Fusion

RHI-Aktionäre wollen mehr Geld

Das Abfindungsangebot im Zuge der Übernahme der Magnesita von 26,50 Euro je Aktie wird gleich mehrfach angefochten. Magnesita sei angesichts der hohen Schulden zu teuer.

RHI-Boss Stefan Borgas muss Werbung für die Fusion machen.
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RHI-Boss Stefan Borgas muss Werbung für die Fusion machen.
RHI-Boss Stefan Borgas muss Werbung für die Fusion machen. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Beim Feuerfestkonzern RHI gibt es seit Monaten nur ein Thema: die Fusion mit der brasilianischen Magnesita. Die Kartellbehörden der USA, Brasiliens und der EU haben das Milliardenprojekt bereits unter Auflagen genehmigt, und in der Sonderhauptversammlung haben die Großaktionäre trotz Widerstands von Kleinanlegern den Plan durchgeboxt. Ab 1. November soll der neue Konzern RHI-Magnesita mit der Konzernholding in den Niederlanden und der Erstnotierung in London aktiv sein. In Wien ist nur ein Listing auf dem Dritten Markt vorgesehen.

Ganz widerstandslos wollen die Streubesitzaktionäre diese Änderungen nicht hinnehmen. Die Gelegenheit dazu bietet sich ihnen nun: Die grenzüberschreitende Fusion erfordert nämlich auch, dass die RHI den Aktionären ein Barabfindungsangebot macht. 26,50 Euro je Aktie, lautet das Angebot – und das halten viele Anleger aus mehreren Gründen für zu niedrig. „Ich gehe von gut zwei Dutzend Anträgen auf Überprüfung des Preises aus“, sagt der Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger, zur „Presse“. Auch der IVA habe einen entsprechenden Antrag eingebracht.

Rasinger geht es nicht nur um den Preis, der bei Weitem nicht dem Aktienkurs entspricht. Das RHI-Papier hat mit Fusionseuphorie ab März einen Höhenflug von 23 auf 34,15 Euro hingelegt. Danach ging es leicht hinunter, seit Mitte Juni pendelt der Kurs um 32 Euro. Am Donnerstag stieg der Kurs um 3,7 Prozent. Die Kursziele der Analysten von Kepler Cheuvreux (29 Euro), Erste Group (27 Euro) und vor allem der Baader-Helvea (40 Euro) liegen ebenfalls teilweise deutlich über dem Offert.
Rasinger ist vor allem der Meinung, dass die RHI allein deutlich besser performen würde. Angesichts des positiven Börseumfelds seien noch Kursgewinne möglich. Die Fusion stelle indes eine große Belastung dar, Magnesita habe hohe Schulden und sei zu teuer. Das Management selbst habe Synergien größeren Ausmaßes erst für das dritte Jahr nach der Fusion in Aussicht gestellt. „Ein Abfindungspreis von 35 Euro und darüber ist realistisch“, fordert Rasinger.

Die am Donnerstag vorgelegten Zahlen für das erste Halbjahr bestätigen die kritischen Aktionäre: Die Kosten für die bevorstehende Fusion haben den Gewinn ordentlich zerzaust. Bei einem Umsatzanstieg um 3,1 Prozent auf 855,8 Mio. Euro sank das operative Ergebnis (Ebit) um 16 Prozent auf 59 Mio. Euro. Der Nettoertrag fiel um 34 Prozent auf 25,7 Mio. Euro. Die externen Kosten im Zuge der Fusion werden mit 12,6 Mio. Euro beziffert.

 

Fusionskosten belasten

Damit ist es aber nicht getan. Auch im zweiten Halbjahr würden die Belastungen mindestens noch einmal so hoch sein, sagte RHI-Chef Stefan Borgas. Dennoch will er das operative Ergebnis im Gesamtjahr mindestens auf Vorjahresniveau bringen. Mit der Übernahme steigen auch die Schulden, zumal Magnesita rund 700 Mio. Euro Schulden mitbringt. Der Schuldenstand werde nach der Fusion für den gesamten Konzern knapp über einer Mrd. Euro liegen, sagte Borgas. Das Pro-forma-Ebitda werde 340 Mio. Euro betragen.

Einen Wunsch erfüllt das Unternehmen den Aktionären: Die beiden häufig kritisierten Ex-Politiker Alfred Gusenbauer und Hubert Gorbach werden dem neuen Aufsichtsrat nicht mehr angehören. Von den zwölf Vertretern sollen nur Aufsichtsratschef Herbert Cordt, David Schlaff (Sohn von Großaktionär Martin Schlaff), Stanislaus zu Sayn-Wittgenstein und Wolfgang Ruttenstorfer im Gremium bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2017)

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