerbstätig gewesen, bei Österreichern ohne Migrationshintergrund lag die Erwerbstätigenquote bei fast 74 Prozent. Gerade Frauen mit Wurzeln in der Türkei und in Ex-Jugoslawien seien wesentlich seltener erwerbstätig. Besonders hoch sei die Arbeitslosenquote unter Flüchtlingen. (ag./est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2017)

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